Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Neuer Markt und die Bunti-Klicki Welt von Banken

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Banken langen bei den Dispozinsen weiter zu. Commerzbank-Chef Martin Blessing findet das chic, um die Kunden vor drohender Überschuldung zu bewahren. Oder wie es ARD-Tagesthemen Moderator Thomas Roth gestern abend so ausdrückte: „Man gewinnt bei den Banken den Eindruck, sie würden sich den ganzen Tag nur um das Wohl der Kunden kümmern.“ Aktuelle Gedanken zur „Bunti-Klicki-Welt“ von Banken, Crowdfunding und anderen Alternativen.

Dass Crowdfunding mittlerweile den Mainstream zu erobern beginnt, sieht man an den zahllosen neuen Büchern zu diesem Thema. Und natürlich auch an den Medienberichten, wie gestern abend beispielsweise zur Gründungsfinanzierung direkt aus dem ARD-Hauptstadtstudio. Zum Video: Wenn viele eine tolle Idee finanzieren. 

Das Fazit der Reportage zur Gründungsfinanzierung fiel allerdings vergleichsweise ernüchternd aus: Denn letztlich setze das Crowdfunding gerade in der äußerst riskanten Gründungsphase vor allem auf den Aspekt der „Emotionalisierung“. Mit anderen Worten: Den privaten Investoren wird unterstelllt, sie würden wenig nachdenken, auf welches Abenteuer sie sich da selbst mit kleinen Beträgen einlassen.

Es ist ein schwieriges Terrain mit geteilten Meinungen, über das ich mit allen Risiken, Chancen und Nebenwirkungen hier immer wieder berichtet habe. Offenbar hätte das auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler genauer lesen sollen, bevor er mit der waghalsigen Idee, den „Neuen Markt“ auf dem Börsenparkett wiederzubeleben, das Licht der Öffentlichkeit sucht.

Einerseits brauchen wir zwar ein deutlich aufgeschlosseneres Klima für mehr Gründungsfinanzierung in Deutschland. Bloß wie sieht der Königsweg dahin aus?  Vor allem sollten wir deutlich zwischen Spendenkultur und Wagniskapitalfinanzierung entscheiden. Und auch hier muss dann zwischen früherer, mittlerer und später Phase unterschieden werden, je nachdem, welche Ziele und „Exit-Strategien sich dahinter versammeln.

Aus Sicht des Privatinvestors sei festgestellt: Man muss sich schon die Mühe machen, vor allem, wenn es sich nicht ums reine Spenden handelt, auch jeden noch so kleinen Betrag wie eine professionelle Investition zu prüfen, um nicht nach- oder gar fahrlässig zu handeln.

Machen wir es mal am Beispiel von Urbanara konkret, einer 2010 gegründeten Online-Marke für hochwertige Wohntextilien. Urbanara wird bereits von professionellen Investoren finanziert, verfügt nach eigenen Angaben über 25.000 Kunden und erwartet 5 Mio. Euro Umsatz in diesem Jahr. In wenigen Wochen möchte die Plattform über die Crowdinvesting-Plattform Bergfürst 3 bis 3,75 Mio. Euro privates Kapital aufnehmen.

Es ist ein spannendes Experiment, in dem sich zeigen wird, ob derartige Strategien transparent und glaubwürdig sind, so dass nicht nur die Betreiber, sondern auch die anderen Beteiligten vom Crowdinvesting-Ansatz profitieren.  Denn die Frage, welcher Wein in neue Schläuche mit welcher Temperatur gefüllt werden soll, beschäftigt alle Protagonisten auf diesem sensiblen Terrain.

In einem offenen Brief an Philipp Rösler kritisiert der Gründer von Urbanara, Ben Esser, die Diskussion um den „Neuen Markt“. Junge Unternehmen bräuchten keine „Börse light“, es mangele vor allem an der Partizipation und neuen Finanzierungsoptioen, also nicht unbedingt nur am reinen Geld, was die Gründerfinanzierung angehe.

Denn im Rückblick habe der Neue Markt der Deutschen Börse bewiesen: Hohe Erwartungen von Anlegern und niedrige Transparenzstandards verführten zu Missbrauch, so Esser weiter.  Seine Argumentation: Schwache Corporate Governance-Regelungen führten seinerzeit dazu, dass Bilanzen verfälscht, Adhoc-Pflichten missachtet und Risiken verschwiegen worden seien.

Und: Bis heute wirke der Vertrauensverlust des Neuen Marktes nach und mache einen sauberen Neustart unmöglich. Der geregelte Markt dagegen definiere seit Jahrzehnten überzeugend eine Börsenreife, nicht zuletzt über den Entry Standard, der aktuell 189 Werte umfasse, gibt der Mitgründer von Urbanara zu bedenken.

Allerdings muss sich auch der gerade neu formierende Markt ums professionelle Crowdinvesting unter Beweis stellen. Eine gewisse Offenheit, aber auch konstruktive Kritik und Skepsis sind durchaus gefragte Eigenschaften, statt nur blind dem Emotionalisierungsfaktor und dem Hype zu folgen. Wir werden sehen, ob das Crowdinvesting die avisierte Lücke zwischen Risikokapital und Börse wird schließen können.

Dazu ist vor allen Dingen erforderlich, dass die Betreiber sich ihrer Verantwortung, hier für klare Spielregeln zu sorgen, vollumfänglich stellen. Denn eine neue Spekulationsblase wie weiland vor zehn bis fünfzehn Jahren beim „Neuen Markt“ an der Börse ist das Letzte, was zu den gelernten Lektionen nach der Finanzkrise gehört.

Written by lochmaier

August 21, 2013 um 10:25 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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