Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Green Crowdfunding: Deutschland nicht nur Follower

leave a comment »

Deutschland ist gerade in der Bürgerbeteiligung zur Energiewende der globale Vorreiter, nach dem Ausstieg aus der Atomenergie. Eine Welle schwappt in diesem Fall auch mal (okay, fast) von der anderen Seite über den großen Teich.

Die Online-Plattform „LeihDeinerUmweltGeld“ ermöglicht privaten Investoren einen leichten und direkten Zugang in den Sektor der erneuerbaren Energien. Der Einstieg ist bereits ab 100 Euro möglich. Die Beteiligungen werden ausschließlich als Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt angeboten. Die Rendite kann hierbei in Form eines reinen Festzinses, einer reinen Gewinnbeteiligung oder einer Mischung aus beidem erfolgen.

Neben Projekten der regenerativen und dezentralen Energiegewinnung sollen auf der neuen Plattform LeihDeinerUmweltGeld aber auch andere Projekte finanziert werden, die einen positiven Einfluss auf Umwelt, Gesellschaft und das Klima haben. Dabei entscheiden die Anleger selbst, in welche Projekte ihr Kapital fließt, um so in den Genuss einer „nachhaltigen Rendite“ zu gelangen.

Mit dem Solarstrompark Liebenthal ist das erste Vorhaben bereits gestartet. Weitere Vorhaben sollen folgen. Das Prozedere soll laut den Initiatoren ähnlich wie ein Online-Marktplatz funktionieren: Engagierte Bürger kaufen und verkaufen ihre Umweltkredite direkt von Bürger zu Bürger. Der Plattformbetreiber wiederum zeichnet verantwortlich für die gesamte Abwicklung des Handels.

Der Clou: Sowohl für den Käufer als auch Verkäufer sei der Dienst vollständig kostenfrei, lässt die LeihDeinerUmweltGeld GmbH verlauten. Als Bankpartner baut die Plattform auf die Fidor Bank AG. Das Web 2.0-affine Geldinstitut stellt ein Treuhandkonto zur Verfügung und fungiert als exklusiver Zahlungsdienstleister.

Auch hier muss das finanzielle Schwungrad der neuen Ökoindustrien nicht gänzlich neu erfunden werden. Vieles wird aber davon abhängen, wie weit es den jeweiligen Projektinitiatoren gelingt, für vollständig transparente Abläufe zu sorgen.

Im Klartext: Das Projektziel sollte nicht darin liegen, um jeden Preis ein Finanzloch für ein Vorhaben noch dazu in Schieflage zu stopfen. Im negativen Szenario fiele ein etwaiger „shitstorm“ im Netz anschließend direkt auf den Urheber eines Umweltprojekts zurück. Der Schaden einer misslungenen Crowdfunding-Initiative könnte dann auch auf andere Betreiber überstrahlen. Siehe dazu auch meine vierteilige Serie zum Thema Crowdinvesting.

Die inhaltlichen Schwerpunkte der neuen Plattformen sind ohnehin ziemlich unterschiedlich. Das Gros der Angebote bezieht sich auf meist kleinere Solar- und Photovoltaikprojekte. Umso mehr sollten Anleger sorgfältig deren Chancen und Risiken prüfen. Neben LeihDeinerUmweltGeld gibt es weitere Spieler am aufstrebenden neuen Markt. Beim Portal Greenvesting etwa kamen in weniger als vier Wochen mehr als 100.000 Euro für eine Photovoltaikanlage in Usedom zusammen.

Auch der Betreiber crowdener.gy finanzierte über die „Crowd“. erfolgreich eine Dach-Solaranlage in Ahrenshagen (Mecklenburg-Vorpommern). Beteiligt haben sich 27 Investoren. Durchschnittlich rund 1.500 Euro je Vorhaben steuern private Anleger in die Projekte ein. Die Betreiber setzen dabei auch auf die partnerschaftliche Kooperation mit dem Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV).

Und als Geldinstitut ist – wie bei der LeihDeinerUmweltGeld GmbH – auch dort die Fidor Bank mit im Boot. Die Rendite für die ersten beiden abgeschlossenen Projekte bei crowdener.gy liegt zwischen sechs und acht Prozent. Der Vermittler wiederum refinanziert sich durch eine fünf- bis zehnprozentige Erfolgsgebühr, entrichtet direkt von der Energiegenossenschaft.

Neben der Sonnenenergie spielt auch die Energieeffizienz im Mittelstand eine Rolle, so etwa bei Bettervest. Aktuell setzt die Internet-Plattform den Schwerpunkt auf das Energiesparen über LED-basierte Beleuchtungskonzepte. Das Besondere: Ein Teil der durch innovative Technologien erzielten Energieeinsparung fließt in Form einer zusätzlichen Rendite wieder an die Unterstützergemeinde zurück.

So kann quasi jeder Bürger seinen Beitrag zum Energiesparen leisten. Rechtlich gesehen erwirbt man mit seiner Investition bei bettervest entweder ein Genussrecht oder eine stille Beteiligung, die dem Investor eine Partizipation an den erzielten Kosteneinsparungen der Energieeffizienzmaßnahme einräumt.

Als reiner Vermittler, ähnlich wie die Auktionsplattform eBay, sieht sich demgegenüber die Milk the Sun GmbH. Der Betreiber fungiert in erster Linie als Online-Marktplatz für Photovoltaik-Anlagen. Mit anderen Worten: Das Unternehmen überlässt es dem Geschick der Anleger, die auf der Plattform präsentierten Projekte durch einen eigenen individuellen Qualitätscheck auf Herz und Nieren zu überprüfen.

Aber: Scheitern derartige Projekte, droht der Totalverlust, warnen Experten der Verbraucherzentrale. Mit anderen Worten: Jeder Anleger sollte sich fundiert mit den jeweiligen Chancen und Risiken eines neuen Projekts auseinanderzusetzen. Ansehen sollte man sich dazu unter anderem die Erfahrungsberichte anderer Nutzer über die Plattform. Wer die Wahl hat, hat bekanntlich auch die Qual.

So sind vor dem finanziellen Einstieg die zuvor bereits skizzierten diversen Rechts- und Anlageformen zu prüfen: Von GmbH & Co KG und Genussrechten, über Inhaberschuldverschreibungen, bis hin zum Darlehen. Da es sich derzeit meist um bereits realisierte Vorhaben handelt, sollten sich die Nebenwirkungen in Grenzen halten. Um jedoch drastische Auswirkungen einzelner in Schieflage geratener Vorhaben besser abzufangen, könnte ein Risikopool dazu beitragen, die Nebenwirkungen auf mehr Schultern zu verteilen.

Jedoch existiert derzeit hier in den systemischen Modellen des finanziellen Umweltschwarms noch nirgendwo eine Art Blaupause. Und genau deshalb halten die Verbraucherschützer auch den Einstieg bei einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) für zu riskant. Denn hier haften die Anleger sogar mit ihrem gesamten privaten Vermögen. Zusammengefasst: Unabhängig von der Anlageform sollte der private Investor sich nie in ein Vorhaben einkaufen, was dieser nicht vollständig verstanden hat.

Written by lochmaier

April 25, 2013 um 7:41 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: