Banking Club und die Preisfrage: Was ist Social Banking?
Wenn es Geld dafür gäbe, diese Frage zu beantworten, wer würde dann den Preis einstreichen? Nun ja, gar nicht so einfach, denn die eine Definition von Social Banking gibt es nicht. Nun hat sich der Banking Club vorsichtig dem komplexen Thema angenähert, der nach eigenen Angaben “führende Branchenclub für Mitarbeiter von Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistern“.
Aufgerüttelt sind die Insider weniger durch den Bedarf nach mehr Transparenz in der Branche, dem man vordergründig immer wieder Rechnung trägt. So richtig auf den Magen geschlagen hat vielen jetzt die heftige öffentliche Diskussion, die das Ende der Noa Bank aufgeworfen hat, von vielen Medienleuten wurden die Noa Banker ja als einer der Vorreiter in diesem sensiblen Metier angesehen, und jetzt feiern die Medien den Abgesang von „Social Banking“.
Totgesagte haben schon oft lange gelebt. Und einige aus der Branche, denen man dies bislang kaum zugetraut hätte, stilisieren sich nun als die neue Original. Motto, bei dem jeder mitmachen darf: Die einzig wa(h)ren Social Banker, das sind doch wir. Viele versuchen nun sich materiell und ideell am Untergang der Noa Bank zu bereichern, und dieses Schicksal zu ihren eigenen Gunsten auszunutzen.
Also: Das zwischen Social Banking 1.0 und 2.0 angesiedelte Vorzeigeinstitut Noa Bank geschlossen, Idee tot? Nein, aber natürlich will jetzt keiner, der im Umfeld dieses Marktsegments arbeitet, in den Abwärtssog hinein gezogen werden. Die Argumente werden jedoch teilweise ziemlich unsortiert vorgetragen, von der Presse, allen voran die Wirtschaftsblätter, teilweise auch von anderen selbst ernannten Experten.
Horchen wir mal, was das Stimmungsorgan der Branche Banking Club mit Thorsten Hahn an der Spitze zu sagen hat, denn er stellt aufgrund der medialen Kakophonie zurecht die folgende leicht Nobelpreis verdächtige Frage – Was ist eigentlich Social Banking?
Aufgegriffen wurde das Thema vom Banking Club zumindest rasch – gute Reaktion. Hier erklärt zunächst Matthias Kröner von Fidor im Interview mit dem Bankingclub die Unterschiede zwischen Social Banking 1.0 und 2.0. Und dann kommt die Ursprungsvariante 1.0 anhand eines Interviews mit dem Geschäftsführer der Triodos Bank Deutschland Georg Schürmann zu Wort.
Die Konfliktlinien sind somit gesetzt. Aber, Ihr werdet die Antworten nicht finden, wenn Ihr Euch die Widersprüche und Unterschiede der einzelnen alten und neuen Ansätze nicht bewusst macht…
Also, liebe Banker, Wirtschaftsjournalisten und Social Media Evangelisten: Was mir auffällt ist, dass bislang kaum jemand – so auch der Bankingclub – im Zuge der aktuellen Diskussion rund um die Noa Bank sich mein Buch Die Bank sind wir genauer angeschaut hat – da geht es jetzt mal um eine klare Werbeeinblendung in eigener Sache.
Bin zwar leider oder glücklicherweise, das mag jeder nach seinem Gusto entscheiden, kein zweiter Thilo Sarrazin. Was nicht ist, das kann ja noch werden. Aber mal ganz im Ernst: „Die Bank sind wir“ ist die in Deutschland bisher einzig existente fundierte Bestandsaufnahme zu diesem Thema, und sie dürfte zumindest den aufmerksamen Lesern dieses Weblogs hinreichend bekannt sein.
In dem Werk kann man sich die Zielgruppensegmentierung zum Social Banking 1.0 und 2.0 – mit von mir heraus gearbeiteten Untergruppen inkl. der Kundenansprache bzw. -motivationen - genauer anschauen, die weit über allgemeine Definitionsfragen hinaus reichen.
Jetzt aber wird gerade mit dem Begriff „Social Banking“ derart im Nebel herumgestöchert, dass man sich nur wundern und zurücklehnen kann. Kurzum: Das Buch zu den Chancen und Perspektiven von Social Banking ist ein „must read“ für jeden Bankmanager, der finanziell noch nicht ausgesorgt hat.
Und das treibt mich jetzt mal ganz massiv zur persönlichen Unbescheidenheit. Denn mich verwundert es, dass hier zentrale Quellen und Referenzen von vielen einfach ignoriert werden. Ich weiß, Ignoranz ist die höchste Daseinsform der Souveränität .
Oder hat etwa der von Insidern so kuschelig umgarnte Bankingclub das Recht auf eine exklusive Definition jenseits der Detailgenauigkeit und ein bisschen forschender Neugier nur für sich reserviert?
Oder, um im Bild zu bleiben, Social Banking ist ebenso widersprüchlich wie das Etikett Honorarberatung. Es ist die Quadratur des Geldkreislaufes. Aber man sollte die Potenziale andererseits differenziert beleuchten und wahr nehmen.
Nirgendwo sonst hat eine derart intensive Auseinanderung statt gefunden, über die aktuellen Trends im Social Banking sowie speziell zur Noa Bank, wie auf meinem Weblog Social Banking 2.0 der Fall. Ich weiß, liebe Leser, nachdenken ist anstrengender als etwas zu posten. Die relevanten Diskussionsstränge jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei zum Social Banking 1.0 und 2.0, die sollte man schon mal über das reine „Bunti-Klicki-Verhalten“ im Netz hinaus zur Kenntnis nehmen, und sich selbst nicht immer für den Nabel der Welt halten.
Also, liebe Banker, Wirtschaftsjournalisten und Social Media Evangelisten, beschäftigt Euch erstmal intensiv mit dem Gedankengut und Basismaterial, das bereits vorliegt, bevor ihr anfangt, wild drauflos zu spekulieren, was der „Kunde“ will und was nicht, oder was Social Banking ist und nicht sein sollte.
Sonst gibt es wieder wie vor der letzten Finanzkrise den nächsten Megaoutput an Optionsscheinen, bei denen mental wild nach „call“ und „put“ hantiert wird, und bei denen am Ende keiner mehr weiß, welches Basisprodukt der mentalen Spekulation im Social Banking überhaupt zugrunde gelegen hat.
Die nächste Finanzkrise, sie wird kommen. Dazu braucht man kein Banken-Basher zu sein. Also, für eine fundierte Auseinandersetzung zu diesem Thema braucht man mehr Zeit, als ein „Bunti-Klicki-Erlebnis“ auf Xing und sonstigen Business-Gedönsmaschinen, wo man in einer Minute mal ganz sorgenfrei seine Gedanken in die Tastatur hinein postet.
Liebe Banker und Finanzberater, Reden ist Silber, Schweigen übers Social Banking wäre manchmal einen ganzen Goldbarren wert, vor allem dann, wenn man selbst keinen substanziellen Beitrag dazu leisten möchte.
Liebe Wirtschaftsjournalisten, trotz Stellenstreichungen und News Desks, setzt Euch fundierter mit Schlagworten wie Social Banking auseinander, verwechselt nicht Äpfel mit Birnen, und schreibt nicht nur billig voneinander ab.
Liebe Social Media Evangelisten, glaubt Ihr selbst wirklich das, was Ihr Euren Kunden erzählt? Wenn Ihr vom Kerngeschäft der Banken nichts versteht, nützen auch Bunti-Klicki-Präsentationen wenig.
Abschließend das Wort zum Montag: Hättet Ihr mein Buch und dieses Weblog regelmäßig gelesen, wäre dieser Artikel überflüssig. Dann könnte ich mich Wichtigerem zuwenden, nämlich der fundierten Trendanalyse von Social Banking jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei.
In der Fachzeitschrift „die bank“ werde ich demnächst aus Sicht der Personalabteilung (Human Ressources) die notwendigen Qualifikationsprofile in diesem Themenfeld genauer beleuchten. Für alle anderen empfehle ich zur Einführung meinen Artikel Was ist Social Banking? in der Märzausgabe von Humane Wirtschaft.
Das Öko-Anlegerinnen-Gen 2.0: Initiative „Geld mit Sinn“ gestartet
Das folgende Posting soll keine Werbung sein, sondern wie immer, zum Nachdenken und zur Auseinandersetzung mit neuen Trends rund ums Social Banking 2.0 anregen, einschließlich aller damit verbundenen Höhenflüge und Tiefschläge, die der eine oder andere Newcommer immer wieder einstecken muss.
So kann man und frau sich hier zum Beispiel über das kürzlich gestartete Vorhaben „Geld mit Sinn“ informieren. Die beiden Macherinnen Birte Pampel und Heidi Geisler beschreiben die Zielrichtung der Initiative laut Infoportal nachhaltigwirtschaften.net wie folgt:
Die Finanzkrise geht ins dritte Jahr, viele Banken sind ins Alltagsgeschäft
zurückgekehrt. Doch wie steht es um die Anleger und Anlegerinnen? Viele von ihnen durchleben eine Sinnkrise und wünschen sich mehr Nachhaltigkeit in der Geldanlage und Beratung – das bestätigen die Gründerinnen von GELD mit Sinn, eine unabhängige Finanzinitiative, die heute in Bayern an den Start geht.
Die Initiatorinnen bezeichnen sich selbst als „nachhaltige Anlegerinnen“ und haben es sich zum Ziel gesetzt, über Chancen und Potentiale nachhaltiger Geldanlagen aufzuklären. Vor allem aber wollen sie Anlegerinnen und Anleger dazu anregen, sich über Sinn und Wirkungsweise ihres Geldes Gedanken zu machen: „Heute gibt es unzählige Formen der Geldanlage, mit welchen Anleger positiv auf Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft Einfluss nehmen können. Die Mehrheit der Anlegerinnen und Anleger weiß aber noch nichts von der Hebelkraft ihres Geldes,“ erklärt Heidi Geisler die Motivation der Gründerinnen.
Anleger aller Vermögensklassen könnten heute sinnvolle Investitionen fördern und dabei marktkonforme Renditen erzielen – von nachwachsenden Rohstoffen, Bio-Landwirtschaft und fair gehandelten Produkten bis hin zu Klimaschutz, Umwelttechnologien oder Investitionen in die regionale Wirtschaft.
Quelle: nachhaltigwirtschaften.net
Wir stellen natürlich zunächst die zugegenbenermaßen recht provokant-männliche Frage: Gibt es ein weibliches Anlegergen der Marke Ökogeneration 2.0? Nun gut, ich selbst brauche dazu gar keine Antwort, denn wer sieht, wie es in den männlich dominierten Chefetagen zugeht, dem fällt schon mal – ganz unwissenschaftlich – die folgende Antwort ein: Schlimmer kann es mit vielen Frauen an der Spitze auch in der Finanzindustrie nicht werden. Im Gegenteil, vielleicht würden neue Blickwinkel sogar, jetzt die leicht klischeehaft angestaubte Thematik etwas ernster betrachtend, uns allen mehr als gut tun.
Richten wir den Blick aber auf die Fakten: Als Ausgangspunkt für seine Aktivitäten hat „GELD mit Sinn“ eine Webseite entwickelt, die das Thema auf vielseitige und verständliche Weise aufbereitet: Neben Fakten und Zahlen über den nachhaltigen Finanzmarkt finden Besucher dort „weiche“ Inhalte wie Erfahrungsberichte von Anlegerinnen und Anlegern, Interviews mit nachhaltigen Finanzfachleuten und Nachdenkliches rund ums Thema Finanzen, Umwelt und Ethik, so die Initiatorinnen weiter.
Der Spagat zwischen unabhängiger Berichterstattung und notwendiger Refinanzierung wird allerdings nicht ganz einfach. Denn die Plattform möchte ja definitiv keine nachhaltige Finanzberatung sein, sondern laut eigenem Bekunden „im dynamisch wachsenden grünen Finanzmarkt Orientierung aus unabhängiger Hand bieten“. Das wird nicht ganz einfach.
Zu den Hauptsponsoren zählen immerhin die in Nürnberg ansässige UDI UmweltDirektInvest-Beratungsgesellschaft mbH, die Ökorenta AG aus Aurich und die HypoVereinsbank (ein Mitglied der UniCredit Group). Als Medienpartner sind das Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments und die Online-Plattform Geld-Magazin.de mit im Boot.
Generell besteht gerade in der Ökobranche noch ein erheblicher Nachholbedarf in Sachen unabhängiger Aufklärung. Darin liegt also eine Aufgabe. Aus Sicht der Anleger derzeit die Rundumsicht erschwerend hinzu kommt, dass bei nicht wenigen Ökoanbietern in Sachen Transparenz (mit Blick auf vor- und nachgelagerte Kosten und Gewinne) ein großer Nachholbedarf besteht.
Auf der Homepage der Initiative kann man sich übrigens bereits einige Interviews mit nachhaltigen Vermögensmanagerinnen anschauen. Das wäre ausbaufähig.
Wieweit sich hieraus ein „Fingerabdruck 2.0 der neuen Ökoanlegerinnen“ ableiten lässt, lasse ich mal dahin gestellt. Solche Beweisführungen, bis hin zur Frage, ob Frauen bei Geldanlagen (manchmal oder oft) wie beim Autofahren den besseren Riecher haben, sind immer schwierig und polarisierend. Die einen stimmen zu, die anderen wenden sich ab. Aber darauf kommt es gar nicht an.
Die Initiative zeigt, die Zeit ist reif für alternative neue Geschäftsmodelle in der Ökobank 2.0, bei der sich Macher und Kunden auf Augenhöhe treffen. Und diese Zukunft wird definitiv und ohne Frage deutlich mehr von Frauen mitbestimmt. Schließlich gehört das Großreinemachen seit jeher – insbesondere nach jeder von Männern verursachten großen Krise – zu den weiblichen Hauptaufgaben. Das klingt etwas zynisch, entspricht aber (leider) dem klischeehaften Rollenbild vieler Macher. Das tat weiland vor gut einer Dekade aber auch die Männerriege um Helmut Kohl, nämlich das clevere weibliche Machtgen, pardon Machtstreben nach Verantwortung und Einflussnahme, zu unterschätzen.
Heute ist nach der Spendenaffäre aus der damaligen Oberkrankenschwester Angela Merkel eine bereits seit fünf Jahren trotz aller Unkenrufe recht fest im Sattel sitzende Chefärztin und Klinikleiterin, pardon, Bundeskanzlerin geworden – während ein Alphamännchen nach dem anderen um sie herum nun den Platz räumt, um sich ins zweifellos lukrative Dasein als Privatrentier oder Berater zurück zu ziehen.
Und damit wird das Feld auch etwas übersichtlicher für eine neue Generation von mit der Umwelt und dem Kunden unmittelbar vernetzten Geldmanager(inne)n. Unabhängig davon, ob dieses „Gen“ im Umkehrschluss an die unselige Debatte um Thilo Sarrazin, nun männlich oder weiblich beschaffen sein wird, handelt es sich dabei um einen wachsenden Massennischenmarkt für Menschen, die sich überlegen, wofür sie ihr Geld und ihre Zeit sinnvoll einsetzen.
Noa Bank: Das Großreinemachen gegen hohe Gebühr hält an – Ökobanken grenzen sich scharf ab
Wenn ein Sturm plötzlich das Dach eines Hauses abdeckt, wird man beim Aufräumen nicht alle Ziegel in unversehrter Form wieder finden, um das Anwesen wieder wie vorher herzurichten. Wem das zu rätselhaft klingt, nochmal in einfachen Worten: Ich habe inzwischen im weiteren Umfeld der Noa Bank weiter recherchiert und Hintergrundgespräche geführt.
Leider kann ich namentlich derzeit niemanden nennen, denn es handelt sich um ein schwebendes Verfahren, bei dem sich gelegentlich die Rollen zwischen Beklagten und Kläger auf diffuse Art und Weise vermischen, was für Außenstehende die Informationssichtung und -bewertung erheblich erschwert.
Stelle mich trotzdem wagemutig dieser Aufgabe: Im Moment lässt sich folgendes sagen: So wie es aussieht, war ein Mix aus Managementfehlern und zu früh gezogenen Bafin-Bremsen der Auslöser für den Totalabsturz der Noa Bank. Offensichtlich standen zudem – das ist die tragische Note – durchaus seriöse Investoren bereit, um die Eigenkapitalbasis des Unternehmens zu erhöhen, die aber die Finanzaufsicht Bafin nach einigen Managementverwirrungen und -irrungen (aus teils verständlichen) Gründen nicht mehr bereit war zu akzeptieren.
Gegen den Vorwurf, es habe sich bei Noa Bank und Noa Factoring um „dubiose“ bzw. gar “kriminelle“ Motive der Geldverschleierung bzw. Geldentnahme gehandelt, spricht die – allerdings amtlicherseits noch unbestätigte – Tatsache, dass einer der Gründer, Francois Jozic, bis zuletzt versucht habe, die Bank zu retten. Zur Not auch mit eigenem privatem Kapital.
Jozic selbst steht derzeit für eine offizielle Stellungnahme nicht zur Verfügung. Ein anderer Insider, der nicht namentlich zitiert werden möchte, trifft jedoch die überraschende Aussage: „Wenn es die negativen Presseberichte auf Basis unzureichender Fakten im April nicht gegeben hätte, könnte die Noa Bank heute noch existieren“.
So aber seien Investoren verschreckt und verunsichert worden. Dies wäre eine unter mehreren denkbaren Sichtweisen. Am Ende bleibt auch aus Sicht der Anleger und Firmenkunden (Noa Factoring) nur ein immenser Flurschaden zu beklagen. Denn die Ermittlungen und die Abwicklung der insolventen Bank einschließlich Factoring-Tochter verschlingen eine größere Millionensumme (was nicht heißen soll, dass dies nicht notwendig sei).
Dabei handelt es sich um Gelder aus der „Verhandlungsmasse“ der beiden Insolvenzverfahren, das nun andere Begünstigte möglicherweise vorrangig erhalten, die den Prozess gegen Gebühr „moderieren“, die jetzt Unternehmensteile (zu sehr günstigen Konditionen) aufkaufen, oder jene, die als Wirtschaftsprüfer und Insolvenzverwalter nun umfangreiche Prüfverfahren gestartet haben oder starten mussten.
Fest steht im Moment somit nur eines: Der Abwicklungsprozess schmälert am Ende die „Restrendite“ der betroffenen Anleger, gerade auch von jenen, die einen Betrag über der gesetzlichen Einlagensicherung von 50.000 Euro angelegt haben. Dabei handelt es sich jedoch um eine begrenzte Anzahl von rund 100 Personen.
Auch die Gründer der Noa Bank haben sicherlich einige gravierende Managementfehler gemacht, ebenso wie es an Branchenexpertise bei der einen oder anderen Stelle im Firmengeflecht gefehlt haben dürfte, um ein nachhaltiges Geschäftsmodell zwischen „Ethikverankerung“ und den besten „Schnäppchenzinsen“ auf längere Sicht zu etablieren.
Geldströme lokal wie global sinnvoll zu organisieren, und dabei Gewinnstreben und moralische Postulate kongruent zu halten, das war in diesem Fall ein zu hoch gesteckter Anspruch. Jetzt wehren sich vor allem die führenden Ökobanken dagegen, mit der Noa Bank in einen Topf geworfen zu werden, was sich am Beispiel von zwei Artikeln im Handelsblatt bzw. Financial Times Deutschland illustrieren lässt.
Siehe dazu auch mit Blickrichtung des Institutes for Social Banking in Bochum den längeren Gastbeitrag „Warum die Arche Noa gekentert ist“ von Katharina Beck auf karmakonsum, die sich dem schwierigen Versuch stellt – und deshalb ausdrücklich um weitere auch kontoverse Kommentare bittet – das Scheitern der Noa Bank aus Sicht der am Markt bereits seit Jahrzehnten präsenten Ökobanken = Social Banks der ersten Generation aufzuarbeiten.
Es gibt jedoch viele Seiten einer denkbaren Medaille. Auch Newcomer haben ihre Berechtigung, sofern sie ihr Geschäftsmodell solide und behutsam vorwärts treiben. Gelingt dies nicht, so werden etablierte Spieler immer darauf verweisen, einen Erfahrungsvorsprung zu besitzen.
So verweise ich beispielsweise noch einmal auf meinen Weblogeintrag vom 27. November 2009 „Friendly Fire“: Öko- und Genossenschaftsbanken beäugen (zu) autonome Anleger misstrauisch“. Dort kann man die ganze kontroverse Bandbreite dieser Diskussion um eine weltanschauliche, ethisch-moralische und gleichzeitig aufgeschlossen-moderne (bis hin mit neuen Marketingversätzen versehene) Fundamentierung des Bankgeschäftes a la Social Banking (1.0 und 2.0) im Ansatz erahnen.
Es wird aber keiner für sich ein moralisch verbrieftes Recht auf den Begriff „Social Banking“ beanspruchen können, weder die erste Generation der „Social Banks“, also die Öko- oder Genosschenschaftsbanken, noch die neue Generation der Internetbanken 2.0, die dieses Etikett sprachlich neu besetzt haben, um daraus den hippen Trend „Social Banking“ (= Social Media, Online-Banking plus Web 2.0) zu generieren. Wer von uns ohne Tadel ist, der werfe den ersten Sargnagel.
Wer meine letzten Einträge zur Noa Bank genauer gelesen hat (und vielleicht auch das Buch dazu), dem fiel das unterschiedliche Kundensegment in der Zielgruppenansprache auf. Sprich, Ökobanken und eine Noa Bank haben nicht in den gleichen Revieren gefischt, das wird gelegentlich übersehen. Darüber sollte man jetzt umso mehr nachdenken.
Wir bilanzieren: Ein Newcomer ist auch ohne eine Verschwörungstheorie an sich und der Umwelt gescheitert. Im Moment fehlen einerseits die in einigen Medienberichten immer wieder angedeuteten ganz konkreten Belege für ein „dubioses“ bzw. „kriminelles“ Vorgehen zur Noa Bank, aber die Prüfverfahren laufen noch.
Insider erkennen auch an: Das Modell war prinzipiell durchaus erfolgversprechend, die Umsetzung mangelhaft bis schwierig, wobei es neben internen Fehlern auch externe Widerstände gab.
Das kurze Leben der Noa Bank war ganz so, wie es das Internetzeitalter mit seinen zahlreichen Unwägbarkeiten und Schwankungsanfälligkeiten in der „liquiden und flüchtigen Moderne“ kennzeichnet. Der letzte Vorhang ist noch nicht gefallen. Zu Häme und Spott, gegen wen auch immer, besteht indes kein Grund. Denn wir sind alle ein Bestandteil von „Social Banks“, ob wir es wollen oder nicht.
Deutsche Bank Research: Setzen Unternehmen und Banken doch auf das Web 2.0?
Gleich zwei neue Studien aus der Denkfabrik des einzigen heimischen Geldinstituts, das international gesehen in der ersten Liga spielt, sind spannend: Das Wichtigste zuerst, aus einer neuen Studie von Deutsche Bank Research vom Juli mit dem Titel: „Wie Unternehmen das Web 2.0 für sich nutzen“. Danach dienen „Social Media“ insgesamt der PR, dem Marketing, sowie dem Kundenmanagement, berichtet PR-Gateway.
Dieser Befund muss nicht weiter verwundern. Besonders die junge Generation könne mit den neuen Medien adressiert werden. Die Voraussetzung für eine erfolgsversprechende Kommunikationsstrategie im Internet sei allerdings eine Unternehmenskultur, die Offenheit und Transparenz großschreibe. Darauf komme ich am Ende dieses Beitrags noch einmal zurück.
Und genau hierin liegt der Haken. Die ganze Studie gibt es hier zum Download.
Die zweite Studie aus dem gleichen Hause trägt den passenden Titel: „Mehrheit der Bankkunden recherchiert online„. Gekauft wird aber woanders, nämlich beim Berater. Das klingt zunächst nach einem etwas schöngefärbten salomonischen Urteil, das keinem zu sehr auf die Füße tritt.
Trotzdem: Auch Bankgeschäfte per Mausklick nehmen weiter zu. Aber noch misstrauen offenbar viele dem Online-Menu, weil man nicht so richtig dahinter blickt – und schließen Verträge lieber noch stärker in der Offline-Welt ab.
Offiziell ausgedrückt liest sich dies so: Zwar werden noch immer die meisten neuen Finanzverträge in der Filiale abgeschlossen, wie die gemeinsame Studie von Deutscher Bank Research, GfK und Google ergab. Aber immer mehr Verbraucher informieren sich zuvor online über Konditionen für Geldanlage, Baukredite und Altersvorsorge, berichtet der Newsticker der Süddeutschen Zeitung, der sich auf die Deutsche-Presseagentur beruft.
Die daran anschließende These: Trotz der zunehmenden Bedeutung des Internets sind die Studienautoren überzeugt: „Für eine umfassende Finanzplanung und bei komplexeren Produkten werden auch künftig viele Kunden eine individuelle und persönliche Beratung suchen.“ Stimmt das wirklich?
Ich wäre mir da nicht so sicher, denn nur wenn die Beratung tatsächlich eine ist, die dieses anspruchsvolles Etikett verdient, ebenso wie der Berater, dann wird der Kunde weiterhin der Offline-Welt mehr Vertrauen schenken. Denn viele Menschen haben längst realisiert, beschissen wird überall, sowohl im realen wie auch im virtuellen Leben.
Oder sachlicher ausgedrückt: Wenn das Netz mehr Bequemlichkeit, Überblick und Transparenz bis hin zum geschäftlichen Abschluss bietet, dann stellt sich die Frage, warum ein Neukunde nicht im angeblich so gefährlichen viralen Netz sein finanzielles Heil suchen sollte.
Völlig ohne Risiken und Nebenwirkungen wird aber der Schwenk ins Web 2.0 für alle Beteiligten kaum verlaufen. Wer sich ganz unabhängig von weltanschaulichen Fragen mit dem Thema „Führung 2.0 und der intelligente Schwarm“ beschäftigen möchte, dem empfehle ich meinen schon etwas älteren Artikel im Manager Magazin online, der nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat.
Eine neue Managergeneration rückt dabei in den Mittelpunkt, die auch in der Bankenwelt gefragt wäre. Denn mit Hilfe von Web-2.0-Technologien soll das klassische Unternehmen zum Enterprise 2.0 mutieren. Doch ganz so simpel funktioniert die kollektive Glücksformel nicht. Dem CIO fiele dabei immerhin die komplexe Aufgabe zu, im Management die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu schließen.
Meine Ausgangsthese, zurück kommend auf die erste Studie von DB Research, lautet nun so: Es gilt, das kreative Chaos mehr lieben zu lernen, als eine starre Ordnung, die Innovation eher behindert als fördert, gerade mit Blick auf den Kunden und die auf dessen Bedürfnisse ausgerichtete Prozesslandschaft.
Dies setzt jedoch zwingend eine neue „Führungskultur 2.0″ voraus, was gerade mit Blick auf die Bankenwelt fast schon einen Widerspruch in sich darstellt.
Ein recht aufschlussreiches Interview im Schweizer Tagesanzeiger mit einem Ex-Bankmanager der UBS bringt die Kontroverse zwischen Hierarchie und offener Innovationskultur so auf den Punkt:
Tagesanzeiger: Verkaufen Bankberater wissentlich ihren Kunden falsche Produkte?
Klaus Wellershoff: Das glaube ich nicht. Berater müssten ja an langfristigen Beziehungen interessiert sein. Aber Bankberater sind konditioniert und risikoscheu. Würden sie das Risiko mögen, wären sie nicht Banker, sondern Unternehmer geworden. Das grösste Risiko im Banking ist aber nicht, dass der Kunde seine Ziele nicht erreicht, sondern dass man schlechter dasteht als die Konkurrenz. Deswegen machen alle das Gleiche, auch wenn es noch so falsch ist. Diesbezüglich hat kein Umdenken stattgefunden, die Finanzindustrie schläft weiter.
Tagesanzeiger: Und der einzelne Berater verkauft die Produkte mit guten Absichten?
Klaus Wellershoff: Das Problem ist, dass die meisten Banken falsche Erwartungen geweckt haben und weiterhin wecken. Sie signalisieren: «Wir kennen uns aus auf den Märkten und haben daher für jede Situation die richtigen Produkte. Wenns raufgeht an der Börse, profitierst du als Kunde; wenns runtergeht, passiert dir nichts, dann schützt dich die Bank.» Nun hat sich gezeigt, dass diese Versprechen nicht haltbar sind, dass «absolute return» nicht heisst, dass alles Geld zurückkommt. Zu befürchten steht, dass der Vertrauensverlust der Anleger in die Banken weitergehen wird. Nehmen Sie das Beispiel der Obligationenfonds. Wenn wie zu erwarten wiederum die Kunden enttäuscht werden, wird das für mehr Ärger sorgen als Lehman und Kaupthing zusammen. Dann hat nicht ein Produkt versagt, sondern das System.
Quelle: tagesanzeiger.ch
Die ganze Studie mit immerhin 32 Seiten von DB Research & Co. gibt es hier zum Download.
Ing-Diba und Direktbank 2.0: Beim Bankkunden zählt jetzt das richtige „Bauchgefühl“
Haben Sie ein Grummeln oder verfügen Sie über das richtige Bauchgefühl? - Das ist hier die Preisfrage. Denn mittlerweile setzen Banken und Versicherungen auf einen neuen Tonfall, aus dem man die Annäherung an die Kommunikationsrituale von sozialen Netzwerken deutlich herausliest.
So z.B. bei der Ergo Versicherung, über deren interaktive Avancen ich erst vor kurzem berichtet habe, so auch bei Deutschlands größter Direktbank Ing-Diba. Wo früher noch mit der schieren Anzahl von 6 Mio. Kunden und mit auf Stars aus dem Sport zugeschnittenen Werbekampagnen beim Kunden gepunktet wurde, gibt man sich heute betont leger und aufgeknöpft.
Zu sehen ist dies vor allem beim neuen Fernsehspot der Ing-Diba „Die Bank und du“ – die Betonung liegt jetzt auf „dibadu“, also auf dem Kunde, der jetzt mit dem richtigen Bauchgefühl ins gemeinsame Boot geholt werden soll.
Man darf gespannt sein, wie die Banken und Versicherungen jetzt ihre Marken neu emotionalisieren. Die Commerzbank zeigt sich bislang indes ungerührt und setzt eher auf klassische Argumente wie eine Kundencharta. Das dürfte kaum jemand hinter dem Ofen hervorlocken, der an bessere Beratungsprotokolle zum Segen des Kunden glaubt.
Offenbar haben Werbestrategen aber jetzt den Paradigmenwandel nach einer Kommunikation auf Augenhöhe der Zeit und mit dem Kunden erkannt. Doch ob dies bloß ein billiges stilistisches Mittel sein wird, oder ob dahinter auch eine ausgeprägte Managementphilosophie steckt, das bleibt abzuwarten. Haben wir es also mit altem Wein in neuen Schläuchen zu tun?
Andere wiederum versuchen auf dem anhaltenden Frust und der Verunsicherung der Anleger aufzusatteln. Auch das scheint ein probates werbliches Stilmittel zu sein, gleichwohl, mit negativen Botschaften und dem Zielen auf die (schlechte) Konkurrenz wird noch keine bessere finanzielle Zukunft geschaffen. Soll sich jetzt jeder Bankkunde nur noch Gold ins Depot oder unters Kopfkissen legen?
Wie dem auch sei: Einstweilen erfreut sich der Fernsehspot der auf Honorarberatung spezialisierten Quirin Bank großer Beliebtheit. Und der setzt bekanntlich an dem Vertrauensverlust der immer noch von den Banken enttäuschten Verbraucher an, der eher wächst als sinkt. Sprich, die Menschen vertrauen ihrer Hausbank oftmals nicht, sie zögern aber auch, leichtfertig zu einer vermeintlich besseren Alternative abzuwandern.
Im Schach nennt man diese Stellung „Patt“ – oder Waffengleichheit, keiner hat einen Vorteil. Außer vielleicht derjenige, der den flotten Community-Sprüchen hinterher auch nachweisliche Taten folgen lässt. Ansonsten verkommt das Bestreben, sich lässig und locker an die neuen im Internet beheimateten Zielgruppen heranzuschleichen, zur Geisterbotschaft.
In diese virtuellen böhmischen Dörfer möchte dann kein digital native mehr hinein tauchen – und das Terrain wäre irgendwann auch werbetechnisch „verbrannt“. Zurück zur „Direktbank 2.0″, der aussichtsreichsten Kombination zwischen Online-Banking und sozialen Netzwerken.
Die Ing-Diba gehört bislang zweifellos zu den Direktbanken, bei denen Leistung, Preis und Kundenservice sich im oberen Feld der Anbieter bewegen. Vielleicht sind wir ja gerade Zeitzeuge einer kleinen historischen Kehrtwendung in der Online-Kommunikation. Fakt ist: Der neue Markenauftritt der Ing-Diba rückt das gute Gefühl ins Zentrum, lässt sich auf einer heute veröffentlichten Presseinfo auf dem Presseportal nachlesen.
Zitat: „Wir wissen aber auch, dass für viele Menschen unsere guten Zinsen und Konditionen allein nicht ausreichen, um sie von der Ing-Diba zu überzeugen. Deshalb betonen wir jetzt zusätzlich zum Leistungsaspekt das gute Gefühl der Ing-Diba-Kunden, eine kluge Bankentscheidung getroffen zu haben“, sagt Marketingleiterin Birgit Spors. Und weiter unten:
Inhaltlich steht „DiBaDu“ für das gute Gefühl, eine kluge Bankentscheidung getroffen zu haben, weil die ING-DiBa ihren Kunden auf gleicher Augenhöhe begegnet, weil man sich auf die kompetente und freundliche Kundenbetreuung verlassen kann, weil es einfach und schnell geht, weil man alles versteht und weil man bei der ING-DiBa immer die volle Leistung bekommt. „DiBaDu“ ist außerdem die Kurzform des neuen Claims „Die Bank und Du“, der die Nähe zum Kunden und den Umgang der Bank mit ihren Kunden auf Augenhöhe nochmals betonen soll.
Quelle: presseportal.de
Noch vor wenigen Monaten klang das von mir leicht abgewandelte Motto: „diba und wo bleibst du“ offiziell etwas anders. Das Geschäft lief, auch ohne mit dem Kunden groß zu interagieren. Das kostet ja bloß wertvolle Zeit, und ist auch von den geräuschlosen Kundenklientel kaum gewünscht.
In einem Interview mit Vorstand Ben Tellings für Heise online hatte ich dazu folgende Frage gestellt:
Die Rolle der Direktbanken im Innovationszyklus Ende der neunziger Jahre führte dazu, dass sie die Bankenlandschaft auf erhebliche Art und Weise durch einander gewirbelt haben. Bislang aber – so scheint es zumindest – sind Direktbanken nicht bereit, sich gegenüber sozialen Netzwerken zu öffnen wie Twitter oder Facebook. Oder anders gesagt: Bislang beschränken sich Direktbanken darauf, in einem sich selbst erklärenden Geschäftsmodell kostengünstige Services und telefonische Hotlines bereit zu stellen. Das hat bislang gut funktioniert. Wird es also (k)eine „Direktbank 2.0″ geben? Wie sähe diese aus?
Ben Tellings: Wenn Sie wollen, können Sie bei Facebook Fan der ING-DiBa werden. Ansonsten haben Sie aber Recht, dass wir im Web 2.0 nur sehr zurückhaltend agieren. Zum einen, weil abzuwarten bleibt, was wirklich von Dauer ist. Zum anderen, weil ein Großteil der Kunden in sozialen Netzwerken zwar ihre Freundschaften, nicht aber ihre Finanzen pflegen will. Was wir ganz klar beobachten ist, dass immer mehr Kunden immer mehr Aufträge über das Internet erteilen. Nehmen Sie den Freistellungsauftrag, der früher postalisch eingereicht werden musste. Dank einer Innovation der Ing-Diba lässt sich das Online abwickeln, genauso wie eine Änderung des Dispositionsrahmens beim Girokonto. Wir arbeiten ständig an Optimierungen und Weiterentwicklungen im Internetbanking.
Quelle: heise.de
Ben Tellings, der übrigens demnächst aus dem Vorstand der Ing-Diba ausscheidet, machte laut eigenem Bekunden in dem Interview eine weitere ganz fundamentale Aussage: „Eine Verlagerung des Internetbankings in soziale Netzwerke sehe ich nicht“, so erläuterte er damals im Gespräch. Ist diese These wirklich so noch haltbar?
Angesichts von mittlerweile rund 11 Millionen Menschen in Deutschland, die sich allein in Facebook derzeit mal mehr mal weniger aktiv tummeln. Immerhin hat sich die Zahl der Nutzer damit seit Jahresbeginn verdoppelt, berichtet Facebookmarketing.de. Vielleicht erleben wir jetzt gerade die ersten zaghaften Schritte in Richtung einer „Direktbank 2.0″… obwohl das offiziell natürlich kein Spitzenmanager zugeben würde.
R+V Blog: Wir besingen unsere Warteschleife selbst…
Es scheint keine virale „Zeitungsente“ zu sein… „wir singen unsere Warteschleife selbst“, diese Botschaft lässt sich jedenfalls auf dem neuen Blog der R+V Versicherung nachlesen. Oder muss es R+ V Versicherungsgruppe heißen. Mütter haben heute so viele schöne Töchter.
Auf dem selben (oder heißt es dem gleichen?) Internetportal erläutert Marketingleiter Alfred Schulz den strategischen Ansatz mit Blick auf den Einsatz von Social Media, zwischen Marketing und -Management:
Als Versicherung wollen wir uns dort bewegen, wo auch unsere Kunden sind. Gleichzeitig wollen wir ihnen die Möglichkeit geben, sehr unkompliziert über ihre Kanäle mit uns in Kontakt zu treten. Wir wollen das Thema Versicherung erlebbar machen und Einblicke in das Innenleben eines Versicherungsunternehmens geben.”
Ganz konkret schaut das so aus:
Somit soll eine transparente und gleichzeitig offene Plattform für den Austausch und den Dialog geschaffen werden. Wir wollen Diskussionen anregen und aktuelle Themen der Finanz- und Versicherungsbranche aufgreifen und bewerten. Was auf Facebook und Twitter aufgrund der bestehenden Zeichenbeschränkung nicht möglich ist, können wir im Blog in Form von ausführlicheren Beiträgen umsetzen. Selbstverständlich werden wir auf Facebook und Twitter auf die neuesten Blogbeiträge verweisen und wollen damit Aufmerksamkeit und Reichweite schaffen.”
Nun aber genug der (Vor)Worte: Hier nun, liebe viral getunte potentielle Neukunden, besingen einige „Kassenkinder“ von Mitarbeitern der R+V das Thema Vitamine, Vitamine - ich überlasse es den Lesern selbst, zu entscheiden, ob ein derartiges Video die Tonlage der neuen Zielgruppen im viralen Netzwerkwerkeln a la Twitter, Facebook, Youtube und Co. trifft (Positive wie auch kritisch-konstruktive Kommentare dazu sind also ausdrücklich erwünscht):
Social Lending goes Lindenstraße: Smava, Zopa und Lending Club wachsen dynamisch
Wenn Menschen sich gegenseitig Geld über darauf spezialisierte Internet-Plattformen verleihen, wie Smava, Zopa und Lending Club, dann nennt man das Social Lending, vor allem, weil Social Media und die Kreditvergabe über menschliche Netzwerke sich zu einem neuen Geschäftsmodell verbinden.
Wenn Banken durch Peer-to-Peer-Kredite (ein anderes Wort für Social Lending) überflüssig werden, so lautet nun das Fazit in einem Artikel auf finanzwirtschafter.de, dann profitieren künftig vor allem Selbstständige davon. Diese Gruppen werden zweifellos die Trends für die Bank 2.0 setzen, falls sie die Zeichen der Zeit nicht verschlafen:
Viele Gewerbetreibende berichten davon, dass sie über Peer2Peer-Plattformen leichter an benötigte Darlehen gelangt sind als bei ihrer Hausbank. Banken sträuben sich bei Selbständigen noch immer besonders gern gegen Finanzierungen.
Quelle: finanzwirtschafter.de
Eine großangelegte, repräsentative Studie zu den Chancen bestimmter Berufsgruppen und zu den Konditionen im Vergleich zu denen bei klassischen Bankkrediten gibt es bislang allerdings noch nicht, das beklagt auch finanzwirtschafter.de, und fügt hinzu: “Auch wenn Peer2Peer-Finanzierungen noch ein Randdasein fristen – zumindest prinzipiell könnten sie Banken in der Zukunft überflüssig machen.“
Wer sich den Status Quo der Social Lending Plattform in den unterschiedlichen Marktsegmenten anschauen möchte, dem empfehle ich (nicht ganz uneigennützig) erneut mein Buch „Die Bank sind wir“. Das Fazit: Im Kern werden Banken zwar als zentrale Schaltstelle für das Risikomanagement allein aus rechtlichen Gründen nicht überflüssig, aber sie werden in der Hierarchie von professionellen Dienstleister möglicherweise in den Hintergrund gedrängt.
Das gilt nicht nur für Google und Facebook, sondern für hoch spezialisierte finanzielle Netzwerke, die gegenüber einer reinen Direktbank einen Mehrwert in der Informationsqualität und ziel gerichteten Vernetzung bieten. Insofern ist die durchaus schillernde Bezeichnung für die professionellen Plattformbetreiber “Kapitalist für alle“ ist gar nicht einmal so weit von der Realität entfernt.
Denn im Kern geht es beim Social Lending ja um für alle Seiten profitable und erfolgreiche „Geschäfte“, wobei aus Kundensicht die „soziale Motivation“ eher in der Kommunikation liegt, und nicht in einem gewinnfreien Deal.
Tatsächlich dienen „soziale“ Kreditbörsen, auf denen Betreiber wie Smava als Moderator dazu beitragen, dass Menschen untereinander Geld leihen bzw. verleihen, somit indirekt auch dem „geschäftlichen Gemeinwohl“. Dennoch will und muss auch der Betreiber auf die Dauer profitabel arbeiten. Den derzeit noch hohen Anfangsinvestitionen müssen noch größere Umsatzzahlen verfolgen, um auf Dauer profitabel arbeiten zu können.
In einer der letzten Folgen der ARD-Kultserie „Lindenstraße“ am 22. August wurde jetzt auch mehr übers Geld gesprochen, als so mancher Bank lieb sein kann. Denn Menschen überlegen sich kreative und manchmal neue Wege, mit ihrem Geld umzugehen und es sich gegenseitig zu leihen. Anschauen kann man sich das Video der halbstündigen Sendung hier:
http://www.lindenstrasse.de/lindenstrasse/lindenstrassecms.nsf/nonflashindex?openframeset
Social Lending hat die Mitte der Gesellschaft erreicht. Sich gegenseitig Kredite zu verleihen, ist aber auch anstrengend. Nicht jeder kann bewusst mit seinem Geld und seinen Chancen und Grenzen hantieren.
Die Lindenstraße und Smava haben also doch was gemeinsam. Der Gründer Alexander Artope würde dies vielleicht so ausdrücken: Unser Anspruch sozial zu sein, ist dann erfüllt, wenn wir ein erfolgreiches Geschäft für alle Beteiligten vermitteln. Die Frankfurter Rundschau hat nun ein Portrait des Gründers von Smava veröffentlicht. Bislang hat die Plattform rund 34 Mio. Euro an Krediten vermittelt.
Noch dynamischer verläuft die Entwicklung in Großbritannien und den USA. Zopa, so berichtet P2P-Banking, will allein im August mit 1.100 Krediten die Marke von 5,5 Mio. britischen Pfund überspringen (6,65 Mio. Euro).
Auch Lending Club in den USA wächst weiterhin stark, mit einem Volumen von durchschnittlich rund 10 Millionen US-Dollar pro Monat - und hat sich mit einem CFO, der immerhin vom Online-Broker Charles Schwab kommt, zudem weitere Expertise aus der ersten Riege der Finanzexperten eingekauft. berichtet American Banking News.
Inzwischen gibt es in den meisten größeren Staaten Europas mindestens einen Marktplatz, auf dem P2P-Kredite auf professionelle Art und Weise im Internet abgewickelt werden, berichtet P2P-Kredite.com. Dazu kommen die Plattformen für Mikrokredite. Ein genaues Lagebild kann man sich auf der europäischen Landkarte anschauen.
Pakistan: ZDF Reporter Hallmann twittert – Was Banken (nicht) lernen können
Die großen Katastrophen dieser Welt haben Twitter berühmt gemacht. Wer indes geglaubt hatte, die „Modeerscheinung“ ginge rasch vorbei, sieht sich nun eines Besseren belehrt. Im Gegenteil: Twitter ist mehr nützlich als schädlich. Denn nun twittert ZDF-Reporter Stephan Hallmann live aus Pakistan, damit versucht der Sender auch sein verstaubtes Image beim jugendlichen Publikum aufzupolieren.
Bislang hält sich die Zahl der Follower mit 1431 in Grenzen. Und ob die Informationen nützlich sind, oder ob es sich eher um Imagepflege handelt, mag jeder selbst entscheiden. Dass die Arbeit vor Ort für externe Berichterstatter schwierig ist, das steht außer Frage.
Die Frankfurter Rundschau befindet die persönlichen auch emotional gefärbten Einblicke in die Flutkatastrophe in Pakistan für glaubwürdig. Die Idee hatte jedoch nicht er, sondern Chefredakteur Peter Frey, der das Augenmerk wohl auf das „Y-Gen“ gerichtet hat, und auch hier die Zuschauerquote anheben möchte.
Am deutlichsten erkennbar wurde die Sogwirkung der öffentlichen Aufmerksamkeit mit Hilfe des Twittern bei einem Flugzeugunglück auf dem Hudson River in New York im Januar 2009. Kaum hatte der Pilot auf spektakuläre Weise das Flugzeug sicher auf dem Wasser aufgesetzt, konnte schon die ganze Welt an diesem Ereignis teilhaben. So befand sich auf einer Fähre ein junger Mann, der sofort twitterte, dass sich auf dem Hudson River wohl gerade etwas Einmaliges ereignete.
Dazu verschickten Menschen mit unmittelbaren ersten Eindrücken ihre Beobachtungen, wie das Flugzeug gelandet war, noch längst bevor Nachrichtenagenturen und lokale Fernsehstationen in New York zur Stelle waren. Unzählige aktive Mitleser (Follower) kommentierten dieses seltene Ereignis und steigerten die Popularität der Plattform weiter.
Jetzt versuchen endlich auch die Medien wie das ZDF selbst den Vorsprung der „privaten Nachrichtensender“ wieder einzuholen – und das Gesetz des Handelns an sich zu ziehen. Twitter als Medium gegen das große Untergangsszenario einzusetzen, diesen gewagten Schritt ging auch British Petrol (BP). Doch gerade für Leitbranchen kann sich eine nur halbherzige Offenheit und Transparenz gegen den Urheber richten.
Das Internet ermöglicht eine nahezu vollständige Transparenz von Ökonomie und Gesellschaft in Echtzeit. Die Folge: Nicht aktiv über die neuen Medien zu kommunizieren, diese Einstellung ist nahezu obsolet geworden. Anhand der Devise „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ lassen sich auch die Geschicke von Unternehmen im interaktiven Kommunikationszeitalter kaum mehr auf Erfolgskurs halten.
Am Beispiel der Medienarbeit des Ölkonzerns British Petrol (BP) lässt sich die Herausforderung für die Managementebene unschwer erkennen. Sie lässt sich dadurch beschreiben, dass soziale Netzwerke die klassische Grenzziehung zwischen hierarchischer Nachrichtenverbreitung und Nutzerrezeption in fundamentaler Art und Weise auflösen und neu justieren.
So diskutierten Millionen von Menschen in unzähligen Foren und Kommentaren die Folgen der durch das Ölleck am Golf von Mexiko ausgelösten Umweltverschmutzung. Der Konzern reagierte zwar durch intensive Kommunikation mit der Öffentlichkeit auf die immer lauter werdende Kritik und ließ dabei auch soziale Netzwerke nicht ausgespart.
Jedoch lässt sich ein medialer Flächenbrand gegen ein einzelnes Unternehmen oder gar eine ganze Branche allein mit einer hierarchisch gesteuerten Pressearbeit kaum steuern und ein drohender Imageschaden zumindest begrenzen. In unzähligen Foren und Netzwerken hat sich eine Art virtuelle Parallelwelt entwickelt, die gängige Paradigmen der Medienarbeit und Kundenkommunikation in Frage stellt.
Oder anders ausgedrückt: Das soziale Entblättern von Unternehmen bringt unvorhersehbare Resonanzverstärker hervor. Eine der gelernten Basislektionen nicht nur mit Blick auf den Ölkonzern BP lautet, dass Corporate Social Responsibility bzw. Umweltengagements keine bloßen Marketinganhängsel darstellen, sondern einen integralen Bestandteil der Geschäftspolitik bilden sollten.
Unternehmen gleich welcher Branche sind aufgefordert, sich als Teil der Gesellschaft und Wirtschaft strategisch neu zu verorten. Gelingt dies nicht, sind Gegenbewegungen im Netz unvermeidlich, die ganze Geschäftsmodelle in Frage stellen oder gar torpedieren. Übertragen auf die komplexe Produktwelt der Finanzinstitute bedeutet dies, sich der Herausforderung zu stellen, das Vertrauen der Kunden zurück zu gewinnen und mit überzeugenden Angeboten zu binden.
Auch Finanzinstitute könn(t)en von den Möglichkeiten des Corporate Microblogging profitieren. Voraussetzung hierfür ist eine in der Unternehmenskultur verankerte Offenheit und der Wille zum konstruktiven Dialog mit den Kunden. Dies birgt ebenso viele Chancen wie Risiken, was ein begleitendes Konzept zur Reputationspflege erforderlich macht.
Externe Dienstleister sollten dabei nur in untergeordneter Weise zum Einsatz kommen. Ansonsten gewinnen die Nutzer den Eindruck, es mit einer neuen, jetzt in Blickrichtung Y-Gen modisch verpackten „Black Box Bank“ zu tun zu haben, die die selbst gesteckten Ansprüche nicht erfüllen kann.
Denn bei einer Bank seien reines Online-Marketing als auch ein paar spannende Brainstorming-Sitzungen mit externen Dienstleistern “pure Zeitverschwendung„, das jedenfalls meint Bankexperte Chris Skinner, „because too many banks see it as being about spending with agencies rather than living the online brand.“
Live-Webstream: Über Thilo Sarrazin, die Bundesbank und fragwürdige Thesen…
Quer durch die Republik werden die kruden Thesen Thilo Sarrazins diskutiert, nun stellt der Bundesbanker sein umstrittenes Buch offiziell vor, berichtet Spiegel online, und das Online-Medium fügt gleich hinzu: “Rund 200 Menschen protestieren in Berlin gegen den umstrittenen SPD-Politiker.“
Nach dem gestrigen Bericht auf Social Banking 2.0 über das Vorhaben „Stuttgart21“ wird die Internetcommunity nun erneut Zeitzeuge in Livebildern zu einer fragwürdigen Diskussion, die Thilo Sarrazin mit seinen provokanten, zwar nicht immer falschen, gleichwohl dennoch deplazierten Thesen angeheizt hat. Wer Öl ins Feuer gießt, braucht sich nicht zu beschweren, wenn die Feuer weiter um sich greifen.
Der Druck wächst jedenfalls gewaltig, titelt Focus. Der Kritisierte verteidigt sich laut Süddeutsche weiterhin vehement – und die Frankfurter Rundschau zitiert die NPD mit den Worten, jetzt sei man durch Thilo Sarrazin gar „salonfähig„, und bietet ihm sogar einen Nachfolgejob in der Rechtspartei an. Ein mediales Possenspiel der untersten Schublade ist in Gang gesetzt.
Gefragt wären statt pointierter Provokationen aus dem sicheren Versorgungssessel eines Beamtenstatus heraus eher probate Lösungsvorschläge. Das aber hat Sarrazin wohl nicht im Sinn. Insofern fragt man sich auch, worin der Folgeschaden für die Bundesbank besteht. Ein Anhänger von nachhaltigem Social Banking ist Sarrazin wohl kaum.
Er zielt vielmehr auf den Nimbus der Unsterblichkeit in der Öffentlichkeit ab. Der dürfte ihm jetzt gewiss sein, spätestens dann, wenn die Bundesbank die Konsequenzen zieht. Am Nachmittag gibt es seitens der Bundesbank eine Erklärung zu Thilo Sarrazin. Dann könnte das Live-Webstreamen ins Netz bereits wieder beendet sein.
Obwohl – es kann ja noch bei jeder Buchvorstellung, zu der Thilo Sarrazin sich noch hin traut, weiterhin öffentliche Live-Bilder geben. Man fragt sich nur, ob man diesem medialen Flächenbrand dann noch beiwohnen muss.
Auf alle Fälle ist es besser, das Buch des eigenen Lebens selbst zu schreiben, statt sich allzu tief in Gedanken zu vertiefen, die zwar in der Sache her nicht immer falsch sind, die aber letztlich doch mehr als fragwürdigen persönlichen Zielen dienen.
Kreativer Geldtransfer 2.0: Handy wird zur neuen Schaltkonsole
Mittlerweile verfügen 69 Prozent der Deutschen über ein internetfähiges Handy. Und moderne Smartphones ermöglichen heute auch den problemlosen Umgang mit dem Internet. Laut einer Umfrage von der (natürlich nicht ganz uneigennützig diesen Befund verkündende) Unternehmensberatung Accenture unter 4.000 Internet-Usern im deutschsprachigen Raum, nutzen fast die Hälfte bevorzugt ihr Handy zum Herunterladen von Apps und Programmen rund ums Thema Geld.
Immerhin 16 Prozent der Befragten halten das Erledigen von Bankgeschäften für eine sinnvolle und für sie zukünftig vorstellbare Anwendung auf dem Mobiltelefon.
Quelle: Accenture, Studie „Mobile Web Watch 2010″. Nachzulesen ist der genaue Befund un die aufbereitete Studie auch auf der Homepage bei der Postbank, die sich über diese Nachricht zu freuen scheint. Wir nehmen sie mal beim Wort…