Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Interview – So könnte die „Genossenschaftsbank 2.0“ aussehen

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Boris Janek trägt den Kunstnamen „Electrouncle“ – Er bloggt  und twittert seit 2007 regelmäßig auf seinem Weblog Finance 2.0. über neue Finanztrends in der Online-Welt. Im Mittelpunkt stehen die Themen: Social Media, Finance 2.0 und Social Banking. Im Hauptberuf arbeitet er als Manager Online Marketing + Strategie bei der Internetgesellschaft der Volksbanken Raiffeisenbanken.

Im Gespräch mit Social Banking 2.0 erläutert Boris Janek seine Vision, wie eine „Genossenschaftsbank 2.0“ aussehen könnte, die mit dem Kunden auf Augenhöhe und mit Hilfe von modernen Kommunikationsmitteln interagiert.

Social Banking 2.0: Herr Janek, wie sähe die Vision eines Genossenschaftsmodells 2.0 aus, bei dem Social Media und  Private Banking zu einem Geschäftsmodell verschmelzen, bei dem sich Rendite, Nachhaltigkeit und Sozialorientierung nicht ausschließen?

Das  Genossenschaftsmodell 2.0 erfordert eine Rückbesinnung auf die basalen Werte der Genossenschaften: Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung.   Die Genossenschaftsbank 2.0 folgt darüber hinaus dem Prinzip des verantwortungsbewussten Wirtschaftens. Sie tut dies auch im Eigeninteresse, weil eine andere Form des Wirtschaftens, die Basis ihres geschäftlichen Erfolges auffrisst.

Die genossenschaftlichen Werte wird zeitgemäß erneuert und angewandt. Auf dem Weg zum Genossenschaftsmodell 2.0 kommen auf die Banken und deren Mitarbeiter dabei auch einige schmerzhafte Einschnitte zu.  Gerade durch das Internet verlieren die Banken ihre ursprünglichen USPs und müssen mit immer mehr Wettbewerbern unter Internet-  Bedingungen und Gesetzmäßigkeiten konkurrieren. Dennoch ist gerade das Internet eine herausragende Chance für die genossenschaftliche Idee und genossenschaftlich organisierte Banken.

Social Banking 2.0: Wie könnte das mit Blick auf die Filiale konkret aussehen?

Die Teilnahme an bzw. das Leben in Social Media ist für die Genossenschaftsbank 2.0 selbstverständlich, denn es existiert eine beinahe vollständige Übereinstimmung der Basiswerte der genossenschaftlichen Idee mit den Grundprinzipien des Internets.  Die Bank ist überall dort, wo sich Menschen mit dem Thema Finanzen beschäftigen und bietet diesen Menschen Antworten auf ihre Probleme an. Die Bank löst sich damit in ihrer klassischen Gebäudemetapher weitgehend auf. Der Kunde muss nicht mehr zur Bank kommen.   Die Bank kann zum Kunden kommen . Die Regionalität und Eigenständigkeit der einzelnen  Banken bleibt erhalten und ist Online auch abbildbar, findet aber auf einem neuen abstrakterem Niveau statt.

Social Banking 2.0: Welche Rolle spielt der Umgang mit den neuen Medien in diesem Prozess? 

Social Media steht darüber hinaus für das Leben von absoluter Transparenz, Ehrlichkeit, Authentizität und die Beteiligung von Mitgliedern, Kunden oder allgemein gesagt: Menschen. Dabei werden die Mitbestimmungsrechte  der Mitglieder und Kunden weit über das hinaus gehen, was diesen heute an Möglichkeiten geboten wird. Denkbar ist, dass sich die Bank in vielen Bereichen auf ihre heute noch relevanten Kernkompetenzen zurückzieht. Sie schafft einen Rahmen, in dem sie vor allem für die Themen Sicherheit und Risiken zuständig ist, ermöglicht und fördert ansonsten aber alle durch die Community erzeugten Finanzlösungen, insofern sie zu den Grundwerten der Finanz Community „Genossenschaftsbank2.0“ passen. Sie stellt damit die Leitplanken bereit und fördert die Vernetzung im Sinne der Community.  Die Genossenschaftsbank 2.0 folgt damit einem Basis Prinzip des sozialen Internets: Es wird Miteinander gehandelt. Probleme werden Miteinander gelöst. Die Bank erbringt ihre Leistung nicht für oder an den Menschen, sondern zusammen mit Diesen.

Social Banking 2.0: Wie sieht es mit dem Zielkonflikt zwischen der reinen Gewinnmaxierung und der reinen Sozialorientierung aus, wie kann er gelöst werden?

In der Genossenschaftsbank 2.0 geht Sozialorientierung  vor Gewinnorientierung . Sozialorientierung schließt und ökonomische Erfolge nicht aus, sie wird zukünftig sogar zum Motor ökonomischer Erfolge. Social Banking (Sozialorientierung) ist zwar nicht auf das Internet  angewiesen. Allerdings schafft das Internet Rahmenbedingungen, die  das Erfordernis verantwortungsbewussten Wirtschaftens sichtbarer machen.  Zusätzlich wird die Verfolgung gemeinsamer Interessen und die Bildung neuer Gruppierungen und Wege zur Lösung gesellschaftlicher Fragen erleichtert. Das Internet verbessert auch die Möglichkeiten hierarchiefreierer Koordination menschlichen Handelns.

Der gegenwärtig in der genossenschaftlichen Gruppe noch dominierende Glaube mit der stärkeren Nutzung des Internets verliere die Bank die Nähe zum Menschen und gäbe möglicherweise ihre Sozialorientierung auf, ist nicht haltbar. Das Gegenteil ist der Fall. Das Verhalten der Menschen hat sich verändert.  Eine transparente und wertorientierte Bank nutzt gerade das Internet und begegnet dem  Menschen dort auf Augenhöhe. Nähe ist ab einer bestimmten Größe der Bank und des Geschäftsgebietes sogar nur noch über das Internet effektiv herstellbar.

Die Bank hat nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbshilfe“ die Aufgabe, dass finanzielle Wohlbefinden ihrer Kunden und Mitglieder zu optimieren. Im Blickpunkt stehen alle Kunden.  Es gilt eine Mischung aus attraktiven und auch für die Bank lukrativen Angeboten und Angeboten der Grundversorgung zu finden, welche schlechter gestellte Kunden mittelfristig oder langfristig in die Lage versetzen auf  gehobenere  Produkte aufzusteigen.   Der Bank kommt zusätzlich die Aufgabe zu die finanzielle Freiheit und Selbstbestimmung  ihrer Kunden und Mitglieder zu vergrößern. Im Mittelpunkt steht die ganzheitliche und lebenslange Hilfe und nicht das einzelne Produkt. Der Erfolg der Bank und des Bankberaters wäre insofern auch an den Erfolg des Menschen oder des Kunden zu binden.

Social Banking 2.0: Wann ist ein Bankberater denn als erfolgreich zu bezeichnen?

In jedem Fall kann es hier nicht mehr um isolierte Mengenziele gehen.  Kunde, Berater, Bank und Region ( Umwelt) müssen als ganzheitlicher Rahmen für die Bewertung der Leistung herangezogen werden. Die Genossenschaftsbank 2.0 lebt absolute Transparenz , dazu werden herausragende und überzeugende Lösungen angeboten werden, die sich deutlich von den Angeboten anderer Banken unterscheiden.  

Social Banking 2.0: Wie könnte denn die halbwegs krisenfeste „Bank der Zukunft“ aussehen?

Die Banken der Zukunft sind nicht mehr vergleichbar mit den Banken der Vergangenheit. Banking als Form menschlichen Handelns wird es immer geben, aber Banken als Institution mit Mauern ( echten und gedachten), mit Eingängen und Ausgängen, innerhalb derer Bankmitarbeiter an Nicht-Bank-Mitarbeiter Finanzprodukte verkaufen, sind ersetzbar. Banking wird immer stärker prozessual gedacht und betrieben werden.

Social Banking 2.0: Kommt dabei auch das Regionalprinzip als essentieller Baustein zum Tragen?

Die Verantwortung für die Region und deren wirtschaftliches und kulturelles Wohlbefinden bleibt als Wert auch bei einer intensiveren Nutzung des Internets erhalten. Hier werden neue Modelle der Zusammenarbeit denkbar. Die Förderung von Unternehmen, Vereinen und regionalen Aktivitäten orientiert sich  an dem Prinzip der Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit würde in vielerlei Dimensionen: Mensch, Region, Ökologie, etc.  zur Leitlinie des Genossenschaftsmodells 2.0 erhoben werden.  Der Erfolg der Bank wäre an diesen Prinzipien zu messen. Die für die Realisierbarkeit eines Genossenschaftsmodells2.0 entscheidende Frage ist natürlich: Wie kann ich mit einem solchen Angebot eigentlich Geld verdienen?  Ohne ein wenig unternehmerischen Optimismus wird es zu einem Genossenschaftsmodell 2.0 realistisch gesehen nicht kommen.

Auf Basis der aktuellen ökonomischen Gegebenheiten ist eine gewisse Skepsis nicht unangebracht. Die Zukunft der kapitalistisch geprägten Gesellschaften hängt aber von einem neuen nachhaltigem Wirtschaftsmodell ab. Die Zeit würde demnach für das genossenschaftliche Modell arbeiten.

Die Genossenschaftsidee 2.0 braucht aber einen langen Atem. Erforderlich ist eine behutsame Überführung des aktuellen in das zukünftige Geschäftsmodell, angelehnt an die rechtliche, ökonomische und gesellschaftliche Entwicklung .

Social Banking 2.0: Welche Ansatzpunkte sehen Sie in der Geschichte von Genossenschaften wie der Volks- und Raiffeisenbanken, um jetzt einen probaten Lösungsansatz aus der Bankenkrise aufzuzeigen?

Die heutige Situation ist der Situation, die zur genossenschaftlichen Idee und deren Erfolgsgeschichte geführt hat, nicht unähnlich. Friedrich Wilhelm Raiffeisen schreibt 1866:

„Die in vielen Gegenden auffallende zunehmende Verarmung der ländlichen Bevölkerung erheischt kräftige Abhilfe. Erfahrungsgemäß ist dazu zweierlei nötig. Geld und die Kenntnisse dieses möglichst nutzbar anzuwenden. Die möglichen Kenntnisse werden erlangt durch zweckentsprechenden Unterricht; das erforderliche Geld kann durch Vereine beschafft werden. Die hier vorgeschlagenen Vereine gründen sich auf die unbedingteste Selbsthilfe. Letztere bewirkt die Entfaltung, sowie die möglichst ausgedehnteste Anwendung und Nutzbarmachung der Kräfte der Bevölkerung und des  Bodens.“

Was war passiert?

Die genossenschaftliche Idee  wurde sozusagen aus  der Not heraus geboren. Viele  Bauern und kleine Handwerksbetriebe gerieten  im Verlauf der industriellen Revolution  in Not. Missernten und Hungersnöte kamen hinzu und der Zugang zu Bankdienstleistungen fehlte. Die Folge: Verschuldung bis hin zum Verlust der wirtschaftlichen Existenz, nicht zuletzt auch, weil man auf private Geldverleiher angewiesen war, deren Antrieb in der Regel die eigene Gewinnmaximierung war.

Social Banking 2.0: Welche analogen Schlussfolgerungen lassen sich auf die heutige Krise beziehen?

Heute ist das Bankgeschäft selber in eine Krise geraten. Wenn man in unsererem Land auch noch nicht von einer ähnlichen Situation wie im 19. Jahrhundert sprechen kann, so bereiten  die Grundwerte der genossenschaftlichen Bewegung Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung den Weg in eine gerechtere und bessere Bankenbranche.

Eine Bank gegründet von Menschen für Menschen, die Ihren Mitgliedern dabei hilft ihre finanzielles Schicksal selber in die Hand zu nehmen. Eine Bank, an welcher die Menschen beteiligt sind, die gemeinsam darüber entscheiden, wohin sich die Bank entwickeln soll. Eine Bank in der Solidarität gelebt wird und die regional eingebunden ist. Eine Bank, die angesichts leerer kommunaler Kassen mehr Verantwortung für die positive Entwicklung der Regionen übernimmt.

Social Banking 2.0: Welchen positiven Druck können denn die genossenschaftlichen und ökologisch bzw. sozial-orientierten Geldinstitute auf die etablierten Geschäfts- und Privatbanken entfalten?   

Heute stimmen viele Experten darin überein, dass im Zuge der Globalisierung flexible Verbünde wie Kooperationen den zentral gesteuerten Großkonzernen überlegen sind. Flexibilität,  kurze Entscheidungswege, schnelle Reaktionszeiten und unbürokratische Netzwerkstrukturen sind Basisvorteile der genossenschaftlichen Idee, die ergänzt um regionale Verantwortlichkeit und eine eher lokal angelegte Strategie, zur Bewältigung der Finanz – und Vertrauenskrise beitragen werden.

Social Banking 2.0: Wie könnte das Prinzip von Genossenschaften, als Sachwalter und Mitgestalter des öffentlichen Interesses aufzutreten, denn mit Hilfe vom Mitmachweb wiederbelebt werden?

Mir fällt bei fast allen innovativen Ansätzen im Mitmachweb – egal, ob es sich um Innovationen im Bankenumfeld oder in anderen Branchen handelt – der enge Bezug zur genossenschaftlichen Idee auf. Manchmal sprechen die Unternehmen dies dezidiert aus, manchmal wissen sie noch nicht mal etwas von derNähe zu dieser – nach Internetjahren – steinalten Idee.  Deshalb bietet das Mitmachweb nahezu in allen Teilbereichen herausragende Chancen für die Banken ihre Rolle als Sachverwalter und Mitgestalter des regionalen öffentlichen Interesses zu leben und zu modernisieren. Denn das Internet ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang von Selbstverwaltung und Selbshilfe.

Ich versuche mal meine Vision einer internetgestützten genossenschaftlichen Bank  zu skizzieren. Ein idealer Ausgangspunkt ist dabei das Prinzip Mitgliedschaft. Die Volksbanken-Raiffeisenbanken haben insgesamt mehr als 16 Millionen Mitglieder. Dieser Mitglieder können nicht nur Anteile an ihrer Volksbank erwerben, sie können diese auch nutzen, um die Geschäftspolitik der Bank zu beeinflussen.  Es ist technisch kein Hexenwerk dieses Mitgliedschaftsprinzip auch regional abzubilden und die Mitwirkungsmöglichkeiten der Mitglieder entsprechend zu vergrößern.  Es wäre deshalb extrem einfach eine regionale Online Community Bank aufzubauen, deren Mitglieder ähnlich intensiv an der Entwicklung von Produkten und der strategischen Zukunft der Bank beteiligt wären, wie es aktuell die Mitglieder der Fidor Bank Community tun. Das einzige, was die Banken heute von diesem Schritt abhält, ist ihre Vergangenheit. Also einerseits die Tatsache, dass das existierende Geschäftsmodell noch funktioniert und andererseits die offenbar im Menschen angelegten Beharrungskräfte, die meistens erst dann ins Wanken geraten, wenn es schon zu spät ist.

Eine von den Mitgliedern beeinflusste Geschäftspolitik sollte und würde dann auch die Verantwortung der Bank für die Region als Leitlinie des geschäftlichen Handelns fixieren. Nicht, dass dies nicht auch heute schon möglich wäre und auch so praktiziert würde. Online wären die Möglichkeiten allerdings viel weitreichender: Volksbanken Raiffeisenbanken könnten ihr klassisches Kreditgeschäft durch p2p-Kredite ergänzen. 

Was wäre, wenn Mitglieder einfach und unkompliziert Kredite an andere Mitglieder vergeben könnten. Nicht jeder Kredit muss über eine Bank abgewickelt werden, aber für fast alle Kredite ist es sinnvoll eine entsprechend sichere, einfache und im Risiko minimierte Abwicklung zu gewährleisten. Solcherart könnten auch Projekte unterstützt werden, die heute keine normale Geschäftsbank finanziert. Mikrokredite und Mikrokonten für Privatleute und Unternehmen wären ein interessantes und ideal zur Gruppe passendes Angebot.  Eine regionale Bank, die das Ziel verfolgt sozial verantwortlich und nachhaltig zu agieren, ist auch ein Teil der Grundversorgung. Insofern müssen auch Kunden akzeptiert werden, die für viele Banken nicht attraktiv sind.

Die Aufgabe einer entsprechenden Online Community wäre dann auch die Vermittlung von finanziellem Grundwissen. Das Ziel ist dabei der mündige Kunde, der sein finanzielles Leben selbstständig, im Zweifel auch ohne Bank gestalten kann. Hierzu kann der Kunde sowohl auf den ausgebildeten Berater als auch auf die Mitglieder der Community zurückgreifen.

Regionale Banken könnten durch stärkere regionale Investitionen  auch neue Produktkategorien schaffen, die nachhaltiger und durchschaubarer für den Menschen sind. In regionalen Kontexten könnte auch mit neuen   Währungen experimentiert werden.  Ich denke hier gar nicht an regional Währungen, sondern eher an Prinzipien wie z.B. Time Banking, oder Online Währungen wie Aufmerksamkeit und Reputation, die angesichts leerer kommunaler Kassen durchaus dabei helfen könnten, Lösungen für kommunale Probleme zu finden.

Social Banking 2.0: Gibt es denn schon einige konkrete Beispiele im Genossenschaftsbereich, die zeigen, wie eine nachhaltige und sozial verantwortliche Bank aussehen kann, die trotzdem auch geschäftlich funktioniert?

Es ist schwer bzw. unmöglich diese Frage fallabschliessend mit „Ja“ zu beantworten. Man muss bei einer Bewertung immer auch berücksichtigen, dass Volksbanken Raiffeisenbanken immer noch an vielen Orten von ihrer früheren Vormachtstellung profitieren. Es lässt sich dann im Einzelnen nicht feststellen, ob der Erfolg einem nachhaltigem und sozial verantwortlichem Bankenmodell zuzuschreiben ist, oder, ob er einfach der Tatsache geschuldet ist, dass es für Volksbanken Raiffeisenbanken und auch für Sparkassen noch vor 15 Jahren eigentlich keine nennenswerte Konkurrenz gab.

Es gibt heute einige Volksbanken Raiffeisenbanken, die in sehr kleinen regionalen Märkten  sehr erfolgreich agieren und dabei  sehr stark mit den Grundwerten der genossenschaftlichen Idee punkten. Von einer solchen Bank hat vor kurzer Zeit z.B. die Zeit hier berichtet.  Bei dieser  Bank spielt das Internet offenbar bewusst eine nur untergeordnete Rolle, da – so die Philosophie der Bank – sich Nähe nur persönlich leben lasse.  

Es gibt weitere Beispiele, die teilweise sogar etwas anachronistisch anmuten, wie z.B. die Volksbank Gammelsfeld oder Aktivitäten einer anderen Volksbank,  die mit der Ethikbank eine eigene nachhaltige Bank ausgegründet haben und auf dem Weg zu einer nachhaltigen, ökologischen und gesellschaftlich verantwortlichen Bank sind. Andere übernehmen kommunale Aufgaben, die weit über finanzielle Themen oder typische Bankthemen hinausgehen.

Social Banking 2.0: Gibt es auch bremsende Faktoren?

Insgesamt muss man jedoch leider feststellen, dass einige Volksbanken Raiffeisenbanken sicherlich unter dem Wettbewerbsdruck der vergangenen Jahre aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen nahezu gezwungen waren, sich von den Grundwerten der genossenschaftlichen Idee zu entfernen. Im harten Konditionen Wettbewerb der letzten Jahre, konnten Teile des Kundenklientels  der Volksbanken Raiffeisenbanken nicht mehr gehalten werden. Der Gewinn von Neukunden war nahezu unmöglich.  Dies hat teilweise dazu geführt, dass einige Banken eigene Direktbanken-Zweige gegründet haben.  Heute – wo es durch verschiedenste äußere Anlässe – wieder eine neue Chance für die genossenschaftliche Bankengruppe und deren Grundwerte gibt, muss an vielen Stellen das Selbstvertrauen der Gruppe erst wieder aufgebaut werden, dass man eigentlich das nachhaltigere und zukunftsfähigere Bankenmodell besitzt.

Social Banking 2.0: Welche positive Rolle könnte Social Media in diesem Veränderungsprozess denn spielen?

Bezieht man die Frage auf  die Nutzung des sozialen Internets, dann nutzen natürlich einzelne Banken inzwischen die entsprechenden Kanäle. Die Volksbank Bühl ist hier  am weitesten, da sie erkannt hat, dass das genossenschaftliche Bankenmodell perfekt zum Internet passt. Diese Bank verfolgt eine regionale Social Media Strategie, in welcher der Mensch schrittweise stärker in die Entwicklung der Bank einbezogen wird.

Dabei wird Social Media eben nicht als Marketing Instrument verstanden, sondern als eine Möglichkeit, Bank als ein gemeinsames Projekt von Menschen aus einer Region für Menschen dieser Region zu leben.  Hier werden authentische, offene und ehrliche Gespräche auf regionalen Märkten (Online + Offline) geführt. Und dies kommt in der Region sehr gut an.

Social Banking 2.0: Sind es letztlich die „digital natives“, die das Genossenschaftsmodell 2.0 voran bringen, oder wird es der Unterstützung anderer Gruppen bedürfen, damit Social Banking in die Mitte der Bankenwelt vordringen kann?

Grundsätzlich werden die Digital Natives mit einer Form der Koordination menschlichen Handelns groß, die durchaus an die Genossenschaftsidee erinnert  und zu dieser passt. Diese Formen entstehen durch das Internet und werden durch dieses vermittelt.  Im Zuge der Sozialisation mit und in diesem Medium entstehen  Wertprinzipien, die auch innerhalb der genossenschaftlichen Bewegung wiederzufinden sind. Insofern wird die genossenschaftliche Idee dadurch eine Renaissance erfahren.

Auf der anderen Seite werden bzw. wurden die Digital Natives aber auch in einer Welt groß, in der sich eine dominierende Form herausgebildet hat, die vorgibt, bzw. kanalisiert, wie „das finanzielle Leben“ zu gestalten ist. Dies bedeutet, dass es bis heute eine in der Regel nicht weiter hinterfragte Form gibt, die festlegt:

Wer darf Finanzprodukte entwickeln?

Wer  bietet  Finanzprodukte an?

Welche persönlichen Lebenszielen dienen diese Finanzprodukte?

Welche Produkte muss ich unbedingt haben, welche soll oder kann ich haben?

Mit wem spreche ich über Finanzen?

Welchen Stellenwert haben Finanzen?

Diese zweite Seite der Medaille zeigt, dass durch die Digital Natives nicht automatisch Social Banking in die Welt gebracht werden wird. Wenn man Social Banking ernsthaft betreiben möchte, muss man tiefer, muss man institutionell, gesellschaftlich und wohl auch kulturell ansetzen.

Interview: Lothar Lochmaier

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Written by lochmaier

Dezember 2, 2009 um 7:46 am

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2 Antworten

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  1. […] – wie „Electrouncle“ Boris Janek es in einem Interview mit Social Banking 2.0 hier zu seiner Vision einer „Genossenschaftsbank 2.0″ beschreibt: Diese zweite Seite der […]


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