Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for April 2013

Wells Fargo: Videoartisten erobern Bankfiliale, Mitarbeiter entlassen

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In meinen ersten beiden Teilen zum Thema Bewegtbild und Banken habe ich die Richtung aufgezeigt. Nun folgt vor dem letzten Teil ein aktuelles Praxisbeispiel, um das Thema vom Blickwinkel der Krisenkommunikation zu beleuchten.

Der Schauplatz war im März eine Bankfiliale von Wells Fargo in Atlanta. Dort übernahmen Videokünstler nach Schalterschluss die Regie. Es waren wohl auch einige Mitarbeiter beteiligt. Die sind jetzt draußen vor der Türe, sprich entlassen.

Zum Hintergrund: Binnen weniger Wochen erreichte das folgende Video „Harlem Shake“ fast 200.000 Zugriffe auf Youtube. Aber schauen Sie sich selbst die knapp einminütige Videoperformance an:

Wer hätte das gedacht? Einige Mitarbeiter lassen nach Feierarbend gemeinsam mit den Videoartisten „die Puppen tanzen“. Mir selbst hat die Art und Weise, wie die Künstler auf sich aufmerksam machen, allerdings nicht ganz gefallen. Die künsterische Botschaft dahinter ist mir alles andere als klar geworden, so dass man sich die Frage stellt, ob es sich hier nicht nur um billiges Selbstmarketing handelt, basierend auf der allgemeinen Welle des Bankenbashings.

Doch möchte ich die persönliche Geschmacksfrage, wer hier was für Kunst oder Kitsch und geschmacklosen Kommerz erachtet, an dieser Stelle gar nicht weiter vertiefen. Hier geht es um etwas anderes. Wie konnte es zu einem solchen Videoevent kommen – und wie fielen die Reaktionen der Bankmanager auf diesen ungewöhnlichen Vorfall aus?

Um sich einen Überblick über die Medienresonanz zu verschaffen, empfehle ich zwei Beiträge. Die klassische Berichterstattung in der New York Post, die beschreibt, wie sich die Wells Fargo (Bank) von diesem Film klar distanziert.  Deutlich aussagekräftiger ist allerdings ein Blogeintrag im Atlanta Journal Constitution, weil er zahlreiche kontroverse Leserkommentare enthält.   

Ein kurzer Auszug aus dem Artikel:

In a statement, the bank said, “”This was something that our team members participated in on their own time. It was not approved by the company and Wells Fargo did not produce the video.”  The bank did not say whether there were repercussions for the employees.

Patterson said he didn’t know how many bank employees participated. “I don’t know who was a bank employee and who wasn’t,” he said. “They came ready. Everyone had their own costume.” He also said he was told everyone from the bank involved in the video was suspended.

Quelle: Atlanta Journal Constitution (Blog)

Und damit sind wir beim eigentlichen Thema: War es notwendig, einige Mitarbeiter zu entlassen, die sich offenbar an dem Event nach Feierabend beteiligt haben – oder zumindest davon gewusst haben, den beiden nicht ganz unbekannten Videoartisten ihre Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen?

Ich bin mir da nicht ganz sicher. Vielleicht wäre es besser gewesen, sich vor einem solchen Schritt einmal genauer mit der eigenen Unternehmenskultur auseinanderzusetzen. Stimmt das Betriebsklima? Ist das Anreizsystem in der Bankfiliale das Richtige? Haben die Mitarbeiter die Konsequenzen ihres Handeln unterschätzt? Dies sind nur einige Fragen, die man sich aktiv stellen  sollte.

Es gibt im Hintergrund aber noch eine andere Version der Geschichte, die mir gestern aus den USA zugespielt worden ist, nämlich, dass es sich hier um eine virale Marketingkampagne gehandelt hat. Dazu ließ mein Informant folgendes verlauten:

The Harlem Shake viral video storm has swept through the financial industry, many companies created their own office based versions to create brand awareness and reveal a ‚fun‘ side of their corporate brand. FNB, one of the most innovative banks in the world, took the approach one step further by integrating the video inito a career campaign to attract talent. Successful use of viral videos provide exciting content for consumers that can grow further through word of mouth, increasing reach with reduced costs.

Soweit die Info aus dem einschlägigen digitalen Umfeld in den USA. Nun lässt sich nicht nur über den künstlerischen sondern auch den inhaltlichen Geschmack bekanntlich trefflich streiten.

Ist das Dementi der Bank nun Teil der Kampagne oder das Gegenteil? Welche Version ist nun die echte Videoversion, die virale oder die offizielle? Ach, bilden Sie sich doch selbst ein bewegtes Bild. Kommentare gerne erwünscht.

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Written by lochmaier

April 11, 2013 at 7:54 am

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Offener Brief an Deutsche Bank: Bürger gestaltet die Q110 neu!

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Jetzt nervt der Typ schon wieder: Nachdem ich bereits an die Protagonistin der neuen Commerzbank-Werbespots, Lena Kuske, einen offenen Brief geschrieben habe, um die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu verdeutlichen, nun ein weiterer Brief. Dieses Mal an das noch etwas größere Geldinstitut, die Deutsche Bank.

Offener Brief an die Kunstmäzene der Deutschen Bank in den heiligen Glashallen von Mainhatten:

Liebe Kunst- und Menschenversteher,

Eure Kunstaktion für Jedermann in Berlin finde ich toll. Klasse, wenn jeder seine eigenen Bilder in einem Kunstmuseum ausstellen darf. Warum aber übertragt Ihr die Aktion nicht auf Eure so grässlich gestalteten Bankfilialen. Also dorthin, wo mich sonst nur noch die Suche nach dem nächsten Geldautomaten hinzieht.

Warum engagiert Ihr immer nur teure Profidesigner und Werbegurus, die alles in künstliches grelles Licht tauchen? Denn ich habe mich gefragt, wie eine moderne Bank im 21. Jahrhundert aussehen sollte, in der die Menschen weiter in den Mittelpunkt rücken. Manche nennen das auch die real existierende Wirtschaft, oder den letzten Rettungsschirm in unserem Finanzsystem.

Also liebe Kunstmäzene, lasst die Schwarmintelligenz doch mal auch bei Euch im eigenen Hause wirken. Getreu dem Motto: Bürgerkünstler aller Welt und vor Ort, gestaltet die tolle Vorzeigefiliale der Deutschen Bank, die Q 110 in Berlin komplett um. Sie ist ja nur einen Steinwurf  von der Bürgerkunstwende entfernt. Als Hauptpreis schlage ich vor: Eine Million Euro (alternativ 2 Millionen D-Mark).

Schlagt Ihr ein in den Deal?

Dieser Beitrag wurde inspiriert durch meinen früheren Blogbeitrag:

Q 110: Die Zukunft der Bankfiliale? 11 Fragen und 0 Antworten 

Darin habe ich elf Fragen bzw. Stimmungsbilder zum Filialdesign zur Diskussion gestellt, auf die es auch jenseits der Deutschen Bank in der Branche bislang keine überzeugenden Antworten gibt.

 

Written by lochmaier

April 10, 2013 at 8:23 am

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Beuys für Jedermann: Wie die Deutsche Bank ihr Image poliert

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Die Analogie zu Brecht und anderen Größen des Deutschen Theaters liegt nahe: Irgendwas mit „Jedermann“ zu unternehmen, gemeinsam mit dem Bürger, ist plötzlich ein Modetrend. Siehe mein vorheriger Beitrag zum „Jedermann TV“. Nun versucht die Deutsche Bank aus den negativen Schlagzeilen mit Hilfe der Kunst herauszukommen. Das neue Werbevehikel: Die Kunsthalle im neuen Museum in Berlin. Dort stellen derzeit nicht hochrangige Künstler ihre Exponate aus, sondern Bürger. Die Resonanz fiel überraschend groß aus.

Zunächst einmal gilt es zwei Dinge gerade zu rücken. Erstens: Jeder Mensch ist ein Künstler, diese simple Weisheit wusste schon der Performance-Künstler Joseph Beuys geschickt auszunutzen. Zweitens: Banken betreiben seit Jahrhunderten Kunstsammlungen und agieren als Mäzene, Spender und Stifter. Beides also nichts Ungewöhnliches.

Ungewöhnlich ist nur das neue Umfeld der Kunst in Berlin, das Anfang dieser Woche gestartet ist. Denn die Deutsche Bank macht in Kunst für alle. Zu sehen in der Kunsthalle Unter den Linden in der Haupstadt. Über den Facebook-Auftritt der Deutschen Bank erhält man den aktuellen Status. Dies führt zu der Frage, entmachtet Kunst auch die Macht, dort wo sie nicht angemessen ausgeübt wird?

Titelbild

Bevor man sich solch schwer verdaulichen philosophischen Fragen zuwendet, sollte man zunächst die Leserkommentare studieren, die Jedermann-Künstler, Betrachter und Besucher beim Besuch der Bürgerkunstausstellung abgeben. Es gibt einige kritische Kommentare (zahlt den Bürgerkünstlern doch etwas für ihre Kunstwerke, oder: Alles nur Show und Imagekosmetik). Überwiegend aber fällt die Resonanz der Besucher auf die Aktion positiv aus.

Die Medienresonanz fällt ebenso gut aus. Dies erweckt fast den Eindruck, wir hätten es hier mit einer ganz anderen Bank zu tun, einer Art Sparkasse oder Volksbank, die sich plötzlich um die Menschen und die Realwirtschaft kümmert, als irgendwelchen waghalsigen Manipulationen des Libor-Zinssatzes oder sonstigen windigen Geschäften nachzugehen.

Natürlich, um auch dies gerade zu rücken, besteht die Bankenwelt nicht nur aus Schwarz- und Weiß, sondern aus vielen Kontrasten dazwischen. Die Deutsche Bank wird aber auch weiterhin die Gemüter entzweien, solange sie die Zeichen der Zeit noch nicht vollständig erkannt hat. Denn die Bankfiliale selbst sollte zum kulturellen und kommunikativen Versammlungsort werden, will sie jenseits vom Geldautomaten eine Überlebenschance haben.

Im vergangenen Jahr habe ich in meinem Beitrag…

Q 110: Die Zukunft der Bankfiliale? 11 Fragen und 0 Antworten

… die Defizite einer innovationsgetriebenen, aber völlig blutleeren Filialumgebung bereits thematisiert.  

Und damit bin ich bei meiner neuen Kunstaktion, in dem der „Jedermannperformer“ hoffentlich schon bald mitwirken darf: 

Bürgerkünstler, Gestaltet die tolle Vorzeigefiliale der Deutschen Bank, die Q 110 um. Der Hauptpreis: Eine Million Euro (alternativ 2 Millionen D-Mark).

Lesen Sie dazu meinen nun folgenden, offenen Brief an die Kunstmäzene der Deutschen Bank in den heiligen Glashallen von Mainhatten.

Written by lochmaier

April 10, 2013 at 8:06 am

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Jedermann TV forciert Götterdämmerung der Finanzindustrie

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Im Einleitungsbeitrag Ein leeres Bild und tausend Worte habe ich bereits die Botschaft zum bewegten Bild beschrieben. Was das für die Finanzindustrie bedeutet, dazu der Link zu einem kreativen Musikvideo, auf das ich via Finews.ch gestoßen bin. Die weissrussische Rockband Ljapis Trubezkoi besingt darin auf ironische Weise das «Kapital». In der Heimat verboten, darum gibt es nur Auftritte rund um Weissrussland.

Die Analogie zur Finanzbranche liegt da nahe. Man braucht kein großer Revolutionär, sondern nur ein pragmatisch vorwärts  denkender Mensch zu sein, um zu prognostizieren, dass das bewegte Bild im Netz, das „Jedermann TV“, die nächste Innovationswelle sein wird, die alte Geschäftsmodelle in Frage stellt und teilweise ablösen wird.

Mit anderen Worten: Die multimediale Götterdämmerung hat auch in der Finanzindustrie bereits begonnen. Was nicht heißt, dass wir nun automatisch in eine menschenfreundliche Bankenzukunft steuern. Aber der Trend geht eindeutig in Richtung Innovation. Vielleicht lohnt es sich noch einmal, meine vor drei Jahren auf meinem Videoblog „Doktor Spar“ zusammen gestellte Text-Bild-Collage „The Banking Wall“ anzusehen:

Einige Beispiele: Nicht nur entsteht über das Crowdfunding finanziert, ein neuer Störsender TV, vom alt gedienten Kabarettisten Dieter Hildebrandt initiiert, als Gegengewicht zu den Mainstream-Medien. 153.000 Euro kamen dafür via Startnext zusammen.  Siehe dazu Episode 1: Finanzkasinokapitalismus.

Und die Wirtschaftswoche ruft online ein neues Medienformat „Lunchtalk“ ins Leben und öffnet damit die Redaktion für frischen Wind von außen. Das belebt. So erklärt via Google Hangouts Dirk Elsner vom Blicklog, dass es eine Zeit der Vorbereitung braucht, um eine Handvoll Euro (5 Mrd. €) in einen Lastwagen zu packen und nach Zypern zu befördern.

So erklärt Michael Schulte alias „Mr. Market“, dass es nicht genügt, einmal die Woche in die Wirtschaftszeitung zu blicken, um bei der Aktienanlage an der Börse erfolgreich zu sein. So erläutert Gunnar Sohn die Grundlagen von Crowdfunding und zeigt Praxisbeispiele auf, wo die Chancen und Grenzen liegen. All dies sind keine perfekt inszenierte Medientermine, sondern spontane Online-Videokonferenzen, die durchaus auch Raum für unperfekte Fragen und Antworten lassen. 

Es bilden sich weitere innovative Medienformate, die ich an dieser Stelle gar nicht auflisten möchte. Natürlich ist auch beim „Jedermann TV“ z.B. via Google Hangout on Air nicht alles Gold was glänzt. Man sollte schon intensiv am Profil arbeiten, um größere Sprech- und Bildblasen zu vermeiden. 

Darum geht es hier aber nicht. Spannend ist zwischen Schwarz-Weiß-Malerei der durchgreifende Trend. Der Zuseher wird sich selbst darüber ein Bild machen, welche Reichweite und Durchschlagskraft das Bewegtbild in der Finanzindustrie gewinnen kann.

Und die Antworten der „Finanzindustrie“ auf die schleichende Bewegtbild(r)evolution? Sie sind bislang äußerst zaghaft. Man wartet ab, was die „Bürgerbeteiligungswelle“ mit Blick auf das „Jedermann TV“ noch so alles produzieren wird.

Irgendwann – wenn es nicht anders geht – wird man den Spielball schon aufgreifen und zwangsläufig neue Formate kreieren. Mit welchem Erfolg, lasse ich mal dahin gestellt, wenn man weiterhin an der alten, hierarchischen Rollenverteilung festhält.

Wie geht es weiter mit dem finanziellen Bildnis, das die Menschen tatsächlich bewegt? Im nächsten Teil zeige ich einige Ansätze in der Bankenwirtschaft auf, wie diese sich zögerlich an die neue interaktive Bildwelt heranzutasten vermag. Man merke: Nicht ein Bild sagt mehr als tausend Worte.  Sondern tausend Bilder sagen mehr als ein Wort.

Written by lochmaier

April 7, 2013 at 8:24 am

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Offshore-Leaks: Die gemeinsame Recherche kommt ins Rollen

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Der öffentliche Aufschrei ist riesig, wieder einmal sind groß angelegte Offshore-Steueroasen entdeckt worden. Dabei ist das nun wirklich keine Neuigkeit. Nur das Ausmaß scheint viele immer noch zu erschrecken. Und: In Deutschland gibt es leider immer noch kein gut recherchiertes Grundlagenwerk zu dieser Thematik.

Vielleicht wäre dies ein Job für einen versierten Finanzblogger. Wer sich dafür weniger geschäumt als gerührt interessiert, dem empfehle ich die britische Publikation – leider nicht auf Deutsch erhältlich –  von Nicholas Shaxson: Treasure Islands (Tax havens and the men who stole the world). Der Journalist beschreibt, dass wir uns derartige Exzesse und unkontrollierten „Geldparadiese“ nicht mehr leisten können, will die Menschheit ihre Zukunftsaufgaben bewältigen.

Spannend ist in diesem Zusammenhang noch etwas anderes, wie sich der „kollaborative Journalismus“ neu erfindet, oder besser gesagt, wie er einen deutlichen Innovationsschub auf internationaler Ebene erhält. Oder: Wie 86 Journalisten in 46 Ländern miteinander kooperieren, oder kooperiert haben sollen, ist nachzulesen auf den Internetseiten von Niemanlab, einer in Harvard angesiedelten Denkfabrik zur Zukunft des Journalismus.

Bringen wir die Dinge aber einmal jenseits der aufgeregten Mediendebatte zwischen Schwarz-Weiß-Malerei auf den Punkt. Es gibt viele unerkannten „Offshore-Paradiese“ der Geldverschwendung und Fehllenkung – und mittlerweile ebenso viele „Leaks“, weil immer mehr das große Spiel nicht mehr mitspielen wollen. Manche wollen natürlich auch am Ausstieg und dem Datenverkauf fürstlich verdienen. 

Statt nunmehr der großen Mediendiskussion artig zu folgen, sollten sich die „Verbraucher“ lieber fragen, in welcher Weise sie ein Bestandteil dieses weit verzweigten Systems sind. Denn „Schattenbanken“ (ein Synonym für Steuerparadiese) sind überall, auch in und hinter den Staatskassen. Es ist also schwierig zu beurteilen, vor wem man sich mehr fürchten soll, vor dem ungebremsten sozialistischen Eingriff in fremdes Eigentum, oder vor dem sogenannten „Raubtier- und Casinojournalismus“.

Meine Antwort lautet: Beide Extreme können gleich gefährlich sein. Schattenbanken gilt es ebenso aufzuspüren und konsequent zu bekämpfen, da wir sie uns als ganze Gesellschaft ebenso wenig  leisten können, wie eine ausufernde Versorgungs- und Anspruchsmentalität, die immer nur mit dem Finger auf andere zeigt, um diese anschließlich in die kollektive Haftung zu nehmen.

Mich selbst hat die bisher in den Medien zu beobachtende grobschnitzige Aufarbeitung des Themas übrigens schon vor Jahren so gelangweilt, dass ich das Thema vor einem Jahr in einen  „Hackerroman“ mit dem Titel Schattenbanken verarbeitet habe -, indem ich alte und neue Geschäftsmodelle von Banken inklusive des technologisch-sozialen Paradigmenwandels miteinander konfrontiert habe.

Denn ich beschäftige mich viel lieber produktiv mit der Zukunft der Bankenwelt, als in ihrer aus dem Ruder gelaufenen Vergangenheit weiter herum zu stochern. Wer meine 10 killerapps  in der „Bank 2.0“ als einzelne Puzzleteile zu einem größeren Ganzen zusammen fügt, der erkennt die Richtung des nächsten Innovationsschubes.

Kurz: Das Phänomen „Offshore leaks“ betrifft die ganze Gesellschaft und nicht nur einzelne Gruppen. Parallel dazu wäre der Aktionsradius findiger Finanzjongleure radikal zu begrenzen, ohne das Kind mit dem Bade auszuschütten. 

Wer sich das kleine Werk zu Gemüte führen will, findet mehr Infos auf meiner Unterseite zu den Schattenbanken. Und in einem längeren einleitenden Textauszug liefere ich dann auch eine breiter gefasste Definition, was ich unter Schattenbanken verstehe, um die Diskussion jenseits der üblichen kurzlebigen Aufreger anzufachen.

Was also sind Schattenbanken? Die Staatengemeinschaft, Finanzindustrie? Steueroasen – oder der Bürger als der letzte auszuhebelnde menschliche Rettungsschirm?  Zum Download einschließlich einer 20-seitigen Leseprobe geht es hier: 

Schattenbanken (pdf-Format)

Written by lochmaier

April 5, 2013 at 7:45 am

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Finanzblog Award 2013 nominiert neun Blogs

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Und wieder geht es in die nächste Runde: Die comdirect Bank, eine Tochter der Commerzbank (darf man das so sagen?), hat neun Blogs für den diesjährigen Finanzblog-Award nominiert. Die Preisverleihung findet im passenden Ambiente während der Internetkonferenz re:publica in Berlin am 6. Mai statt.

COMD_LABEL_NOMINIERT_2013

Zuerst die nicht ganz so gute Nachricht: Über mehrere Jahre vergab auch das Peer-to-Peer-Lending Portal Smava einen Finanzblog-Award. Das Besondere: Dort stimmten die Leser darüber ab, welchen Blog sie prämierten, ein allerdings nicht ganz unumstrittenes Verfahren. Dieses Jahr nun wurde das Format still und heimlich beerdigt, was aufmerksame Leser von Social Banking 2.0 freilich kaum überrascht haben dürfte. Denn über die Änderungen im Geschäftsmodell von Smava habe ich immer wieder berichtet.

Nach diesem Wermutstropfen für die vielfältige Szene der aufstrebenden Finanzblogs zum Positiven: Preise sind zwar nicht alles, aber sie zeigen die wachsende Reputation eines eigenständigen neuen Medienformats, eben jenen Finanzblogs. Als Einführung für nicht ganz so sachkundige Leser empfehle ich meine beiden letzten Beiträge, einschließlich der aufschlussreichen Leserkommentare:

Finanzblogs: Aserto stellt die deutschen Meinungsführer vor

Buchvorstellung: Deutschland braucht Blogger, Blogger brauchen Germany

Lange Vorrede – nun zu den Fakten: Für den ersten bis dritten Preis sowie für den Sonderpreis der Jury nominiert sind (in alphabetischer Reihenfolge):

Economics Intelligence

http://www.olafstorbeck.com/

Guruwatch

http://www.finews.ch/guruwatch

Handelsblog

http://www.blog.handelsblatt.com/handelsblog/

menschen.zahlen.sensationen.

http://www.menschenzahlensensationen.wordpress.com/

Mr. Market

http://www.mr-market.de/

Never Mind The Markets

http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/

Simple Value Investing

http://www.simple-value-investing.de/

Social Banking 2.0

http://www.lochmaier.wordpress.com/

Wirtschaftswurm

http://www.wirtschaftswurm.net/

Weitere Informationen: www.finanzblog-award.de; www.twitter.com/finanzblogaward

Written by lochmaier

April 4, 2013 at 7:36 am

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Banken + Social TV: Ein (leeres) Bild und tausend Worte

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Der aktive Fernsehkonsument und das nicht-lineare Fernsehen sind im Vormarsch. Ein neuer Fachbegriff kursiert in Expertenkreisen: Unter Social TV ist die Verschmelzung zweier bislang voneinander getrennter Medienkanäle gemeint, zwischen Fernsehen und sozialen Medien. Was bedeutet das für Banken?

In Deutschland gibt es 82 Mio. Einwohner, 91 Mio. Versicherungen und mehr als 100 Mio. Mobiltelefone. Vor allem dem bewegten Bild dürfte die Zukunft gehören, spontane Videokonferenzen z.B. via Google Hangout eingeschlossen Was verbirgt sich hinter dem Trend, welchen Einfluss hat er auf die Wirtschaft und Finanzwelt?

Fangen wir mal von vorne an: Meist noch mit Hilfe eines zweiten Endgeräts greift der Nutzer dabei aktiv ins Geschehen ein, indem er etwa den gerade laufenden Fernsehbeitrag oder das Videoformat kommentiert und weiter verbreitet. Vom Wachstumsmarkt rund um das nicht-lineare Fernsehen können auch Banken profitieren, sofern sie darin nicht nur einen weiteren Werbekanal sehen, sondern vor allem auf eine qualitative Markenstrategie setzen, mit damit einher gehenden Wettbewerbs differenzierenden Merkmalen.

Zunächst einige Zahlen zum heimischen Markt. Der Trend zu Apps für Smartphones und Tablet Computer hat sich im Jahr 2012 weiter verstärkt. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland mehr als 1,7 Mrd. Apps heruntergeladen. Das entspricht einer Steigerung von rund 80% im Vergleich zu 2011. Damals wurden knapp 1 Mrd. Apps installiert.

Nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) sind in Deutschland im Jahr 2012 voraussichtlich rund 19 Millionen mobile Endgeräte (Smartphones) verkauft worden. Es gibt auch andere Zahlen, die noch deutlich höher liegen. Wie dem auch sei – das Gros dieser Geräte verfügt auch über einen Internet-Zugang.

Dies zeigt, dass in der digitalen Welt Produkte mit integrierter Netzanbindung längst den Ton angeben. Denn der private Verbraucher möchte zu jeder Zeit und von fast jedem Standort aus lesen oder kommunizieren. Im Zuge dieser Entwicklung ändert sich auch das Verbraucherverhalten, denn bewegte Bilder spielen in diesem Zusammenhang eine immer größere Rolle. Die Videoplattform Youtube ist dabei nur eine unter zahlreichen Plattformen, um von unterwegs kleine Bild- und Tonsequenzen zu konsumieren.

Ebenso dynamisch wie bei den kleinen Alleskönnern Smartphone und Mini-PC steigen die Umsatzzahlen bei Fernsehgeräten. Im Jahr 2012 dürften laut GfK in Deutschland rund 10 Millionen Stück verkauft worden sein, immerhin doppelt so viele als sechs Jahre zuvor. Der Trend geht hier laut den Marktforschern eindeutig in Richtung Zweit- und Drittgerät pro Haushalt. Seit der Markteinführung im Jahre 2009 ist aber auch die Zahl der internetfähigen Fernsehgeräte auf rund 10 Millionen angewachsen. Die Marktforscher rechnen damit, dass bereits in vier Jahren zwei von drei Fernsehgeräten direkt mit dem Internet vernetzt sind. Auch gewisse Kinderkrankheiten in der technischen Benutzerfreundlichkeit dürften bis dahin beseitigt worden sein.

Infolgedessen dürfte es schon in wenigen Jahren zum technischen Standard gehören, das Programm entweder über das Zweitgerät oder direkt über den Fernsehbildschirm zu kommentieren, entweder über Touchscreen, Maustastatur oder Fernbedienung. Gekennzeichnet ist der Trend in Richtung Social TV durch eine stärkere Individualisierung des Kommunikationsverhaltens, wodurch der Nutzer sich aktiv in ein gerade laufendes Programm einbringt.

Damit gemeint ist das Anschauen eines Videos oder einer Fernsehsendung, die der Nutzer parallel und direkt via Smartphone oder Mini-PC über die sozialen Medien kommentieren kann. Von Manchen immer noch als kurzlebige Modewelle abgetan, hat sich mittlerweile das Bewerten und Diskutieren insbesondere von populären Fernsehsendungen sowohl bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten als auch den Privatmedien etabliert.

Erstaunlicherweise greift der Trend, das laufende Fernsehprogramm meist über das Smartphone zu kommentieren, nicht nur bei Casting-Shows oder großen Sportveranstaltungen. Die Zuschauer kommentieren darüber hinaus auch Bildungsprogramme und das aktuelle Zeitgeschehen, allerdings zahlenmäßig deutlich reduziert gegenüber populären Massenformaten. Technisch gesehen existieren hier ohnehin keine nennenswerten Zugangsbarrieren mehr. Der Nutzer installiert dazu meist ein kleines maßgeschneidertes Zusatzprogramm (App) auf dem Zweitgerät, also seinem Smartphone, mit dessen Hilfe er dann chatten, kommentieren und sich direkt mit anderen Diskutanten zum Geschehen vernetzen kann.

Überdies greifen die bislang durch technologische Limits begrenzten Fernsehkonsumenten auch aktuelle Nachrichten auf. Oder die Nutzer unterhalten sich in Kurzform über kontroverse Themen von allgemeinem Interesse. Dabei unterscheiden die Medienforscher von Goldmedia zwei unterschiedliche Nutzertypologien. Erstens, der „Infotyp“, der Informationen aktiv und kontinuierlich über seine sozialen Medienkanäle beziehungsweise individuellen Netzwerke weiter verbreitet. Zweitens, der „Entertainment-Typ“, der konkrete Veranstaltungen und Ereignisse kommentiert und diese meist plakativ, also in stark subjektiver Art und Weise bewertet.

Vielfältige Motive der Nutzer

Die Marktforscher von Goldmedia haben auch die Beweggründe der Nutzer unter die Lupe genommen. Zum einen sei es der allgemeine Wunsch nach Aufmerksamkeit, der die Fernsehzuschauer dazu bringe, aktiv ins Geschehen einzugreifen. Zum zweiten lasse sich, basierend auf der „Theorie des sozialen Abwärtsvergleichs“, mit entsprechenden Kommentaren und Vergleichen das eigene Selbstwertgefühl steigern.

Aber auch die verstärkte Diskussionsbereitschaft spiele eine Rolle. Denn die Nutzer halten nach weiterführenden Informationen zum Fernsehprogramm Ausschau, sie analysieren das Gesehene und diskutieren es mit anderen Online-Nutzern. Ein weiteres Motiv ist der Wunsch, die gezeigten TV-Inhalte unmittelbar beeinflussen und mitbestimmen zu können.

Und schließlich spielt laut Goldmedia auch der Aspekt der Neugier eine Rolle, wobei das Gros der Fernsehkonsumenten an dem allgemeinen „Klatsch und Tratsch“ teilhaben möchte. In der Art der Nutzung zeigen sich laut den Marktforschern bei den verschiedenen Social TV-Plattformen gewisse Präferenzen aus Nutzersicht.

Als Anlaufstelle fungieren hier zum einen die Internetseiten der öffentlich-rechtlichen und privaten Sendeanstalten, die entsprechende Kommentarfunktionen bereit stellen. Intensiv genutzt wird aber auch das bekannteste soziale Netzwerk Facebook, sowohl zum laufenden Programm, aber auch unmittelbar davor und danach.

Beim Kurznachrichtendienst Twitter, der in Deutschland rund vier Millionen Mitglieder aufweist, verhält sich der Zuspruch je nach Genre unterschiedlich. Während die Zuschauer von Nachrichtensendungen weniger Programm begleitend twittern, sind die Zuschauer von Unterhaltungsprogrammen insbesondere begleitend zur Sendung aktiv.

Parallel dazu haben sich hoch spezialisierte Dienste für das Social TV herausgebildet, wie Couchfunk oder Zapitano. Diese offerieren so genannte Over the Top-Dienste (OTT), also maßgeschneiderte Lösungen beziehungsweise Zusatzprogramme (Apps), speziell für die Nutzung auf dem kleineren Zweitgerät (Second Screen). Die Mitglieder erhalten dort auch Mehrwertdienste wie Hintergrundinformationen und weitere Bewertungsoptionen.

Im zweiten Teil analysiere ich das Bewegtbild und seine Potentiale mit Blick auf die Finanzbranche.

Written by lochmaier

April 2, 2013 at 10:30 am

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