Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Liquid Democracy und Finanzen: Aufstand der kreativen Mittelschicht?

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Für Anarchopunks sind Unternehmer, Vermieter und Politiker die Bösen. Ohne die gabe es aber eine feudalistische Plutokratie. Intelligente Punks dagegen versuchen, sich mit kreativen Ideen von den Konventionen der Mittelschicht zu verabschieden. Ich nenne sie Investmentpunks.

> Dieses Zitat stammt von Gerald Hörhan. Er ist Investmentbanker und geht auf Heavy-Metal-Festivals. Im “Presse”-Interview erklärt er, warum die Mittelschicht in einem Hamsterrad läuft und sich ausbeuten lässt:

http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/541230/index.do?_vl_backlink=/home/wirtschaft/index.do

Bilanzieren wir: “Liquide” Demokratie mit dem Transmissionsriemen der Mittelschicht beginnt bei den Finanzen – oder sie kommt gar nicht. Die kreative Mitte der Gesellschaft entscheidet hoffentlich, sofern sie ihr strategisches Potenzial und ihre Bedeutung als Brückenkopf zwischen Unter- und Oberschicht erkennt, wohin die Geldströme fließen (sollten), und wohin vielleicht eher nicht.

Was ist zu tun? Nur wer die Verantwortung für das eigene Geld und das der anderen übernimmt, ist ein produktives Glied in der Wertschöpfungskette, und dient den Interessen der “Realökonomie” – und damit jenen der gesamten Umwelt und Gesellschaft. Denn allein mit Investmentpunks werden wir kaum die richtige Richtung einschlagen.

Kommt jetzt der intelligente “Aufstand der kreativen Mittelschicht, die in das undurchsichtige Räderwerk der Finanzindustrie eingreift? Als philosophischer Ausstieg deshalb die Schlussrede in dem künstlerischen Meisterwerk von Charlie Chaplin aus dem Jahr 1940: Der große Diktator, eine mehr als gelungene Persiflage auf Hitler, die später von der Realität so deutlich übertroffen wurde, dass Chaplin diesen Film am liebsten nie gedreht hätte.

Zunächst eine Szene aus der Mitte des Films, in dem der große Dikator mit unserem Erdball mehr oder minder elegant spielt, bis er zerplatzt, hier kann man durchaus Analogien zu den Exzessen an den Finanzmärkten nach dem Motto “Alles oder nichts” sehen:

Die Schlussszene hat auch heute mit Blick auf die Finanz- und Bankenwelt keine Silbe an Aktualität verloren:

Geschrieben von lochmaier

März 9, 2010 um 3:40 pm

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Internet-Bezahldienste: PayPal spürt Gegenwind – (nicht nur) deutsche Kunden sind unzufrieden

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In einem längeren Beitrag in der Fachzeitschrift “die bank” (03-2010) beleuchte ich die Zukunftsperspektiven der Internet-Bezahldienste, hier ist ja die an eBay angehängte PayPal das Maß der Dinge – der Titel des Beitrags lautet:

Internet Payment Systems: PayPal spürt Gegenwind

Hier gehts zum Inhaltsverzeichnis, online gibt es den Beitrag, der im aktuellen Heft 03/2010 erschienen ist, noch nicht einzusehen:

http://www.die-bank.de/inhaltsverzeichnis-1/03-2010

Wer meine Gedanken etwas zwischen den Zeilen liest, wird am Ende auf die Einflüsse von Facebook & Co. aufmerksam werden, so wird die Szenerie der mobilen und Internet-basierten Verfahren durch “Facebook Credits” bereichert, dessen strategische Bedeutung  ja auch PayPal schon erkannt hat. Leider fehlte mir der Platz, diese Facette  ausführlicher zu beleuchten.

Ich habe aber für den deutschen Ableger der amerikanischen Newsplattform CNET schon einmal die nicht ganz einfache Rolle von PayPal im Konzert der Online-Finanzökonomie beleuchtet. Titel des Beitrags: PayPal – Sicherer Datendienst oder dubiose Datenkrake?

http://www.zdnet.de/sicherheits_analysen_paypal_sicherer_bezahldienst_oder_dubiose_datenkrake_story-39001544-39153525-1.htm

Es empfiehlt sich durchaus, sich mal die Kommentare direkt unter meinem Fachbeitrag auf zdnet.de anzuschauen. Man kann sich fragen: Was hat sich seit dem Jahr 2007 geändert?

Fazit: Einerseits herrscht eine große Euphorie, manche Experten wie Chris Skinner meinen, dass PayPal die Welt der finanziellen sozialen Netzwerke maßgeblich beeinflußt, andere wiederum stehen dieser potenziellen Hegemonie eher kritisch gegenüber:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,680448,00.html

Am Ende bilanziert eine der vielen Tageszeitungen, die derzeit durch Stellenstreichungen und sinkende Werbeerlöse ins Trudeln geraten, nämlich die Stuttgarter Nachrichten:

Eins, zwei, drei – Raus!

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/stuttgarter_nachrichten.html/id/fddab209-70fb-4d66-a000-85cb8b1b6ad9

Ob das allerdings für den Platzhirschen am Markt, für PayPal gilt, darüber kann zur Zeit nur trefflich und kontrovers spekuliert werden. Deshalb abschließend ein viel sagender Auszug aus dem Artikel in den Stuttgarter Nachrichten vom 06.03.10:

So will das Auktionshaus seinen expandierenden Finanzservice, der bereits für rund ein Drittel des Konzernumsatzes sorgt, in Deutschland weiter durchsetzen. Dadurch werden die Auktionen teurer (um mindestens 1,9 Prozent des Umsatzes plus 35 Cent). Zudem gilt Paypal wegen Sicherheitsbedenken und mangelnder Transparenz als umstritten. Das Internet ist voll von Beschwerden, in denen Kunden klagen, dass Paypal trotz ordnungsgemäßer Lieferung die Weitergabe der bezahlten Summe verweigert. Die Google-Suche nach der Wortkombination Paypal und Probleme bringt 2,6 Millionen Treffer. Derzeit prüft das Bundeskartellamt die Koppelung von Verkauf und Zahlungsmethode bei Ebay.

Verwunderlich ist es somit nicht, dass ein Redner auf der letzten Mitglieder-Konferenz “Ebay Live” in Chicago klagte: “We are running out of Germans” – “Uns gehen die Deutschen aus . . .”.

Quelle: Stuttgarter Nachrichten

Geschrieben von lochmaier

März 7, 2010 um 12:20 pm

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Noa Bank und die Medien: Sie küssten und sie schlugen ihn

mit einem Kommentar

Wer den Filmklassiker von Francois Truffaut aus dem Jahr 1959 gesehen hat: Sie küssten und sie schlugen ihn, der sieht sich mit einem interessanten Plot konfrontiert. Der 14-jährige Antoine wird von seiner Umwelt als »schwieriges« Kind beurteilt. In der beklemmenden Enge der elterlichen Wohnung sieht sich Antoine mit einem schwächlichen Vater und einer verständnislosen Mutter konfrontiert.

So ähnlich, gehasst und von den Medien gleichzeitig geliebt zu sein, ergeht es derzeit wohl Francois Jozic, dem Gründer der Noa Bank. Er ist mittlerweile, auch aufgrund einer clever aufgesetzten Werbekampagne zu dem im November gegründeten neuen Institut (Social Banking 2.0 berichtete hier) von den Wirtschaftsmedien akzeptiert, ja sogar als kreatives Unruheelement geliebt.

Das Handelsblatt und andere Leitmedien haben ihn längst akzeptiert, die guten Konditionen für Tages- und Festgelder haben ihr übriges getan.  

Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass “David jetzt gegen Goliath in die Offensive” geht, um aus seiner Sicht unberechtigte Vorwürfe, die das Geschäftsgebahren der Noa Bank betreffen, aus dem Weg zu räumen, nachzulesen heute auf dem Weblog der “anderen Bank”: 

http://www.anderebank.de/blog/artikel/goliath-versucht-david-zu-toeten-teil-1/

Dazu ein Kommentar von Social Banking 2.0: Ich hatte selbst in jüngster Zeit eine schwierige Gratwanderung zu bewältigen, einerseits kritisch über die Vorgeschichte der Noa Bank zu berichten, worüber ich in zahlreichen Blogeinträgen berichtet habe. Ich bin nicht blind, auch mich haben einige Unklarheiten irritiert.

Andererseits, und das ist wieder die Kehrseite der Medaille, entspricht es nicht meiner  Arbeitsweise und meiner journalistischen Ethik, ohne jegliche konkreten Befunde eine Vorabverurteilung der Noa Bank als unseriöse Bank auszusprechen. Der WDR ist auch an mich heran getreten, weil ich in meinem Blog diverse kritische Einträge zur Noa Bank verfasst hatte.

Meiner Sorgfaltspflicht bin ich nach gekommen, und habe alle Fakten, die mir selbst zur Noa Bank bekannt waren, und die ich via Netz recherchieren konnte, an die Leser von Social Banking 2.0 weiter gereicht. Nicht mehr und nicht weniger. Eine Kommentierung zum aktuellen Geschäftsgebahren der Noa Bank kann und will ich allerdings nicht abgeben. Mir fehlen dazu die Informationen, um dies seriös und fundiert zu bewerten.

Man hätte mich ebenso gut zu einer anderen deutschen Großbank befragen können, und wenn ich hier nichts Stichhaltiges habe, werde ich dazu keinen Kommentar abgeben. Dem WDR hatte ich übrigens selbstverständlich angeboten, auf meinem Weblog eine Stellungnahme zu den Vorwürfen abzugeben, die der Noa Bank Gründer Francois Jozic seinerseits in den Raum gestellt hat (Cocktail der Manipulationen, wenig unabhängige Journalisten).  

Ansonsten regte ich jedoch an, sich intensiver in einer fundierten Reportage mit dem Status Quo und den Zukunftsperspektiven der Finanzindustrie und dem Social Banking auseinander zu setzen. Das wäre ein spannender Job, den bisher keiner erledigt hat. Das ist viel harte, akribische Detailarbeit.

Ich muss gestehen: Ich mag die vielen tollen Bilderfluten, denen der Magazinjournalismus im Fernsehen sich heute unterwirft, nicht besonders. Alles putscht die Emotionen hoch, meist bleibt der Zuseher dann allein zurück. Ich respektiere die Arbeit von Journalisten, auch jene vom WDR, die sicherlich nicht einfach ist.

Es müssen aber neue Wege her, jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei. Weder bringt uns reines “Bankenbashing” gegen die Arrivierten weiter, da dies nur ablenkt von den konkreten Lösungsoptionen. Man sollte jedoch die kritischen Punkte deutlich ansprechen, um das alte Bankensystem, das sich zu weit von der Realwirtschaft weg bewegt hat, nicht zu rechtfertigen.

Und um den Kreis zwischen den Polen, sie küssten und sie schlugen ihn, noch weiter zu schließen, sollte man neue Ansätze aus dem Social Banking weder glorifizieren, noch vorschnell verdammen. Die Zeit ist aber definitiv gekommen, für konstruktive neue Wege in der Bankenlandschaft.

Das Vertrauen ist dahin, und wir alle sind gefordert, an einem besseren Geldfluss mitzuarbeiten, der die Menschen und die produktive Arbeitskraft in den Mittelpunkt stellt.

Wenn wir weiter machen wie bisher, werden die virtuellen spekulativen Geldströme jenseits der realen Wertschöpfung unsere Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig erodieren lassen, ja vielleicht sogar den Zusammenhalt in der Mittelschicht, die die Hauptlasten zu tragen hat, zerstören.

Social Banking ist ein Hoffnungsträger, und solange nicht erwiesen ist, dass einer der Spieler, und das gilt für alle, nicht vorsätzlich gegen Gesetze verstoßen hat, gibt es keinen Grund, eine endgültige negative Bewertung vorzunehmen.

Ich war in Deutschland übrigens der erste Kommentator, der sich im vergangenen Herbst mit der Noa Bank auseinander gesetzt hat, und das sehr kritisch. Das Geschäftsmodell, das damals auf der Webseite präsent war, fiel mir durch den Tipp eines Experten auf. Daraufhin habe ich es durchleuchtet, und viele kritische Anmerkungen dazu gemacht. Vieles dort Präsente schien mir damals hektisch und undurchsichtig gemacht.

Kurz darauf suchte Francois Jozic, der Gründer der Noa Bank, das Gespräch mit mir, und ich berichtete über die Argumente, die wir ausgetauscht haben, öffentlich. Ich sah mich einem engagierten Diskutanten gegenüber sitzen, der leidenschaftlich für seine Sache und die Noa Bank eintritt. Der Gründer erläuterte mir, er habe - wie hoffentlich jeder von uns – durch die Finanzkrise viel gelernt. Sie hat uns tatsächlich alle an den Rand des Abgrunds gebracht. Und es gibt keine Garantie, dass sich dies nicht wiederholen könnte. 

Wo also stehen wir? Zunächst einmal gibt es vielerorts eine Sympathie für neue Modelle, wie dasjenige der Noa Bank, den Ökobanken, oder einer Smava und Fidor, die die Welt mit der Peer-to-Peer basierten Kreditvergabe und Vermögensverwaltung bereichern. 

Das von der Noa Bank verfolgte Geschäftsmodell beschreibt Jozic wie folgt: Jenseits von Spekulation die Kundeneinlagen seriös verwalten, und Kredite an die Realwirtschaft, das heißt an die klein- und mittelständischen Unternehmen ausreichen. An diesen Zielen muss sie sich jetzt messen lassen. 

Genau das wäre tatsächlich die Aufgabe von Banken, sich als Dienstleister der Wirtschaft und Gesellschaft zu verstehen. Dafür dürfen auch Gewinne erwirtschaftet werden, wenn sie nicht nur exklusiv in den Taschen einiger weniger Spieler landen.    

Ich selbst lasse mich von keiner Seite vereinnahmen, weder von den klassischen Medien, noch von einer Bank. Ich sehe meine Aufgabe in diesem Weblog darin, möglichst neutral und jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei über die alte und neue Bankenszene zu berichten. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe, der ich mich jeden Tag aufs neue stelle.

Es motiviert mich, nicht die ausgetrampelten Pfade anderer zu benutzen, und auch an der Neuerfindung des “Bankenjournalismus 2.0″ mitzuarbeiten.

Viele positive Kommentare haben mich in den vergangenen Monaten motiviert, in dieser Aufgabe fortzufahren. Es gab auch kritische Stimmen, manchmal hatte ich das Gefühl aufgeben zu sollen, und mich wieder in den Strom der unauffälligen Masse einzureihen, wo es bequemer ist, weil man nirgendwo aneckt. Das aber wäre vergeudete Lebenszeit. Ich will mich nicht mit mir selbst langweilen.

Mittlerweile ist mein Buch zum Social Banking fertig.  Dieses Weblog hat dazu beigetragen, dass ich viel gesendet und noch mehr Signale empfangen habe. Es war ein vielschichtiger Chor, viele Stimmen, die mich erreichten, und aus denen ich das aus meiner Sicht wichtige Material  zu selektieren hatte. Die Aufgabe hat gerade erst angefangen. Sie ist spannend, wenn man bereit ist, sich auf die zahlreichen Unwägbarkeiten einzulassen.

Es gibt keine Helden und keine Sündenböcke, das wäre zu einfach. Ich weiß, wie jeder andere auch nicht, wie sich die Geschicke der Noa Bank entwickeln werden. Sie wird unter Beweis stellen müssen, dass sie seriös arbeitet. Sie wird sich mit neuen und alten Vorwürfen konfrontiert sehen. Ich selbst möchte daran glauben, dass alternative Wege in der Finanzwirtschaft, die das Etikett Social Banking zurecht tragen, möglich sind.

Oder einfacher formuliert: Nicht jeder Mensch, der Visionen hat, sollte gleich zum Arzt gehen. Hier deshalb abschließend einige Originalszenen des Films von Francois Truffaut: “Sie küssten und sie schlugen ihn”:

Geschrieben von lochmaier

März 5, 2010 um 10:21 am

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Die Bank sind wir: Buch zum Social Banking frei zur Vorbestellung

mit einem Kommentar

Ab und an ist auch Werbung in eigener Sache erlaubt – Mittlerweile ist mein Buchprojekt “Die Bank sind wir – Chancen und Zukunftsperspektiven von Social Banking” (Heise Telepolis), das im dpunkt-Verlag erscheinen wird, online vorzubestellen:

http://www.dpunkt.de/buecher/3270.html

Das Titelbild sagt ja schon mal aus, dass es um Geld geht, das Menschen sich gegenseitig in die Hand geben. Wie wir uns also von der Black Box Banking Mentalität verabschieden können.

Mal sehen, wieweit die unterschiedlichen neuen Modelle Schule machen, und wie diese die Industrie neu beeinflussen. Die Endproduktion durch die Verlagsschleifen wird sich noch einige Wochen hinziehen, wenn alles klappt, dann erscheint das Buch im Mai.

Und wer schon mal einige Eindrücke erhalten möchte, wie es um Social Banking an der Schnittstelle zwischen alter und neuer Bankenwelt bestellt ist, dem empfehle ich, sich übers Wochenende noch einmal den rund 50-minütigen Videostream von der Cebit Webciety anzuschauen, auf der ich mit auf dem Podium saß – und eine spannende Diskussion mit einigen Vertretern aus der Branche geführt habe.

http://webciety.de/?page_id=2703 (= Archivfunktion, runter scrollen bis zur Veranstaltung Finance 2.0 am 02.03, und klicken, dann öffnet sich das Video automatisch).

Geschrieben von lochmaier

März 5, 2010 um 8:24 am

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Quirin Bank im Interview: Wie erfolgreich ist Social Media in der Honorarberatung?

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Zweifellos gehört die Quirin Bank mit einem Geschäftsmodell, das auf Honorar- statt Provisionsberatung basiert, zu jenen Instituten in der “neuen Szene”, die ein frisches und belebendes Element darstellen.

Im vergangenen Herbst hat insbesondere die recht aufwändige (und sicherlich nicht ganz billige), recht clever ineinander verzahnte Web- und Print basierte Werbekampagne zum Verbot der Provisionsberatung für einen der “Hingucker” gesorgt. War das nun eher eine klassische Kampagne, oder doch vielmehr eine virale auch mit Hilfe von Social Media gesteuerte Aktion? – so lautet nun die Eingangsfrage.

Zunächst zur Einführung eine Retrospektive: Ein Einblick, wie die Werbeslogans entstanden sind, wie dieser hier: Lieber Herr Westerwelle, machen Sie es wie die Engländer: Schaffen Sie Provisionen ab! - das kann man hier nachlesen:

http://www.jppr.de/news-service/news-0909_content_d.asp?f=185&lan=d

Zur Kampagnenwebsite “Provisionsverbot” geht es hier:

http://quirinnews.de/provisionsverbot/

Nun bilanziert Vorstandsvorsitzender Karl Matthäus Schmidt den Status Quo, nicht nur zur Honorarberatung, sondern er skizziert eben auch jene Chancen und Grenzen von Social Media, in einer nicht ganz alltäglichen Bank. Hier das Gespräch exklusiv für die Leser von Social Banking 2.0:  

Social Banking 2.0: Herr Schmidt: Bevor wir etwas gebetsmühlenartig die Königsfrage nach der Qualität der Bankberatung adressieren, erst einige aktuelle Aufhänger. Im vergangenen Herbst war die Quirin Bank in den Print- und Online-Medien stark präsent mit ihrer Kampagne zur Honorarberatung, oder genauer gesagt, mit der Kampagne zur Abschaffung der Bankprovisionen. Wenn Sie einige Monate später die Zielrichtung und die erzielten Erfahrungen bilanzieren, was kam dabei heraus?

Zielsetzung unserer Kampagne war es, für mehr Anlegerschutz und Kundenfreundlichkeit in der Bankenbranche zu werben. Deshalb haben wir die Bundesregierung aufgefordert, Provisionen und versteckte Kosten im Privatkundengeschäft der Banken abzuschaffen und für mehr Transparenz und Fairness für alle Privatanleger zu sorgen.

Die Kampagne wurde mit einer Petition an den Gesetzgeber verbunden und von knapp 2000 Menschen unterschrieben sowie von zahlreichen Experten aus der Finanz- und Wirtschaftsbranche, der Politik und dem Verbraucherschutz unterstützt. Darüber hinaus haben wir enormen Zuspruch von vielen Privatkunden bekommen und zahlreiche Anleger haben uns von ihren persönlichen Erfahrungen erzählt. Diese offene Kommunikation mit Kunden und Interessierten ist uns sehr wichtig, da sie in unserer Geschäftspolitik einen besonderen Stellenwert einnimmt.

Social Banking 2.0: Was hat sich denn konkret daraus ergeben?

Seit Ende Dezember befindet sich unser Antrag in der parlamentarischen Prüfung. Seitdem ist das Thema von vielen Verbänden, wie z.B. dem VDH oder den Verbraucherzentralen aufgegriffen worden. Die Honorarbetung als Alternative zum Provisionsbanking ist aus der öffentlichen Diskussion nicht mehr wegzudenken.

Social Banking 2.0: Ist es überhaupt ein realistisches Unterfangen, die Bankprovisionen abzuschaffen, oder geht die Zielrichtung nicht letztlich am Problem vorbei, nämlich generell nur Bankprodukte zu vertreiben, die neben den Kunden sogar die Bankberater bis hinunter in die kleinsten Vertriebseinheiten verstehen?

Es wäre schön, wenn das so einfach wäre. Das Problem liegt aber tiefer. Banken haben in der Regel kein Interesse daran, ihre Produkte so transparent und einfach zu gestalten, dass sie auch von den Kunden verstanden werden. Der Grund dafür ist ganz einfach: je verständlicher ein Produkt ist, desto weniger lassen sich darin Gebühren und Provisionen verpacken. Umgekehrt gilt: je komplexer und schwieriger ein Produkt, zu verstehen ist– denken Sie etwa ein Zertifikat – desto leichter kann man darin Gebühren verstecken. Und Gebühren  will die provisionsorientierte  Bank einnehmen, weil sie damit ihr Geld verdient. Es kann also – systembedingt – gar nicht im Interesse der Bank liegen, Produkte einfach und verständlich zu gestalten. Die Bank wird ihren Informations- und Gestaltungsvorsprung immer nutzen, um daraus einen Vorteil für sich zu ziehen. Entsprechende Initiativen des Gesetzgebers, wie etwa die MiFID oder die Umsetzung der EU-Vermittlerrichtlinie  haben deshalb auch leider nicht zu mehr Transparenz und Verbraucherschutz sondern zu mehr Informationsflut und Bürokratie für die Verbraucher geführt.

Social Banking 2.0: Welche Schlüsse ziehen Sie daraus?

Deshalb setze ich mich für eine Abschaffung des Provisionssystems in Deutschland ein. Ich persönlich glaube fest daran, dass sich der Interessenskonflikt, indem jeder Bankberater heute zwangsläufig steckt, nur auflösen lässt, wenn Kunden keine versteckten Provisionen sondern offene Honorare zahlen.

Jeder Kunde, der sich heute mit den tatsächlichen Kosten seiner Geldanlage befasst, und versteht, dass Bankberatung in Wirklichkeit nicht umsonst ist, begreift sehr schnell, dass sich eine unabhängige Honorarberatung unter dem Strich auch für ihn  persönlich besser rechnet.

Social Banking 2.0: Wie erfolgreich sind denn die Berater bei der Quirin Bank, eine Garantie für ein erfolgreiches Abschneiden kann es ja nirgendwo geben, was macht also das unverwechselbare Element aus?

Die Tatsache, dass unsere Berater nicht von Provisionen leben, sondern unabhängig beraten, ist das einzigartige Merkmal unseres Beratungsmodells. Unsere Kunden können ganz entspannt sein, denn Sie wissen: Für die Beratungsleistung zahlen Sie ein Honorar wie beim Anwalt oder beim Steuerberater. Der Berater hat keine „versteckte Agenda“, weil er ständig an seine Provisionen denken und dem Kunden ein Produkt verkaufen muss. Er kann sich vielmehr voll auf die Belange seines Gegenübers konzentrieren. Auf dieser Basis lassen sich langfristig vertrauensvolle und nachhaltige Beziehungen aufbauen.

Social Banking 2.0: Zum Massenphänomen hat es bislang aber nicht gereicht?

Immer mehr Menschen erkennen die Vorteile dieses Konzepts. So konnten wir  unsere Kundenzahl allein im letzen Jahr um 70 Prozent steigern und betreuen inzwischen knapp 6.000 Kunden. Wir verwalten mehr als 1,5 Milliarden Euro an Kundengeldern.

Dabei ist die Honorarberatung als überlegenes Geschäftsmodell die eine Seite und die Qualität der Beratung die andere Seite der Medaille. Hier konnten wir in den vergangenen zwei Jahren beweisen, dass wir unser oberstes Gebot, das Vermögen unserer Kunden zu erhalten, auch eingehalten haben. Trotz eines schwierigen Börsenumfelds haben wir in der Vermögensverwaltung kontinuierlich positive Renditen erwirtschaftet.

Social Banking 2.0:  Sie haben des öfteren beschrieben, dass in den USA die Honorarberatung gesellschaftlich erheblich besser akzeptiert wird als hierzulande. Ist das ein grundsätzliches Mentalitätsproblem oder nur eine Frage der Zeit, bis sich das Bezahlen einer qualitativ guten Dienstleistung auch hierzulande als Standardservice verbreitet?

In den Vereinigten Staaten  ist die Honorarberatung mit knapp 15 Prozent tatsächlich deutlich weiter verbreitet als in Deutschland,  wo wir mit unter einem Prozent Marktanteil, gemessen am verwalteten Vermögen, noch ganz am Anfang stehen.

Das hat sicher auch mit unterschiedlichen Mentalitäten zu tun: Die Deutschen waren es bisher gewohnt, dass der Staat sie in Fragen der Altervorsorge absichert, in USA sind die Menschen dagegen angehalten, eigenverantwortlich vorzusorgen. Ich denke allerdings, dass in Deutschland seit einiger Zeit ein Mentalitätswandel stattfindet.

Die Menschen sind gezwungen,  in Fragen der finanziellen Vorsorge die Dinge stärker selbst in die Hand zu nehmen und sich intensiver mit Finanzthemen auseinanderzusetzen. Dabei hilft die Honorarberatung, weil sie sich als unabhängiger und fairer Partner in allen Finanzfragen anbietet. Entsprechend besagt eine Studie von Simon-Kucher& Partners, dass über zwei Drittel der Entscheidungsträger aus der Finanz- und Bankbranche von einer Etablierung der Honorarberatung bis spätestens 2015 ausgehen.

Social Banking 2.0:  Würden Sie die Honorarberatung als einen Teil des sich neu formierenden Marktes um Dienstleistungen beim Social Banking einsortieren, und wenn ja, wo liegen die Schwerpunkte, und wo grenzt sich die Quirin Bank eher vom Social Banking ab, mit Blick auf Kernelemente von Transparenz, Mitbestimmung und den Einsatz von Social Media? Oder anders gefragt: Wie nehmen Sie die Perspektiven von “Social Banking 2.0″ wahr, in diesem Sinne definiert als die Chance, gerade über das Internet den direkten und transparenten Dialog mit dem Kunden zu suchen, und die Produkte nicht von oben herab im Massengeschäft durch zu drücken, sondern den Klienten produktiv in die eigene Produktphilosophie und Gestaltung der “Bank 2.0″ einzubinden?

Wenn mit Social Banking gemeint ist, dass Bankberater im Sinne des Kunden handeln, also die Bank wieder für die Menschen da ist; kann man die Honorarberatung sicher als „Social Banking“ definieren. Unser Bankberater beraten ihre Kunden nach dem „Customer Advocate Prinzip“, also wie ein Anwalt, fair, unabhängig und transparent. Das Verhältnis zwischen Kunde und Berater ist partnerschaftlich und gleichberechtigt.

Die Kommunikationskanäle, die wir dabei benutzen sind breit gestreut und natürlich nutzen wir als junge und moderne Bank auch Social Media. Wir sind allerdings keine Internetbank, sondern eine Bank, die primär auf den  persönlichen Dialog mit ihren Kunden setzt.

Dennoch unterscheiden wir uns vom Social Banking insofern, als wir Kunden bisher noch nicht direkt in die Entwicklung von Finanzprodukten mit einbeziehen. Wir sind jedoch in vielfältiger Form im Internet unterwegs, um Anleger auf uns aufmerksam zu machen und mit Interessenten zu kommunizieren. 

Dabei kommt es entscheidend auf die Inhalte an. Wenn die relevant sind, bietet das Web 2.0 ein demokratisches und transparentes Medium für interaktiven Dialog, für die Aufnahme von Trends und Strömungen und auch für die kritische Auseinandersetzung mit aktuellen Themen an.

Social Banking 2.0: Seit dem Ende der Kampagne vor Weihnachten ist es etwas ruhiger geworden um die Quirin Bank, warum twittert die Bank seit dem 21.11. nicht mehr, ist der Aufwand auf die Dauer zu hoch? Oder anders gefragt: Ist Twitter eher nur ein gutes Kampagneninstrument denn ein langfristiges Standardtool?

Die quirin bank kommuniziert über sehr viele Kanäle, unter anderen auch über Twitter. Wir freuen uns, dass die Anzahl unserer follower ständig steigt. Twitter ist auch für uns ein gutes Medium, um schnell zu kommunizieren. Allerdings nimmt der persönliche Kontakt und Dialog mit dem Kunden in unserem Hause nach wie vor den höchsten Stellenwert ein.

Vor Weihnachten waren wir sehr stark in Zeitungen und Zeitschriften sowie im TV vertreten. Inzwischen sind wir fast wöchentlich in den klassischen Print- und online-Medien präsent, das ist für uns als kleine Bank mit noch geringem Bekanntheitsgrad sehr wichtig.

Unser Engagement via Twitter werden wir weiter verfolgen, dabei ist Twitter ein kleiner Baustein im Rahmen unserer gesamten Kommunikation. Wir sind darüber hinaus auch auf Bewertungs- und Diskussionsforen im Internet aktiv, engagieren uns bei Facebook und natürlich auch über unsere eigene Website.  

Social Banking 2.0: Wie verorten Sie Ihre persönliche Bilanz zur bisherigen Entwicklung der Quirin Bank, würden Sie sagen, es lohnt sich, für die Honorarberatung einzutreten, oder gleicht dies eher einem Kampf wie bei Don Quichote gegen die übermächtigen Windmühlen?

Klares Ja, es lohnt sich für die Honorarberatung in Deutschland einzutreten, denn ich bin der festen Überzeugung, dass wir damit für viele Anleger in Deutschland Nutzen stiften zu können. Das ist für mich die Haupttriebfeder, die mich jeden Morgen mit Begeisterung aus dem Bett und in die Bank treibt. Ich möchte einfach einen Beitrag dazu leisten, dass Menschen fair und anständig beraten werden. Dabei hilft mir, dass ich im Laufe meines beruflichen Werdegangs gelernt habe, gegen allerhand Widrigkeiten anzukämpfen. Der stetige Erfolg der quirin bank ist eine tolle Bestätigung und motiviert mich, den langen Weg zu mehr Kundenfreundlichkeit und Transparenz in der Bankberatung gemeinsam mit meinem Team konsequent weiterzugehen.

Social Banking 2.0: Abschließend noch ein Ausblick: Wenn Sie sich szenarioartig vorstellen sollten, wie die Bankenlandschaft in zehn Jahren aussähe, was erwarten sie, was bleibt eher Hype, welche Änderungen werden sich in der doch ziemlich statisch aufgestellten Finanzindustrie möglicherweise doch freiwillig oder unfreiwillig ergeben?

Ich denke, dass sich die Honorarberatung als Geschäftsmodell und als Alternative zum provisionsorientierten Bankgeschäft etabliert haben wird. Warum? Weil die strikte Ausrichtung am Kundennutzen darüber entscheiden wird, welche Banken Anleger für glaubwürdig und für vertrauenswürdig halten. Die Menschen haben längst verstanden, welches Spiel die Banken mit ihnen treiben. Es ist nur eine Frage der Zeit bis diese Erkenntnisse in konkretes Handeln umgesetzt werden.

Interview: Lothar Lochmaier

P.S. Vielleicht war es die unbeabsichtigte Inspiration via Social Banking 2.0 – vielleicht auch Zufall – seit dem 03. März twittert die Quirin Bank wieder, nach einer längeren Pause, und zwar hier:

http://twitter.com/quirinbankAG

Abschließender Kommentar: Sicherlich ist das Geschäftsmodell der Quirin Bank kein Social Banking im engeren Sinne, wie Vorstandsvorsitzender Karl Matthäus Schmidt im obigen Interview selbst bestätigt.

Aber es geht hier nicht um enge und kleinkarierte Begrifflichkeiten. Es ist erfreulich, dass die Quirin Bank ihre Stimme erhebt, denn es geht in der Bankenindustrie ja letztlich darum, den Kunden ernst zu nehmen, und darauf ein Geschäftsmodell aufzubauen. Und da ist die Honorarberatung zweifellos eines der frischen und belebenden Elemente, das eine produktive Rückkoppelung auf die Finanzwirtschaft entfalten kann, von der alte und neue Spieler profitieren.

Geschrieben von lochmaier

März 4, 2010 um 7:31 am

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Direktbank 2.0: Ing-Diba führt kostenloses iPhone App ein

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Wo liegt die Zukunft der Bank – natürlich und auch im Mobile Banking. Dazu eine Exklusivmeldung für die Leser von Social Banking 2.0:  Seit Ende Februar bietet die größte deutsche Direktbank Ing-Diba im App Store eine kostenlose iPhone App an. Mehr dazu hier:

http://itunes.apple.com/de/app/ing-diba-mobile-banking-app/id357028392?mt=8

Damit ließe sich der Kontostand überprüfen, Umsätze einsehen, Überweisungen tätigen und Terminüberweisungen einstellen. Weitere Features sind laut  Auskunft der Direktbank bereits in der Planung.

Demnächst folgen übrigens mehr Details zur Standortbestimmung der “Direktbank 2.0″, und zwar im Interview von Lothar Lochmaier mit Ing-Diba-Chef Ben Tellings.

Geschrieben von lochmaier

März 3, 2010 um 9:58 am

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Wie viel Social Media verträgt die Bank, wie viel Bank verträgt die Social Media Szene?

mit 2 Kommentaren

Die gestrige Diskussion in der Webciety-Halle der Cebit habe ich als sehr erfrischend erlebt. Das Panel war sehr bunt gewürfelt, was die kreative Standortbestimmung zum “Web 2.0 in der Bankenszene” aus unterschiedlichen Blickwinkeln gefördert hat.

Mehr noch: Es entstand eine angeregte und durchaus kritische Reflektion um die Zukunftsperspektiven der “Finanzindustrie”, von der wir alle auf, hinter und neben dem Podium nur profitieren können. 

Hier kann man sich das Webstream der rund 50-minütigen Diskussion ansehen (den direkten Link habe ich gerade nicht zur Hand, wird nachgereicht):

http://webciety.de/

Erste Eindrücke haben bereits die Teilnehmer selbst aus der Veranstaltung getwittert, Dirk Elsner fasst auf dem Blicklog seine Sicht der Dinge zusammen, und kommt zu dem Ergebnis, dass in einigen anderen Hallen eher eine gähnende Stimmung herrscht, während in der Webciety doch recht lebendige Diskussionen stattfinden.

Auch Boris Janek von Finance 2.0 hat schon vorab einige Eckpfeiler skizziert, was da so auf die Banken zurollt. Und in meinem gestrigen Blogeintrag habe ich bereits verdeutlicht, wo ich die kreative Verbindung zwischen Social Media und Social Banking sehe. Nun noch einige ergänzende Gedanken.

1. Wie viel Social Media verträgt oder braucht die Bank?

Meine These: So viel wie möglich, aber an der richtigen Stelle. Social Media ist kein Glücksbringer, kein Umsatztreiber, und keine Kostensenkungsmaschine.

Noch einmal im Klartext: Social Media ist keine Vertriebs-, Marketing- und Werbeeinheit, sondern Kommunikation mit dem Kunden auf Augenhöhe der Zeit, bei der das Bankgeschäft als moderner Dienstleister in der Realwirtschaft angesiedelt ist. Dann funktioniert auch der konzeptionelle Ansatz. 

Was Social Media für die Bankenlandschaft bedeuten kann, lässt sich an dem folgenden Qualifikationsprofil ablesen, was also ein Manager auf der strategischen Ebene heute mitbringen sollte, um den Herausforderungen beim Management von “Communities” gewachsen zu sein.  

Daran kann man ablesen, dass die soziale Mediennutzung einen Full-Time-Job darstellt, und keine neben der Geschäftsführung herlaufende, oder gar in einem Hinterzimmer der Presseabteilung  angesiedelte Nebentätigkeit für 400 Euro. Legen wir also los:

Fifth Third Bank – Social Media Strategist

Essential Duties & Responsibilities:

  • Oversee and manage program and project development from definition through delivery including indentifying key measures of success.
  • Develop ROI models around Social Media engagement and prioritize projects based upon a solid business case as well as determine guidelines for evaluating benefits and risks for certain Social Media engagements.
  • Translate business strategy into applicable interactive experiences that drive business results and meet business and user goals.
  • Be the primary interactive marketing point of contact for assigned key initiatives.
  • Work with various management teams to gain appropriate input and buy-in on social networking strategies and execution.
  • Serve as primary content developer for brand and corporate social media sites including Twitter and Facebook.
  • Develop corporate blog strategies and write or review Line of Business blog posts.
  • Monitor trends in social media tools and applications and appropriately apply that knowledge to increasing the use of social media.
  • Obtain appropriate regulatory and compliance approval for all social networking endeavors.
  • Ensure that all social networking strategies are compliant with brand regulations.
  • Supervise integration of efforts among external partners (advertising agency, digital/direct agency).
  • Work to ensure consistent messaging between advertising and internally produced communications.
  • Stay current with new social media sites, platforms and emerging technologies.
  • Manage program costs, scope and schedule.

Requirements:

  • Bachelor’s Degree in Marketing, Business, communications, journalism, English or related field, and/or equivalent work-related experience.
  • A minimum of 3 years experience in interactive marketing; 5 years experience as a professional communicator.
  • Experience sourcing and managing content development and publishing for social networking functions.
  • A passion for social media marketing and other inbound marketing strategies.
  • Excellent written and communication skills.
  • Experience with social media, SEM and SEO.
  • Expertise in writing and maintaining a blog.
  • Self-motivated and able to manage multiple takes and priorities within specified time frames.

Quelle: http://thefinancialbrand.com/9444/social-media-requires-a-fulltime-position/

Mir fehlen noch einige wichtige Aspekte in den Profilen. Aber man sieht doch, wo der Trend hin läuft. Ergänzen möchte ich, dass die Qualifikationen sich nicht nur aus den kreativen Zutaten von ein bisschen Betriebswirtschaft, Marketing, Vertrieb, plus ein bisschen PR speisen sollten. 

Ein konsistenter Social Media Manager entsteht nur in der alltäglichen Reibung, im und jenseits vom eigenen Unternehmen, im kritisch-konstruktiven Dialog mit dem Kunden. Das erfordert auch soziale und gesellschaftspolitische (methodische) Kompetenzen, die einen bunteren Lebenslauf voraus setzen, als den glatt gebürsteten, dem sowieso keiner glaubt. 

Social Media sollte manchmal ein bisschen weh tun, bringt aber das Unternehmen weiter als eine scheinbare Harmonie auf Basis fauler Kompromisse. Das gilt auch für die Bank der Zukunft.

Dass Social Media auf die Chefagenda rücken wird, und Deutschland sicherlich wieder mal die Nachhut spielen wird, das wird auch aus anderen Hinweisen in der Blogosphäre ersichtlich:

http://thefinanser.co.uk/fsclub/2010/02/social-media-survey.html

Fazit: Drei Viertel der in einer Umfrage von Chris Skinner und Co. befragten Bankmanager setzen auf Social Media, wohl gemerkt, auf der strategischen Ebene. Ähnlich sieht das der amerikanische Experte Brett King: Bank CEO’s – it’ s time for Social Media Internet Evolution:

http://bank2book.wordpress.com/2010/02/23/bank-ceos-its-time-for-social-media-internetevolution/

Nun aber die andere Seite der Medaille, die genauso wichtig ist:  

2. Wie viel Bank verträgt die Social Media Szene?

Bislang ist dieses Thema vernachlässigt, denn die zahlreichen “Social Media Evangelists”, die immer wieder ausschwirren, wie die Bienen, um den Honig aus den Unternehmen heraus zu saugen, sie sollten einmal mit sich selbst ins Gericht gehen. Warum eine Bank Social Media braucht, und wie man dabei jenseits von Schlagwörten und tollen Präsentationen vorgeht, da herrscht gähnende Leere und geistige Funkstille.

Ich kann die Banken manchmal gut verstehen, wenn sie sagen: Social Media? Return to Sender. Denn die Konzepte der vielen Unternehmensberater greifen zu kurz. Nutzen Sie doch Facebook, triggern Sie ihre Zielgruppen über Xing, twittern Sie was das Zeug hält. Bitte sehr! Also – wer sich mit dem Kerngeschäft von Banken so wenig beschäftigt, braucht sich nicht zu wundern, wenn die Beratungsresistenz eher noch zu- als abnimmt.

Die Evangelisten in der sozialen Mediennutzung haben also noch viel Arbeit an sich selbst zu verrichten, bis sie sich wirklich als Partner auf Augenhöhe mit den Banken verstehen können. Natürlich müssen die Banken die Tür einen größeren Spalt weit aufmachen, aber mit ein paar platten ROI-Charts ist kein schlafender Hund von einer ausgehenden Flamme im Kamin zu begeistern.

Welche hard und soft skills ein “Social Banking Media Manager” mitbringen sollte, der diesen Namen verdient, das werde ich zu gegebener Zeit noch ausführlicher beleuchten.

Geschrieben von lochmaier

März 3, 2010 um 7:38 am

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Social Media und Social Banking: Die perfekte kreative Welle?

mit 2 Kommentaren

Web 2.0 und die Banken – eine Standortbestimmung

Nimmt man den Flyer einer der unzähligen Seminare in Augenschein, die uns derzeit mit Bildung zum Social Media Marketing überschwemmen, so lautet eine der denkbaren Überschriften, die uns neugierig auf dieses soziale Universum machen sollen, wie folgt: 

Mit Social Media Kosten einsparen und Umsatzpotenziale erschließen

Mehr dazu hier: http://www.managementcircle.de/weiterbildung/02-63682web.pdf  

Kurzes Fazit: Wer so anfängt, scheitert vielleicht nicht unbedingt in der Konsumgüterindustrie, aber in den meisten anderen Branchen, wo es nicht nur um Test- sondern um reale Kunden geht, und zwar längst, bevor der erste Schritt in das Zeitalter der “sozialen Mediennutzung” begonnen hat.

Die Zielstellungen sind schlicht falsch. Warum sollte eine Bank sich überhaupt auf Social Media einlassen? Genau – es ist doch viel besser, die Strippen und Fäden selbst zu ziehen, statt sich für die kritische Meute der plötzlich wacheren Bankkunden zu öffnen.

Die Antwort: Um als Bank der Zukunft überhaupt eine “Zukunft” zu haben, jenseits von angeblichen aber leider nicht existenten Umsatzpotenzialen, und dem all selig machenden Glauben an die ewige “Kostendrückerei”, die am Ende doch viel mehr Gift versprüht als Samen ausstreut.

Die Koordinaten in unserem Wirtschaftssystem haben sich nämlich verändert. Durch die verteilte Aufmerksamkeitsökonomie im Netz ist vieles spannend und unberechenbar geworden. Das gilt erst recht für die Banken, denen doch ein ewiges Leben in einer über der Realwirtschaft thronenden Parallelgesellschaft vorbehalten schien.

Jetzt schauen den Bankmanagern plötzlich die kritischen Kunden in die Karten. Man läuft an der Bankfiliale um die Ecke vorbei – und fragt sich plötzlich, wozu steht dieses Gebäude eigentlich hier? Was treibt denn die Bank da drin mit meinem Geld? Wer dreht am virtuellen Roulettetisch an den Schalthebeln?

Die Analyse:

> Banken sind in der hierarchischen Matrixorganisation gefangen. Produkte sollen von oben herunter bis in die letzten Vertriebseinheiten gepusht werden. Auch die Mitarbeiter sind in der Vertriebsspirale wie der Hamster im Laufrad gefangen.

> Der Kunde bleibt mit seinen Bedürfnissen, Grenzziehungen und Chancen auf der Strecke, er wird nicht als Partner auf Augenhöhe betrachtet; Die Bank agiert als intransparente Black Box, sie möchte ihre Geschäftspraktiken und Geldflüsse nicht offen legen.

> Der durch die Finanzkrise beschleunigte Vertrauensverlust erfordert eine partielle Neuorientierung: Die Kunden wollen plötzlich wissen, was mit ihrem Geld passiert, sie möchten Einfluss nehmen, oder wenigstens wissen, ob ihr Geld (für oder gegen sie) arbeitet.

> Banken sind auf diese schleichende Revolution aus der Mitte der Gesellschaft nicht vorbereitet, weder strategisch, strukturell, noch technologisch, noch sozial. Alt bekannte Themen und griffige IT-Buzzwords müssten aus dem Fokus rücken, wie IT-Optimierung, Agile IT, SOA – die Konzepte sind zu technik- und organisationslastig aufgesetzt, und sind damit in der Bürokratieschleife gefangen. 

 Wo sind die neuen Leitthemen?

 Einige Thesen:

 > CRM und jede Form der Kundenbetreuung bzw. des Managements der Kundenbeziehung ist Social Media – in der Filiale und im Netz – das Netz prägt die Filialstruktur der Zukunft und nicht umgekehrt.

> Eine wirkungsvoll integrierte Strategie zur Social Media kann nur auf Vorstandsebene angesiedelt sein, und nicht auf operativer mittlerer Ebene.

Social Media ist eine Stabsstelle, oder sie findet gar nicht oder nur als inszenierte Kulisse statt, da sie nicht im Innern, im Kerngeschäft von Banken verankert ist– sondern nur an der haltlosen Peripherie, wo sie geist- und seelenlos vor sich hin wabert, ohne produktive Rückkoppelung in die Chefetage.

> Social Banking ist das Transportvehikel in eine neue Bankenwelt, in der sich Gewinnmaximierung, besser: Gewinnerzielung mit halbwegs seriösen Mitteln, Nachhaltigkeit und ein Agieren am Puls der Realwirtschaft nicht per se ausschließen, sondern ergänzen.

> Mehr noch: Jene Banken, die die neue “Internetsprache” des Kunden nicht verstehen, der Transparenz und Mitbestimmung als eine der künftigen Achsen im Behavioral Finance in der Finanzindustrie ansieht, geraten durch einen Mix aus technologisch-sozialer Innovation in diesem Jahrzehnt ins Hintertreffen.

> Wer also nur Kosten reduziert, oder darauf vertraut, die alten Produkte, in neuen Schläuchen verpackt, an den Kunden heran zu bringen, gerät in die Defensive und arbeitet an seinem eigenen Verschwinden.

> Jene Banken hingegen, die aktiv mit statt gegen den Kunden arbeiten, erzielen einen sowohl finanziellen als auch außer-monetären Mehrwert, weil sie den Paradigmenwandel in der modernen Gesellschaft nicht verschlafen: Dieser ist gekennzeichnet durch:

> Einen steigenden Gegensatz zwischen Arm und Reich, der die leistungsbereiten Mittelschichten in den industrialisierten Ländern enorm unter Druck setzt, was diese nach alternativen Wegen und Lebensstrategien Ausschau halten lässt, die auch die individuelle Finanz- und Vermögensplanung elementar erfassen und beeinflussen.  

 > Das Trendthema Ökologische Nachhaltigkeit entwickelt sich zu einem Wachstumstreiber in der Wirtschaft, und nur wer in diesem ökonomischen Feld ganz vorne positioniert ist und die Karten gut ausspielt, tummelt sich auf der richtigen Spielfläche.

> Zurück in die Zukunft: Die qualitativ bessere Dienstleistungsorientierung von Banken beginnt am Puls der Wirtschaft, in der Regionalökonomie, der Hausbank vor Ort. Die einzige Überlebenschance der Bankfiliale ist die „sozial-kulturelle“ Verankerung als seriöser Dienstleister, der die Realwirtschaft mit Krediten und Optionen versorgt, Risiken und Chancen abwägt, und für einen fairen Interessenausgleich sorgt.

> „Bessere“ (?) IT-Dienstleister“ verdrängen, wie schon bei den Direktbanken Mitte der neunziger Jahre der Fall, im nächsten Evolutionsschritt die Banken von der Spitze der Hierarchie – zunächst beim Private Banking, dann greift die Innovationsschleife auch auf andere Segmente wie das Investmentbanking über.

> Die Treiber der neuen Entwicklungen sind nicht nur „digital natives“, sondern das Jedermann-Internet. Jene junge Generation, die jetzt komplett mit neuen Kommunikationsritualen aufwächst, sie finden Banken als Arbeitgeber plötzlich nicht mehr sexy, wenn diese nur außerhalb der Gesellschaft in gläsernen Bürotürmen agiert, und das, obwohl man dort bisher viel Geld verdienen konnte.

Oder anders ausgedrückt: Social Media = Social Banking

> Social Media Marketing ist kein Social Media

> Wer Social Media und das direkte Feed back vom Kunden – bzw. die heiße Standleitung zum Kunden, nur als erweiterten Vertriebs- und Werbekanal ansieht, der sollte lieber im Elfenbeinturm der „Black Box Bank“ bleiben.

> Starken Aufwind spüren Öko- und Genossenschaftskonzepte, undogmatische neue Banken mit attraktivem Outfit und guten Konditionen, aber auch die neuen Anbieter von Social Lending und Peer-to-Peer-Banking, sofern die Betreiber der Internetportale seriös agieren, und als anspruchsvolle, gut ausgebildete Moderatoren, die Interessen der virtuellen Geld- und Kreditgemeinschaften verlässlich verwalten.

> Perspektivisch verschieben sich durch den Trend in Richtung personalisierte Finanzdienste bis hin zur Verschmelzung mit Mobile Banking die Machtgewichte weg von der Bank, hin zu den IT-Dienstleistern. Diese sehen sich aber mit neuen Aufgaben konfrontiert, die sie bislang noch kaum überblicken.

> Die IT- und Internetbranche muss sich von der technischen Hybris, der Fixierung auf lieb gewordene Innovationsdomänen, und dem tecchnischen Schnickschnack verabschieden, und neben dem rein monetären Interessenausgleich auch noch den Part des sozialen Ausgleichs innerhalb von dezentralen Wertschöpfungsketten bewältigen, die sich mit der Entwicklung hin zur Peer-to-Peer-basierten Geldanlage ergeben.

Zum Beispiel: Die neuen Social Banker müssen die heterogene Interessenlage bei der Kreditvergabe über soziale Netzwerke produktiv bewältigen, die sich zwischen Darlehensnehmer, der einen möglichst günstigen Kredit möchte, und dem Kreditverleiher zwangsläufig ergibt, der nach einer möglichst hohen Rendite trachtet.

> Dies bedeutet, dass sich soziale Verteilungskämpfe auch ins Netz verlagern umd dort wieder spiegeln. Das Internet ist nicht besser als der “Rest der Welt”. Dies erfordert neue Qualifikationsprofile der Plattform-Betreiber im Umgang mit dem „sozialen Internet“.

Ausblick und offene Fragen: 

>Die Zukunft des deutschen „Drei-Säulen-Banken-Modells“ bereichert sich durch Social Banking um eine (zunächst kaum sichtbare) vierte Dimension, die sich nach und nach als vierter Eckpfeiler etabliert.

> Die Zukunft der Honorarberatung bleibt fraglich? Wie ist es künftig um die Qualität der Bankberatung generell bestellt? Ändern sich die Produkte? Was wollen die Kunden zwischen Renditeanspruch und einem sinnvollen Investment? Haben kleinere Privatbanken mit persönlicher Betreuung einen strategischen Vorteil?

> Globale Fragestellungen: Bleibt “Finanzdemokratie 2.0″ ein sozialer Mythos? Lässt sich das hierarchische Machtgefälle in der Bankenwirtschaft mit Hilfe von Social Media tatsächlich produktiver steuern? Wer kontrolliert und administriert die Daten der Nutzer? 

> Back to the common roots: Wie groß sind die Chancen, das Bankensystem an den konkreten Bedürfnissen der Menschen und der Realwirtschaft zu orientieren, jenseits einer exzessiven und oftmals zerstörerischen Spekulation, von der letztlich nur wenige Spieler in der Verwertungskette profitieren?

… Anregungen und Kommentare willkommen…

Geschrieben von lochmaier

März 2, 2010 um 1:39 pm

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Finanzzeitschriften: Deutschland sorgt vor – BaFin nimmt versteckte Werbebotschaften aufs Korn

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Die staatliche Finanzaufsicht (BaFin) verleiht ihrem härteren Kurs gegen “missverständliche Wertpapierwerbung”  Nachdruck. Demnach müssen auch Wertpapier betreffende Artikel in Kundenmagazinen als Werbung gekennzeichnet werden, berichtet  die Online-Plattform CP Wissen:

http://www.cpwissen.de/html/de/content/Websites/Artikel/Print/2010/2/Bafin_Kundenmagazine

Noch Fragen? Wer sich durch das Behördendeutsch auf den Internetseiten der BaFin durchwühlen möchte, wird hier fündig.

Kommentar: Keine schlechte Idee, den Graumarkt in den angeblich so aufklärerischen Finanzzeitschriften mal zu entrümpeln. Aber es ist auch operationale Hektik, sich davon etwas zu versprechen. Das Product Placement wird so oder so weiter gehen, die meisten der Kunden wissen, wenn sie eine Zeitschrift der Bank XY, oder des Finanzdienstleisters XY in der Hand halten, dass sie es hier nicht mit einer geballten Ladung von wissenschaftlichem Expertenwissen zu tun haben, sondern mit mehr oder minder nett verklausierten Werbebotschaften.

Das geschieht meist nach dem Motto: Wir sehen ganz neutral diese oder jene Bewegung und Trend am Markt, und hätten da zufällig und passenderweise noch ein geeignetes Produkt für Sie im Köcher. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte nicht unsere “Finanzzeitschrift”. 

Im übrigen wäre es aber doch besser, die BaFin würde sich nicht zu sehr auf Nebenkriegsschauplätzen tummeln, sondern ihre Ressourcen dort investieren, wo es nötig ist. Nämlich zeitnah der Branche auf den Puls zu fühlen, um nicht wie üblich ein halbes Jahr später auf eventuelle Fehlentwicklungen aufmerksam zu werden. Nun ja, soweit sind wir nicht, das wissen alle, der Amtsschimmel wiehert laut, aber er schnaubt nur.

Übrigens – es gibt mit der Pharmaindustrie noch eine “gesellschaftliche Leitbranche”, der man ab und an mal etwas genauer auf den Puls fühlen müsste – und da ist die “Apotheken Umschau”, die wir alle so gern in der nächsten Medizintankstelle um die Ecke mitnehmen, nur die Spitze des Eisberges, wie man hier in einem Fernsehbericht beim NDR (Zapp) verfolgen kann:

Einige werden jetzt wiedersprechen, dass bei der Apothekenumschau alles mit rechten Dingen zu geht. Das stimmt. Denn sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel agiert dort, ganz befreit von der FDP, und dem neuen turboaktiven Gesundheitsminister Rösler.

Hier gehts zur Werbekampagne: “Deutschland sorgt vor - fragt sich bloß wie und für wen, natürlich innerhalb und nicht außerhalb von Apotheken – Na dann, Hatschi – und das richtige Schnupfenmittel gegen die Schweinegrippe nicht vergessen. Ach ja, wo sind eigentlich die x-Millionen Euro geblieben, die man für die virale Schnupfkampagne der Pharmaindustrie freiwillig übergeben hat?

Man merke: Die beste Altersvorsorge, ob finanziell oder gesundheitlich – ist die, die andere für einen erledigen, ohne selbst noch dafür aktiv werden zu müssen. Eine wirklich brilliante quasi fast schon virale Werbekampagne, Best Practice zur Social Pharma Media – bei der wir alles erfahren, nur nicht, wie wir auf kreative Art und Weise gesund bleiben:

http://www.deutschlandsorgtvor.de/

Sorgen Sie doch mit für andere vor.

Geschrieben von lochmaier

März 1, 2010 um 1:42 pm

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Smava und der “Schröder-Cohiba-Effekt”: Warum der Wettbewerb Best Finance Weblog 2010 zur Farce gerät

mit 5 Kommentaren

Recht kritisch ins Gericht mit der von Smava zelebrierten Preisverleihung zum Best Finance Weblog 2010 geht das Weblog Börsenpoint – darin kritisiert der Autor das Verfahren als “Lüge”:

http://www.boersenpoint.de/blog/die-smava-luge/

[Update: Dieser Link ist derzeit inaktiv, da der Autor den Beitrag überarbeitet.]

Das ist sicherlich etwas plakativ und überspitzt ausgedrückt, aber in der Sache durchaus diskussionswürdig. Es geht mir dabei nicht ums Polarisieren, sondern um einen für alle Beteiligten notwendigen Dialog und Aufarbeitung, und zwar jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei.

Fangen wir also an, mit der Analyse einer PR-Kampagne an, deren strategisches Design vor vorne herein zu kurzsichtig angelegt war. Die von mir geschätzte Plattform Smava, die auch im internationalen Maßstab zu den Vorreitern beim Social Lending gehört – weil sie seriös und sehr umsichtig agiert – ist hier eindeutig dem “Schröder-Cohiba-Effekt” verfallen.

Wir erinnern uns: Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder kam von ganz unten, aus einfachen Verhältnissen – und hat es doch aus eigener Kraft bis ganz nach oben geschafft. Dann hatte er nach seiner Wahl im Jahr 1998 plötzlich vergessen, woher er kam. Er zündete eine kubanische Zigarre an, wie weiland Fidel Castro, als er noch gesund war und rauchen durfte. Übrigens, mir schmecken die Cohibas auch. Aber darum geht es gerade nicht.

Dann gewandete sich unser Ex-Bundeskanzler stolz in “Brioni-Anzüge”, und jedem aus der hart arbeitenden SPD-Basis dämmerte es: Hier hat sich jemand mental von der real existierenden Wirtschaft und Gesellschaft verabschiedet, und sich in eine embryonale Elite, die eigenen Spielregeln folgt, zurück gezogen, oder besser: Über die breite Masse gestellt.

Das Ergebnis der folgenden Regierungsjahre ist bekannt, schlechtes Handwerk und geistige Verirrungen. Die beste Steilvorlage der SPD ins eigene Abseits bestand darin, die Lebensleistung von hart arbeitenden Menschen derart zu entwerten, die fortan infolge der Hartz-4-Reformen bereits nach einem Jahr ins soziale Abseits katapultiert wurden. 

Schröder indes zündete die nächste Cohiba an, und sagte uns allen, das sei notwendig, um noch härtere soziale Einschnitte zu vermeiden. Wir glaubten das, die Globalisierung, Konkurrenzdruck, wir müssen den Gürtel alle enger schnallen. Manche vielleicht etwas zu eng?

Was im privaten Bereich durchaus zulässig ist, nämlich genüsslich eine Cohiba zu rauchen und das Leben zu genießen, sollte man nicht zum Maßstab für die eigene Amtsführung machen. Man oder frau sollte aber immer noch mitkriegen, woher er bzw. sie kommt. Und damit leite ich meine Analogie wieder zu Smava über.

Die Plattform ist im vergangenen Jahr dynamisch gewachsen. Immer mehr Menschen vertrauen sich nicht nur gegenseitig, indem sie sich Kredite über ein “soziales” Internetportal vergeben. Das sind bislang schon deutlich mehr als 20 Millionen Euro.

Die “Webcommunity” vertraut zu Recht auch auf Smava, so dass die Betreiber das Moderieren des Interessenausgleichs zwischen der Bank dahinter, den Kreditnehmern und den Darlehensgebern seriös und erfolgreich bewältigen. Das hat, wie wir alle wissen, bislang ausgesprochen gut funktioniert.

Die Stiftung Warentest hat Smava mehrfach als einzig seriösen Anbieter in Deutschland ausgezeichnet. Jetzt beginnt der Schröder-Cohiba-Effekt. Das Geschäft brummt, die Öffentlichkeitsarbeit übernimmt eine PR-Agentur. Aber man beginnt plötzlich in der operativen Hektik nicht mehr aufs Detail zu achten, man schaut nicht mehr so intensiv nach links und rechts, wird etwas betriebsblind.

Jeder kennt das vielleicht aus seinem eigenen Leben. Meist müssen einen dann andere Menschen wieder etwas auf den Boden der Realität zurück holen.

Längst wird das Ganze zum Selbstläufer, denn plötzlich interessieren sich nicht nur ein paar lose vernetzte und letztlich in der “Masse” der verteilten webbasierten Aufmerksamkeitsökonomie “unbedeutende Blogger” für einen. Die Lunte gerochen haben jetzt vor allem die klassischen Medien.

Die Folge: Der virale Effekt wird strategisch unbedeutend, die Community rückt aus dem Blickfeld. Bild, Handelsblatt und andere “Platzhirsche” berichten regelmäßig über Smava. Das Fernsehen von ARD bis ZDF setzt die Smava-Kreditnehmer und Darlehensgeber eindrucksvoll in Szene. Die Werbemaschinerie läuft wie geschmiert. Warum noch auf Social Media setzen, wenn man es nicht mehr braucht?

Wir ahnen es: Smava hat die Mitte der Wirtschaft erreicht. Die Plattform wird weiter wachsen, überall gibt es Werbebanner und Links im Netz, man bzw. frau kommt gar nicht mehr darum herum, auf Smava aufmerksam zu werden. Wozu braucht man da noch Finance-Blogger? Genau, man braucht sie spätestens hier und heute gar nicht mehr, und genau darin liegt die Tragik des diesjährigen Preises zum “Best, oder sollen wir sagen worst Finance Weblog 2010″.

Man hat anderes zu tun, keine Zeit mehr zum Nachdenken, am Puls der Community zu sein, so wie Schröder sich kaum mehr dafür interessiert hat, was andere etwa an der “Basis” über ihn denken. Er hat abgehoben, andere werden abgeschoben oder ignoriert. Oder noch besser: Elegant vereinnahmt und überrumpelt.

Ganz so schlimm ist es bei Smava nicht, werden mir jetzt einige beschwichtigende Zeitgenossen entgegen halten. Mag sein – wir sollten das nicht zu hoch hängen – aber: Haben Sie schon mal einen Blick in den regelmäßig aktualisierten Pressespiegel bei Smava geworfen.

Da steht:

1. Smava in der Presse

2. Smava im Fernsehen 

3. Smava in den Blogs

Ist Ihnen auch ein winziges, klitze-kleines Detail aufgefallen? Genau, die ersten zwei natürlich nur zufällig qualitativ weiter oben gewichteten Gruppen werden regelmäßig aktualisiert. Die Präsenz von Smava in den Blogs hingegen, sie wird nur noch ab und an auf den neuesten Stand gebracht. We don’t need Wäbtoopointzero anymore.

Und das, obwohl gerade in der Blogosphäre immer noch ziemlich viel über Smava geschrieben wird. Aber man bzw. den PR-Strategen reicht es jetzt, sich nur noch die Rosinen in der exklusiven Berichterstattung rauszupicken.

Die PR-Mappe, sie wird jetzt in rot-gold-schwarz verpackt, und sie schimmert wie eine Hochglanzbroschüre. Das kennen wir von den großen Banken, wenn der Geschäftsbericht mal wieder veröffentlicht wird. Da basteln viele dran herum. Eindrucksvolle und vor allem teure Fotos und Imagegraphiken sind enthalten.  

Zurück zu Smava: Gerade mal ein Eintrag steht unter der Presserubrik Blogosphäre seit dem 25.05.09 zu Buche: Oh ja – wir drehen das große Rad, denn immerhin in “TechCrunch” wurde Smava erwähnt, das kann man bringen, das ist ebenso viel wert wie das ZDF, ARD – oder eine Erwähnung im Handelsblatt. 

Wo aber bleiben die deutschen Blogs? Man hat sie vom Radar der Aufmerksamkeit genommen, man freut sich, dass sie berichten, sicher, aber es ist ja schon normal. Ich persönlich bin nicht empfindlich, man muss mich nicht zitieren, darum geht es nicht: Aber bemerkenswert ist diese Freud’sche Fehlleistung schon.

Diejenigen, denen man das eigene unternehmerische Wachstum zu verdanken hat, sind plötzlich nur noch als illustre Zaungäste geladen. Die Häppchen essen andere.

Kurzum: Ein Eintrag in den letzten neun Monaten, seit Jahresbeginn gar keiner mehr unter der “Presserubrik Blogs” – Und damit sind wir jetzt endgültig beim Preis “Best Finance Weblog 2010″ angekommen, es sollte eine möglichst billige, aber gleichwohl doch ziemlich effektive PR-Aktion für Smava werden, nicht mehr und nicht weniger.

Mission accomplished – kann man jetzt nur sagen. Die Strategie ging auf, hat aber den Wettbewerb ins digitale Nirwana geschossen. Er war schlicht überheblich angelegt, lässt sich beliebig manipulieren, wobei einige gravierende “handwerkliche” Fehler, die ich bereits ausführlich beschrieben   habe, das Drehmoment ins Abseits noch beschleunigen. 

Erste Verbesserungsvorschläge liegen auf dem Tisch, ich hätte noch viel mehr als diejenigen, die ich bereits gemacht habe. 

Aber ich will nicht zu viel ehrenamtliche Aufbauarbeit leisten, wie man Social Media auch dann nicht vergisst, wenn einem der Erfolg wie ein Selbstläufer um die Nase weht.

So wie es sich jetzt darstellt, nimmt die Inszenierung allenfalls den Status einer Provinzposse an. Welchen Schluss ziehe ich daraus? Einen ziemlich klaren. Ich werde mich nicht an der Abstimmung beteiligen, und möchte auch nicht, dass andere für mich stimmen. Ähnlich hat sich bereits der ebenfalls nominierte Blog “Finanztrader” geäußert und Smava aufgefordert, das Votum einzustellen.

Gibt es eine andere, vielleicht klügere salomonische Lösung für die Beteiligten? Vielleicht ja. So könnten wir uns alle ohne allzu großen Gesichtsverlust einigermaßen intelligent aus der Affäre ziehen: 

Ich schlage also stattdessen vor, dass der Gewinner – oder möglicherweise sogar (die ziemlich wahrscheinliche vielleicht nicht ganz so verdiente) Gewinnerin, den ersten Preis für die Romreise an eine seriöse karitative Organisation spendet, zum Beispiel an eine Einrichtung für obdachlose Kinder und Jugendliche.

So bekäme der unfreiwillig von Smava zum misslungenen griechischen Heldenepos am Ende hoch stilisierte Wettbewerb doch noch eine menschliche Wendung. Falls ich bzw. mein Weblog Social Banking 2.0 doch noch von manipulierten Stimmen gewählt werden sollte, spende ich wahrscheinlich an die Berliner Tafel. Das kann Smava gleich für mich erledigen. Werde mir eine Romreise oder einen Amazon-Gutschein gerade noch selbst leisten können.

Und als nachdenklicher Ausstieg aus meinen (leider notwendigen) längeren Ausführungen hier noch ein philosophisches Stück über die Dinge, die im Leben wirklich eine Bedeutung einnehmen, ein Song von der Stern Meißen Combo aus dem sozialistischen Teil unserer Republik der siebziger Jahre.

“Der Kampf um den Südpol” – ein Klassiker unter den (ideologie befreiten) Rockhymnen, dessen poetischer Text die Horizonte für den einen oder anderen vom Schröder-Cohiba-Effekt zu sehr getriggerten Marketier wieder öffnen könnte (bitte sieben Minuten Zeit mitbringen, die Ton-Bild-Qualität ist etwas holprig, dient aber auch dazu, herauszufinden, wo man her kommen könnte):

P.S. Den Songtext zum historischen Wettlauf um den Südpol zwischen den beiden Polarforschern Amundsen und Scott kann man hier nachlesen:

http://www.golyr.de/stern-meissen/songtext-der-kampf-um-den-suedpol-349321.html

Geschrieben von lochmaier

Februar 27, 2010 um 11:55 am

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