Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Finanzblogs (Teil IV) – Trendsetter und Resonanzverstärker

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Letzter Teil meiner vielschichtigen Betrachtung: Der Weg zum erfolgreichen Finanzblog ist kürzer als die längste Verbindung zwischen zwei Punkten.

Zieht man die amerikanischen Vorbilder heran, wird deutlich, wohin sich die Wirtschafts- und Finanzberichterstattung entwickelt. Denn letztlich gelangen die Trends aus den USA mit zeitlicher Verzögerung auch nach Deutschland. An fundierten Studien dazu mangelt es bislang.

Eine der bis dato seltenen Forschungen zu deutschen Finanzblogs findet sich in dem schon etwas älteren Sammelband Journalismus online – Partizipation oder Profession? Hrsg: Thorsten Quandt und Wolfgang Schweiger, VS Verlag (2008). Siehe dazu den Aufsatz von Ralf Hohlfeld & Steffen Dörsam: Börse im Blog. Eine Analyse medienintegrierter und unabhängiger Finanz-Weblogs, S. 95-110.

Blicken wir aber weiter nach vorne: Dass man mit Finanzblogs keine höheren Besucherzahlen generieren kann, dieses Klischee hat das Vorbild Businessinsider bereits widerlegt. Wirtschaftlicher Erfolg ist also möglich. Welches ist das Erfolgsrezept der US-Blogs? Hinter ihnen stehen zweifellos professionelle Akteure, die sich ganz und zum Teil mit erheblichen personellen Ressourcen auf ihre Inhalte und neue Methoden in der lesergerechten Aufbereitung konzentrieren.

Und die Trendsetter schaffen dies gerade mit hohem Tiefgang der Beiträge. Die Akteure greifen komplexe Themen auf, sie durchforsten das Kleingedruckte, analysieren schwer verdauliche Gutachten, und sie präsentieren ihren Lesern alternative Sichtweisen zum medialen Mainstream. Dabei erweist es sich als vorteilhaft, dass es in den USA weit weniger Berührungsängste zwischen den etablierten Printformaten und den elektronischen Medien gibt.

Abschließend stellt sich die Frage: Was macht nun ein gutes Finanztagebuch aus? Wie können Unternehmen ein lebendiges neues Format auf die Beine stellen? Zum einen sollte der richtige Ansatz auf der Erkenntnis fußen, dass es nicht die nackten Zahlen sind, die das besondere Flair ausmachen. Es ist vielmehr der damit verbundene individuelle Blickwinkel auf das finanzielle Geschehen, durchaus mit bewusst subjektiver Färbung. Die Grenzlinie zwischen gut gedacht, aber schlecht gemacht, ist dabei fließend.

Deshalb sollte die grobe Richtung vor dem Einpflegen der Inhalte stimmen. Anders gesagt: Wenn etwa eine Bank sich mit Finanzbloggern nur deshalb vernetzt, um die eigenen Produkte über diese Zielgruppe nur als missbrauchte „Reichweitenverstärker“ an das Publikum zu bringen, dann wäre dieser konzeptionelle Ansatz zum Scheitern verurteilt.

Denn gerade in der „Bank der Zukunft“ geht es um Vertrauen. Wenn hier die Produktbasis nicht stimmt, dann kann von einer aktiven Kommunikationspflege über Finanzblogs nur abgeraten werden. Auch die Blogger selbst würden sich durch billige, oder gar versteckte Werbung für Banken und andere Finanzdienstleister in der eigenen Community als unseriös diskreditieren. Denkbare Strategien eines konsequent implementierten „Corporate Finance Blogs“ könnten demgegenüber folgende Eckpfeiler sein:

Erstens: Spannende Experten-Diskussionen jenseits von elitären Zirkeln zu branchenbezogenen Leitthemen initiieren, die auch in die breite Öffentlichkeit abstrahlen.

Zweitens: Das unverwechselbare Profil und Alleinstellungsmerkmal des eigenen Unternehmens möglichst fundiert – und nicht werblich fixiert – herausstellen.

Drittens: Neue Wege und Zukunftstrends in der Branche aufzeigen, die nur beim Gehen und beim konstruktiven Dialog und in der alltäglichen Reibung entstehen.

Die gelernten Lektionen zum Status Quo der Finanzblogs lassen sich am Ende dieser kleinen Serie folgt bilanzieren: Unternehmen können sich unabhängig von ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit durch lebendige neue Kommunikationsformate als „Leitwolf“, sprich als Trendsetter und Trendverstärker, positionieren. Für viele Unternehmen aus der Finanzbranche sollte diese Option deutlich attraktiver sein, als sich nur als Mitläufer am durchschnittlichen Marktgeschehen zu beteiligen.

Über das Thema „Geld“ sollte man aber auch jenseits von Banken in klein- und mittelständischen Betrieben oder Konzernen aktiv sprechen. Gut positionierte und vernetzte Corporate Finance Blogs schaffen Mehrwerte und Synergien, sowohl in die klassische Medienwelt hinein, als auch zu anderen Stakeholdern und Multiplikatoren.

Fest steht: Wer im Web 2.0 dem bunten Treiben nur vom Rand aus zuschaut, der verpasst das Leben. Eine passiv verharrende Beobachterrolle bedeutet letztlich nichts anderes, als anderen Protagonisten bereitwillig das Spielfeld zu überlassen. Das gilt auch oder gerade für Banken, die in der alten Medienwelt verhaftet bleiben.

Written by lochmaier

Mai 29, 2013 um 8:00 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. hallo,
    recherche zu einer arte sendung über sharing economy, wirft für mich einige fragen auf – z.b. ist es in der eu möglich ganz ohne bankinstitut geld zu verleihen bzw. zu leihen? wenn ja in welchem land und unter welchen bedingungen? gibt es solche trends in rahmen des social bankings? oder ist die gesetzgebung hier so streng, dass immer z.b. auch bei internetplattformen eine bank als zwischenmittler eingeschaltet sein muss.
    danke für ihre hilfe.
    grüße
    yvonne weindel

    yvonne weindel

    Mai 31, 2013 at 3:09 pm


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