Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

High-Frequency-Trading: Wenn die Wall Street sich vertippt

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Kursabsturz an der Wallstreet – aber worin liegt die Ursache? Darüber spekulieren die Medien noch in einem ziemlich weiten Feld, so u.a. auch Spiegel online: 

Geradezu reflexartig reagierten US-Politiker auf den Vorfall und forderten noch am Donnerstag schärfere Kontrollen für den Computerhandel. Es sei wieder die Gefahr deutlich geworden, dass „Hochgeschwindigkeits-Computer falsche Geschäfte generieren und am Markt Chaos erzeugen“, erklärte der demokratische Senator Edward Kaufman.

Quelle: Spiegel online

In der Tat – es lässt sich „beim Kampf der Algorithmen“ trefflich spekulieren über den Hochgeschwindigkeitshandel, der nicht immer beherrschbar sein muss. Die Ursachenforschung geht sicherlich noch weiter.

http://www.aktiencheck.de/artikel/analysen-Marktberichte-2057923.html

Zweifelsohne hätten computergesteuerte Algorithmen (High Frequency Trading) für beispiellose Kursverwerfungen (Aktien seien von 47 USD auf 0 USD gefallen) gesorgt, wodurch die Bewegungsdynamik nochmals erhöht worden sei. Andererseits sei die extrem schnelle Aufholrally (der Dow sei von seinem Tief bei 9.869 Zählern wieder auf 10.520 Punkte geklettert) sicherlich auch ein Produkt der Computerprogramme. Laut Medienberichten solle jedoch die Wahrscheinlichkeit hoch sein, dass die Börsen eine ganze Reihe von Trades nachträglich stornieren würden. Wohl aber nur, wenn der Kursverlust mehr als 60% betragen habe.

Quelle: aktiencheck.de

Auch in der wirtschaftlichen Blogosphäre widmen sich einige dem Thema, so etwa hier auf Egghats Blog, wo man zwar keine schlüssige Ursachenforschung erhalten kann, da sieht wohl noch kein menschlicher Vertipper außer dem möglichen Verursacher dahinter – aber zahlreiche interessante Links, Querverbindungen und Updates beleuchten das Thema von unterschiedlichen Blickwinkeln:

http://egghat.blogspot.com/2010/05/warum-kam-es-gerade-zum-crash_06.html

In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „die bank“ gibt es übrigens einen Artikel zum Thema „Schneller als der Blitz“, eine immerhin dreiseitige Analyse (Seite 22ff.) über die Geschäftmodelle im Hochfrequenz-Handel (online noch nicht verfügbar). Immerhin: Jeder Broker handelt beim Deal via High-Frequency täglich bis zu 1 Mrd. Wertpapiere. 

Bis zu 5.000 Geschäfte an guten Tagen schafft bloß der kleine Mensch – und die Maschine? Na ja, 60 Mio. Kauf- und Verkaufsaufträge sind bei entsprechender Laune drin in einem einzigen Computerprogramm bis sich die Sonne in den unterschiedlichen Erdteilen wieder hebt und senkt (also 24×7) – und da wird man oder frau sich doch mal „vertippen“ dürfen, oder?

Nur, jeder kleine Vertipper hat so seine Folgen: Experten kalkulieren den Anteil des „Algo-Handels“ am US-Aktienhandel auf über 60 Prozent im vergangenen Jahr. Der Anteil am Xetra-Volumen soll ebenfalls schon knapp die Hälfte betragen. Achtung Rutschgefahr. Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie am besten … jetzt fällt mir gerade auch nichts Geistreiches dazu ein.

Es gibt unterschiedliche Strategien von Cross-Asset, über Pairs Trading, statistische Arbitrage, Volatilitäts-Handel, bis hin zu Block Trades. Da kann schon mal was schiefgehen, wenn die Geschäfte eben „schneller sind als der Blitz dies erlaubt“. Fragt sich nur, wer am Ende davon profitiert oder verliert?  

In einem früheren Artikel habe ich das Phänomen „Seltsame Formen der künstlichen Schwarmintelligenz“ schon einmal beleuchtet (mit vielen Links):

https://lochmaier.wordpress.com/2009/11/11/high-frequency-trading-seltsame-formen-der-kunstlichen-schwarmintelligenz/

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Written by lochmaier

Mai 7, 2010 um 10:11 am

Veröffentlicht in Uncategorized

3 Antworten

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  1. Dow Jones: „Verschwörungstheorie – Anleger sollen in US-Bonds getrieben werden“

    http://tinyurl.com/36bqlcy

    klaudia

    Mai 7, 2010 at 3:19 pm

  2. Verwirrend. Wer tradet denn nun, der Mensch oder die Maschine? Da schließen sich Tippfehler und Algo-Trading als Ursachen doch gegenseitig aus.

    Jochen Adler

    Mai 7, 2010 at 6:22 pm

  3. […] Kommentar » In einem früheren Beitrag im Mai habe ich das Thema schon einmal beleuchtet: High-Frequency-Trading: Wenn die Wall Street sich vertippt. Ist das sogenannte Algotrading nun die ultimative Glücksformel für Lottospieler an der Börse, […]


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