Social Lending: Zopa und Smava kommentieren Gartner-Studie
Unter den sozialen Kreditauktionsbörsen findet durchaus ein reger Austausch statt. So saßen vor kurzem in London die Geschäftsführer der in Europa führenden beiden Plattformen Zopa und Smava an einem runden Tisch, und Social Banking 2.0 hatte die Gelegenheit, einige kurze Fragen einzustreuen, wie sich denn Peer-to-Peer-Lending in den kommenden Jahren entwickeln kann.
Immerhin prognostizieren die Marktforscher von Gartner, dass Social Lending den Massenmarkt erreichen kann - und sich eine alternative “Investmentklasse” auf Basis von finanziellen Gemeinschaften entwickeln wird.
http://www.gartner.com/it/page.jsp?id=1272313
In den USA hingegen gibt es vor allem bei Prosper weiterhin große Fragezeichen, was die Solidität des Geschäftsmodells angeht.
Alles aus der Schatzkiste verraten die beiden Geschäftsführer natürlich nicht, aber lesen Sie doch selbst – hier eine kurze Zusammenfassung aus Sicht von Zopa und Smava (vielen Dank an Alexander Artopé für die Unterstützung):
Social Banking 2.0: Wodurch unterscheiden sich Zopa/Smava von Prosper und Lending Club (z.B. rechtlicher Rahmen, wirtschaftliche Perspektiven, Absicherung und die Nutzer)?
Sowohl www.zopa.co.uk als auch www.smava.de haben hinsichtlich des Risikomanagements einen Ansatz, der für Anleger eine gute Rendite, aber auch bei Kreditnehmern einen Schutz vor Überschuldung sicherstellen soll. Das bedeutet die Einhaltung weniger, aber zentraler Spielregeln, bevor man einen Kredit bei ZOPA oder smava aufnimmt: Identitäts-, Score- und Einkommensprüfung. Zudem wird nicht die ganze Bandbreite aller möglichen Score-Klassen zugelassen, sondern nur diejenigen, die noch ein vertretbares Risiko darstellen.
Social Banking 2.0: In den USA scheint das Thema Kreditscoring etwas laxer gehandhabt zu sein?
Bei Prosper wird das Risikomanagement etwas anders gehandhabt, da die Einkommensprüfung nur im Einzelfall vorgenommen wird; zudem sind fast alle Score-Klassen zugelassen. Dadurch erklären sich auch die deutlich höheren Ausfallraten. Bei Lendingclub sind uns die Kriterien im Einzelnen nicht bekannt.
Social Banking 2.0: Wie hat sich die Finanzkrise auf das Wachstum von Zopa/Smava ausgewirkt, welche Leute kommen seitdem (z.B. auch Bankmitarbeiter, wie man hört)?
Bei beiden sehr gut, d.h. sowohl Kreditnehmer als auch Anleger nutzen die Plattformen in einem deutlich stärkeren Ausmaß genutzt als vor der Krise. Bemerkenswert ist, dass insbesondere Anleger die Nutzung der beiden Plattformen durch die höhere Transparenz im Vergleich zur klassischen Geldanlage bei Banken begründen.
Social Banking 2.0: Gibt es spannende neue Produkte und Ideen, die Zopa/Smava in 2010 noch umsetzen wird?
Bei beiden Anbietern steht eine kontinuierliche Verbesserung des gegenwärtigen Produktes im Vordergrund – da die jetzigen Produkte ja bereits eine Innovation darstellen, geht es in 2010 darum, das Produkt weiter für den Markt zu optimieren.
Social Banking 2.0: Gartner progostiziert fürs Social Lending bis 2013 ein Volumen von 5 Mrd. US-Dollar weltweit, ist das zu hoch oder zu tief gegriffen?
Unseres Erachtens ist das optimistisch, aber machbar. Ein Volumen von rund 3 Mrd. US-Dollar scheint weltweit auf Basis der Umsätze von 2010 (rund 500m. Dollar) in jedem Fall erreichbar. Offen ist dabei noch die Frage, inwieweit Player wie Kiva und andere miteinbezogen werden von Gartner.
Die Fragen stellte Lothar Lochmaier
Quelle: Social Banking 2.0
Ökoinvestment boomt: GLS Gemeinschaftsbank wandert nach Österreich aus
Dass der Markt für nachhaltige Geldanlagen weiter wächst, verdeutlicht die Tatsache, dass die in Deutschland führende GLS Bank bald in Österreich an den Start gehen wird, berichten das Wirtschaftsblatt und die Nachrichtenagentur AFP:
http://www.wirtschaftsblatt.at/home/oesterreich/branchen/407333/index.do
http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5hCAesARYpQ7WZwxWKpwIsh5J5UKQ
Der Markt für ökologische Produkte und Dienstleistungen wächst weiter, so plant etwa jeder vierte Immobilienbesitzer nach einer Umfrage von Forsa, in den nächsten Jahren eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach zu installieren. Doch das ist nur ein Element unter vielen, vor allem die Windenergie hat erheblichen Rückenwind erhalten, wie ich hier in einem Fachartikel beleuchtet habe:
http://www.produktion.de/clean-tech/windenergie-die-wertschoepfung-ist-bei-zulieferen-am-hoechsten/
Oder anders ausgedrückt: Das “Internet der Energie” schafft sich neue (Finanz)Märkte, und da sind alle Mitspieler unterschiedlicher Branchen mit kreativen Ideen gefragt, der Menschheit einen Schubs in die richtige Richtung zu geben:
Social Media: Neues aus der Bunti-Klicki Welt der Banken
Wieder einmal versucht sich ein Experte an der schwierigen Frage zu reiben, “Would Google make a better Bank?” – dazu schreibt Brett King in der Huffington Post:
http://www.huffingtonpost.com/brett-king/would-google-make-a-bette_b_443317.html
Dazu meine Antwort: Google ist bereits die erfolgreichste (Internet)Bank der Welt.
Wenden wir uns deshalb trivialeren Dingen zu, nämlich der Betrachtung neuer Trends rund um Social Media und Banken. Fangen wir mit Auxmoney an, der privaten Kreditauktionsplattform, wo Menschen sich gegenseitig Geld ausleihen. Der Betreiber lässt die Leute über ihre Erfahrungen auf einer eigens eingerichteten Internet-Satellitenseite sprechen:
http://www.auxmoney-erfahrungen.de/erfahrungen
Irgendwie komisch – ich habe mir die ganze lange Seite der unzähligen Erfahrungsberichte mit Auxmoney angeschaut – mir ist jedenfalls kein einziger negativer oder kritischer Bericht aufgefallen. Außer ein paar ganz vorsichtige Andeutungen, die aber keinem weh tun, vor allem nicht dem Portal selbst.
Oder anders gesagt: Vom Betreiber vorgestanzte Social Media ist keine Social Media. Die Bunti-Klicki-Welt der alten und neuen Banken ist vielschichtig, keiner kann für sich in Anspruch nehmen, nur positive Erfahrungsberichte zu reklamieren, wie ich dies in einem früheren Beispiel über die Targobank aufgezeigt habe, die früher mal Citibank hieß, und die sich jetzt mit Hilfe von gekaufter Social Media einen völlig neuen Kundenanstrich verpasst – ein absoluter Missgriff (siehe den 2. Teil meines Blogeintrages hier):
Nun ist es aus einem gesunden Eigeninteresse heraus durchaus verständlich, wenn Banken im Web 2.0 nicht wollen, dass andere über sie herfallen. Aber der gesunde Weg liegt in der Mitte, zwischen reiner Selbstdarstellung, und dem offenen und ungeschönten Feed back der Community. Das ist wie im richtigen Leben. Es gibt Fans und es gibt Kritiker. Die richtige Mischung machts, und trägt letztendlich dazu bei, dass auch der Betreiber permanent an seinem Geschäftsmodell feilt und sich verbessert.
Mir gefallen deshalb bodenständige Ansätze weit besser, die Social Media als vielfältigen sozialen Lebensraum begreifen. Als kleine Empfehlungsadresse kann man ja mal einen Blick auf die Youtube-Seiten der spanischen Caja Navarra werfen, die dort viele ziemlich unspektakulär aber nicht weniger wirkungsvoll aufgemachte Beiträge zu Haiti eingestellt hat.
http://www.youtube.com/user/Canvideos
Wir sollten die Bank ins Wohnzimmer holen, Bankfilialen als sozialen und kulturellen Lebensraum begreifen, und die gesellschaftliche Verantwortung des Bank- und Finanzwesens via Social Media in den Mittelpunkt rücken. Einige unspektakuläre Beiträge, in denen Mitarbeiter der “CAN” die Lage in Haiti kommentieren, können jenseits einer “Betroffenheitskultur” zeigen, wie das funktionieren könnte:
Eine Bankmitarbeiterin setzt sich jenseits von Hochglanztuning auf einen Stuhl und berichtet über die (Spenden)Situation in Haiti. Ist das nicht eher “Social Banking Media”, wie wir es jenseits der reinen Fassadenpolitur an der Oberfläche verstehen sollten?
Noch ein Zitat aus einem anderen Video: Unicef recibe 80 mil euros del fondo de emergencias ante catástrofes de CAN para ayudar a Haití. Los 530 mil euros aportados por los clientes de CAN.
Übersetzt: Über 80 Millionen Euro hat die Caja Navarra über die Unicef bereits beigesteuert. 530.000 Euro haben die Klienten der Bank dazu beigetragen. Ich will die spanische “Sparkasse” nicht glorifizieren, überall gibt es Licht und Schatten – aber sie zeigt die Richtung auf: Keine vom Rest der Gesellschaft isolierten marmornen Hochglanzfassaden, sondern ein nach allen Seiten atmendes organisches Finanzwesen.
Wer mehr darüber wissen möchte, wie sich die Bankfiliale als sozialer und kultureller Lebensraum jenseits einer künstlichen Bunti-Klicki-Ausstattung wiederbeleben lässt, wird in einem früheren meiner Blogeinträge zur “CAN” fündig:
Die Bank als sozialer Lebensraum – Caja Navarra macht es vor:
Wie eine “Web 2.0-Bank” aussehen kann, zeigt sich am Beispiel von Fidor. Dort hat sich der Publikumsverkehr seit geraumer Zeit drastisch erhöht. Das liegt zum einen an den guten Zinsen fürs Tagesgeld (3.01 Prozent), aber auch an den Nutzern selbst, die ja für ihre Tipps mit einem Bonussystem entlohnt werden (bis dato über 22.000 Euro). Etwas zurückgefahren sind klassische Blogfunktionen, die einfach zu statisch sind:
Kurzum: Die Musik spielt hier, auf den Community-Seiten, wo die Bewohner immer mehr Finanzberater und Produkte bewerten:
Natürlich ist dies noch keine Garantie für plötzlich eintretenden Reichtum über Nacht. Aber man sieht, Märkte sind (offene) Gespräche – und der Betreiber Fidor ist nicht derjenige, der Signale sendet, sendet, sendet. Sondern er moderiert die Drehscheibe der finanziellen Webgemeinschaft, das heißt die Finanzgemeinschaft 2.0 sendet, empfängt und sendet.
Es köchelt in erster Linie die Community selbst – es gilt die richtigen Fragen zu stellen, z.B.:
> Hier kann man sich die Gewinner des Fidor-Video-Wettbewerbs “Banking 2.0″ anschauen:
Welche Aufgabe hat der Portalbetreiber Fidor in diesem kreativen Prozess wiederum, bei dem die Nutzer die Regie führen: Er verteilt, verteilt, verteilt, er dient sozusagen als Motivator, Ideengeber und Wegweiser durch den Finanzdschungel. Er hat für faire Austauschbedingungen und eine kultivierte Kommunikationskultur zu sorgen. Die Messlatte für einen Social Media Ansatz sollte also deutlich höher liegen, als nur in einer schönen neuen “Bunti-Klicki-Welt” -, einer nur vermeintlich interaktiven Bank 2.0.
Noa Bank pusht “Finanzdemokratie 2.0″: Mythos oder Chance?
Die Noa Bank trifft den Nerv der Zeit, und zeigt weiterhin ein großes Wachstumspotenzial, wie zahlreiche Presseberichte bestätigen. Eine kleine Auswahl, die zeigt, dass sich verstaubte Banken warm anziehen sollten, wenn sie glauben, dass der Kunde wie in einer schlechten Ehe auf ewig die Treue schwört. Irgendwann verlässt selbst der gequälteste Geist seinen Peiniger. Und so sieht der Herausforderer Francois Jozik von der Noa Bank das Geschehen:
http://www.handelsblatt.com/_d=HB011022912,_p=1174,_t=ft_archive (leider nur kostenpflichtig abrufbar, die Medien ziehen die Daumenschrauben an)
Die Fakten zur Noa Bank: Nach Angaben des Neueinsteigers wächst der Einlagenbestand seit Beginn des Jahres pro Tag um rund eine Million Euro, was rund 100 neuen Kontenanträgen täglich entspricht.
Schon wenige Wochen nach Neugründung wies das Geldinstitut einen Kundenbestand von 2.500 und ein Einlagenvolumen von sechs Millionen Euro aus. Ende Januar 2010 lag die Anzahl der Konten bereits bei 4.700 und der Einlagenbestand betrug 27 Millionen Euro.
Die Kunden sind bei ihrer Geldanlage allerdings frei in der Wahl ihrer Themenkonten. Im Internet gibt das in Düsseldorf und Frankfurt angesiedelte Geldinstitut einen fortlaufenden Überblick, wie es die Gelder einsetzt, also welche aktuelle Zwischenbilanz das jeweilige Themenkonto hat und an welche Unternehmen die Kredite vergeben worden sind. Hier kann man sehen, welche Projekte die Noa Bank mit Firmenkrediten finanziert:
http://www.noabank.de/wo-ihr-geld-hilft/geldverteilung/thema
Welche Konkurrenz hat die Noa Bank? Wie es mit der ethisch-ökologischen Geldanlage aussieht, beleuchtet Thomas Jorberg von der GLS Bank, der das Kundenpotenzial auf 7-10 Millionen Deutsche schätzt, die ihre Geldanlage “nachhaltig umgestalten” wollen.
http://www.evangelisch.de/themen/wirtschaft/experte-menschen-suchen-nach-ethischen-geldanlagen10924
Sicherlich, einerseits mag es dieses “theoretische Potenzial” geben, aber in der Praxis gibt es eine große Kluft zwischen dem, was die Menschen, die auf ihren Geldbeutel achten müssen, gerne tun würden, und dem was sie dann tatsächlich tun.
Oder anders gesagt: Der große Kundenansturm auf die Ökobanken wird wohl nicht kommen, weil sie zu wenig in der Mitte der Gesellschaft verankert sind, und die moralisch-ethischen Atrribute “zu hoch gehängt” sind, trotz eines teilweise zu erkennenden Paradigmenwandels auf den Finanzmärkten in Richtung mehr Nachhaltigkeit (zumindest solange sie das reguläre Geschäft nicht behindert).
Insofern also dürfte die Zahl der potenziellen Neukunden der Ökobanken auf eine fünf- bis maximal sechsstellige Kategorie beschränkt sein, die sich bislang vor allem aus gut saturierten Kreisen rekrutieren, die sich eine geringere Rendite und ein besseres Gewissen leisten können. Alle anderen aber vergleichen die Konditionen genau:
http://www.ethische-geld-anlage.de/
Immerhin: Die Ethikbank aus Jena greift den Markt jetzt mit eines Tagesgeld-Zins von 2,5 Prozent an, berichtet Börse online, und weist auf einiges Kleingedruckte in diesem Angebot hin:
http://www.boerse-online.de/finanzen/aktuell/:Tagesgeld–Ethischer-Lockvogel/516325.html
Lang wird das Angebot aufgrund der Kostenstruktur wohl kaum anhalten – Was folgt daraus?
Neue Banken wie eben jene Noa Bank sprechen eben jene undogmatische Mitte der Gesellschaft an, die weiß, dass man sich eine “bessere Welt” nicht über eine Ökobank kaufen kann. Vor allem sucht die “Generation Y” mehr Einfluß, mehr Transparenz und mehr Mitbestimmung in der Finanzwelt, wie Boris Janek von Finance 2.0 in seinem sehr interessanten Blogeintrag richtig beleuchtet hat:
http://electrouncle.wordpress.com/2010/01/28/nehmen-wir-einmal-an/
Eine interessante Profilanalyse der Chancen und Grenzen des “Y-Gens” findet sich auch auf Financialbrand:
http://thefinancialbrand.com/2009/11/10/eds-credit-union-arrival-guide/
Übrigens: Nur Twittern, Youtuben oder ein bisschen Facebooken macht noch keine “Bank 2.0″ aus. Das allein wäre nur ein Gimmick. Etwas zurück gefahren scheint die Noa Bank ihre Social Media Aktivitäten zu haben, infolge eines recht vielfältigen Meinungsbildes, das viele interne Ressourcen bindet, kann man diesen Schritt sogar irgendwie nachvollziehen. Denn der anhaltende Kundenansturm bindet IT-Ressourcen und Personal.
Aus Sicht der Anleger zählt natürlich vor allem eines: Sie wollen volle Transparenz nicht nur auf dem Papier, sondern auch hinter den Kulissen.
Insofern sind wir alle gespannt, wie die Noa Bank die neuen Herausforderungen eines dynamischen Wachstums meistert. Aber fest steht auch: Es gibt im Moment auf dem deutschen Markt – wenn nicht sogar international gesehen – kein Geldinstitut, das vom Konzept her so die allgemeine Stimmungslage gegen die Banken trifft, und diese auch noch in einem schlüssigen Geschäftsmodell scheinbar logisch nachvollziehbar abbilden kann.
Damit wären wir bei der “Finanzdemokratie 2.0″ – Mythos oder Chance? Jetzt müssen am Beispiel der Noa Bank den Worten nur noch konsistente Taten über einen längeren Zeitraum folgen, damit wir die erste “Entwicklungsbank” jenseits von Spekulation und einer Verhaftung in der grünen Nische noch in diesem Jahrzehnt erleben.
Dass die “Finanzdemokratie 2.0″ dennoch vorerst ein Mythos bleibt, das versuche ich hier in einem frisch erschienenen Beitrag auf Heise Telepolis aufzuzeigen:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31977/1.html
Aber immerhin, die ersten Schritte in Richtung “Finanzdemokratie 2.0″ sind gemacht. Dies bedeutet keine komplette Umwälzung, in dem Sinne dass sich die Finanzströme “sozialisieren”. Sprich: Die Machthierarchie kehrt sich nicht komplett um, aber das Geschehen wird bunter. Die Menschen beobachten genauer, und immer mehr wüßten gerne, was die Bank mit ihrem Geld macht (oder nicht).
Es wird genau deshalb übrigens nicht wenige Mitspieler geben, die mit allerlei Mitteln versuchen werden, derartige Newcomer wie die “Noas” am Aufstieg zu hindern. Man könnte eigentlich eine Imagekampagne gegen die Noa Bank nicht besser aufziehen, wie man hier anschauen kann:
http://www.osthessen-news.de/beitrag_A.php?id=1177175
Auszug: Die Mahnwelle geht derzeit quer durch die Republik. Das Inkassobüro mit ak-tuellem Sitz in Neu-Isenburg gibt vor, für einen Gewinnspiel-Eintragungsdienst “Tipp House“ eine offene Forderung einzuziehen. Zuzüglich Mahn- und Inkas-sokosten werden 138,61 Euro geltend gemacht, die innerhalb der nächsten sieben Tage auf ein angegebenes Konto bei der noa-Bank überwiesen werden sollen.
Fazit: Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Das oben beschriebene Konto bei der Noa Bank von Inkasso-Geldeintreibern ist sicherlich keine besonders elegante Art, der Konkurrenz auf den Leibe zu rücken. Wer etwas Neues versucht, dem pinkeln die Arrivierten kräftig ans Bein, und sie sind in der Wahl ihrer Mittel nicht gerade zimperlich. Aber innovative Ideen setzen sich letztlich immer durch, wenn die Zeit reif ist.
Andererseits bleiben immer noch - oder schon wieder – einige ungeklärte Fragen mit Blick auf die Noa Bank offen, so etwa ob und in welcher Form die Gründer auch in ein frisch gegründetes Unternehmen namens Samarys involviert sind, das sich dem M&A-Geschäft widmet, also der Veräußerung von Unternehmen.
Dazu gibt auch Gründer Francois Jozik in einem neuen Blogeintrag Auskunft (ganz unten):
http://anderebank.de/blog/artikel/21-things-to-make-a-banker-happy/
Allen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen scheinen die neuen Konditionen fürs Festgeld bei der Noa Bank – immerhin 2,3 Prozent für sechs, und 2,4 für 12 Monate (bzw. 3,5 Prozent für 60 Monate):
http://www.noabank.de/festgeld
http://www.anderebank.de/blog/artikel/noa-bank-erhoeht-die-konditionen-auf-festgeld.-warum/
Das Glas ist also wieder einmal halb voll und halb leer. Social Banking 2.0 hält die Leser weiter auf dem Laufenden, im Sinne der Philosophie, eine möglichst große Transparenz im Informationsfluss herzustellen, sowohl was die “alten” als auch die “neuen” Banken angeht, damit sich “Finanzdemokratie 2.0″ nicht als leeres Marketingversprechen entpuppt, das sich nur den allgemeinem Bankenfrust beim Kundenfang vordergründig zunutze machen will. Jeder Form von “Black Box Bank” soll es nicht mehr ganz so leicht fallen erfolgreich zu sein, oder?
Der Gründer Francois Jozik – nimmt nun dankenswerterweise gleich persönlich für die Leser von Social Banking 2.0 Stellung, zu den neuen angeblichen Verbindungen zwischen Noa Bank und Samarys, und gibt auch Auskunft darüber, wie die Kreditlinie der Noa Bank befüllt wird:
I am not sure it is right to permanently try creating the amalgam between Quorum – Noa bank and other companies. I would communicate openly if it was the case.
As you know I am now only involved in noa bank and Quorum, which has now legally changed its name to noa factoring AG.
I have seen the comments on your website, and I can only tell you that it is not my role, neither my intention to enter into any polemic about targas.
My only focus is noa.
Regarding the credit aspect, I can confirm you that what is shown on the website are indeed financings made by the bank, with the deposits of the savers. Which is the purpose of the bank.
Quelle: Social Banking 2.0
Und hier der Vollständigkeit und Transparenz halber noch meine heutige Antwort auf diese Ausführungen von Francois Jozik:
You can believe me that it is not my attention to throw “Amalgam” between us. But I have a neutral duty to do, to inform the readers about all positive and sometimes critical aspects of “Social Banking”. So I have to be the “voice” for different angles of the topic.
I am just wondering that the new company is in the same location than Noa Bank – so you should understand, that there are questions coming, if you are not involved in that new thing, this is a clear answer, if you are, you should comment that openly, there is nothing bad in it, to create a new value chain, and to open different business models. I know there is a split between openess and security. But the people who deposit Money into Noa Bank, they have the right, not to find a “black box” – and you should just inform, where the money is going into, and what the whole value chain is like. Not more and not less.
Apart from that I hope that your Business will grow, and that everything is going on well.
Quelle: Social Banking 2.0
So – damit wäre dieses Thema vorerst aus Sicht der Noa Bank und Social Banking 2.0 kommentiert. In meinem bald erscheinenden Buch “Die Bank sind wir” – Chancen und Zukunftsperspektiven von Social Banking – versuche ich einige Anregungen zu geben, zur “Finanzdemokratie 2.0″ zwischen Mythos und Realität. Das Buch wird hier erscheinen:
https://www.dpunkt.de/buecher/3270.html
Und nun kommt abschließend die kleine Preisfrage: Jener Leser, der die folgende allerdings leicht Nobelpreis verdächtige Frage in sich schlüssig beantworten kann, erhält ein Gratisexemplar der Publikation (maximal drei Freiexemplare wären zu vergeben):
Finanzdemokratie 2.0 – Lässt der Kapitalfluss sich als Gemeinschaftsgut jenseits von Ideologien (Kapitalismus- und Sozialismuskritik) überhaupt “vergesellschaften”, und wenn ja, in welcher Form?
Oder etwas anders ausgedrückt:
Wie sähe eine Finanzdemokratie 2.0 zwischen Renditestreben einerseits und sozialem Ausgleich andererseits aus, bei der sich letztlich nicht neuer Wein in alten Schläuchen reproduziert, also nur ein etwas hip und schick maskiertes hierarchisches Machtgefüge von oben nach unten, schließlich lässt sich “Kapital” nicht mit Hilfe des Web 2.0 demokratisieren, oder doch?
Hier zwei kleine kontroverse Wegweiser zum hoffentlich “konstruktiven Protestpotenzial 2.0″:
http://www.welt.de/die-welt/vermischtes/article6214290/Protest-2-0.html
Ein Auszug: Dieses Brummen ist auch für Joana Breidenbach, Mitgründerin der Spendenplattform betterplace.org, wichtig. Der Gedanke “Wenn mehr Freunde davon wissen würden, würden sich mehr Menschen engagieren” liegt ihrer Plattform zugrunde. Dieser Multiplikatoreffekt des Web ist die eine Sache. Ein anderer ist die Effizienz des Internet: Traditionelles Fundraising verschlinge ein Drittel der Spenden, sagt sie. Bei Betterplace würden 100 Prozent der Einnahmen weitergeleitet. Ein weiterer Vorteil ist die Transparenz: Ein Klick genügt für den Kontakt zwischen Spender und Empfänger. Und Begünstigte haben angefangen, eigene Projekte zu starten. Ihr Ziel: “alternative Vertrauensmechanismen entwickeln”.
Quelle: welt.de
http://www.zeit.de/digital/internet/2010-02/soziale-netzwerke-elite-facebook
Auszug: “Das Problem mit Seiten wie Facebook ist”, sagt smallworld-Erfinder und Ex-Banker Erik Wachtmeister, “dass einige ‘High-Profile’-Mitglieder permanent kontaktiert werden, während andere diese Seiten als bequeme Möglichkeit sehen, sich mit attraktiven und erfolgreichen Menschen zu verbinden.” Die gesellschaftliche Hackordnung, sie funktioniert auch im Netz. Und die da oben wollen von denen da unten bloß in Ruhe gelassen werden.
Quelle: Zeit.de
Freue mich auf spannende Antworten. Aber das Thema ist nicht unbedingt etwas für einen Schnellschuss, den man einfach so mal in die Tastatur reinhackt.
Bad Bank: Gratwanderung zwischen Sozialismus und Unternehmertum
Neue Besen kehren gut – das scheint auch für den neuen Präsidenten von Chile zu gelten – auf dem wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmers ruhen jedenfalls die Hoffnungen vieler Chilenen. “Wenn Piñera fähig ist, für sich Reichtum anzuhäufen, könnten viele denken, dass er das auch für alle hinbekommt”, sagt die Leiterin des Meinungsforschungsinstituts Mori, Marta Lagos.
Quelle: http://business-panorama.de/politik.php?newsid=48916
Nun ja, dies ist die eine Seite der Medaille. Aber nicht alle sind der Meinung, dass die Reichen immer gut wirtschaften. Billy Bragg, linke britische Singer-/Songwriter-Legende, zahlt jetzt so lange keine Steuern, bis die Regierung die Boni der staatlich kontrollierten Royal Bank of Scotland kappt. Eine gleichzeitig von ihm gestartete Facebook-Kampagne soll möglichst viele Briten zum Mitmachen animieren.
Hier gibt der Sänger in einem Fernsehinterview Auskunft über die Motive zu seiner persönlichen “Boni-Verweigerung”:
Und auch in den USA revoltieren Kunden gegen die Großbanken, wie Spiegel online berichtet:
Mit einer Kontowechselkampagne wehren sich Amerikaner gegen verhasste Großbanken. Kunden wie die Autorin Amy Sohn ziehen ihr Geld ab und legen es bei kleinen Kommunal- und Genossenschaftsinstituten an. Der Effekt einer solchen Massenabwanderung ist jedoch umstritten.
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,675189,00.html
Realwirtschaft kontrolliert Finanzindustrie: Bosch und andere Größen gehen voran
Quelle:
Fehrenbach fordert vor allem eines: Regulatorische Schritte für mehr Transparenz und besseres Risikomanagement. Dies sei notwendig, denn die “teilweise kriminellen und verantwortungslosen Praktiken” bei Verbriefung und Veräußerung von Krediten hätten das Finanzsystem beinahe zum Einsturz gebracht, bilanziert die FTD.
Fest steht: Jedenfalls stehen Banken unter verschärfter Beobachtung der “Realwirtschaft” – die Wirtschaftsbosse schauen den Bankgenossen genau auf die Finger, wie sich ihre Aktivitäten auswirken. Und sie werden der nächsten “Finanzblase” nicht so tatenlos zusehen, falls diese, wie der Spiegel spekuliert, in den nächsten Jahren eintritt:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,674709,00.html
Das Thema ist übrigens mehr als Werbung aus der Industrie, die sich in plakativer Form gegen die Bonizahlungen der Bankmanager richtet – Es stehen nachvollziehbare Belange dahinter – ein Auszug aus dem Spiegel Artikel:
SAP-Chef Léo Apotheker forderte von den Banken mehr Transparenz. Bayer-Chef Werner Wenning forderte die Finanzbranche auf, aus ihren Fehlern zu lernen. “Die Krise ist doch entstanden, weil in Teilen der Finanzwirtschaft keiner mehr durchgeblickt hat, welche Risiken hinter den Versprechungen versteckt waren oder die Gier blind gemacht hat.”
Quelle: Spiegel online
Übrigens: Es gibt noch mehr Aufrufe, die gängige (Haus)Bank zu wechseln, so etwa in der Huffington Post, in der offen zum Wechsel zu den “Community Banks” in den USA aufgerufen wird.
http://mobile.theweek.com/article/index/104930/The_Move_Your_Money_uproar
Allerdings hat dieses Weblog Social Banking 2.0 schon einmal skizziert, dass auch kleine Banken in den USA in den Strudel der Finanzkrise geraten sind – eine allzu blauäugige Sichtweise ist also kaum angebracht:
Trotz dieser kleinen Wermutstropfen – In der real existierenden Wirtschaft stellen sich nicht wenige Menschen die folgende Frage:![]()
Mikrokredite: GLS Bank führt Regie – Brasilien dreht das große Rad
Die Plattform CSR-News berichtet, dass mittlerweile der Markt für Mikrokredite auch in Deutschland in Schwung kommt – und zwar unter Führung der nachhaltigen GLS Bank:
Vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales erhielt die GLS Bank den Auftrag, das Mikrokreditgeschäft in Deutschland flächendeckend auszubauen. Ein mit 100 Mio. € ausgestatteter Mikrokreditfonds Deutschland soll Kredite an Klein- und Kleinstunternehmen sowie Betriebsgründungen absichern. Denn diesen Unternehmen fehlt trotz innovativer Geschäftsmodelle aufgrund mangelnder Sicherheiten oft der Zugang zu Kapital. Die Mittel dieses Fonds stammen im Wesentlichen aus dem Europäischen Sozialfonds und dem Haushalt des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Die Vergabe der Kredite bis 20.000 € erfolgt durch die GLS Bank in Zusammenarbeit mit regionalen Mikrofinanzinstituten. Die Bank ist seit 10 Jahren im Bereich Mikrofinanz tätig und verfügt dadurch über ein großes Netz von Kooperationspartner. Seit dem Jahr 2000 treibt die GLS Bank die Praxisforschung im Bereich Mikrofinanz mit Modellprojekten voran, stellt Risikokapital bereit und bindet sowohl öffentliche Stellen als auch private Initiativen ein. Gemeinsam mit Partnerorganisationen gründete die Bank im Jahr 2004 das Deutsche Mikrofinanzinstitut.
http://csr-news.net/main/2010/01/28/gls-bank-entwickelte-mikrokreditgeschaft-in-deutschland/
Das Thema findet auch sonst in der deutschen Wirtschaftspresse eine Resonanz:
http://www.impulse.de/finanzen/:Finanzierung–Mehr-Kleinkredite-fuer-Selbststaendige/1011705.html
http://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2010018063
Wer aber mal einen Blick ins Ausland wirft, wird feststellen, dass dies eher ein Tropfen auf den nicht ganz so heißen Stein bedeutet. So dreht etwa Brasilien, natürlich unter anderen politischen Vorzeichen der Armutsbekämpfung, mit einen frischen Angebot von rund drei Milliarden US-Dollar ein weit größeres Rad in der Mikrokreditvergabe. Dies ist jedoch nur ein Topf unter mehreren.
Wo liegt die Übertragbarkeit auf heimisches Territorium? – Man kann fast schon sagen, dass man dieses Geschäft nicht als eines von Wegelagerei am Rande der Wirtschaft und Gesellschaft betrachten sollte, sondern als einen wesentlichen Kernbereich von zukunftsweisenden Finanzierungsinstrumenten für kleine und mittelständische Betriebe, die gerade die Banken immer mehr aus ihrem “spekulativ geprägten Blickwinkel” verlieren. Oder anders in marktwirtschaftlichen Worten ausgedrückt: Bedienen Banken nicht die Bedürfnisse der “Realwirtschaft”, werden alternative Märkte und Finanzierungsinstrumente prosperieren, die ihnen allmählich das Fundament unterhöhlen.
Hier geht’s zum Benchmark mit Link zur “Entwicklungsbank” nach Brasilien- wieso heißt eigentlich nicht jede Bank so?:
Best Financial Weblog 2010: Smava schreibt Wettbewerb aus
Smava prämiert im Frühjahr das beste Finanzweblog 2010 – und da nimmt natürlich auch Social Banking 2.0 teil, denn vielleicht gibt es ja den einen oder anderen Leser, der meinen recht eigenwilligen Zugang zur Bankenindustrie ganz interessant findet.
Hier kann man sich an der Abstimmung beteiligen, oder ein eigenes Weblog vorschlagen:
http://www.smava-blog.de/2010/01/25/finance-blog-of-the-year-2010/
Na ja, die drei dotierten Preise wären zwar noch ausbaufähig, wenn man bedenkt, dass ein Weblog prämiert werden soll, das regelmäßig intelligente Beiträge postet – aber so ist die Welt des kleinteiligen Web 2.0, indem viele versuchen, ihre eigene Resonanz zu verstärken: Das Geld hat die ganz am Ende gerauchte Pfeife in der Financial Social Media Szene noch nicht ganz erreicht. Aber was noch nicht ist, das kann ja noch werden.
Gar nicht genossenschaftlich: Fürstliche Gebührenpolitik für Bankautomaten
Die Banken langen bei den Gebühren fürs Geldabheben weiterhin zu, allen voran die Sparkassen und Genossenschaftsbanken, berichtet das Handelsblatt – und beruft sich dabei auf die Verbraucherzentrale, die die “fürstliche Gebührenpolitik” kritisiert:
Nun ja, involviert sind auch die Direktbanken wie die Ing-Diba, die mit den Sparkassen und Co. um die Gebühren feilschen, damit sie ihre Services zum Nulltarif zur Verfügung stellen können. Wie hier hinter den Kulissen mit nicht ganz sauberen Methoden gerade seitens der Sparkassen agiert wird, beschreibt die FTD:
Eine Übersicht dazu gibt es auch bei Spiegel online:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,674495,00.html
Nun ja, die Banken stehen unter öffentlicher Beobachtung, egal welcher Couleur – ob dieses seltsame Treiben noch lange so ungestört funktioniert, darf zumindest bezweifelt werden. Das findet auch Bosch-Chef Franz Fehrenbach, der sogar offen in einem basisdemokratischen Ansinnen dazu auffordert, Banken auszuschließen, wenn diese nur hohe Boni ausschütten, statt ein verlässlicher Partner für die Wirtschaft zu sein. Das allerdings nervt wieder die Financial Times Deutschland:
Noa Bank erläutert detailliert die Firmenhistorie
Nicht vorenthalten möchte ich den Lesern von Social Banking 2.0 das folgende Statement von Francois Jozik, Gründer der Noa Bank, indem er nochmals detailliert auf die Vorgeschichte des von ihm gegründeten Factoring-Dienstleisters Quorum AG eingeht, der ja künftig mit der im vergangenen November gegründeten Noa Bank verschmelzen soll:
Die Situation der Targas AG und der Quorum AG sind sehr verschieden.
Die Targas AG ist eine Firma die bereits im Jahre 1997 in Deutschland damit begonnen hat, kleine und mittelständische Unternehmen bei der Übernahme zu unterstützen. Die meisten von ihnen befinden sich in Familienbesitz.
Zunächst basierte das Geschäftsmodell auf der Idee, dass erfolgreiche Unternehmensübernahmen oft scheitern, weil Käufer und Verkäufer nicht zusammenfinden. Deshalb hat die Firma ein recht simples Produkt angeboten: eine direkte Verbindung zu zahlreichen Kaufinteressenten herzustellen, in der Hoffnung, dass dies zu einer Unternehmensübernahe führt.
Wenn Angebote sehr vielversprechend für die Verkäufer waren, diese aber nicht zu dem gewünschten Ergebnis geführt haben, waren die Verkäufer oft frustriert, da vorab eine Pauschalgebühr für die Dienstleistung gezahlt worden ist.
Im Laufe vieler Jahre hat die Firma festgestellt, dass das Fehlen von Ergebnissen hauptsächlich auf die Einstellung der Verkäufer zurückzuführen war: ein übertrieben hoher Verkaufspreis, das Fehlen des nötigen Verhandlungsgeschicks und eine geringe Motivation die Firma tatsächlich zu verkaufen.
Tatsächlich war dies eine oberflächliche Analyse.
Im Jahre 2005, bin ich zum Aufsichtsrat der Firma bestellt worden, mit der Mission ein Mittel zu finden um diese schwierige Situation, welche das Ansehen der Firma und sogar ihre Zukunft gefährdete, zu lösen.
Da es keine Vollzeitstelle war, habe ich zwei Jahre für die Neuausrichtung der Firma gebraucht. Ich legte erneut fest, welche die Grundlagen sein sollten, um die Übernahmen von KMU‘s in Deutschland erfolgreich zu unterstützen.
Schritt für Schritt wurde der Service folgendermaßen erweitert:
• Die Suche nach Käufern (Targas hat ein fantastisches Leistungsvermögen potentielle Käufer für fast jede Art von Unternehmen zu finden – allein die existierende Datenbank ist unglaublich)
• Die Qualifikation der Käufer (Motivation, finanzielle Leistungsfähigkeit, etc.)
• Die Bewertung der Firma
• Die Analyse der finanziellen Möglichkeiten einer Transaktion
• Permanente Unterstützung des Verkäufers durch den Vermittler während des gesamten Prozesses
Als sich die Ergebnisse erheblich veränderten, musste sich die Firme noch mit weiteren kulturellen Problemen auseinandersetzen: viele Angestellte, die bereits seit 10 Jahren nach der gleichen Art und Weise gearbeitet haben, waren den Veränderungen gegenüber sehr abgeneigt. Und zudem kam noch die Frustration der Verkäufer, die obwohl sie vorab eine Pauschalgebühr bezahlt haben ihre Firma letztendlich nicht verkaufen konnten.
Im Jahre 2009 begann die letzte Phase der Restrukturierung. Die große Mehrzahl der Angestellten wurde ausgetauscht. Alle Angestellten die nicht bereit waren sich der neuen Philosophie unterzuordnen, wurden dazu aufgefordert die Firma zu verlassen. Zudem wurde die strittige und vorab zu zahlende Pauschalgebühr abgeschafft.
Das Jahr 2009 war ein entscheidendes Jahr für die Targas: die fast komplette Veränderung der Personals, des Geschäftsmodells und der Einkommensquelle. Die neue Unternehmensführung muss nun das Problem mit der Vergangenheit bewältigen und das neue Geschäftsmodell zum Erfolg führen.
Ich denke, dass ich meine Mission innerhalb der Targas vollbracht habe. Vielmehr muss ich jetzt mehr als je zuvor all meine Energie in die Entwicklung der noa bank einbringen.
Quorum AG, wie bereits gesagt, dies ist eine ganz andere Situation. Hier bin ich nicht nur im Aufsichtsrat – ich bin Gründer und Anteilseigner. Es ist mein „Baby“.
Quorum ist eine großartige Firma, die seit 2005 über 500 Firmen in Deutschland finanziert.
Wir waren erfolgreich, weil wir alles radikal anders gemacht haben. Ein absolut neues Geschäftsmodell, eine neue Verkaufsstrategie, eine neue Zielgruppe (KMU‘s), eine neue Risikovorgehensweise, etc. Nach 4 Jahren wurden wir die Nummer 2 oder 3 im Markt, gemessen an der Anzahl der Kunden.
Eindeutig, Quorum hat Regeln gebrochen – gehasst von der Konkurrenz (bis zum Jahr 2005 war Deutschland der am meisten unterentwickelte Markt für Factoring in Europa – das beschreibt die Dynamik unserer Konkurrenten).
Deshalb haben einige Konkurrenten, unterstützt von einer kleinen Gruppe nur wenig unabhängiger Journalisten, angefangen nach einer Verfehlung zu suchen. Und sie haben auch eine gefunden. Dies hat zu der WDR Geschichte geführt, die Sie erwähnt haben.
Dabei ist es so einfach: man nehme einen gefeuerten Angestellten, einen frustrierten Kunden, welcher keinen Kredit mehr bekommt aufgrund seiner dramatischen finanziellen Situation, einen schlechten Unternehmenssprecher (unser Fehler!) und man erhält einen fantastischen Cocktail der Manipulation.
Der Kunde wurde dazu gedrängt eine Klage bei der Staatsanwaltschaft einzureichen (das war natürlich sensationell für die WDR Geschichte), aber ein Jahr später ging er nicht zur Staatsanwaltschaft um Stellung zu seiner Klage zu beziehen. Die Staatsanwaltschaft gab auf.
Ich sage nicht, dass wir keine Fehler gemacht haben, eine schnell wachsende Firma ist immer schwierig zu führen. Wir haben versucht mit Selbständigen zu arbeiten, um unsere Verkaufsaktivitäten auszuweiten. Dies hat unserem Ansehen geschadet (man kann Selbständige nicht kontrollieren).
Zu der Zeit dieser Geschichte, haben wir INFAS damit beauftragt, unsere Kunden einer unabhängigen Befragung zu unterziehen ( http://www.ecco-duesseldorf.de/service/quorum/quorum.html ). Das Ergebnis war eindeutig: mehr als 82 % unserer Kunden waren absolut zufrieden mit Quorum. Natürlich bedeutet das auch, dass 18 % unserer Kunden unglücklich waren. Dabei darf man nicht vergessen, dass das Hauptproblem der Finanzierung das Entstehen von Kundenunzufriedenheit ist: tatsächlich kann man nicht zu jedem ja sagen, manchmal muss man eine Beziehung beenden oder aber die Finanzierung einschränken.
Ich bin mir sicher, dass diese Situation auch bei noa entstehen wird.
Auf jeden Fall ist Quorum eine Firma, auf die ich sehr stolz bin. Wie ich bereits mehrere Male gesagt habe, Quorum und die noa bank werden in Kürze ein Unternehmen sein.
Einzusehen auch unter: http://www.anderebank.de/blog/artikel/erschuetterung-der-vertrauensbasis-und-kognitive-dissonanz/
Beste Grüße
Francois Jozic
