Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Wells Fargo: Videoartisten erobern Bankfiliale, Mitarbeiter entlassen

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In meinen ersten beiden Teilen zum Thema Bewegtbild und Banken habe ich die Richtung aufgezeigt. Nun folgt vor dem letzten Teil ein aktuelles Praxisbeispiel, um das Thema vom Blickwinkel der Krisenkommunikation zu beleuchten.

Der Schauplatz war im März eine Bankfiliale von Wells Fargo in Atlanta. Dort übernahmen Videokünstler nach Schalterschluss die Regie. Es waren wohl auch einige Mitarbeiter beteiligt. Die sind jetzt draußen vor der Türe, sprich entlassen.

Zum Hintergrund: Binnen weniger Wochen erreichte das folgende Video „Harlem Shake“ fast 200.000 Zugriffe auf Youtube. Aber schauen Sie sich selbst die knapp einminütige Videoperformance an:

Wer hätte das gedacht? Einige Mitarbeiter lassen nach Feierarbend gemeinsam mit den Videoartisten „die Puppen tanzen“. Mir selbst hat die Art und Weise, wie die Künstler auf sich aufmerksam machen, allerdings nicht ganz gefallen. Die künsterische Botschaft dahinter ist mir alles andere als klar geworden, so dass man sich die Frage stellt, ob es sich hier nicht nur um billiges Selbstmarketing handelt, basierend auf der allgemeinen Welle des Bankenbashings.

Doch möchte ich die persönliche Geschmacksfrage, wer hier was für Kunst oder Kitsch und geschmacklosen Kommerz erachtet, an dieser Stelle gar nicht weiter vertiefen. Hier geht es um etwas anderes. Wie konnte es zu einem solchen Videoevent kommen – und wie fielen die Reaktionen der Bankmanager auf diesen ungewöhnlichen Vorfall aus?

Um sich einen Überblick über die Medienresonanz zu verschaffen, empfehle ich zwei Beiträge. Die klassische Berichterstattung in der New York Post, die beschreibt, wie sich die Wells Fargo (Bank) von diesem Film klar distanziert.  Deutlich aussagekräftiger ist allerdings ein Blogeintrag im Atlanta Journal Constitution, weil er zahlreiche kontroverse Leserkommentare enthält.   

Ein kurzer Auszug aus dem Artikel:

In a statement, the bank said, “”This was something that our team members participated in on their own time. It was not approved by the company and Wells Fargo did not produce the video.”  The bank did not say whether there were repercussions for the employees.

Patterson said he didn’t know how many bank employees participated. “I don’t know who was a bank employee and who wasn’t,” he said. “They came ready. Everyone had their own costume.” He also said he was told everyone from the bank involved in the video was suspended.

Quelle: Atlanta Journal Constitution (Blog)

Und damit sind wir beim eigentlichen Thema: War es notwendig, einige Mitarbeiter zu entlassen, die sich offenbar an dem Event nach Feierabend beteiligt haben – oder zumindest davon gewusst haben, den beiden nicht ganz unbekannten Videoartisten ihre Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen?

Ich bin mir da nicht ganz sicher. Vielleicht wäre es besser gewesen, sich vor einem solchen Schritt einmal genauer mit der eigenen Unternehmenskultur auseinanderzusetzen. Stimmt das Betriebsklima? Ist das Anreizsystem in der Bankfiliale das Richtige? Haben die Mitarbeiter die Konsequenzen ihres Handeln unterschätzt? Dies sind nur einige Fragen, die man sich aktiv stellen  sollte.

Es gibt im Hintergrund aber noch eine andere Version der Geschichte, die mir gestern aus den USA zugespielt worden ist, nämlich, dass es sich hier um eine virale Marketingkampagne gehandelt hat. Dazu ließ mein Informant folgendes verlauten:

The Harlem Shake viral video storm has swept through the financial industry, many companies created their own office based versions to create brand awareness and reveal a ‚fun‘ side of their corporate brand. FNB, one of the most innovative banks in the world, took the approach one step further by integrating the video inito a career campaign to attract talent. Successful use of viral videos provide exciting content for consumers that can grow further through word of mouth, increasing reach with reduced costs.

Soweit die Info aus dem einschlägigen digitalen Umfeld in den USA. Nun lässt sich nicht nur über den künstlerischen sondern auch den inhaltlichen Geschmack bekanntlich trefflich streiten.

Ist das Dementi der Bank nun Teil der Kampagne oder das Gegenteil? Welche Version ist nun die echte Videoversion, die virale oder die offizielle? Ach, bilden Sie sich doch selbst ein bewegtes Bild. Kommentare gerne erwünscht.

Written by lochmaier

April 11, 2013 um 7:54 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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