Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Peter Kruse im Gespräch: Banken sind in der „Vertriebskrise“ – triviale Kundensegmentierung out

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US-Präsident Barack Obama setzt auf den „Anti-Banker-Effekt“, die Menschen seien frustriert und verärgert, steht heute auf Spiegel online zu lesen: 

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,673308,00.html

Peter Kruse ist Psychologe mit dem Schwerpunkt Komplexitätsverarbeitung in intelligenten Netzwerken. Er lehrt als Honorarprofessor an der Universität Bremen zum Thema kollektive Intelligenz und ist als Unternehmensberater tätig. Das Personalmagazin wählte ihn 2009 zum dritten Mal in Folge in die Liste der „40 führenden Köpfe im deutschen Personalwesen“.

Als Psychologe untersucht er insbesondere die Auswirkungen der Netzkultur auf die Gesellschaft, als Unternehmensberater entwickelt er innovative Selbstorganisationskonzepte für Mitarbeiter und Führungskräfte. In einer Studie für die Bertelsmann-Stiftung hat Peter Kruse durchaus brisante Aussagen skizziert – mehr dazu gibt es beispielsweise hier:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article5638918/Der-dramatische-Vertrauensverlust-der-Deutschen.html

Ein Auszug:

Selbst die soziale Marktwirtschaft wird längst nicht mehr so positiv gesehen wie früher“, sagte Meinungsforscher Peter Kruse, Leiter des Bremer Unternehmens Nextpractice, das die Studie erstellte. Es ist eine Studie mit beunruhigendem Ergebnis: Laut einer Umfrage für die Bertelsmann-Stiftung verlieren immer mehr Deutsche nach dem Krisenjahr 2009 ihr Vertrauen in die Politik. 70 Prozent der Befragten zählen weder auf die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft noch auf das Bildungssystem und das soziale Netz, wie die „Welt am Sonntag“ berichtete. Das Vertrauen sei damit auf das niedrigste Niveau seit dem Zweiten Weltkrieg gesunken. Fast jeder Zweite stelle die repräsentative Demokratie in Frage. „Selbst die soziale Marktwirtschaft wird längst nicht mehr so positiv gesehen wie früher“, sagt Meinungsforscher Peter Kruse.

Quelle: Spiegel online – http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,669104,00.html

Zur ganzen Studie der Bertelsmann-Stiftung geht es übrigens hier:

http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xbcr/SID-53DF9B33-68755DB9/bst/xcms_bst_dms_30530_30531_2.pdf 

Auch das Bankenrettungspaket sei kein Mittel zur Krisenbewältigung – warum?

„Hinter dem ganzen Frust wächst eine extreme Bereitschaft, sich zu beteiligen, aber nicht mehr auf den klassischen Wegen in den Parteien“, folgerte Kruse. Die Menschen suchten nach neuen Formen des Mitmachens. „Partizipation ist das große Thema der nächsten Jahre“, sagte er voraus. Eine neue Bewegung formiere sich: „Die wird noch stärker als die Ökologiebewegung der achtziger Jahre.“

Greifen wir diesen von dem Bremer Organisationspsychologen aufgeworfenen Spielball auf.

Im Gespräch hat Social Banking 2.0 nun nochmals nachgehakt, was denn die vorliegende Studie mit Blick auf den künftigen Stellenwert von Banken in Wirtschaft und Gesellschaft bedeuten könnte. Die Kernaussage des Organisationspychologen: Die herkömmliche Masche der Banken, nach ihrer Vertriebsdenke die einzelnen Kundengruppen zu segmentieren, funktioniere in Folge des Vertrauensverlustes nicht mehr.

Peter Kruse: „Das Transparenzbedürfnis stellt die Banken ebenso wie die Pharmaindustrie unter Druck, denn beide Bereiche – die Gesundheit und das Geld – betreffen den Menschen in seinen elementaren Grundlagen.“

Sofern Banken dem wachsenden Differenzierungsdruck nur mit leicht kopierbaren Produkten entgegen träten, gehörten sie zu jenem von der Vertrauenskrise massiv tangierten gesellschaftlichen Bereich, den der Kunde jetzt fortlaufend und kritisch unter die Lupe nähme.

Die von den Banken bislang inszenierten Schonräume gehörten somit der Vergangenheit an, so Kruse im Gespräch mit Social Banking 2.0 weiter: „Die Klimaanlage in den exklusiven Chefetagen ist ausgefallen und Hitze dringt ein“. 

Der Experte glaubt allerdings nicht an eine große Revolution aus der Mitte der Gesellschaft, die die Bankenfestung kurzfristig erschüttern könnte. Peer-to-Peer-basierte Modelle der Kreditvergabe und Geldanlage seien aus der sozialen Mittelschicht heraus kaum von durchschlagendem Erfolg gekrönt, um die Spielregeln grundlegend zu verändern -insbesondere auch, da deren Steuerung zwischen Rendite und Sicherheit ein komplexes Unterfangen darstelle

(Anmerkung: Das erklärt vielleicht auch, warum die „German Angst“ 18 Mal pro Jahr zum Arzt rennt, während die Skandinavier das nur einmal tun).  

Dagegen seien Partizipation und Transparenz die zentralen Kriterien, so Peter Kruse weiter, die auch die Bankenwelt zunehmend erfasse, wobei dem Internet eine zentrale Rolle als „Resonanzkörper“ zukomme. Im Klartext: Jener Teil der mündigen Bürger werde sich aktiv einmischen und einbringen, und (gerade über das Netz) mehr direkte Demokratie erproben und einfordern, auf welche Weise auch immer.    

> Wer nochmal anschauen möchte, worin die „Vertriebskrise“ von Banken 1.0 besteht, und in welche Richtung ein Lösungsansatz gehen müsste, dem seien nochmals mehrere Einträge auf diesem Weblog Social Banking 2.0 empfohlen:

Corporate Social Media: Wohin geht die Reise zum Mittelpunkt der Erde?

https://lochmaier.wordpress.com/2009/11/16/corporate-social-media-wohin-geht-die-reise-zum-mittelpunkt-der-erde/  

Disruptives Bankenmodell? Rolle des „dritten Mannes“ neu bewerten

https://lochmaier.wordpress.com/2009/11/12/disruptives-bankenmodell-rolle-des-dritten-mannes-neu-bewerten/

Mensch als Banker eine „Fehlinvestition“?

https://lochmaier.wordpress.com/2009/11/06/mensch-als-banker-eine-fehlinvestition-smava-nimmt-stellung/

Die Bank als „sozialer Lebensraum“

https://lochmaier.wordpress.com/2009/12/16/die-bank-als-sozialer-lebensraum-caja-navarra-macht-es-vor/

Commerzbank: Wie einen neue Online-Marke ohne Kundenbeteiligung entsteht

https://lochmaier.wordpress.com/2010/01/05/commerzbank-reloaded-wie-eine-neue-online-marke-ohne-kundenbeteiligung-entsteht/

Deutsche Bank: Zu (un)recht die Nummer Eins bei Social Media?

https://lochmaier.wordpress.com/2009/12/18/deutsche-bank-zuunrecht-die-nummer-eins-bei-social-media/

Bank 2.0: Neue offene Führungskultur gefragt

https://lochmaier.wordpress.com/2010/01/19/bank-2-0-neue-offene-fuhrungskultur-gefragt/

Und last but not least, um das Ausmaß der „Vertriebskrise“ bei den Banken zu illustrieren – mein Beitrag „Quo Vadis? der junge hippe Bankkunde und Social Media:

https://lochmaier.wordpress.com/2009/12/15/quo-vadis-der-junge-hippe-bankkunde-und-social-media/

Abschließend nochmals zurück zu Peter Kruse. Interessant ist auch, wie er neue Organisations- und Unternehmensformen beschreibt, die sich auch (zumindest ein bisschen) aus dem Remake der Genossenschaftsidee 2.0 speisen. Warum soll dieser Trend Kernbereiche der Gesellschaft nicht irgendwann auch erfassen?

Und wem diese Hintergrundfährten noch nicht ausreichen, der kann unter diesem Link auch noch die Präsentationen der Ergenisse von der oben genannten Studie der Bertelsmann Stiftung ansehen:

http://blog.whatsnext.de/2009/12/vertrauen-in-deutschland/ 

Und hier noch als weiterführende Quelle eine längere Präsentation von Peter Kruse – Quelle:

http://blog.whatsnext.de/2009/11/wie-die-netzwerkkultur-die-gesellschaft-veraendert/

Lpr Forum Medienzukunft

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Written by lochmaier

Januar 22, 2010 um 7:38 am

Veröffentlicht in Uncategorized

3 Antworten

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  1. […] This post was mentioned on Twitter by Blick Log, Blick Log and Blick Log, Blick Log. Blick Log said: New blog post: Before the Bell: Obamas Pläne belasten Banktitel, DAX und US-Futures schwächer http://bit.ly/4RU90y […]

  2. […] Der Beitrag ist ursprünglich hier erschienen im Blog Social Banking 2.0. Der Verfasser ist Wirtschaftsjournalist setzt sich in seinem Weblog mit der Gegenwart und Zukunft […]


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