Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Crowdfunding: Wie die Sparkasse Gummersbach-Bergneustadt das Freibad rettete

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Aufgrund der Sonnenstrahlen traue ich mich jetzt vom Freibad zu reden: Oder: Eine Bank traut sich was … 

Wie die Sparkasse Gummersbach-Bergneustadt von der kollektiven Schwarmintelligenz profitierte. Rund 300.000 Euro fehlten der Kommune in Gummersbach-Bergneustadt und dem Freibad, um die eigene Zukunft zu sichern. Dann kam angesichts von Sparzwang und Nothaushalt die rettende Idee, um den Verlust eines weiteren Stückchens Lebensqualität vor Ort zu verhindern.  Vielleicht ziehen die Volksbanken ja bald nach…

In einer einzigen Aktion sammelte das Geldinstitut im vergangenen Jahr binnen weniger Wochen die geforderte Summe von 200.000 Euro. Weitere 100.000 Euro steuerte die Sparkasse selbst bei. Die Sammlung geriet dabei zum „Kampf gegen die Uhr“, wobei der tagesaktuelle Spendenstand über drei Monate via Homepage und in allen Bergneustädter Geschäftsstellen präsent war. Zudem veröffentlichten die Verantwortlichen den Spendenstand via Twitter und in anderen sozialen Medien. Nachdem die Kredite Mitte 2011 ausgezahlt wurden, nahm das wiedereröffnete Freibad am 12. Mai 2012 seinen Betrieb erneut auf.

Im Gespräch beschreibt Sparkassendirektor Frank Grebe, wie der Ausweg aus der prekären Finanzklemme gelang.  

Warum hat die Sparkasse auf Crowdfunding als Finanzinstrument für das Freibad zurück gegriffen, gab es keine Alternativen?

Frank Grebe: Von kommunaler Seite konnten aufgrund der Nothaushaltslage keine Mittel zur Verfügung gestellt werden. Der Sport- und Förderverein des Freibades, als neuer Pächter und Betriebsführer (seit 2010), verfügte nicht über die von der NRW-Bank zur Kreditgewährung geforderten Eigenmittel.

Welche Voraussetzungen müssen für ein derartiges Projekt gegeben sein, damit die finanzielle Schwarmintelligenz erfolgreich ist?

Das Projekt muss massentauglich sein. Außerdem ist eine hohe Emotionalität in der Öffentlichkeit erforderlich, so dass die Verbreitung der Thematik zum Selbstläufer wird (Mund-zu-Mund-Propaganda etc.).

Wie war die Resonanz in der Stadt, sind die Menschen, aber auch die Verantwortlichen generell offen für ein derartiges, noch relativ ungewöhnliches Finanzierungsinstrument jenseits der konventionellen Wege?

Es hatte bis dato keine vergleichbare Aktion in der näheren Umgebung gegeben, so dass das Thema Crowdfunding noch nicht abgenutzt war. Außerdem waren plötzlich all diejenigen in der Pflicht, die vorab lautstark den Erhalt des Freibades eingefordert hatten. Ob diese oder eine vergleichbare Aktion nochmals zu dem gleichen Erfolg führen würde, darf bezweifelt werden.

Laut den Unterlagen wurde das Freibad am 12.05. 2012 eingeweiht, wie darf man sich das vorstellen? Waren die „Crowdfunder“ daran beteiligt?

Es gab eine öffentliche Ausschreibung des Eröffnungstermins. Leider muss man die Resonanz am 12.05. als bescheiden beschreiben. Das kann allerdings auch daran liegen, dass die Öffentlichkeit bereits im Rahmen eines „Tag der offen Tür“ (April 2012) die Gelegenheit hatte, sich das Freibad anzusehen.

Wer hat bzw. welche Gruppen haben denn am meisten gespendet oder investiert?

Die größten Beträge wurden durch die heimische wirtschaft bereit gestellt, alleine die Sparkasse Gummersbach-Bergneustadt hat mit 100.000,– € ein Drittel der Summe gespendet. Insgesamt haben aber auch eine extrem hohe Anzahl an Privatpersonen (z. T. anonym) gespendet (Direktüberweisung aufs Spendenkonto, Haussammlungen, Sammlungen auf Spendenveranstaltungen etc.).

 Gibt es irgendwelche Rückvergütungen oder „Erfolgsbeteiligungen“ für die „Spender“ bzw. Investoren, wenn ja, wie sehen die konkret aus?

Ein monetäres Rückvergütungs- oder Erfolgsbeteiligungsmodell gibt es nicht. Der persönliche Erfolg stellt sich bei den Crowdfunder dadurch ein, dass das Freibad gerettet werden konnte. Zudem werden Großspender auf einer Hinweistafel im Eingangsbereich präsentiert.

Kann Crowdfunding – oder in der professionellen Variante für kleine oder mittelständische Betriebe das Crowdinvesting – ein probates Ergänzungsinstrument sein, von dem auch Sparkassen generell jenseits vom Social Sponsoring und Fundraising profitieren können, oder bleibt das eine Randerscheinung?

Crowdfunding wird mit Sicherheit zu einem wichtigen Instrument heranreifen, da kommunale Unterstützung zukünftig eher geringer als höher ausfallen wird. Voraussetzung für eine erfolgreiche Implementierung in eine Spendenaktion ist dabei aber, dass es nur in Maßen eingesetzt wird und nicht wöchentlich neue Projekte gestartet werden.

Interview: Lothar Lochmaier

Written by lochmaier

April 26, 2013 um 2:17 pm

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