Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Serie: Was macht Banken innovativ (1)? – Wie der „Monte“ einstürzt

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Das Bankgeschäft ist nicht mehr konservativ. Es droht ein radikaler Umbruch der Geschäftsmodelle. Nach der Regulierungs- und Rationalisierungswelle folgt die Innovationsagenda. Denn selbst in Italien bei der ältesten Bank in der europäischen Welt sind alte Gesetze außer Kraft.

Korruption, Vetternwirtschaft und undurchsichtige Verbindungen – das Schicksal der 1472 gegründeten Banca Monte dei Paschi di Siena zeigt eindrucksvoll, wie eine Branche dem Prinzip Wandel unterliegt. Schließlich geriet die älteste Bank Europas, eine Art „Sozialbank“, selbst durch unlautere Derivate-Geschäfte in den Strudel der Finanzkrise. Der Abgrund, der sich da plötzlich auftat, lässt sich etwa via Nachrichtenmagazin Focus nur erahnen.

Blicken wir deshalb einmal zurück, was man im Mittelalter unter Bankeninnovation verstand. Den sozial verantwortlichen Bankiers kam damals in der ausgeprägten Klassengesellschaft jenseits einer von Spekulation und Geldgier geprägten Geisteshaltung die Aufgabe zu, gesellschaftliche Spannungen zu vermindern. Oder genauer formuliert, in einer vom Recht des Stärkeren geprägten Gesellschaft den Gegensatz zwischen Arm und Reich zumindest etwas abzumildern.

Mit ihrer Organisation „der Berg“ – ein Synonym für die Bank Monte die Paschi di Siena -, die eine Zufluchtsstätte für viele Ausweglose darstellte, bot die im 13. Jahrhundert gegründete römisch-katholische Ordensgemeinschaft der Franziskaner einer großen Bevölkerungsschicht von Bedürftigen immerhin die Chance, gegen Verpfändung eines Wertgegenstands ein Darlehen zu fairen Bedingungen zu erhalten. Schaut man sich heutzutage die ausufernd hohen Sollzinsen – etwa bei Dispositionskrediten – zahlreicher Bankinstitute an, so ist dies auch gegenwärtig immer noch ein aktuelles Thema.

Die spezifische Aufgabenstellung der Monte bestand darin, Menschen in Not zu unterstützen und diese vor den in jener Zeit oftmals überhöhten Forderungen der Geldverleiher zu bewahren, die das einfache Volk aus nachvollziehbaren Gründen als „reine Zinswucherei“ empfand. Die Finanz- und Staatsschuldenkrise bietet auch hier gewisse historische Analogien. Und das Grundprinzip der Armenfürsorge bildet bis heute die Richtschnur für die erste staatlich geprägte moderne Variante von Social Banking, das sich weniger an Renditezielen denn am Gemeinwohl zu orientieren hat. Man könnte sagen, der „Berg der Barmherzigkeit“ ist die europäische Urform von Social Banking, im Sinne einer sozialverantwortlichen Kreditvergabe und Geldanlage. Es blieb jedoch schon damals beim Tropfen auf den heißen Stein. Denn natürlich ließen sich die sozialen Auswüchse allein mit Hilfe der „Monte“ kaum begrenzen.

Aber: Die damalige erste soziale Gründungsbank, die Monte di Pietà in Siena, stellt die heute noch existente älteste Bank in der westlichen Welt dar. Verändert hat sich seit dem Jahr 1995 nur die offizielle Bezeichnung, die seitdem  Banca Monte dei Paschi di Siena lautet. Aktuell widmet sich das italienische Geldinstitut in rund 2.000 Filialen vor allem dem Privatkundengeschäft, um auch kleine und mittelständische Unternehmen zu finanzieren. Wie eingangs skizziert, bis zur Finanzkrise schien man damit erfolgreich zu sein. Wie wir heute besser wissen, hat das Spekulationsfieber bis zur Finanzkrise aber auch vermeintlich bodenständige Bankhäuser erfasst, bis hin zu Landesbanken oder in Teilen auch die Sparkassen.

Angesichts dieser historischen Reminiszenz ist kaum zu übersehen, dass der Einfluss von Social Banking bis in die neue Geschichte hinein nur eine kleine Randnotiz darstellt. Unzählige Diktaturen auf allen Kontinenten dieser Welt kamen und gingen. Für die Armen blieb kaum Luft, in der sozialen Hierarchie nach oben aufzusteigen, wobei die Banken meist als Teil des Herrschaftsapparats fungierten. Aber auch die Mittelschicht stellt mittlerweile unbequeme Fragen.

Denn auch der Mitte der Gesellschaft blieb oftmals nur die Rolle als Spielball der Mächtigen. Heute sind es vor allem neue technische Möglichkeiten und der wachsende Frust vieler Bankkunden, der ein Umdenken in den Chefetagen heraus fordert. Während die Älteren immer noch frustriert loyal an ihrer Hausbank festhalten, begeben sich jüngere Bankkunden vorsichtig auf die Suche nach Alternativen.

Mit anderen Worten: Die Götterdämmerung in der Finanzindustrie hat begonnen. Das Internet ist keine vorübergehende Randerscheinung. Und der Bankberater hat nicht immer recht. Nichts bleibt mehr konservativ, außer es kann sich unter veränderten Rahmenbedingungen bewähren.

Für die neue Führungskultur der Bank 2.0 bringt dies ebensolch große Chancen wie Herausforderungen.

 

Written by lochmaier

Juli 16, 2013 um 8:00 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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