Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

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Innovationsstrategien (2): Warum Bill Gates in Berlin investiert

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Jenseits vom Hype um die junge Gründerszene gibt es viele Gründe, warum unsere Wirtschaft sich neu orientieren sollte.

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWI) hat kürzlich eine strukturelle Bestandsaufnahme der deutschen Gründerszene veröffentlicht. Die immerhin 114 Seiten umfassende Studie, die den Titel „Zukunft der Gründungsförderung – neue Trends und innovative Instrumente“ trägt, kann hier herunter geladen werden.

Die Kernbotschaft der Expertise aus der Feder des Beratungshauses evers & jung dürfte auf den ersten Blick kaum überraschend sein: Es schreiten vor allem junge Unternehmensgründer zur Tat, die Entwicklung weg von der klassischen Produktion und Dienstleistungsökonomie hin zu einer digitalen Netzwerkökonomie voran zu treiben. Der Trend ist durch fünf Charakteristiken geprägt:

Erstens: Die Gründer suchen und prägen neue Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung und Kontaktaufnahme via Crowdinvesting und Crowdsourcing.

Zweitens: Neue Partnermodelle basieren deutlich stärker als bisher auf dem  Netzwerkgedanken und der Vermittlung von Kontakten über Online-Plattformen, um von anderen zu profitieren. Mit reinem Altruismus hat dies freilich nicht viel zu tun. Es ist ein pragmatischer Weg, von anderen und gemeinsam zu profitieren.

Drittens: Ein weiterer Trend ist die Industrialisierung von Startups, bei der eine Unternehmensgründung durch einen standardisierten und beschleunigten Gründungsprozess stattfindet, die von einem Company Builder und Start-up bzw. Business Accelerator unterstützt wird.

Viertens: Es gibt einen Trend zum Outsourcing von Gründungsdienstleistungen und ein verstärktes Angebot für gründungsphasenspezifische Dienstleistungen und Produkte über Internet-Portale.

Fünftens: Dadurch wandelt sich auch das Bild des Unternehmers in der Wahrnehmung der Gesellschaft. Die Gründung eines eigenen Unternehmens wird für weitere Zielgruppen zur ernsthaften Option. Gründung wird „chic“. Infolge dessen entstehen trotz einer in Deutschland relativ Risikoaversen Kultur neue und vielfältige Gründungstypen, was heterogene Geschäftskonzepte und innovative Prozesse beschleunigt, was man auch immer unter diesem schillernden Begriff verstehen mag.

Quelle: BMWI/evers & jung/LL

Im Ergebnis entsteht laut der Studie eine heterogene und vielgestaltige Gründungslandschaft in Deutschland, was neue Chancen offeriere, Wachstumsimpulse für die gesamte Volkswirtschaft zu setzen. Wer sich das Papier aufmerksam durchgelesen hat, findet darin gerade als „betrieblicher Innovationsbeauftragter“, oder neudeutsch: Business Development oder Innovation Manager, eine Reihe von interessanten Angriffspunkten für das eigene Aufgabendesign.

Zum einen bleibt jenseits des Gründerhypes festzuhalten, dass von einer deutschen Willkommenskultur für Startup-Gründer nicht allzu viel zu bemerken ist. Denn nach wie steht hierzulande kaum Risiko- und Wagniskapital zur Verfügung. Auch mangelt es an professionellen Strukturen wie etwa im Silicon Valley, um die Akteure aus Forschung, Industrie und Gründerszene effizient miteinander zu vernetzen.

Fest steht auch: Weder bringen das Internet und seine Geschäftsmodelle neue Arbeitsplätze für die Massen hervor, noch ist im Web 2.0-Zeitalter zwingend eine etablierte Infrastruktur notwendig, um etwas Neues auf die Beine zu stellen. Eine offene Frage ist vielmehr, ob sich die selbst proklamierte neue deutsche Startup-Generation jenseits vom geistigen Raubkopieren einen Namen machen kann. Und diese Rolle beansprucht die neue Generation zumindest in Teilen zweifellos.

Die wichtigste Nachricht lautet somit: Es werden nicht nur Ideen aus den USA kopiert und nachgeahmt, sondern es entstehen eigenständige Konzepte mit gewissem Charme. Zu den wichtigsten Vertretern aus Berlins kleinem Silicon Valley gehört ResearchGate, eine Art Facebook für Wissenschaftler. Das von drei Forschern aus Boston entwickelte Portal strebt als soziales Netzwerk für die Wissenschaft nach einer weltweiten Führungsrolle. Und das Unternehmen entschied sich ganz bewusst für Berlin als Standort. Vor kurzem investierte immerhin kein Geringerer als Microsoft-Gründer Bill Gates frisches Geld in das aufstrebende Unternehmen.

Written by lochmaier

September 23, 2013 at 7:21 am

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Bundestagswahl: Ich sehe Lichter, die Du nicht siehst

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Die Bundestagswahl ist für eigenverantwortliche Wähler eine Qual der richtigen „Urnenwahl“. Deshalb statt vieler Worte von mir als Einstimmung zum Wahlsonntag ein Lied der Sängerin Marla Blumenblatt, die das nicht ganz so grelle Scheinwerferlicht von Berlin beschreibt.

Da bleibt einem mit einem kleinen Zwischenton nur zu sagen: Ich sehe was, was Du nicht siehst. Und zwar im Spiegel, den leider viele Berufspolitiker allzu gerne meiden. Dort erkennen wir uns in der Tat nicht mehr wieder.

Aber träumen darf man: Ich bin wie die Lichter von Berlin, erzählt mir, wer ich bin….

Written by lochmaier

September 19, 2013 at 12:17 pm

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Innovation: Macht Wandel Unternehmen erfolgreich?

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Neue Prinzipien in der Managementkultur halten Einzug. Denn nur durch Öffnung nach außen können Unternehmen sich an rasante Evolutionssprünge in der Wirtschaft und Gesellschaft anpassen. Einige Ansätze zur ganzheitlich integrierten Innovationsstrategie.

Erster Teil: Wenn Goliath David auf Augenhöhe trifft

Um bis zum Ursprung eines Problems vorzudringen, empfiehlt es sich gelegentlich, direkt an der Begriffsdefinition anzusetzen. So auch beim Begriff „Innovation“. Bei wikipedia lesen wir, darunter nicht den Abklatsch des alt Hergebrachten zu verstehen, sondern tatsächlich eine neue Erfindung oder Idee, die unsere Wirtschaft und Gesellschaft verändert und weiter bringt.

„Organisationen können sich in einer zunehmend diversifizierten Welt weit verteilten Wissens nicht nur auf ihre eigene Innovationskraft verlassen, sondern sind verstärkt auf die Integration und Nutzung externer Informationen und Kompetenzen angewiesen.“

Quelle: Wikipedia

Gerade große Unternehmen folgen mittlerweile dem von Henry Chesbrough entwickelten Konzept der „offenen Innovationskultur“ (Open Innovation), das auf einem einfachen Leitgedanken fußt: Letztlich profitiert ein Unternehmen durch die Öffnung nach außen stärker, als wenn es an der intellektuellen Abschottung festhält. Dies gilt natürlich nur für den Fall, dass ein Monopol oder Oligopol sich nicht mehr als überlebensfähig erweist, indem es den anderen seine Marktbedingungen auferlegen kann.

Wegweisend für das Prinzip Wandel, auch aufgrund des harten Wettbewerbs, ist unter anderem die IT- und Internetbranche. Beispiel SAP: Um mit der neuen Datenbanktechnologie SAP Hana erfolgreich zu sein, schlägt der Konzern neue Wege und Kooperationen nicht nur mit etablierten Partnern ein. So etwa mit der Startup-Szene, wie ein eigens dazu einberufener Gründerkongress in Berlin aufzeigte.

Aber der Trend greift längst auch auf andere, bislang verschlossene und diskrete Branchen über. Gemeint damit ist beispielsweise die Energiewirtschaft. Oder nehmen wir auch die Banken. Man könnte es so formulieren: David fordert Goliath heraus. Wenn es viele kleine Davids gibt, empfiehlt es sich für Goliath, besser zuzuhören und mit ihnen zu kooperieren, statt diese zu unterdrücken und klein zu halten.

Beispiel Stromkonzerne: Wollen sie auch in Zukunft ein entscheidendes Wort bei der Energieversorgung mit reden, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als vom hohen Ross herunter zu steigen. Denn es gibt nach dem Aus für die Atombranche zu viele kleine Davids, sprich neue Konzepte zur dezentralen Energieversorgung, als dass Goliath diese einfach ignorieren kann. Mit anderen Worten: Die Stromriesen haben keine Wahl, es müssen neue Ideen her, auch um den Margenschwund zu kompensieren.

Nicht dass die Hierarchien komplett verschwinden werden. Aber Konzerne eruieren neue Spielvarianten in der Zusammenarbeit, sie investieren in ökologisch ausgerichtete Start ups und versuchen, externe Innovationspotentiale zu wecken und strategisch zu nutzen. Weiteres Beispiel Banken: Um das verspielte Vertrauen nach der Finanzkrise wieder zurück zu gewinnen, müssen auch sie sich für neue Kooperationen und Partnermodelle öffnen.

Hier befinden wir uns – ebenso wie bei den klassischen Energieversorgern – zwar ebenfalls in einer Evolutionsphase des vorsichtigen Herantastens an die neuen Möglichkeiten. Aber es wird auch den Big Playern aus der Finanzwelt nichts anderes übrig bleiben, als auf offene Innovationsnetzwerke zu setzen, so sie denn anhand rasch wandelnder Technologien und Märkte erfolgreich am Ball bleiben möchten.

Fazit: Die großen Konzerne öffnen sich vorsichtig dem Geist der offenen, zumindest mental gleich berechtigten Kooperation mit externen Akteuren.

Die wichtigste Zielstellung für Innovationsmanager in diesem Kontext lautet: Es kommt auf ein zielgerichtetes und pragmatisches Herangehen an, von dem beide Seiten gleichermaßen profitieren. Reine Marketingversprechen oder ein lediglich formal vollzogener Schulterschluss zwischen Goliath und David reichen nicht aus, um die eigene Wandlungsfähigkeit zu demonstrieren.

Kurz: Ein entsprechend schlagkräftiges Innovationsteam sollte direkt unterhalb der Vorstandsetage angesiedelt zu sein, um langfristigen Nutzen bei der Erschließung neuer Märkte oder dem Ausbringen von neuen Produktlösungen und Dienstleistungen im Schulterschluss mit anderen Partnern zu generieren.

Written by lochmaier

September 16, 2013 at 7:25 am

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Neues aus der bitter-süßen Finanzwelt der Energiewende

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In meiner regelmäßiger Kolumne auf den Online-Seiten des Wallstreet Journals Deutschland lege ich die Hand auf den Puls der deutschen Energiewende. Vor allem beleuchte ich dort neue Finanzierungskonzepte.

Experten gehen davon aus, dass uns neue Stromtrassen in den kommenden zehn Jahren rund 20 Milliarden Euro kosten werden. Eine stolze Summe, die im Zuge der Energiewende freilich notwendig ist, um den Ausbau der erneuerbaren Energien einschließlich der dafür notwendigen Leitungen vorwärts zu treiben.

Auf die Frage, woher das Geld kommen soll, haben die Verantwortlichen schnell eine Antwort parat: Bundesumwelt- und Bundeswirtschaftsministerium haben sich mit den Netzbetreibern im Juli dieses Jahres darauf verständigt, den Bürgern die Möglichkeit zu offerieren, sich direkt am Jahrhundertprojekt der „deutschen Energiewende“ finanziell zu beteiligen. Bis zu 15 Prozent der Investitionssumme sollen über eine Bürgeranleihe bereitgestellt werden.

Mehr dazu unter dem folgenden Link:

Bürgeranleihe: Neues Finanzinstrument zum Netzausbau erweist sich als Rohrkrepierer 

[image]

Tja, angesichts so mancher Irrungen und Wirrungen in der deutschen Energiepolitik kommt auch mir nicht immer ein Lächeln über die Lippen. Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie bitte den Steuerzahler.

Aber es gibt natürlich auch das eine oder andere Positive zu berichten. Etwa in meiner Kolumne, die zeigt, wie soziale Netzwerke die Energiewende beschleunigen.

Junge Unternehmensgründer sind hier schon weiter. Auf der Online-Plattform rethink finance etwa bieten drei Berliner Studenten seit kurzem einen einfachen und transparenten Zugang zu Finanzprodukten der führenden nachhaltig orientierten Banken in Deutschland. Konkret kooperiert man bereits mit der Triodos Bank.

Auch denkt der Betreiber über ein honorarbasiertes Geschäftsmodell nach, statt marktüblicher Provisionen. Mehr dazu auf dem Blog von rethink finance. Der Kunde könnte dann selbst entscheiden, ob er einen Teil seines Investments an die Plattform zurückgeben möchte.

Klar ist, dass nachhaltige Investments die Energiewende vorantreiben, bis zu einem gewissen Punkt zumindest, solange die steigenden Strompreise den Erfolg der „Bürgerenergiewende“ nicht gefährden. Mehr dazu in dieser Kolumne.

 

Also: Trotz dem hippen Trend bitte immer das Kleingedruckte beachten.

Written by lochmaier

September 11, 2013 at 9:19 am

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Green Governance für dezentrale Energiewende

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Die Rekommunalisierung der Energieversorgung schreitet voran. In Berlin und Hamburg forcieren Bürgerinitiativen die Gründung landeseigener Stadtwerke. Mit Chancen, aber auch gewissen Risiken und Nebenwirkungen. Das wirft die Frage auf: Gibt es einen Plan für die erfolgreiche Steuerung der Energiewende gemeinsam mit den Bürgern?

Mindestens 173.000 Stimmen mussten die Initiatoren laut Berliner Energietisch einsammeln, um ein Volksbegehren erfolgreich auf den Weg zu bringen. Die erforderliche Zahl wurde mit 265.000 Ja-Stimmen (davon 228.000 gültige) deutlich übertroffen.

Somit werden die Berlinerinnen und Berliner im Herbst dieses Jahres über die Zukunft ihrer Energieversorgung abstimmen. Ähnliches zeichnet sich auch in Hamburg mit dem Erfolg der Initiative „Unser Hamburg – unser Netz“ ab.

Die Botschaft an die politisch Verantwortlichen ist klar. Nach den Vorstellungen der Bürgerinnen und Bürger sollen sie sich für eine bezahlbare und ökologisch ausgerichtete Energieversorgung stark machen. Ein kommunales Stadtwerk soll aufgebaut werden, das kostengünstig und umweltverträglich Energie für die Bevölkerung produziert. Zudem soll das Strom- und Gasnetz wieder in landeseigene Hände gelegt werden. Die Menschen greifen also mehr denn je erfolgreich in das Geschehen ein. Natürlich sollte es der Sache insgesamt dienen.

Wie also lassen sich demokratische Bürgerkontrolle und Selbstverwaltung im Prozess zur dezentralen Energiegewinnung und -versorgung produktiv steuern? Die gesellschaftliche Akzeptanz für die Begründung eines Großprojekts wie der Energiewende garantiert noch lange nicht, dass ein Vorhaben vor Ort auch akzeptiert wird. Man denke nur an die zu erwartenden Proteste, sollte es Berlin nicht gelingen, seine Leitungen und Umspannwerke vom derzeitigen Besitzer Vattenfall zurückzukaufen. Entsprechend dem europäischen Wettbewerbsrecht muss das Berliner Stromverteilnetz nämlich an den besten Bieter vergeben werden, Volksentscheid hin oder her.

Hier dürfte auch und vor allem hinter den Kulissen weiter gefeilscht werden, was den Unmut mancher Menschen eher noch verstärken dürfte. Oder man denke an die Kritik, die sich entzündet, sobald klar ist, wo genau die neue Stromtrasse verlaufen wird oder das Windrad aufgebaut werden soll. Es ist auch eine unausgesprochene Bankrotterklärung der alt hergebrachten hierarchischen Projektmethode. Denn im Jahr 2013 sind Politik und Verwaltung nicht mehr allein in der Lage, großen Bauvorhaben überhaupt die erforderliche Legitimität zu verleihen.

Um der Energiewende trotzdem zum Erfolg zu verhelfen, ist die Politik auf der Zeitschiene daher gut beraten, eine Art proaktive „Green Governance“ zu praktizieren und mit der Bevölkerung gemeinsam – nicht ohne sie – nach Spielräumen zu suchen, in denen eine Verständigung möglich ist. Der erste und wichtigste Schritt wird dabei sein, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Aber nicht nur „pro forma“.

Es gilt also, vom hohen Ross herunter zu steigen und die Strategiespielchen zu unterlassen, offen und vollständig über die Planungen zu informieren, vor allem verständlich und glaubwürdig mit den Betroffenen zu kommunizieren. Es führt kein Weg daran vorbei: Soll die Energiewende gelingen, müssen praktikable Lösungen zur Umsetzung des ambitionierten Vorhabens mit der Bevölkerung gemeinsam – und nicht gegen sie – erarbeitet werden.

Fazit: Für die erfolgreiche Green Governance braucht es Mut, sich zu öffnen und eine Dialogkultur, die von Respekt geprägt, in vielen Teilen aber erst noch zu entwickeln sein wird. Sollte dies nicht gelingen, steht – auch angesichts von Strompreisen, die der Entwicklung vorauslaufen – nichts weniger als die Akzeptanz der Bevölkerung und damit das Großprojekt „Energiewende“ insgesamt auf dem Spiel. Ein Masterplan, der die Energiewende im nationalen oder gar europäischen Rahmen erfolgreich steuert, wird nicht darum herumkommen, die Bevölkerung als aktiven Part ernst zu nehmen.

Written by lochmaier

September 9, 2013 at 7:12 am

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Crowdfunding: Volksbank Bühl bilanziert Erfahrungen à la carte

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Einige Finanzinstitute beginnen damit, das Potential der finanziellen Schwarmintelligenz im Netz für sich und die Gemeinschaft zu nutzen. Nach dem Motto: Gemeinsam sind wir stärker. Beispiel Genossenschaftsbanken: Als einer der Vorreiter gilt die Volksbank Bühl.

Warum mit „Viele schaffen mehr“ http://www.viele-schaffen-mehr.de im Frühjahr ein gänzlich eigenständiges Spendenportal gestartet worden ist, begründet Vorstand Claus Preiss so:  Das Prinzip Crowdfunding sei quasi von Raiffeisen und Schultze-Delitzsch erfunden worden, aber eben noch ohne das Internet.

Im Interview berichtet Preiss zum Stand der Dinge (Status: Mitte August). Die  Testphase des Projekts „Bank trifft Community via Crowdfunding“ ging gerade erst mit dem heutigen 2. September zu Ende. Die bisherigen Erfahrungen machen jedenfalls offenbar Mut zu „viele schaffen mehr“. So wie es aussieht, dürften neun von dreizehn Projekten erfolgreich finanziert worden sein, mit einem Gesamtvolumen zwischen 30.000 und 40.000 Euro.

Social Banking 2.0: Herr Preiss, welches waren die Motive und Beweggründe „Viele schaffen mehr“ zu starten?

Claus Preiss: Crowdfunding wurde ja quasi von Raiffeisen und Schultze-Delitzsch erfunden – nur eben ohne das  Internet. Für uns liegt es deshalb Nahe, neue Methoden zu nutzen, um das genossenschaftliche Prinzip auf das Internet zu übertragen.

Wie startet man ein solches Vorhaben „richtig“, wie bekommt man Kunden, Mitarbeiter und Partner „ins Boot“?

Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist meiner Auffassung nach die umfassende Kommunikation von Sinn und Zweck eines solchen Projektes. Wir haben schon früh damit begonnen über unsere interne Social Business Plattform „Volksbank Bühl Connect“ das Projekt vorzustellen. Auch die externe Kommunikation war essentiell, denn viele gemeinnützige Organisationen und Vereine kannten Crowdfunding noch nicht. Dementsprechend haben wir unsere Kommunikation ausgerichtet und unter anderem Infotage angeboten. Mit Startnext.de, T-Systems MMS und der VR-Networld hatten wir die richtigen Partner. Ohne deren Expertise wäre eine Realisierung nicht möglich gewesen.

Welche Art von Projekten eignet sich besonders, z.B. Bildung vs. Soziales, vs. Infrastruktur und anderen Themen?

Stand heute lässt sich das abschließend noch nicht beantworten. Derzeit sieht es so aus, als ob es zwar auch auf den Inhalt des Projektes ankommt, aber noch viel mehr darauf, inwieweit es den Projektinitatoren bzw. den Organisationen hinter dem Projekt gelingt, die Werbetrommel für das Projekt zu rühren.

Kann man das Vorhaben auch als eine Art Test- und Suchlauf für die ganze Volksbankengruppe ansehen, inwieweit die Kunden vor Ort aber auch bundesweit bereit sind, eigene Projekte zu initiieren bzw. andere auf der Plattform zu unterstützen. Oder ist das zu hoch gegriffen?

Das wäre vielleicht ein bisschen hochgegriffen. Ich kann nicht für die anderen Volksbanken Raiffeisenbanken sprechen, aber dennoch würde ich mir wünschen, wenn weitere VR Banken viele-schaffen-mehr.de unterstützen und in ihrem Geschäftsgebiet einsetzen. Wir wissen bereits von einigen Banken, die die Einführung derzeit planen.

Warum greifen bislang die Banken generell das Thema Crowdfunding so zögerlich auf, welche Hürden und Herausforderungen stellen sich?

Da gibt es durchaus einige Herausforderungen. Angefangen von kulturellen Fragestellungen bei Kunden und Kolleginnen und Kollegen, bis hin zu Fragen des Risikomanagements oder der Kanibalisierung von Ertragsstrukturen. Als Regionalbank stellt sich darüber hinaus die Frage einer kritischen Reichweite. Auch bei viele-schaffen-mehr.de kann man schon sehen, dass das Finden von Unterstützern kein Selbstläufer ist. Auf viele dieser Fragen gibt es noch keine Antworten. Deshalb ist es uns auch so wichtig, mit unserer Plattform erste Erfahrungen zu sammeln.

Im Prinzip scheint Crowdfunding gerade für Genossenschaftsbanken ein idealer Gestaltungsansatz zu sein, warum lassen sich Anspruch und Wirklichkeit so schwer miteinander verbinden?

Das Crowdfunding und das genossenschaftliche Prinzip zusammen passen, steht außer Frage. Ich glaube das braucht einfach noch ein bisschen Zeit. Wie bereits angedeutet, beschäftigen sich ja einige Banken mit der Einführung dieser Plattform. Wann und ob der Sprung von Crowdfunding zu Crowdinvesting gemacht wird, kann ich noch nicht abschließend beurteilen.

Welches sind die bislang gelernten Lektionen aus dem Projekt „Viele schaffen mehr“?

Das Projekt muss leicht verständlich sein und Menschen begeistern. Die Projektinitiatoren müssen 100%ig hinter dem Projekt stehen und dafür brennen, dieses Projekt zu realisieren. Förderlich ist ein bereits vorhandenes Netzwerk (z.B. die Mitglieder eines Vereins) und eine professionelle Umsetzung auf der Crowdfunding-Plattform. In diesem Zusammenhang muss man vor allem die Bedeutung von Videos unterstreichen.

Anders gefragt: Was funktioniert, was nicht?

Was nicht funktioniert ist sein Projekt auf der Plattform vorzustellen und dann nichts mehr zu machen. Ab dem Zeitpunkt der Startphase – also wenn ein Projekt online freigeschaltet wird – geht die eigentliche Arbeit für die Projektinitiatoren erst lost. Ein Projektblog will gepflegt sein, die Werbetrommel muss gerührt werden und vor allem weitere Menschen z.B. im eigenen Verein als Multiplikator gewonnen werden. Wir versuchen die Projektinitiatoren dabei so gut es geht zu unterstützen.

Welche weiteren Schritte sind geplant, welche Projekte laufen aussichtsreich, welche inhaltlichen Schwerpunkte kristallisieren sich für eine lokale Bank als geeignet heraus?

Stand heute sind bereits 3 Projekte finanziert. 2 weitere Projekte sollten in der restlichen Zeit noch finanziert werden[Anmerkung: Stand Mitte August]. Das ist ein durchaus guter Start für die Plattform. Nach dieser Startphase werden wir die Plattform wohl weiter betreiben. Gemeinnützige Organisationen und Vereine aus unserem Geschäftsgebiet können dann die Plattform als Finanzierungsinstrument nutzen.

Wieweit werden sich künftig auch andere Banken in dieses spannende, aber auch sensible Terrain vorwagen?

Einige Volksbanken planen derzeit die Einführung der Crowdfunding Plattform. Ich denke in den nächsten Wochen werden die ersten online gehen.

Wie kann die Bank sowas IT-technisch und auch von den Regularien her sauber umsetzen?

In diesem Zusammenhang hatten wir durch unsere Kooperationspartner VR-Networld, T-Systems und Startnext ausreichend Know-How. Außerdem wurde im Prüfungsprozess eine Kanzlei mit der Bewertung von Chancen und Risiken und für die Formulierung von AGBs etc. hinzugezogen.

Da gibt es ja doch einiges zu beachten, welches sind die „basics“, welches die zusätzlichen Elemente, die notwendig sind?

Gibt es in der Tat. Basics sind in diesem Zusammenhang mit Sicherheit die Paymentprozesse (insbesondere die Frage der Rückabwicklung von Projekten) sowie die Treuhänderische Verwaltung der Gelder und der entsprechenden Vereinbarungen mit dem Kunden. Darüber hinaus sind Fragen des Datenschutzes und der weiteren Nutzungsbedingungen zu klären. Natürlich muss das System auch sicher sein und letztendlich soll es trotzdem Spaß machen, die Plattform zu nutzen.

Interview: Lothar Lochmaier

Written by lochmaier

September 2, 2013 at 6:58 am

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Open Innovation hält Einzug in die Energiewirtschaft

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David fordert Goliath heraus. Wollen die etablierten Stromkonzerne auch in Zukunft noch ein entscheidendes Wort bei der Stromversorgung mit reden, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich nach außen zu öffnen.

Zunehmend dezentrale und deregulierte Märkte fordern ihren Tribut. In Deutschland kommt der von der Bundesregierung im März 2011 beschlossene Atomausstieg noch erschwerend hinzu. Die vier großen Energieversorger EnBW, Vattenfall, E.ON und RWE sehen sich bereits mit schrumpfenden Unternehmensgewinnen konfrontiert.

Die Stromriesen haben keine Wahl: Es müssen neue Ideen her, um den Margenschwund zu kompensieren. So hat E.ON bereits reagiert. Mit dem Ziel, ihre eigene Leistungsfähigkeit zu verbessern, haben die Düsseldorfer erst kürzlich einen eigenen Venture Capital Fund aufgelegt, der vornehmlich in junge Unternehmen investiert, die dezentrale und smarte Energielösungen entwickeln und anbieten.

Auch beim Konkurrenten RWE tut sich etwas. Deren Kompetenzzentrum RWE Innogy hat es sich zum Ziel gesetzt, nicht nur die gängigen erneuerbaren Energien wie Wind, Wasser und Biomasse zu unterstützen, sondern komplett neue Möglichkeiten der Energiegewinnung auszuloten. Um diesem Ziel näher zu kommen, präsentiert sich auch RWE betont offen. Die Essener fungieren als Kapitalgeber für Unternehmen in der Gründungs- und Wachstumsphase und hoffen von deren Ideen zu profitieren.

Der Geist der offenen Kooperation hält auch Einzug bei dem französischen Monopolisten Electricité de France (EDF). Die zentrale Botschaft: EDF stehe mit mehreren hundert Start ups in Kontakt und lote damit neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit aus.

Durch die neue Offenheit erhofft man sich bei EDF, wichtige Geschäftsfelder in der Greentech-Branche zu erschließen, aber auch interne Veränderungen in der hierarchisch geprägten Unternehmenskultur anzustoßen und zu beschleunigen. Ein bei dem französischen Versorger in Frankreich, den USA und China angesiedeltes Kompetenzteam soll den Wandel durch grenzüberschreitende Kooperationen vorantreiben. Zudem soll sich eine vom Stromriesen gemeinsam mit weiteren Partnern neu gegründete Investmentgesellschaft um die Finanzierung viel versprechender Projekte kümmern.

Fazit: Die großen Energieversorger sehen sich nicht nur hierzulande angesichts veränderter gesellschaftlicher Rahmen- und Marktbedingungen mit Herausforderungen konfrontiert, die neue Wege erfordern. Der Anfang scheint gemacht. Die Energiekonzerne öffnen sich nach außen, eruieren Möglichkeiten der Zusammenarbeit, sie investieren in grüne Start ups und versuchen, externe Innovationspotentiale zu wecken und strategisch zu nutzen.

Die großen Spieler aus der Energiewirtschaft folgen damit dem von Henry Chesbrough entwickelten Konzept der „Offenen Innovation“, das auf einem einfachen Leitgedanken fußt: Letztlich profitiere ein Unternehmen durch die Öffnung nach außen stärker, als wenn es an der intellektuellen Abschottung festhalte. Den Stromriesen und grünen Start ups mag es zum Vorteil gereichen.

Written by lochmaier

August 25, 2013 at 8:06 am

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Neuer Markt und die Bunti-Klicki Welt von Banken

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Banken langen bei den Dispozinsen weiter zu. Commerzbank-Chef Martin Blessing findet das chic, um die Kunden vor drohender Überschuldung zu bewahren. Oder wie es ARD-Tagesthemen Moderator Thomas Roth gestern abend so ausdrückte: „Man gewinnt bei den Banken den Eindruck, sie würden sich den ganzen Tag nur um das Wohl der Kunden kümmern.“ Aktuelle Gedanken zur „Bunti-Klicki-Welt“ von Banken, Crowdfunding und anderen Alternativen.

Dass Crowdfunding mittlerweile den Mainstream zu erobern beginnt, sieht man an den zahllosen neuen Büchern zu diesem Thema. Und natürlich auch an den Medienberichten, wie gestern abend beispielsweise zur Gründungsfinanzierung direkt aus dem ARD-Hauptstadtstudio. Zum Video: Wenn viele eine tolle Idee finanzieren. 

Das Fazit der Reportage zur Gründungsfinanzierung fiel allerdings vergleichsweise ernüchternd aus: Denn letztlich setze das Crowdfunding gerade in der äußerst riskanten Gründungsphase vor allem auf den Aspekt der „Emotionalisierung“. Mit anderen Worten: Den privaten Investoren wird unterstelllt, sie würden wenig nachdenken, auf welches Abenteuer sie sich da selbst mit kleinen Beträgen einlassen.

Es ist ein schwieriges Terrain mit geteilten Meinungen, über das ich mit allen Risiken, Chancen und Nebenwirkungen hier immer wieder berichtet habe. Offenbar hätte das auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler genauer lesen sollen, bevor er mit der waghalsigen Idee, den „Neuen Markt“ auf dem Börsenparkett wiederzubeleben, das Licht der Öffentlichkeit sucht.

Einerseits brauchen wir zwar ein deutlich aufgeschlosseneres Klima für mehr Gründungsfinanzierung in Deutschland. Bloß wie sieht der Königsweg dahin aus?  Vor allem sollten wir deutlich zwischen Spendenkultur und Wagniskapitalfinanzierung entscheiden. Und auch hier muss dann zwischen früherer, mittlerer und später Phase unterschieden werden, je nachdem, welche Ziele und „Exit-Strategien sich dahinter versammeln.

Aus Sicht des Privatinvestors sei festgestellt: Man muss sich schon die Mühe machen, vor allem, wenn es sich nicht ums reine Spenden handelt, auch jeden noch so kleinen Betrag wie eine professionelle Investition zu prüfen, um nicht nach- oder gar fahrlässig zu handeln.

Machen wir es mal am Beispiel von Urbanara konkret, einer 2010 gegründeten Online-Marke für hochwertige Wohntextilien. Urbanara wird bereits von professionellen Investoren finanziert, verfügt nach eigenen Angaben über 25.000 Kunden und erwartet 5 Mio. Euro Umsatz in diesem Jahr. In wenigen Wochen möchte die Plattform über die Crowdinvesting-Plattform Bergfürst 3 bis 3,75 Mio. Euro privates Kapital aufnehmen.

Es ist ein spannendes Experiment, in dem sich zeigen wird, ob derartige Strategien transparent und glaubwürdig sind, so dass nicht nur die Betreiber, sondern auch die anderen Beteiligten vom Crowdinvesting-Ansatz profitieren.  Denn die Frage, welcher Wein in neue Schläuche mit welcher Temperatur gefüllt werden soll, beschäftigt alle Protagonisten auf diesem sensiblen Terrain.

In einem offenen Brief an Philipp Rösler kritisiert der Gründer von Urbanara, Ben Esser, die Diskussion um den „Neuen Markt“. Junge Unternehmen bräuchten keine „Börse light“, es mangele vor allem an der Partizipation und neuen Finanzierungsoptioen, also nicht unbedingt nur am reinen Geld, was die Gründerfinanzierung angehe.

Denn im Rückblick habe der Neue Markt der Deutschen Börse bewiesen: Hohe Erwartungen von Anlegern und niedrige Transparenzstandards verführten zu Missbrauch, so Esser weiter.  Seine Argumentation: Schwache Corporate Governance-Regelungen führten seinerzeit dazu, dass Bilanzen verfälscht, Adhoc-Pflichten missachtet und Risiken verschwiegen worden seien.

Und: Bis heute wirke der Vertrauensverlust des Neuen Marktes nach und mache einen sauberen Neustart unmöglich. Der geregelte Markt dagegen definiere seit Jahrzehnten überzeugend eine Börsenreife, nicht zuletzt über den Entry Standard, der aktuell 189 Werte umfasse, gibt der Mitgründer von Urbanara zu bedenken.

Allerdings muss sich auch der gerade neu formierende Markt ums professionelle Crowdinvesting unter Beweis stellen. Eine gewisse Offenheit, aber auch konstruktive Kritik und Skepsis sind durchaus gefragte Eigenschaften, statt nur blind dem Emotionalisierungsfaktor und dem Hype zu folgen. Wir werden sehen, ob das Crowdinvesting die avisierte Lücke zwischen Risikokapital und Börse wird schließen können.

Dazu ist vor allen Dingen erforderlich, dass die Betreiber sich ihrer Verantwortung, hier für klare Spielregeln zu sorgen, vollumfänglich stellen. Denn eine neue Spekulationsblase wie weiland vor zehn bis fünfzehn Jahren beim „Neuen Markt“ an der Börse ist das Letzte, was zu den gelernten Lektionen nach der Finanzkrise gehört.

Written by lochmaier

August 21, 2013 at 10:25 am

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Green Crowdfunding prägt neue Geschäftsmodelle

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Crowdfunding-Modelle erobern im Bereich der erneuerbaren Energien neues Terrain. Innovative Startup-Unternehmer fungieren bei der Finanzierung der Bürgerenergiewende als Treiber der Entwicklung.

Im Internet verabreden sich Menschen, um gemeinsam Projekte zu fördern oder Geldgeschäfte zu tätigen. Und mit „Green Energy Marketplace (GEMP)“ (http://www.fairpower.ch/) ist auch schon die erste kommerzielle Auktionsplattform für erneuerbare Energien entstanden. Dass es sich dabei um ein Projekt mit großem Potential handelt, zeigen allein schon die namhaften Kunden, die das Schweizerische Startup bereits gewinnen konnte – die Gesundheitsorganisation SWICA gehört genauso dazu, wie etwa Renault Suisse oder die Schweizerische Post.

Dabei funktioniert der Marktplatz für den grünen Stromhandel ähnlich wie die Auktionsplattform eBay. Der Betreiber bringt Angebot und Nachfrage auf einem elektronischen Marktplatz zusammen. Die Verkäufer von Energie starten eine Auktion, auf die Käufer Gebote platzieren.

Das Internet bewirkt auch eine Renaissance des Genossenschaftsmodells. Nach dem Motto: Gemeinsam sind wir stärker. Der Trend beschränkt sich aber nicht allein darauf, ökologisch erzeugten Strom über das Internet zu handeln. Die Anleger finanzieren zum Beispiel über das Netz auch den gemeinsam via Sonnenenergie erzeugten Strom. Ein kleiner Gründerboom hat eingesetzt. Spezialisierte Internetplattformen wie Greenvesting, leihdeinerumweltgeld, crowdener.gy und bettervest bringen Käufer und Verkäufer zusammen. Die Refinanzierung erfolgt durch eine Vermittlungsprovision.

Dem Trend des grünen Crowdfundings spielt zurzeit auch die Stimmung an den Finanzmärkten in die Hände. Denn angesichts von niedrigen Guthabenzinsen für Tages- und Festgelder hält so mancher Anleger nach neuen Investitionsgelegenheiten Ausschau.

Warum also nicht über eine Crowdfunding-Plattform etwas Kapital investieren, um sich einen Festzins von fünf und mehr Prozent über ein paar Jahre zu sichern? Für so manchen Anleger ist ein derartiges Investment aber nicht nur wegen der Rendite interessant, sondern insbesondere auch deshalb, weil es die Möglichkeit bietet, an einem modernen und zukunftsweisenden Projekt mitwirken zu können.

Aber: Wie bei allen Investments sollte der potentielle Anleger die Projekte natürlich sorgfältig prüfen und sich letztlich nur an solchen beteiligen, die er versteht und von deren Qualität er auch überzeugt ist. Vollständige Transparenz ist hier vor allem von Seiten der Betreiber gefragt.

Bei der Auswahl ist sicherlich eine Checkliste hilfreich. Ein gutes Zeichen ist es auch, wenn eine lokale Energiegenossenschaft mit im Boot sitzt. Ohnehin sollte man sich vor allzu hochgesteckten Renditeerwartungen hüten. Zudem sollte der Betreiber der Netzplattform nur im Falle einer erfolgreichen Projektfinanzierung überhaupt eine Erfolgsbeteiligung sprich Vermittlungsprovision einfordern.

Fazit: Für alle seriösen Betreiber gilt die Maßgabe, neben der eigenen Professionalisierung intensiv an einem sorgfältig austarierten Risikomanagement zu arbeiten. Dieses sollte neben den Chancen auch die Risiken realistisch einschätzen und exakt benennen können. Denn es wäre schade, wenn „Green Crowdfunding“ nach einem Hype schnell wieder von der Bildfläche verschwindet.

Written by lochmaier

August 19, 2013 at 9:03 am

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Bankeninnovation (4): Ade, du schnöde Bankfiliale

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Was ist Bankeninnovation? Kriterien und Best Practices beleuchte ich im letzten Teil dieses Vierteilers. Etwas mehr als die bereits rund 20.000 Bankfilialen, die laut Format.at in Europa in den letzten Jahren geschlossen worden sind, darf es schon sein. Deshalb ziehe ich einen größeren Kontext um das Thema.

Banken in der Finanzkrise: Schon mehr als 20.000 Filialen geschlossen

Quelle: Reuters

Die Geldvermehrung jenseits der Mühlen der täglichen Arbeitswelt anzugehen, dieser Trend bewirkt bei der digitalen Gründergeneration, die jetzt in die gesellschaftliche Verantwortungsübernahme hineinwächst, dass sie kaum mehr dazu bereit ist, leichtfertig das Finanzmanagement der älteren Generation zu überlassen.

Denn man kann sich nicht mehr auf vermeintlich „sichere“ Geldanlageformen verlassen, die sich nicht selten als leere Glücksversprechen erwiesen haben. Gut ausgebildete Altersgruppen zwischen 30 und 45 Jahren bilden dabei bereits eine signifikante Nutzergruppe, etwa bei sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter.

Man kann es provokant auch so ausdrücken: Der Gang in die nächste Bankfiliale lohnt sich nur, wenn dort ein Geldautomat steht. Welche Rolle spielt nun eine „demokratisierte Investmentkultur“, in der Insiderwissen für größere Kreise transparent wird? Das Stichwort vom „nachhaltigen Shareholder Value“ macht die Runde. Die modernen Gesellschaften befinden sich am Scheideweg. Ob und in welcher Form eine Zukunftsvision aus der nachhaltigen und in Eigenregie verantwortlich geführten Geld- und Kreditanlage erwachsen kann, hängt von unterschiedlichen Entwicklungen ab.

Eine der spannenden Fragen liegt darin, ob es sozialen Geld- und Kreditgemeinschaften übers Internet gelingt, die hohen Ansprüche der Kunden nach einer seriösen Alternative zum herkömmlichen Bankenwesen einzulösen. Parallel dazu werden konventionelle Institute allein schon aus Imagegründen einige nachhaltige oder zumindest interaktive Elemente in ihr Geschäftskonzept integrieren. Auch dies wäre eine begrüßenswerte Entwicklung.

Die Bankfiliale wird zwar nicht komplett verschwinden. Jedoch wird die Entwicklung in Richtung neuer Bezahl- und Geldtransfersysteme neben der Mittelschicht auch von den „Banklosen“ vorwärts getrieben, jenen Menschen also ohne eine reguläre Kontoverbindung bei einem klassischen Kreditinstitut. Denn in Entwicklungs- und Schwellenländern existiert kaum ein ausgeprägtes Filialnetz, weshalb das Mobiltelefon umso mehr als Miniaturbank die Oberhand genießt. Jüngere Nutzer quer durch alle Bildungsschichten sind die Protagonisten dieser Entwicklung, nicht allein aus technischen Motiven heraus.

Jenseits der Transaktion dreht sich alles um die alte wie neue Währungseinheit Vertrauen, unabhängig vom globalen Standort. Die schlechte Nachricht: Bleibt mehr demokratische Mitbestimmung über die hierarchisch strukturierte Welt der Finanzprodukte und Wertschöpfungsmechanismen an Kapital- und Kreditmärkten nur ein bloßes Lippenbekenntnis, dann verkehrt sich die gute Absicht, das Internet als Instrument zur Demokratisierung von Geldströmen einzusetzen, in ihr Gegenteil. Dies lässt sich daran erkennen, dass nicht wenige Banken nach der Finanzkrise ihr Geschäftsmodell nur vordergründig „resozialisiert“ haben, es dominiert weitgehend das Prinzip „business as usual“.

Die gute Nachricht lautet: Spätestens seit der Enttarnung von zahlreichen Steueroasen und Schattenbanken, scheint auch diese nur oberflächlich adaptive Strategie in Frage gestellt. Begünstigt wird der Trend in Richtung selbst bestimmte Anlegernetzwerke zweifellos durch die weiterhin zahlreich vorhandenen Anlageprodukte mit undurchschaubaren und versteckten Bankgebühren. Die gut Ausgebildeten können und wollen sich den Luxus nicht mehr leisten, ihr erarbeitetes Vermögen in riskanten oder undurchsichtigen Produkten zu verbrennen.

Da im selbstbezogenen Wertesystem von Banken kaum Spielraum für Innovationen verbleibt, können Neugründungen sich in der Nische entfalten, ähnlich wie sich die ersten Direktbanken in den Neunzigerjahren erfolgreich etablieren konnten. Denn vor fünfzehn Jahren nahm kaum ein führender Manager in der Finanzindustrie Notiz von der still und heimlich wachsenden Konkurrenz. Unbemerkt von der politischen Oberfläche dreht sich das gesellschaftliche Rad der Entwicklung aber längst weiter. Der Paradigmenwandel in Richtung Nachhaltigkeit befördert den Wandel, gemeinsam mit der Lust, etwas Neues im Netz auszuprobieren, wenngleich die Ziele der Protagonisten zwischen Rendite und Gemeinwohlorientierung nicht immer deckungsgleich sind.

Am Ende dieser vierteiligen Serie einige Schlaglichter zur heterogenen Entwicklung der Bankenlandschaft:

Lokal versus Global: Entweder die Bank beherrscht das Prinzip der Lokalisierung perfekt, um am Markt mit einem regional verankerten Filialprinzip zu überleben, sich aber parallel dazu weiter zu redifferenzieren. Oder aber das Finanzinstitut hält sich an den Schauplätzen der wirtschaftlichen Globalisierung auf, um dort profitabel zu agieren, wo sich neue Chancen im internationalen Wettbewerb eröffnen.

Open Innovation: Die gesetzten Marktreviere reichen als margenträchtige Melkkuh nicht mehr aus. Neue Kooperationen und flexible Netzwerke sind deshalb gefragt. Die Bank muss sich nach außen wie nach innen für den Dialog und Partnerschaften öffnen, um wandlungsfähig zu sein.

Tradition versus Moderne: Was Jahrhunderte lang galt, das gilt nun nicht mehr (siehe den ersten Teil zum Niedergang der ältesten Bank Europas). Oder um es sinngemäß mit dem Dichter Goethe zu sagen: Was Ihr ererbt von Euren Vätern, erwerbt es, um es wieder zu besitzen.

Technik versus Mensch: In neuen Technologien liegt nicht das Heil für die Zukunft der Banken. Mobile und Online-Banking sind (bereits fast) so selbstverständlich wie der Strom aus der Steckdose. Auch eine App ersetzt kein sinnvolles Nutzerkonzept. Der Wettbewerb entscheidet sich am menschlichen Faktor, an der systematischen Emotionalisierung und Rationalisierung des Kundenkontakts in der vernetzten Finanzwelt, wohl gemerkt, ohne dabei neue Täuschungsmanöver (Potemkin’sche Dörfer und Trojanische Pferde) zu etablieren.

Vision versus Handwerk: Schuster bleib bei Deinen Leisten, möchte man am Ende ausrufen. Zum einen damit die Bankenbranche sich wieder an den wirtschaftlichen Grundfunktionen als Dienstleister der Gesellschaft orientiert. Aber auch die zeitgemäße „Bank 2.0“ kann nicht mehr sein als ein effizienter Serviceoperator für die Realwirtschaft. Schließlich ist der Mensch der letzte systemische Rettungsfallschirm im globalen Finanzsystem. Dies führt zu der Schlussfolgerung, dass das sensible und fragile Beziehungsgeflecht zwischen Mensch, Technik, Wirtschaft und Umwelt auch in den Mittelpunkt jeder zukunftsweisenden Bankstrategie gehört.

Written by lochmaier

August 12, 2013 at 1:01 pm

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