Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Algotrading: Wie selbstzerstörerisch ist der automatisierte Handel?

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In einem früheren Beitrag im Mai habe ich das Thema schon einmal beleuchtet: High-Frequency-Trading: Wenn die Wall Street sich vertippt. Ist das sogenannte Algotrading nun die ultimative Glücksformel für Lottospieler an der Börse, bei dem man leider am Ende viel mehr verliert als gewinnt? Fächern wir die Thematik mal etwas genauer auf. 

Michael Schwalm-Leinert ist Mitbetreiber des Forexinformationsportals www.forextimes.de und als selbstständiger Trader seit 2007 im Devisenhandel tätig. Wie der Forex-Handel funktioniert, erläutert der Insider  auf seinem Weblog forextimes:

Anhand des folgenden Beispiels kann der komplette Ablauf eines einzelnen Handelsvorgangs am Forex Markt nachvollziehbar veranschaulicht werden: Zum Kurs des Devisenpaares EUR/USD (Euro zu USD) von 0,7354 kauft der Forex Trader 100000 Dollar (für 73540 €), da er auf einen Kursanstieg des Devisenpaares setzt.

Der Kurs EUR/USD steigt auf 0,7419, in der Forex Sprache beträgt der Kursanstieg 65 pips (0,7419 – 0,7354 = 0,0065). Der Forex Trader bekommt ein Forex Signal, dem er folgt, da er ihm vertraut und verkauft die 100000 Dollar. Er bekommt 74190 €, folglich ist der Verkaufserlös 650 € (74190 € – 73540 €). Das Beispiel zeigt überzeugend, wie groß die Rolle eines kleinen pip ist.

Zumal ein erfahrener Forex Trader jeden Tag mehrere Transaktionen vornimmt, wobei 100000 USD kein außergewöhnliches, sondern ein gängiges Handelsvolumen ist, kann der real erzielbare Verkaufserlös bei ca. 5000 € pro Tag liegen. In Anbetracht dessen, dass am Forex Markt nicht mit ganzen, sondern mit marginalen Einsätzen gehandelt wird, wobei die Margen-Einsätze bei durchschnittlich 1 % der Handelssumme liegen, sind die real erzielbaren Gewinne extrem hoch.

So liegt der marginale Einsatz der vollen Summe von 100000 USD bei 1000 USD. Es darf allerdings nicht außer Acht gelassen werden, dass die enormen Hebelwirkungen nicht nur für hohe Gewinne sorgen, sondern genau so hohe Verluste nach sich ziehen können.

Quelle: forextimes.de

In einem Gastbeitrag auf dem Blicklog kommt Trading-Experte Michael Schwalm-Leinert nun ganz am Ende exakt auf den kritischen Punkt der „geistigen Unterstützungslinie“:  

Beunruhigend ist es, dass der Hochgeschwindigkeitshandel im weltweiten Devisenhandel immer mehr an Einfluss und Macht gewinnt, dadurch bedingt, dass dessen Marktanteil rapide steigt: Im Jahr 2009 lag er bereits bei rund 25%, in Fachkreisen ist zu spüren, dass es so bleibt. Der zunehmende Einfluss des Algo-Tradings auf das Forex Trading ist eine echte Bedrohung, zumal Computer und Computerprogramme mehr Entscheidungsmacht als Menschen haben.

Quelle: Blicklog

Wie lässt sich dieser Befund nüchtern einordnen? Nun geht es keineswegs darum, die Börse und auch das High-Frequency-Trading pauschal zu verdammen. Man sollte zuerst genau definieren, worüber man redet, als mit dem moralischen Finger zu zeigen.

Oftmals sind sogar recht kreative Menschen als individuell gestrickte Trader, semi- und manche so richtig professionell, unterwegs.  Also ganz und gar keine blutrünstigen Vampire. Ich habe mir selbst einen Einblick erst kürzlich auf einem eintägigen Workshop zum Live Trading in Berlin verschafft.

Was einen nachdenklich stimmt, ist etwas anderes. Die strukturellen Ungleichgewichte auf den Finanzmärkten, die Ahnungs- und Sorglosigkeit angesichts des globalen Szenarios, die Überliquidität – und natürlich der Einfluss des automatisierten Handels in diesem Zusammenhang.

Außerdem: Die Enttäuschung mit konventionellen Anlageberatern bis hin zum Frust beim fremdbestimmten Job und der Einflusslosigkeit im großen politischen Räderwerk dürfte ein übriges tun, dass sich Broker lieber auf sich selbst verlassen, wenn es schief geht, dass weiß man oder frau wenigstens, wer dafür verantwortlich ist.  

Trotzdem stellt sich die Frage: Ist das der ideale Nährboden für die nächste Blase oder ein partielles Crashszenario? Schwer zu sagen. Die Meinungen darüber gehen weit auseinander. Hier weiß wohl nur das Orakel von Delphi die richtige Antwort. Spannend ist, ob sich mehr Kunden von Online-Brokern auf die automatisierten Rituale gedenken einzulassen.

Einige davon, die auch den automatisierten Forex-Handel  bereits als „Cash-cow“ und (vermeintlich) automatische Geldvermehrungsmaschinerie praktizieren, habe ich persönlich kennen gelernt. Es sind quasi „ganz normale Menschen“, die sich generell aber deutlich mehr mit der Geldanlage beschäftigen als andere. Alle Altersklassen sind vertreten, auch Ältere. 

Dennoch kann man damit natürlich den kompletten Schiffbruch mit dem Verlust des „Spielkapitals“ erleiden. Aber das wissen die Algotrader selbst. Dennoch verlassen sie sich auf einen Online-Broker, der die richtigen Parameter setzt, und der Nutzer braucht dann nur noch zeitsparend das Feintuning zu übernehmen?

Das klingt ein bisschen wie die Mär vom schnellen Reichtum über Nacht, oder zumindest binnen weniger Monate. Die Hebel sind enorm, und wer sie richtig einsetzt, hat’s bald geschafft, so das Credo. Eigentlich aber, so wurde auf der World of Trading in Berlin etwas ganz anderes deutlich: Nämlich, dass der Erfolg an der Börse wie so manches andere im Leben auch das Produkt von Disziplin, Strategie und richtiger Intuition ist. Da darf man auch mal daneben liegen, sofern man daraus lernt.

Und hier gibt es erst recht kein billiges Freibier zu verschenken, auch und gerade nicht beim automatisierten Algotrading, wie ein Interview mit Lothar Albert, dem Chefredakteur und Herausgeber von Broker-test.de aufzeigt. Hier die Preisfrage:

Viele Anleger möchten das schnelle Geld verdienen. Habe ich nach meinem Besuch das nötige Handwerkszeug, um direkt mit dem day trading zu beginnen?

Lothar Albert: „Sagen wir es so, nach der Veranstaltung werden viele der Mythen um das schnelle Geld nicht mehr vorhanden sein. Dafür haben die Besucher einen gute Idee davon, was es bedeutet, an der Börse erfolgreich zu sein.“
Noch Fragen?

Wer mehr Einblicke hinter die Kulissen und Funktionsprinzipien etwa der Metatrader Version 4 haben möchte, der wird beispielsweise auf www.wallstreet-metatrader.de/trade fündig, wo ausführliche Videos das Phänomen aus Nutzersicht erläutern, oder direkt über http://www.metatrader4.com/de/.

Dies soll aber nicht als Aufruf oder gar Werbung verstanden werden, das gleich zu probieren, sondern zur kritischen Auseinandersetzung anregen. Denn die Preisfrage lautet: Mit welchem Risiko wird welche Performance „erkauft“? Auch für die kommenden Generationen ist dies eine spannende Frage.

Morgen folgt im Anschluß an das heutige Thema ein Update über die neue Web 2.0-basierte Handelsplattform Ayondo.

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Written by lochmaier

September 28, 2010 um 7:31 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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