Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Bankeninnovation (2): IT-Player übernehmen Kommandobrücke

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Google, Apple, Facebook, Amazon und PayPal. Wer macht als disruptives Element in der Bankenbranche das Rennen?

Vor wenigen Monaten war es eine Meldung, die in Bankenkreisen aufhorchen ließ: Google hat sich sich mit 125 Mio. Dollar an der amerikanischen Peer-to-Peer-Kreditbörse Lending Club beteiligt, die voraussichtlich im kommenden Jahr den Börsengang an der Wallstreet antreten wird. Längst haben auch die großen Spieler erkannt, dass großes Zukunftspotenzial in neuen Anbietern liegt, die sich dem technologisch-sozialen Wandel nicht nur vordergründig verschrieben haben.

Andere, branchenfremde Spieler aus der IT-Branche, betreten quasi mit der „Bank in der Westentasche“ die Bühne. Per Smartphone funktioniert vieles leichter, wozu der Kunde früher eine Filiale aufsuchen musste. Allenfalls der Geldautomat scheint bei jüngeren Bankkunden noch attraktiv, nicht aber der Gang zum Berater, der ein mulmiges Gefühl in der Magengegend auslöst, so wie eben beim unvermeidlichen Besuch des Zahnarztes. Kurz: Der Kundenberater, der den Wandel ignoriert, dürfte definitiv ein Auslaufmodell sein.

Bestimmt der Kunde bald mit, wo es künftig in der Bank lang geht, wohin also das Geld fließt? Werden wir bald eine Google-Bank und die „iBank“ von Apple erleben? Oder ist ein von Paypal dominiertes mobiles Bezahlsystem im Netz der neue Branchenprimus? Oder wickeln wir unsere Zahlung an Freunde, Bekannte oder Geschäftspartner gar über Facebook und andere soziale Netzwerke ab? Noch sind solche Fragen nicht schlüssig zu beantworten. Aber der Trend weist in die Richtung.

Wird es in zehn Jahren somit eine völlig veränderte Bankenlandschaft geben? Übernehmen gar Unternehmen aus der IT- und Internetbranche die Vorherrschaft beim privaten Bankkundengeschäft? Eine Art „eBay des Geldes“ könnte entstehen, ein Betreiber, dem es gelingt, die Interessen der Anleger auf intelligente Art und Weise zu bedienen. Allerdings würden sich große Geschäftsbanken diesem Trend entgegenstellen, durch Partnerschaften und Übernahmen beispielsweise.

Wünschenswert wäre die Vormachtstellung eines einzelnen Anbieters im Netz aus Verbrauchersicht kaum. Ein möglichst bunt gefächertes Finanzweb 2.0 täte auch der Bankenbranche gut. Von Vorteil wäre eine große Artenvielfalt innerhalb finanzieller Internetgemeinschaften und Plattformen schon allein deshalb, um die Chancen und Risiken möglichst breit zu streuen, auch das lehrt das Zeitalter neuerer Internetmonopole à la Microsoft und Google. Der aktuelle US-Datenskandal um das Spähprogramm Prism http://www.spiegel.de/politik/ausland/ex-cia-mitarbeiter-outet-sich-als-prism-whistleblower-a-904676.html zeigt, dass Vertrauen auch im digitalen Bankenuniversum die zentrale Währungseinheit sein wird.

Zweifellos ist gerade der Suchmaschinenkonzern eine der großen Erfolgsgeschichten im noch kurzen Internetzeitalter. Google scheint ein derart innovatives Geschäftsmodell geschaffen zu haben, dass es sich unmittelbar auf die Bankenwelt auswirken wird. Das jedenfalls glaubt der amerikanische Buchautor Jeff Jarvis (Siehe dazu Jeff Jarvis: Was würde Google tun? Wie man von den Erfolgsstrategien des Internet-Giganten profitiert, Heyne Verlag, April 2009).

Wird also die künftige interaktive Bankenlandschaft eine von Google dominierte sein? Auf den ersten Blick betrachtet ist dies nicht wahrscheinlich, denn bislang ist der Suchmaschinenkonzern kaum über erste Schritte wie das Internetbezahlverfahren „Google Checkout“ hinausgekommen. Es ist ohnehin fraglich, ob der Suchmaschinenkonzern überhaupt nach einer an vorderster Front präsenten Rolle im Bankwesen strebt, da er in der digitalen Wertschöpfungskette ohnehin fast bei jedem Mausklick profitiert.

Kurzum: Google ist nicht darauf angewiesen, sich den offiziellen Anstrich einer regulären Bank zu geben. Der Suchmaschinen-Konzern ist mit seinem Geschäftsmodell, fast überall mitzuverdienen, heute bereits die weltweit größte „Internetbank“, ohne jemals eine eigene Bank gegründet oder aufgekauft zu haben. Offensichtlich ist etwas anderes: Der Kunde rückt in den Mittelpunkt.

Per Crowdfunding gemeinsam finanzierte Projekte verändern die Beziehung zwischen Geldgeber und Kreditnehmer. Spannend ist dabei mit Blick auf das Private Banking die Frage, wie die Unternehmenskultur in den Geldinstituten reagieren wird. Das Prinzip der direkten Bürger- und Kundenbeteiligung könnte auch hier zum Erfolgsmodell avancieren. Offen ist allerdings die Frage, ob sich die Riege Erfolgs verwöhnter Manager an mehr Demokratie im Finanzwesen rechtzeitig anpassen kann.

Was also macht die Bank der Zukunft innovativ, sprich ebenso erfolgreich wie nachhaltig? Sind es die Menschen, ist es „nur“ die Technologie, oder ein Mix aus beidem? Natürlich ist es beides. Der Umbruch in der Bankenbranche rückt die Fortschrittsblockierer aufs Abstellgleis. Den Modernisierern scheint die Zukunft offen zu stehen. Um eine aus dem Ruder gelaufene Finanzindustrie wieder näher an die Realwirtschaft und die Menschen heran zu rücken, muss das keine schlechte Nachricht sein.

Written by lochmaier

Juli 25, 2013 um 10:08 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. […] (Source by Lothar Lochmaier @social-banking 2.0) […]


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