Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

3D-Druck forciert Bankendialog – Interview mit GAD

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Im Innovationsforum des IT-Dienstleisters GAD gewinnen Partner, Kunden und Dienstleister einen Einblick in die Herausforderungen an die „Bank der Zukunft“. Die im Innovationsforum zu sehenden Exponate und Showcases dienen der Verdeutlichung des technologischen und gesellschaftlichen Wandels.

Ein attraktiver neuer Publikumsmagnet stellt dabei der 3D-Drucker dar. Er deutet an, wie sich moderne Gestaltungsprinzipien in der Bankfiliale mit traditionellen Werten wie faire und kundennahe Dienstleistungen verknüpfen lassen. Natürlich werden wir keine Geldkarten aus dem dreidimensionalen Gerät drucken lassen.

Im Gespräch mit Social Banking 2.0 beschreibt Innovationsmanager Frank Kleinert von der GAD eG in Münster aber anhand der 3D-Printrevolution, wie man mit Innovationen den Dialog beleben kann – nämlich, um alte Rollenmuster zwischen Bank und Kunde zu durchbrechen. 

Social Banking 2.0: Herr Kleinert, wie kam es zu der Idee, im Innovationsforum der GAD einen 3D-Drucker zu installieren?

Frank Kleinert: Seit September 2010 durften wir bereits mehr als 4000 Besucher in unserem Innovationsforum, oder auch Raum für Ideen genannt, begrüßen. In erster Linie ist es unser Ziel Menschen zu inspirieren. Mit Hilfe unterschiedlicher Exponate und Showcases können wir Entwicklungen und Veränderungen gesellschaftlicher sowie technologischer Natur verdeutlichen. Der 3D-Drucker verkörpert aus unserer Sicht wie zurzeit kaum ein anderes Exponat, dass sich auch als unveränderlich angesehene Geschäftsmodelle dramatisch wandeln können. So entstand die Idee einen 3D-Drucker in das Forum aufzunehmen. Natürlich wollten wir auch selbst herausfinden, inwieweit diese Geräte wirklich bereits massentauglich sind.

Was passiert, wenn Kunden und Partner sich mit den Möglichkeiten des dreidimensionalen Druckverfahrens beschäftigen?

Viele unserer Besucher, die den Drucker schon in Aktion erlebt haben, schauen zunächst ungläubig und gebannt minutenlang auf den Druckraum, also das entstehende Objekt. Insbesondere funktionale oder ineinander verschachtelte Objekte, wie zum Beispiel eine Kette, werden mit großen Augen bestaunt. Und genau diese Momente sind besonders gut geeignet, Parallelen zu anderen Veränderungen darzustellen und die Entwicklungen auch auf Businessprozesse zu übertragen. Mit Hilfe dieses Aha-Effektes lösen wir unsere Besucher von gewohnten Denkmustern und nehmen sie mit auf eine Reise durch die Welt des Wandels und der Veränderung. Anschließend ist der Geist etwas freier und kann neue Ideen für die eigenen Geschäftsprozesse entwickeln.

Wie könnte denn die „Erlebnisfiliale“ in der Bank der Zukunft vom digitalen Wandel anhand des 3D-Druckes profitieren?

Der direkte Einsatz von solchen Druckern in Bankfilialen wirkt zurzeit noch etwas, sagen wir mal „konstruiert“. Sicher wäre ein ähnliches Vorgehen wie im GAD-Innovationsforum auch in einer Bankfiliale möglich. Mit dem Ziel ein offenes, nicht in erster Linie abschlussorientiertes Gespräch zu führen, diskutiert man mit dem Kunden diese neue, zurzeit noch aufsehenerregende Technologie. Das Ziel könnte darin bestehen, die Kunden anzuregen und ins offene Gespräch mit ihnen zu kommen. Also weg vom reinen Produktverkauf, hin zum Dialog. Neues zu sehen und auszuprobieren. Aber wie gesagt: Das steht für uns erst einmal nicht im Fokus.

Gibt es weitere Gestaltungselemente, mit denen die Filiale via 3D-Print wieder enger an den Kunden heran rücken könnte?

Die Drucker sind erst auf dem Weg zur Massentauglichkeit, also in der angesprochenen Preisklasse noch nicht alltags- bzw. Endnutzertauglich. Eine ausgeprägte Technikaffinität des Bankmitarbeiters bzw. der Bankmitarbeiterin vorausgesetzt, wäre zum Beispiel die Herstellung ‚verbindender Objekte’ zur Emotionalisierung von abstrakten Bankprodukten denkbar. Stellen Sie sich vor, dass der Kunde nach einer abgeschlossenen Immobilienberatung sein gedrucktes Haus mitnehmen kann. Hat der Kunde später weitere Fragen zu dem Angebot, bringt er das ‚gedruckte Haus’ mit in die Bank, stellt es auf eine interaktive Oberfläche und bekommt so weitere Informationen.

Eignet sich das Thema auch für bestimmte Aktionen?

Denkbar wären Ideenwettbewerbe, Workshops und Charity-Events, zum Beispiel im Kindergarten. Darüber hinaus eignet sich die Verbindung von Objekten auch für interaktive Multitouchtische. Wichtig ist hier, wie auch in anderen Bereichen des Bankgeschäfts, Mitarbeiter zu haben, die mit Fantasie, Kreativität und Herzblut an die Sache gehen und den Drucker als Unterstützung sehen, um etwas für und mit den Kunden zu tun. Den Drucker als einen reinen ‚Selbstläufer’ zu sehen, der den Kunden bedient oder beschäftigt, wäre meiner Meinung nach die falsche Herangehensweise.

Abschließend die Frage, ist der 3D-Druck nur für Jüngere interessant oder lassen sich dafür auch Ältere begeistern?

Ich denke, prinzipiell ist jeder Mensch begeisterungsfähig, egal ob alt oder jung. Die passende Ausgangsfrage lautet vielmehr, in welchem Kontext dieser Drucker zum Einsatz kommt. Für jeden Menschen kann ein in der Bank gedrucktes Objekt ein verbindendes Element zwischen Kunde und Bank beziehungsweise dem Kundenwunsch und Bankprodukt sein. Das Besondere daran ist doch, dass der Kunde das Objekt selbst gestaltet. Hier erkenne ich die Parallele zwischen Beratung und 3D-Druck. Der Kunde bestimmt, beeinflusst oder gestaltet selbst sein Finanzprodukt, welches er dann mit nachhause nimmt.

Interview: Lothar Lochmaier

Written by lochmaier

Juni 10, 2013 um 7:01 am

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