Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Triodos Bank Deutschland: Start mit Liebeshymne an sich selbst

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Die Triodos Bank Deutschland  geht morgen offiziell in Deutschland an den Start; Und zwar nicht nur mit einem recht aufwändig inszenierten Eröffnungsevent in Frankfurt, sondern auch mit einer ganz persönlich gemachten Liebeserklärung via Videobotschaft an sich selbst:

Fazit: Das ist durchaus eine Bank auf (Augen)Höhe der Zeit, und die Mitarbeiter sind „Banker zum Anfassen“. Dieses Weblog Social Banking 2.0 hatte jedoch in einem früheren Beitrag bereits Kritik geäußert, dass ausgerechnet zur Eröffnungsveranstaltung – wohl mit Blick auf einflussreiche Investorengruppen oder einfach schlicht nur um durch viel Preis und Ehr mehr Menschen anzulocken – es ausgerechnet der teuren Unterstützung von externen Moderatoren aus dem gesellschaftlichen Mainstream bedarf, allen voran Börsenexperte Michael Best von der ARD, sowie Corinna Wohlfeil von n-tv.

Wir erinnern uns: So fing es mit dem inneren Verfall der SPD unter Gerhard Schröder auch einmal an, als sie begann, das hohe Lied, die Ode, vom neoliberalen Marktmodell eifrig nachzusingen. Oder anders gesagt: Wer vergisst, woher er kommt, wem er den Erfolg zu verdanken hat, der weiß irgendwann nicht mehr, wohin er die weißen Segel auf offener See setzen soll.

Die etwas übersteigerte Inszenierung, über die sich (nicht nur) vielleicht manch einer der über Triodos mit Krediten finanzierten 500 Ökolandwirte wundern könnte, trübt den insgesamt sicherlich positiven Gesamteindruck der in Europa führenden nachhaltigen Bank.  Wie dem auch sei, Glück auf, wir alle sollten uns täglich verbessern.

Hier aus der aktuellen heutigen Presseinformation noch die neuesten Informationen, was Triodos in Deutschland konkret in nächster Zeit so alles vor hat:

Als Direktbank wird die Triodos Bank deutschen Privatkunden in einem ersten Schritt ein Tagesgeldkonto und einen Sparplan anbieten. Deutsche Unterneh-men, Institutionen und Projekte aus den Bereichen Ökologie, Soziales und Kultur können bei der Triodos Bank Kreditfinanzierung erhalten, die auf der Basis von Nachhaltigkeitskriterien erfolgt. Für Stiftungen und gemeinnützige Organisationen bietet die Triodos Bank ebenfalls nachhaltige Anlagemöglichkeiten.

Im Bereich der Kreditfinanzierung kann die Triodos Bank bereits ein deutsches Portfolio von 60 Millionen Euro vorweisen. Denn es gab schon seit 2005 mit der Triodos Finanz GmbH eine Repräsentanz für Kreditvermittlung in Deutschland, die nun in die neue Niederlassung in Frankfurt am Main eingebracht worden ist.

Die Geschäftsleitung der Triodos Bank in Deutschland besteht aus Georg Schürmann (47) und Alexander Schwedeler (45). Schürmann, der für das Privatkundengeschäft zuständig ist, war zuvor 20 Jahre bei der Deutschen Bank tätig. Schwedeler, zuständig für Geschäftskunden, blickt auf eine bereits 10-jährige Karriere bei der Triodos Bank zurück.

 Georg Schürmann über die Ziele der Triodos Bank in Deutschland: „Wir planen im Laufe von 2010 unsere Produktpalette sukzessive für Privatkunden zu erweitern um ein Girokonto und Investmentfonds. Auch Zahlungsverkehrsprodukte für Geschäftskunden sind geplant. Wir wollen bis Ende des kommenden Jahres für unsere Kunden die Rolle einer Hausbank spielen können.“

Alexander Schwedeler ergänzt: „Wir stellen auf der Kreditseite eine sehr hohe Nachfrage fest. Unseren Geschäftskunden aus den Bereichen Ökologie, Soziales und Kultur ist es wichtig, mit einer Nachhaltigkeitsbank zusammenzuarbeiten. Dies ist zum einen die konsequente Fortsetzung ihrer Unternehmensphilosophie, zum anderen bringen wir als Triodos Bank ein 30-jähriges Wissen über die Branchen und entsprechenden Geschäftsmodelle unserer Geschäftskunden mit.“

             Quelle: Triodos

Dass es marketingtechnisch so langsam auch in der Ökonische etwas enger wird, und sich die Protagonisten genau überlegen müssen, mit welchen Stilmitteln sie gerade beim Einsatz von Social Media übers Internet sich selbst und ihre Produkte inszenieren, das zeigen die beiden folgenden Artikel in der Süddeutschen Zeitung bzw. die Welt:

http://www.sueddeutsche.de/75O38u/3167444/Es-wird-eng-in-der-Ethik-Nische.html

http://www.welt.de/die-welt/finanzen/article5364841/Mit-Tagesgeld-Oekogaense-zuechten.html

Fazit: Der Wettbewerb wird künftig auch über die marktgängigen Zinsen entschieden, hier hinkt die GLS Bank derzeit noch hinterher, Triodos bewegt sich etwas höher, und die Noa Bank befindet sich beim Tages- und Festgeld derzeit in der Pole Position, die sie auch aufgrund ihres schlanken und flexiblen Verwaltungsapparats einnimmt.

Da wird es spannend sein, wie die nachhaltigen Institute den Spagat zwischen intensiver Kundenbetreuung, die bekanntlich etwas kostet, bewältigen, und wie sie trotzdem mit attraktiven Zinsen die Masse der (aufgeschlossenen) Anleger erreichen.

Und oben in der Pressemitteilung hat Geschäftsführer Georg Schürmann ja die Messlatte recht hoch gelegt: Denn Triodos will nichts weniger als die Hausbank der Menschen sein. Also dürfte dies ein recht eindeutiges Votum des ehemaligen Managers von der Deutschen Bank sein, sich etwas stärker aus der sogenannten „Ökonische“ herauszuwagen, die es ja ohnehin nicht mehr so richtig trennscharf gibt.

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Written by lochmaier

Dezember 1, 2009 um 3:13 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. Boykott gegen Triodos Bank: “Ethisches Investment“?

    Seit einiger Zeit präsentiert sich Triodos Bank (http://www.triodos.de/) der Öffentlichkeit als „ethische“ und verantwortungsbewusste finanzielle Alternative, die ihr Kapital in nachhaltige soziale Projekte steckt. Doch diese Bank finanziert zum Beispiel die internationale Stiftung O’Belén, Institution die in Spanien eine lange Liste von Anzeigen wegen Misshandlung von Kindern und Jugendlichen anhäuft und unter deren Gewahrsam im Zeitraum 2007-2011 mindestens drei Minderjährige sich das Leben genommen haben. O’Belén hat bei Triodos eine Einlage von 441.320€ und wahrscheinlich auch verschiedene Immobilien.

    Boykott gegen Triodos: „Ethisches Investment“?

    Die Stiftung O’Belén ist angeblich eine Non-Profit-Organisation, die Ende der 90er Jahre von einer Gruppe von Politikern und Unternehmern gegründet wurde, die beabsichtigten sich die Privatisierung des öffentlichen sozialen Sektors, die zu diesem Zeitpunkt ihren Anfang hatte, zu Nutze zu machen. O’Belén ist eines der als NGO getarnte Unternehmen das geschlossene Jugendstrafanstalten leitet. Diese Stiftung erhält ungefähr 250€ pro eingesperrtem Minderjährigen pro Tag; Steurergeld das als Subvention an O’Belén geleitet wird. Außerdem besitzt O’Belén eine externe Finanzierung, bestehend aus „solidarischen“ Zuschüssen von privaten Unternehmen und Organisationen. Die unmenschlichen und erniedrigenden Praktiken die in den Jugendstrafanstalten unter der Leitung von O’Belén angewandt werden, sind schon oft ans Licht der Öffentlichkeit gedrungen, besonders nach der Veröffentlichung eines Berichts des spanischen Ombudsmann im Jahr 2009, in dem einige der Strafzellen für Kinder und Jugendliche als „mittelalterlich“ bezeichnet wurden, sowie Gewalttaten gegen Insassen, Zwangsmedikation und sogar neue Fälle von Selbstmordversuchen, die sich in die Liste der schon bekannten Todesfälle einreihten, dokumentiert. Kurz darauf wurde von Amnesty International der Bericht „Si vuelvo, me mato“ (in etwa: „Wenn ich zurück muss, bring ich mich um“ veröffentlicht, der Zeugenaussagen zu Misshandlungen der minderjährigen Insassen sowie Menschenrechtsverletzungen in den Zentren von O’Belén dokumentiert. Aufgrund all dieser Informationes haben verschiedene Autonome Gemeinschaften („Comunidades Autónomas“, die geografisch-politische Untereinheiten des spanischen Staates, Anm. d. Übers.) ihre Verträge mit O’Belén gekündigt, woraufhin drei Anstalten geschlossen werden mussten. O’Belén verlor außerdem ein Gelände, dass von der Region Murcia übergeben werden sollte, und musste für die Zukunft auf die finanzielle unterstützung von IberCaja (eine spanische Sparkasse, Anm. d. Übers.) verzichten. Emilio Pinto Rodríguez, einer der Gründer und Präsident der Stiftung, sah sich gezwungen seinen Rücktritt zu erklären (der aktuelle Präsident ist Javier San Sebastián). Allerdings konnte sich O’Belén von diesen Schlägen erholen, da neue Politiker der Stiftung Verträage zuteilen und Finanzunternehmen mit weniger Skrupel als IberCaja ihre Unterstützung aufrechterhalten.

    Vor zwei Jahren [2/12/2008] nahm sich Hamid al-Amrani in einer Anstalt unter der Leitung von O’Belén in Picón del Jarama, bei Madrid, im Alter von 13 Jahren, das Leben. Einige Tage darauf gab es einen Selbstmordversuch eines 17jährigen Insassen, dem im Krankenhaus das Leben gerettet werden konnte. Am 14. Dezember 2010 gab es einen neuen Selbstmordversuch in dieser selben Anstalt.

    In den von O’Belén geleiteten Jugendstrafanstalten werden systematisch Foltermethoden gegen minderjährige angewandt:
    – Isolationszellen: Durch die internationale Gesetzgebung verboten; erhöhen das Risiko von Selbstverletzungen und Suizid.
    – Zwangsmedikation: Den Minderjährigen Insassen werden routinemäßig Beruhigungsmittel und Neuroleptika verabreicht damit diese die Haft aushalten. Dies geschieht oft ohne medizinische Beaufsichtigung.
    – Verletzung der Kommunikationsfreiheit: Besuche und Anrufe von Freunden und Partnern werden verboten, Briefe werden gelesen, usw.
    – Anwendung physischer und psychischer Gewalt: Beleidigungen, Erniedrigungen und teilweise auch Schläge oder unverhältnismäßige Anwendung von Gewalt um die Insassen zu „kontrollieren“.
    – Freiheitsberaubung ohne gerichtliche Anordnung.

    Mindestens drei Minderjährige sind schon in Gewahrsam von O’Belén gestorben: Hamid A. (13 Jahre), Saray G. (14 Jahre) und David X. (12 Jahre). Solltest du Kunde von Triodos Bank sein, bitten wir dich diese Vorgänge nicht weiterhin zu unterstützen!

    Obwohl mehrere Kunden und wir selbst uns mit Triodos Bank in Kontakt gesetzt haben, beharrt das Finanzinstitut auf einer Fortführung der Finanzierung von O’Belén. Dies ist der Beweis das Triodos Bank ihre eigenen Kriterien nicht respektiert, da O’Belén zum Beispiel durch die Nutzung von Isolationszellen gegen die Resolution 45/113 der Vereinten Nationen (http://www.un.org/documents/ga/res/…) verstößt.

    Dieses Verhalten der Triodos Bank schien unerklärlich, bis wir, durch einen Bericht der Fundación Lealtad, (meter vínculo?!) von der intensiven finanziellen Zusammenarbeit erfuhren, die eine Einlage von 441.320€ und wahrscheinlich mehrere Immobilien von O’Belén bei Triodos einbegreift. Damit ist für uns klar, dass Triodos mit Minderjährigen alles andere als ein „ethisches“ Verhalten an den Tag legt, sondern durch trügerische Werbung, speziell auf jene abzielend die an eine bessere Welt glauben, alleine an einer Gewinnmaximierung interessiert ist. Mit deiner Hilfe schaffen wir es, dass Triodos aufhört die Misshandlung von Minderjährigen zu finanzieren. Boykottiere Triodos Bank!

    Zum Beispiel kannst du:
    – Dein Geld abheben
    – Information weitergeben oder selber neue Fälle von Finanzierung korrupter und/oder menschenrechtsverletzender Institutionen recherchieren
    – Trügerische Werbung der Triodos Bank aufdecken und anprangern
    – Protestaktionen organisieren
    – Bei Triodos Bank vorbeischauen, emails schicken oder anrufen um dich zu informieren und/oder deinen Unmut zu äussern.

    Boykottkampagne gegen Triodos Bank. Colectivo Madrileño contra el Maltrato Institucional. („Madrider Kollektiv Gegen Institutionelle Misshandlung“).

    Cerremos Picon

    September 24, 2011 at 10:38 am


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