Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Google, iBank, PayPal: Das Smartphone als Universalbank?

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In den kommenden Wochen und Monaten werde ich hier eine eher hintergründig angelegte Serie über folgendes Thema starten: Was macht Banken und Unternehmen innovativ? D

Derzeit versuchen sich viele Puzzle-Experten an legitimen Gedankenexperimenten. Das Motto folgt Filmregisseur Woody Allen, der, selbstironisch in einer seiner Rollen bemerkte: Nur ich allein habe das ganze Bild (oder auch nicht).

Das Handelsblatt spekuliert etwa über die Wahrscheinlichkeit der Neugründung einer Google-Bank. 

Andernorts üben sich Branchenbeobachter wie ein buddhistischer Mönch in der Frage: Startet Apple bald die Revolution via iBank? 

Mobil bezahlen mit dem iPhone? Bloß, wann und wie, möchte man da gebetsmühlenartig ausrufen.

Bringen wir deshalb etwas Lichts ins Dunkel der vielen Möglichkeiten, die Spekulationen anheizen, aber oftmals nicht ins Schwarze treffen. Beispiel PayPal: Auch hier wird oft spekuliert, dass es sich hier um ein disruptives Bankenmodell handeln könnte. Doch wer eine Vollbank werden will, muss viele Klippen umschiffen und Hürden meistern.

Bleiben wir also auf dem Teppich: Nach dem rasanten Marktwachstum der Smartphone und Tablets liegen mobile Bezahlverfahren mehr denn je im Trend, skizziert Katja Lehr, Global Core Payments Europe bei der PayPal Deutschland GmbH, im Gespräch. Aber klar ist auch, das bahnbrechende Modell mit dem Smartphone als neue Universalbank im Miniaturformat, danach wird weiter gefahndet.

Frau Lehr, verbirgt sich hinter derartigen Lösungen nicht eine Eintagsfliege. Oder anders gefragt: Wo stehen denn heute mobile Bezahlverfahren im Geflecht komplexer Bankdienstleistungen?

Katja Lehr: Aus unserer Sicht sind mobile Bezahlverfahren deutlich auf dem aufsteigenden Ast. Es werden mehr und mehr Geschäfte über mobile Kanäle abgewickelt. Zwar dominiert nach wie vor der Point of Sale die Szenerie, jedoch besitzt heute fast jeder ein Smartphone, was dazu führt, dass der Nutzer auch darüber bezahlen möchte.

Experten halten dem entgegen, dass der Markt bislang immer noch in der Nische verhaftet ist. Gerade die Deutschen lieben weiterhin das Bargeld oder die EC-Karte. Umständlich handhabbare NFC-Lösungen (Near Field Communication) sind da wohl kaum die Lösung?

Tatsächlich stellen NFC-Lösungen keine bahn brechende Innovation dar. Wir sehen NFC nicht als die Lösung für das mobile Bezahlen. Wir glauben daran, dass der Kunde künftig in einem mobilen Endgerät alles vereinen möchte. Allerdings setzt dies voraus, dass sensible Nutzerdaten nicht direkt auf dem Gerät gespeichert sind, denn vertrauenswürdige Services sind eine Grundvoraussetzung für den Markterfolg.

Ist 100-prozentige Datensicherheit überhaupt möglich?

Wie wir (leider) immer wieder lernen, knacken  Betrüger und Hacker  auch ausgereifte Systeme. Die Aufgabe der Anbieter besteht deshalb darin, jede Transaktion über mobile Endgeräte so sicher zu machen, dass es nutzerseitig keine gravierende Akzeptanzhürde mehr geben wird.

PayPal hat kürzlich mit seiner Initiative PayPal Here aufhorchen lassen, das den mobilen Geldtransfer auch außerhalb des Internets ermöglicht?

Unser Bestreben geht dahin, jedem das Zahlen und den Empfang von Zahlungen so einfach wie möglich zu machen. Wir sehen große Unterschiede in der Nutzeradaption. Klar ist, dass gerade jüngere Nutzer künftig nicht mehr auf das bislang dominante Bargeld oder die Debitkarte setzen. Letztere wird zwar nicht in den nächsten Jahren überflüssig sein. Aber der Trend bei den Jüngeren ist klar und geht in Richtung mobiles Endgerät, das alles aus einer Hand bietet, auch das einfache mobile Bezahlen.

Möchte denn PayPal nicht in das klassische Bankgeschäft vorstoßen, um dieses zumindest teilweise zu ersetzen oder als Partner zu ergänzen?

Das ist sicherlich nicht unsere Ambition. Wir fokussieren uns auch weiterhin auf Dienstleistungen um den mobile/E-Commerce und am POS. Das klassische Kerngeschäft von Banken liegt nicht in unserem Interesse. Banken bedienen die finanziellen Bedürfnisse der Kunden, PayPal’s Fokus ist es zu jeder Zeit an jedem Ort Handel zu ermöglichen. Wir kümmern uns um das Einkaufserlebnis der Kunden. Man kann es auch so ausdrücken: Hauskredite und andere Bankdienstleistungen auszureichen, kann nicht unser Ziel sein.

Aber PayPal besitzt doch eine Banklizenz, die diesen Schluss durchaus nahe legt?

Wir sehen genug Wachstumspotential rund um unsere Kernkompetenz – Käufer und Verkäufer zusammenzubringen und ein sicheres, bequemes Bezahlen zu jeder Zeit und an jedem Ort zu ermöglichen – sei es im Internet oder am POS.

Gibt es konkrete Zukunftspläne für den lokalen Markt?

Die Zahlung per Rechnungskauf, des Deutschen liebstes Bezahlverfahren, ist eines der Themen auf die wir uns konzentrieren. Auch der Point of Sale ist ein weiterer Fokus, vernachlässigen aber mobile Bezahlverfahren keineswegs, wohl wissend, dass wir es hier in Deutschland mit einem ausgesprochen konservativen Markt zu tun haben.

Interview: Lothar Lochmaier

Written by lochmaier

Juli 8, 2013 um 6:32 am

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4 Antworten

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