Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Bank 2.0: Neue offene Führungskultur gefragt

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Bislang galt der Grundsatz, Moral und eine reine Ökoweste beim Geldverdienen in der Bank sind solange gut, solange sie das Geschäft nicht stören. Was aber wenn das „Geschäft“ sich ändert, und plötzlich neue Qualifikation in der „Bank 2.0“ gefragt sind – eine vorsichtige erste Antwort darauf versucht ein Handelsblatt-Portrait zu geben:

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/karriere/social-banking-gruene-banker-sind-gefragt;2513225

„Alternative Banken, aber auch konventionelle Institute suchen immer mehr Mitarbeiter, die nicht nur wissen, wie sie möglichst hohe Renditen erwirtschaften, sondern auch analysieren, was mit dem angelegten Geld passiert. „Der klassische Banker hat in seiner Ausbildung aber nie etwas über soziale und ökologische Fragestellungen gehört“, sagt Sven Remer, promovierter Finanzwissenschaftler und Tutor am ISB.

Quelle: Handelsblatt

Das ISB, – Institute for Social Banking – in Bochum, wurde in einem Interview von Social Banking 2.0 bereits ausführlich vorgestellt:

https://lochmaier.wordpress.com/2010/01/12/interview-wie-das-institute-for-social-banking-sein-profil-versteht/

Für nicht ganz so „sozial ausgewogen“ hält allerdings nicht ganz zu unrecht „Finance 2.0“ Blogger Boris Janek die hohen Gebühren für einen sechssemestrigen Kurs beim Institut for Social Banking – bei dem immerhin 15.000 Euro fällig  werden. Sein Vorschlag in einem Twitter-Eintrag am 17.01.:

„Social Banking Ausbildung- Gut und Wichtig- Aber warum muss das so teuer sein? Bankausbildung ueberarbeiten!“ 

Quelle: http://twitter.com/electrouncle

Da bleibt nur noch festzuhalten: Geld gefährdet jedes Staatswesen, und es agiert per se sozial asymetrisch, da sollten wir uns nichts vormachen – oder einfacher gesagt: Es wird immer wenige geben, die zu viel davon haben, und zu viele, die davon zu wenig haben. Übrigens: es ist tatsächlich so, sofern das „business as usual“ anhält, dass die Banken tatsächlich eine „Gefahr für die Demokratie“ darstellen, wie ein Interview auf NZZ online mit dem Bankenspezialisten Urs Birchler eindrücklich belegt:

http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/grossbanken_als_problem_fuer_die_demokratie_1.4515392.html

„Finanzdemokratie 2.0“ ist in der Bank 2.0 angesagt, will sie sich als mehr als nur Marketingblendwerk erweisen. Es gibt übrigens eine ePetition für den deutschen Bundestag, die genau jene Bankengröße auf ein erträgliches Maß zurück stufen will (Danke an die Leserin Susan für diesen Tipp), bis zum 2. März kann man sich noch beteiligen:

https://epetitionen.bundestag.de/index.php?PHPSESSID=420fd9e0023117cf2ad5193cb054cfd9&action=petition;sa=details;petition=9010

Das Problem: Wer A sagt muss auch B sagen. Sprich, wir bräuchten gangbare Alternativen, siehe dazu auch die vielschichtigen Leserkommentare zur obigen ePetition. Insofern geht es hier also nicht um ein paar kleine Farbtupfer oder vordergründigen Aktionismus, sondern schon um eine grundsätzliche Neuorientierung, allerdings bar von plakativen moralischen Kriterien, wer denn nun der bessere „ethische Bankmensch“ sei – eine Diskussion, die letztlich nur an der passenden Lösungsstrategie vorbei führt:

Deshalb ein Zitat aus dem oben bereits aufgeführten Interview der NZZ:

Denn dies ist die politische Zeitbombe: Die Leute ertragen Unterschiede in Vermögen und Einkommen relativ gut, solange sie nachvollziehen können, welche Leistungen dahinterstehen. Aber Umverteilungen, die sie als ungerecht empfinden, ertragen sie schlecht. Wenn sie nun sehen, dass Banker, die grosse Verluste verursacht haben, zuerst vom Staat gerettet werden und dann am Ende auch noch ungeschoren davonkommen, dann ist das unglücklich. 

Quelle: NZZ

Nun stellt sich die Frage, wie denn eine neue Führungskultur beschaffen sein könnte, bei denen Nachhaltigkeit und Renditeorientierung in einem gesunden Verhältnis stehen und sich nicht ausschließen. Wer das noch ausführlichere Video-Interview der NZZ mit Urs Birchler angeschaut hat, erhält  zumindest einige kleine Wegweiser:

Neben einer angemessenen finanziellen Entschädigung, die der Staat von den Banken für die Übernahme der Staatsgarantien einfordern sollte, sollten die Geldinstitute selbst eine probate Strategie zur Eigenmittelvorsorge implementieren, aber auch neue Wege in der Liquidation von bestimmten Geschäftsteilen, die sich zur Gesellschaft kontraproduktiv verhalten, beschreiten. Letztlich bräuchten wir aber kleinere Einheiten, die eine dezentrale Steuerung, auch unter Beteiligung der „niederen Schwarmintelligenz“ mit sich brächten. Und die Banken müssten bereit sein, den Kundendialog auf Augenhöhe zu führen.   

Das widerspricht jedoch den Marktregeln. Geld strukturiert sich nach „asozialen“ Kriterien. Größe scheint sich immer durchzusetzen. Was aber wenn die Netzkultur neue Wertschöpfungsmechanismen in der Wirtschaft ermöglicht – und alte Flaggschiffe dadurch torpediert werden? 

Welcher Führungstyp ist denn künftig gefragt, damit die Bankkultur wieder Bestandteil der produktiv ausgerichteten Wirtschaft und Gesellschaft wird. Sicherlich ist das eine Frage, die sich an uns alle richtet. Oder?

Damit wir jetzt nicht bei einem eher theoretischen Fazit stecken bleiben, sprich der Kaffeesatzleserei, hier noch ein interessantes Video, das verdeutlicht, wohin die Reise in der „Bank 2.0“ gehen wird. Und – die Entwicklung ist bereits voll im Gange:

Siehe dazu auch den Eintrag mit Blick auf den Verfall von Leitindustrien wie der Medienbranche – und was Amerikas Top-Talker Jay Leno und Co. mit den Banken gemeinsam haben:

http://bank2book.wordpress.com/2010/01/17/what-jay-leno-conan-obrien-and-the-banks-have-in-common/

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Written by lochmaier

Januar 19, 2010 um 7:18 am

Veröffentlicht in Uncategorized

2 Antworten

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