Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Mobile Payments: Banken proben Open Innovation

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Neue Spieler aus der IT und Telekombranche entern im Bereich von mobilen Bezahlvarianten das Terrain. Die Banken sollten sich deshalb für neue Kooperationen öffnen, so der Tenor auf der zweitägigen Fachkonferenz EBADay in Berlin.

Die 1985 gegründete Euro Banking Association (EBA) http://www.abe-eba.eu stellt ein Forum für die europäische Payment-Industrie dar. Heute umfasst die Organisation rund 200 Mitglieder weltweit. In Berlin versammelten sich die Experten zum EBAday, unter dem Leitmotiv: Towards a Borderless World of Payments. http://www.ebaday.com/ Die Aufgabenstellung der EBA besteht vor allem darin, grenzüberschreitende Kooperationen vorwärts zu treiben.

Die Katerstimmung war für mich kaum zu übersehen.

Denn jenseits der üblichen Tagungsagenda zeigte das Jahrestreffen vor allem eines: Die Branche ist auch fünf Jahre nach Ausbruch der Finanz- und Staatsschuldenkrise zutiefst verunsichert, was ihre eigenen Zukunftsperspektiven angeht. Deutlich wird dies an neuen Herausforderern, die vor allem aus der IT- und Telekom-Branche stammen. Diese setzen die Banken unter Zugzwang, sich nicht nur einer oberflächlichen Rundum-Erneuerung zu unterziehen.

„Die institutionelle Blindheit ist eines der größten Risiken für klassische Banken“, rief Futurist Patrick Dixon, Chairman beim Beratungshaus Global Change, die Branchenvertreter zum Dialog und zur Öffnung nach außen auf. Seine Prognose mit Blick auf eine künftig deutlich stärker auf das Internet ausgerichtete Bezahlwelt, angetrieben durch hohe Wachstumsraten beim E-Commerce. „Die Zukunft der Bankenbranche entscheidet sich weniger durch den technologischen Wettlauf, sondern vor allem durch den Mehrwert auf Kundenseite und die damit verbundenen Emotionen, wobei der Faktor Vertrauen die zentrale Währungseinheit im Netz darstellt“, so der Experte weiter.

Der technologische Wandel sei längst im Gange. Der Kunde werde durch mobile Endgeräte und Orts ungebundene Bezahlverfahren flügge, er bestimme also die strategische Ausrichtung einer ganzen Branche mit. „Die Veränderungen in der Bankenlandschaft geschehen rascher als es den Spitzenmanagern gelingen kann, einen kurzfristigen Termin für das nächste Meeting zu vereinbaren“, pointiert Unternehmensberater Dixon.

Beispiel: Mobile Bezahlverfahren, wie M-Pesa in Afrika, die den Geldtransfer ohne Bankverbindung über mobile Endgeräte ermöglichen, sind weltweit auf dem Vormarsch. Dies setze etablierte globale Finanzdienstleister wie die Western Union massiv unter Margendruck. „En derartiges Geschäftsmodell für den grenzüberschreitenden Geldtransfer dürfte ein Auslaufmodell darstellen“, fasst Dixon zusammen.

Welche konkreten Schlussfolgerungen aber Banken aus dem technischen Wandel ziehen sollen, lassen auch Experten offen. Soll man bei Mobile Payments nun verstärkt auf Carrier Billing, NFC, Apps oder Kartenlesegeräte setzen? Noch hat sich kein Königsweg heraus kristallisiert.

Das neue Zauberwort in der Branche lautet deshalb: Collaboration. Mit anderen Worten: Gefragt ist die offene, vielfältige und grenzüberschreitende Zusammenarbeit, um die eigenen Produkte und Dienstleistungen mit Hilfe neuer Partner stetig zu verbessern und zu erweitern. Freilich setzt dieser Prozess einen Wandel in der hierarchischen Unternehmenskultur von Banken voraus.

„Collaboration bedeutet weit mehr als bloßes Teamwork, es gilt, die eigene intellektuelle Komfortzone zu verlassen“, rät Expertin Moti Porath vom Transaction Banking Spezialisten Fundtech. Kurz, der Wettbewerb entscheide sich an der Frage: Welche Funktionen und Werkzeuge möchte der Kunde wirklich nutzen?

Das neue Credo in der Branche lautet deshalb: Scheitert der Plan, den Aktionsradius neuer Wettbewerber zu begrenzen, dann kooperiere mit ihnen. Die Strategie des Mauerns, unter anderem gegen neue regulatorische Rahmenbedingungen aus Brüssel, funktioniere nicht mehr, bestätigt denn auch Michael Steinbach, CEO beim global operierenden Zahlungsverkehrsdienstleister Equens. Will heißen: Die Bankenbranche soll laut Equens von IT-Größen mit Sex Appeal wie Apple und Samsung lernen.

Doch lassen sich Geldtransfer und Geldanlage tatsächlich so attraktiv gestalten wie das virtuelle Appstore? Und so blieb es dem Futuristen Patrick Nixon vorbehalten, das sachkundige Publikum beim EBADay zu befragen: Reift möglicherweise in IT-Größen wie dem Internet-Bezahldienstleister PayPal bereits in wenigen Jahren neue schlagkräftige Wettbewerber heran, womöglich gar ein mit allen Lizenzen versehenes Bankhaus? Die wenigsten Kongressteilnehmer konnten diese Frage allerdings beantworten. Auch Schweigen kann viel sagend sein.

Written by lochmaier

Juni 12, 2013 um 6:50 am

Veröffentlicht in Uncategorized

3 Antworten

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  1. […] Social Banking 2.0: Mobile Payments: Banken proben Open Innovation […]

    • Kunden werden die neue Lösung akzeptieren die ihnen am meisten Flexibilität und damit Mehrwert bringt.
      Die n-te Möglichkeit einfach nur bezahlen zu können gehört sicher nicht dazu, wie das Beispiel NFC oder Geldkarte zeigen. Die Zukunft heißt mobile shopping mit QR code. Das geht mit jedem Handy und der passenden App, z.B. GO4Q. Handelsseitig ist nur Bildschirm notwendig, den gibts in der Regel an den Kassen. Das heißt Null Invest. = Null Akzeptqanz Hürde beim Händler und in der Gastronomie.
      Wenn der erste Banker begriffen hat, dass auch mobile payment per QR Code transactionsgebühren erzeugt, sollte die Stimmung wieder besser werden. Lets GO4Q

      uli

      Juni 13, 2013 at 4:01 pm

  2. […] Mobile Payments: Banken proben Open Innovation […]


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