Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Die Bank als sozialer Lebensraum – Caja Navarra macht es vor

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In Deutschland fristet die Kultur ja bekanntlich ein Nischendasein, sie ist nicht in der Mitte als für die Gesellschaft lebensnotwendiges Gut verankert. Das zeigt auch der Umstand, dass die Kreditgeber bzw. Anleger bei der Noa Bank bislang kaum Geld für den Bereich Kultur investieren.

Ganz anders sieht dies in Spanien aus. Dort spielen Kultur  und das Feiern eine wirklich wichtige Rolle, sie sind gelegentlich auch integraler Bestandteil einer neuen „Bankenkultur“, die nicht nur in der virtuellen Welt auf Social Media setzt, auf die Einbettung „sozialer Medien“ wie Twitter, Facebook und Co.

Wer etwas Spanisch versteht oder auch gar kein Wort, der sollte sich mal – und das gilt vor allem für die deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken – das Video der spanischen Caja Navarra  (die Sparkasse) ansehen – vor kurzem kamen in Pamplona immerhin 18.000 Menschen zusammen:

http://www.cajanavarra.es/es/conocenos/descubre-la-banca-civica/causas-sociales/en-marcha/2009/mas-de-18000-personas-participan-en-el-punto-de-encuentro-de-la-banca-civica-en-pamplona-baluarte.htm

In dem Raum der Caja Navarra, die sich als einer der Vorreiter beim „Civic Banking“ (Bürgerbanking) bezeichnet, versammelten sich 97 soziale Organisationen, die Projekte entwickeln und finanzielle Unterstützung von Kunden und (noch) Nicht-Kunden erhalten. Der Kundenstamm unterstützt zahlreiche Projekte, im vergangenen Jahr erzielten diese immerhin ein Geldvolumen von 26,4 Millionen Euro. Also tatsächlich als ein bisschen Social Banking zur allgemeinen Fassadenpolitur, auch als Corporate Responsibility bezeichnet.

Solche Versammlungen haben eine gewisse Signalwirkung, auch ohne viel Worte – wer das Video gesehen hat – so lässt sich die Bank als kultureller und sozialer Lebensraum gestalten. Sicherlich sollte man diese Ansätze nicht bedingungslos glorifizieren, sie sind aber zweifellos ein wichtiger Baustein, um die Bank zurück ins „wirkliche Leben“ zu holen, dort wo Märkte Gespräche sind, dort wo Unternehmen und risikofreudige Selbstständige neue Ideen entwickeln, dort wo soziale und ökologische Konzepte die Gesellschaft prägen. Dort wo die Kultur von Menschenhand gestaltet der Gesellschaft neuen Atem und Freiraum gibt, der eigenen Phantasie wieder zu vertrauen.

Es lohnt sich also das mehrminütige Video auch ohne Sprachkenntnisse anzuschauen, und einfach mal die Bilder des multikulturellen Treibens auf sich wirken zu lassen.  

Die beste Bankfiliale der Zukunft ist nämlich definitiv keine, in der es vor tollen und schicken technischen Tools nur so wimmelt. Sie wäre vor allem ein sozialer Lebensraum, den die Menschen (mit)gestalten, und nicht nur die Bankoberen nach der angeblich besten Zielgruppenansprache.  

Aber von dem Fernziel, dass Banken auch unseren sozialen und gesellschaftlichen Lebensraum mitgestalten, sind wir hierzulande ein gutes Stück entfernt, oder wie es vor kurzem ein Blogleser von Social Banking 2.0 beschrieb:

Auch wenn die Noa Bank nur eine clevere Marketingidee ist, so hat sie mit der ganzen Kampagne erreicht, dass ein neues Bewusstsein in die deutsche Bankenlandschaft kommt. Die Genossenschaftsbanken hätten eine historische Chance auf den Zug aufzuspringen, aber anstatt die Gunst der Stunde zu nutzen und alte Verkrustungen zu sprengen, ziehen sie lieber in den Krieg gegen die Neuen. Dieser Krieg ist aber nicht zu gewinnen.

> Soweit der Leserkommentar – der Eindruck, dass leider auch die Sparkassen, sowie Volksbanken schon wieder an der Vermarktungsschraube von gewissen Finanzprodukten drehen, die wir so nicht brauchen, oder über die wir gar nicht im mindesten aufgeklärt worden sind, bestätigt leider auch die aktuelle Studie der Stiftung Warentest, die gerade auch für die Genossenschaftsbanken wenig schmeichelhaft ausfällt.

Einige Auszüge aus dem Artikel der Frankfurter Rundschau:

So empfahlen zahlreiche Berater von Volksbanken bereits wieder Zertifikate. Zwar nicht die von Lehman, aber andere, die mindestens so kompliziert sind, wenn nicht gar riskant. Die Deutsche Bank und die Berliner Sparkasse wiederum boten Aktienfonds als sichere Anlage an, die BW Bank einen Rohstofffonds. Die Sparkasse Pforzheim Calw wollte das ganze Geld auf ein Goldkonto einzahlen, obwohl der Kurs des Edelmetalls stark schwankt.

Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/?em_cnt=2144923

Fazit: Man gewinnt leider immer wieder den Eindruck, am besten geht derjenige vor, der sich nur noch selbst berät. Aber auch die neuen Banken müssen sich manchmal unangenehme Fragen gefallen lassen, so etwa die Noa Bank mit Blick auf die Verbindungen und möglichen Interessenkonflikte zwischen Quorum, dem Factoring-Dienstleister, den die Gründer der Noa Bank aufgebaut haben. Hier wäre sicherlich seitens der investitionswilligen Community noch ein gewisser Aufklärungsbedarf gegeben.

Aber eines steht auch fest: Den Mutlosen gehört sicherlich die Welt nicht. Es verdient Respekt, ein Projekt wie die Noa Bank auf der grünen Wiese erfolgreich an den Start gebracht zu haben. Und: Der erste Kreditnehmer dürfte sich sicherlich freuen, denn er erhält eine neue Chance im Leben, die er so vielleicht ohne die Kunden der Noa Bank nicht erhalten hätte.

Es handelt sich dabei um einen Kapitän und Berufsfischer, der sich ein gebrauchtes neues Schiff „Claudia“ zulegen konnte, mit Hilfe eines Kredits in Höhe von 28.000 Euro zu 7,6% und einer Laufzeit bis Mitte 2012.

http://www.anderebank.de/blog/artikel/claudia-bekommt-ersten-kredit/

Warum hat Frank Steinbusch den Kredit bekommen, dazu die Noa Bank: Die Aussichten für ihn seien gut. Die Kunden bekämen absolut frische Ware und wüssten außerdem, wo sie herkomme. Das sei eine sehr gefragte Kombination. Das sieht erstmal nach einer transparenten Kreditvergabe aus.

Wir Deutschen neigen ja dazu, das Glas immer halb leer, statt halb voll zu sehen. Ein bisschen spanische Lebensfreude täte uns gut, dann würde sich auch die Bank hierzulande als sozialer Lebensraum besser entfalten.

Genug zu tun haben die Experten der Noa Bank jedenfalls, um sich nicht um jeden kleinen Wimpernschlag der allzu vorschnell los schießenden Kritiker zu kümmern. Weitere 230 Kreditanfragen warten nämlich auf die Bearbeitung – das klingt erstmal so, als ob es lohnte, in derartige Vorhaben zu investieren, oder?

  

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Written by lochmaier

Dezember 16, 2009 um 2:33 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

6 Antworten

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  1. […] bei der Nutzung des sozialen Internets den unsrigen um einige PS, pardon KW, voran sind, wie ich hier die mit Blick auf die Caja Navarra schon mal beleuchtet […]


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