Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for Mai 2013

In eigener Sache (Finanzblog Award): Saubere Arbeit für sauberes Geld

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Gestern fand auf der Internetkonferenz re:publica die Preisverleihung des comdirect Finanzblog Awards statt. Auch Social Banking erhielt einen Preis, und zwar gemeinsam mit Olaf Storbeck den Sonderpreis der Jury. Darüber freue ich mich natürlich sehr, ist es doch die aufmunternde Bestätigung von vier Jahren Arbeit, seit mein Blog Social Banking 2.0 das Licht der Welt erblickt hat. Der Hauptgewinn des Preises ging an den Wirtschaftswurm, dem ich hiermit ebenso herzlich gratuliere, wie allen anderen Preisträgern.

Die gestrige Podiumsdiskussion zum Status Quo der Finanzblogs in Deutschland verdeutlichte das immer noch vorherrschende Verständnisdefizit, dass es sich bei dieser neuen Spezies um keinen Massenmarkt handeln kann. Umso mehr ist inhaltliche Aufklärung gefragt, zu denen die Wirtschafts- und Finanzblogs durch individuelle und kreative Blickwinkel einen wichtigen Beitrag leisten können.

Zur Ortsbestimmung und den Perspektiven einer neuen Mediengattung, mehr auch im zweiten Teil meiner Serie:

CFO World: Außenseiter mit Expertenwissen    

Bei allen Lesern möchte ich mich für die Unterstützung und das Interesse bedanken, ohne die dem Autor immer wieder die Puste auszugehen droht. Dank auch an die Bloggerkollegen und alle Unterstützer für die interessanten Gespräche am Rand. Es darf auch mal gefeiert werden, wenn jeder Blogger seinen Schreibtisch mal verlässt. 

Die alte Welt der Banken in eine modernere, vielleicht sogar nachhaltigere zu verwandeln, ist eben kein Sprint, sondern ein Marathonlauf. Mein Job besteht darin, den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungsprozess zu begleiten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Dabei gilt das alte Motto der Daimler-Arbeiter am Fließband: Saubere Arbeit für sauberes Geld. Oder wie es die kubanische Bloggern Joani Sanchez gestern so ausdrückte: Twitter ist nicht nur dazu da, morgens über die Qualität des Frühstückskaffees einen mehr oder minder geistreichen Tweet abzusetzen, sondern es kann auch das Leben und die Perspektive der Menschen verändern.

Kurz: Viele kleine Finanzblogs können als Impulsgeber einen wichtigen Beitrag leisten 

 

Written by lochmaier

Mai 7, 2013 at 7:14 am

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Quo vadis Finanzblogs (Teil I) – Die Marktanalyse

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Passend zur Verleihung der Finanzblog Awards in Berlin auf der re:publica beleuchte ich die Zukunft dieser informellen Mediengattung in einer mehrteiligen Serie. Wer mischt denn da mit? Unternehmen, Journalisten, Quer- und Vordenker und … und…. und…

Erster Teil: Wandert die Wirtschaftszeitung demnächst ganz ins Netz?

Es ist schon eine schleichende Revolution, wenn die Zeitung plötzlich fast vollständig zum digitalen Bandwurm mutiert. Am Beispiel des Handelsblatts skizziert der Nachrichtendienst finanznachrichten.de den Wandel in der Medienbranche. Denn die digitale Tageszeitung des Handelsblatts erscheint seit Anfang März immerhin drei Mal am Tag als neue iPad-Applikation, angereichert mit Videoformaten, Realtime-Kursen und einem personalisierten Informationszugriff.

Folgt man den Ausführungen der Blattmacher, wird der komplette Produktionsprozess nun sukzessive auf den digitalen Fußabdruck umgepolt. Für die einen ist dies nur eine logische technische Evolution, für Andere macht es den Wandel zur vernetzten Wirtschaftskommunikation „in Echtzeit“ sichtbar. Aber auch die Inhalte ändern sich: Zu den wichtigsten Funktionen der App vom Handelsblatt gehören ein Branchenmonitor, der aktuelle Infos und detaillierte Hintergrundberichte für alle wichtigen Wirtschaftszweige liefert, moderne Infografiken, ein Marktdatencenter mit Realtime-Kursen sowie die Rubrik „Zweite Meinung“ mit Positionen anderer Zeitungen.

Auch dieser Schritt signalisiert zwar nicht den kompletten Bruch mit der gedruckten Zeitungsausgabe und den klassischen Prinzipien des „Blattmachens“, unterstreicht aber die schrittweise vollzogene Öffnung nach außen. Wer die Veränderungen in der Medienbranche in den größeren Kontext einordnet, wird unschwer feststellen, dass das Internet nicht nur die größte Innovation seit dem Buchdruck darstellt. Deutlich ist vielmehr auch, dass die Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen einem schleichenden Wandel unterliegt.

Alte Medienformate müssen sich den neuen Nutzergewohnheiten anpassen, neue Spieler betreten das Terrain. Deutlich wird dies am Beispiel von Finanzblogs, die in Geldfragen als Vorreiter in die neue Welt der vernetzten Wirtschaftskommunikation hinein fungieren. Aufgrund ihres persönlichen Stils und ihrer (meist) klaren Sprache haben Blogger ein leichtes Spiel, um gegenüber einem meist unverständlichen „Fachkauderwelsch“ in der Finanzkommunikation in eine offene Flanke hinein zu stoßen.

Betrachten wir diesen informellen Markt etwas differenzierter. Welche Blogs gehören derzeit zu den Top 100? Mit dieser Fragestellung beschäftigen sich die Wissenschaftler vom Hasso Plattner Institut (HPI) in Potsdam. Die Antwort soll der Leser künftig per Mausklick binnen Sekunden erhalten. Mit schnellen Informationen und Kommentaren zu aktuellen Tagesereignissen habe die Blogosphäre, also die Welt der Weblogs, die unzählige Blogger mit ihren Internet-Tagebüchern geschaffen haben, eine wichtige publizistische Wirkung entfaltet, betont das HPI. Die neue Meinungsmacht spürten deshalb vor allem Unternehmen, Politiker und Journalisten. Weil Weblogs einfach zu speisen und untereinander stark vernetzt seien, verbreiteten sich deren Inhalte weltweit rasant, bilanzieren die Wissenschaftler.

Geprägt hat das Hasso Plattner Institut dazu den neuen Begriff: Blog Intelligence. Nun möchten die Wissenschaftler alle Weblogs technisch erschließen, inhaltlich untersuchen und visualisieren. Man darf gespannt sein, welchen Mehrwert die Informationsforscher hier zu den unzähligen im Netz verfügbaren Blogübersichten und Rankings bieten, gerade auch mit Blick auf die hier zu behandelnde Spezies der „Finance Blog Intelligence“.

Wer bloggt denn da draußen?

Es sind Finanzfachleute, Unternehmensberater, Journalisten, Zukunftsforscher, aber auch Menschen aus ganz unterschiedlichen Branchen und Kontexten, die ihre Stimme zu Finanzfragen im Netz erheben. Kein Unbekannter ist beispielsweise der Finanzjournalist Felix Salmon, der auf den Internetseiten des Nachrichtendienstes Reuters  ein lesenswertes Format betreibt.

Der weltweit bekannteste Blog eines Ökonomen aber dürfte derjenige von Paul Krugmann sein. Dabei darf man aber eines nicht vergessen. Erstens: Der Wirtschaftswissenschaftler hat einen Nobelpreis gewonnen, was die Sache enorm erleichtert. Zweitens: Krugmann agiert auf einer Unterseite der renommierten Zeitung New York Times, was die Reichweite drastisch erhöht.

Die Liste relevanter Meinungsführer unter den Finanzblogs soll aber hier nicht weiter fortgeführt werden. Denn im Guten wie im weniger Guten, sowieso kommt mit fünf- bis zehnjähriger Zeitverzögerung alles zu uns, aus dem Land der (fast) unbegrenzten Möglichkeiten. Und dann hat es jeder schon vorher gewusst, dass es so kommen musste, und war natürlich von Anfang an dabei, obwohl erst vorgestern das Neue im Netz noch kritisch beäugt oder gar verdammt worden ist. 

Also: Auch in Deutschland befinden sich Finanz- und Wirtschaftsblogs im Aufwärtstrend. Deren Stellung als Meinungsmacher und Multiplikatoren wächst, noch etwas eingeklemmt in der Rolle zwischen Außenseiter und Avantgarde. Sie können die Leit- und Massenmedien medien zwar nicht ersetzen, ihnen von der Seitenlinie aus aber frischen Schwung verleihen.

Mit anderen Worten: So manches bislang unentdeckte spannende Format wartet wie eine Goldmine darauf, irgendwann entdeckt zu werden. Meist unterhalb der Rubrik „Wirtschaftsblogs“ einsortiert, befindet sich dabei eine Reihe von Blogs, die sich spezifisch mit der Welt von Banken und Finanzen auseinandersetzen. Denn Kästchen- und Schubladendenken hat (nicht nur) in Deutschland Tradition.  Aber das Neue setzt sich irgendwann immer durch.

Kurz: Wirtschafts- und Finanzblogs wachsen auch hierzulande weiter, qualitativ wie quantitativ. Irgendwann kapiert es auch der letzte Ewig-Gestrige, dass da nicht nur blutige Amateure bloggen. Das zeigt schon das Lebensalter der Protagonisten, denn in der Regel ist ein gewisser beruflicher wie privater Erfahrungsschatz beim Schreiben übers das Thema Geld von Vorteil. Im Kontrast zu Mode-, IT- oder Lifestyleblogs. Wer sich intensiver darüber informieren will, ob es sich hier um Breiten-, und/oder Spitzensport handelt, dem sei die morgige Podiumsdiskussion auf der re:publica (Stage 5, 16 Uhr) empfohlen:

Finanzblogs: Intellektuelle Elite oder verständliches Massenmedium?

Written by lochmaier

Mai 5, 2013 at 8:14 am

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Wie die Energiewende eine vergessene Welt ohne Strom erfasst

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Green Crowdfunding – Teil IV – Strukturelle Voraussetzungen

Menschen ohne Energie, aber mit großen Träumen und viel Begeisterung, sitzen in Entwicklungsländern mit am Regiepult. Welche Chancen das Crowdfunding-Modell gerade dort besitzt.

Die Frage der nächsten „Killerapplikation“ für die Herausforderung im 21. Jahrhundert steht noch aus. Wie wäre es mit der Energiewende, finanziert via Bürgerbeteiligung? Denn klar ist, die Energiewende und der Klimawandel können nur im Schulterschluss mit den Bürgern erfolgreich gemeistert werden, und nicht von Staatskonzernen oder Energiemonopolen.

Am Beispiel der Entwicklungsländer von Afrika und Asien diskutieren Experten kürzlich in Berlin, ob sich auch „Mikrofinanzkredite“ dazu eignen, Licht in die entlegenen Winkel auf diesem Globus zu bringen. Dazu waren lokale Vertreter aus Asien, Afrika und Lateinamerika auf der zweiten Fachkonferenz „Micro Perspectives for decentralised energy supply“ im Februar an der Technischen Universität (TU Berlin) präsent.

Das Fazit: Kleine finanziellen Starthilfen etwa für eine Solarleuchte, also Mikrokredite für Energieprojekte an bedürftige Einzelpersonen, bergen noch ein hohes Risiko, zumal der seriöse Teil der Branche durch unseriöse Mikrofinanzinstitutionen immer wieder in Misskredit gezogen worden ist. Aber auch die konventionellen Banken vor Ort reagieren bislang zurück haltend, weil das Crowdfunding der Energiewende in armen Ländern das klassische Bonitätsbewertungsmuster sprengt. Übrigens funktioniert das Mikrofinanzmodell weit besser, wenn Frauen die Kredite erhalten als bei Männern (sorry, liebe Spezies kann man da nur sagen). 

Trotzdem: Daniel Kammen, der als Energieberater bei der Berkeley Rural Energy Group unter anderem für die US-Regierung unter Barack Obama arbeitet, hat dazu eine klare These: Mini-Grids, also dezentrale Energieversorgungseinheiten, seien das beste Mittel im Kampf gegen den Klimawandel und die Energieverschwendung. Nicht umsonst setzen die Vereinten Nationen im kommenden Jahr neue Schwerpunkte mit der Initiative „Energie für alle“ http://www.sustanableenergyforall.org.

Um dem dezentralen Ansatz gerade in den Entwicklungsländern Auftrieb zu verleihen, sind deshalb neue Finanzkonzepte und Akteure mit frischem Schwung erforderlich. Oder auch einfache Ideen mit großer Durchschlagskraft. So hat beispielsweise das Berliner Startup Solarkiosk (www.solarkiosk.eu) einen schlüsselfertigen Bausatz für einen Solarkiosk entwickelt.

Mit an Bord bei dem käuflichen oder über ein Franchise-Modell nutzbaren mit Sonnenstrom betriebenen Kiosk ist auch erprobte Technologie made in Germany, so etwa Wechselrichter vom Hersteller SMA Solar. Derartige Ideen können Licht, gekühlte Getränke und Strom für die Musik in die Dörfer bringen, also gleichermaßen ein Beitrag zur sozialen wie ökonomischen Fortschritt, hoffen die Unternehmensgründer von Solarkiosk. Nicht immer müssen es also die großen Ideen sein, die die Welt voran bringen.

Und genau hier kommt neben dem kaum zu übersehenden Renditeaspekt beim Crowdfunding auch der Nachhaltigkeitsbonus ins Spiel. Denn Menschen haben in der Regel mehr Freude daran, wenn sie etwas tun, was auch anderen Menschen Freude bereitet. An der wirtschaftlichen Schnittstelle zwischen Informationstechnologie, Energie und der Finanzwelt wächst somit zusammen, was längst zusammen gehört. Crowdfunding ist neben technologischen Innovationen von kleinen Einheiten ein Mittel in diesem Wandlungsprozess, der auch ein kulturelles Umdenken weg vom Ressourcen verschlingenden „Charme“ der alten Industrienationen nach sich zieht.

Allmählich kristallisiert sich die letzte Botschaft heraus: Die Technik ist positiv betrachtet auch das Transportmittel für produktive Veränderungen in der globalisierten Gesellschaft. Die Wirtschaft ist pure Energie, wenn sie auf vernünftigen, ökologisch kompatiblen Prinzipien basiert. Und die große und kleine Welt der Finanzen ist ihr nicht wegzudenkender Treibstoff, um den „sozial-ökologischen“ Kreislauf zu speisen und aufrecht zu erhalten.

Nachhaltigkeit und nicht allein blinder Fortschrittsglaube sollte deshalb das neue Ziel sein, wenn es darum geht, der „Realwirtschaft“ neue Impulse zu geben. Wir befinden uns hier mitten in einer spannenden Entwicklung, die mit Blick auf die dezentral in einzelnen Weltregionen gestaltete Energiewende zahlreiche neue Finanzierungskonzepte generieren wird, sowohl in den Industrienationen als auch in den so genannten Schwellen- und Entwicklungsländern.

Hinweis: Abgerundet wird die umfangreiche Berichterstattung zum Thema Green Crowdfunding in den kommenden Wochen in loser Reihenfolge durch einige Interviews mit spannenden Start ups.

Written by lochmaier

Mai 2, 2013 at 7:10 am

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