Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Banken + Social TV: Ein (leeres) Bild und tausend Worte

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Der aktive Fernsehkonsument und das nicht-lineare Fernsehen sind im Vormarsch. Ein neuer Fachbegriff kursiert in Expertenkreisen: Unter Social TV ist die Verschmelzung zweier bislang voneinander getrennter Medienkanäle gemeint, zwischen Fernsehen und sozialen Medien. Was bedeutet das für Banken?

In Deutschland gibt es 82 Mio. Einwohner, 91 Mio. Versicherungen und mehr als 100 Mio. Mobiltelefone. Vor allem dem bewegten Bild dürfte die Zukunft gehören, spontane Videokonferenzen z.B. via Google Hangout eingeschlossen Was verbirgt sich hinter dem Trend, welchen Einfluss hat er auf die Wirtschaft und Finanzwelt?

Fangen wir mal von vorne an: Meist noch mit Hilfe eines zweiten Endgeräts greift der Nutzer dabei aktiv ins Geschehen ein, indem er etwa den gerade laufenden Fernsehbeitrag oder das Videoformat kommentiert und weiter verbreitet. Vom Wachstumsmarkt rund um das nicht-lineare Fernsehen können auch Banken profitieren, sofern sie darin nicht nur einen weiteren Werbekanal sehen, sondern vor allem auf eine qualitative Markenstrategie setzen, mit damit einher gehenden Wettbewerbs differenzierenden Merkmalen.

Zunächst einige Zahlen zum heimischen Markt. Der Trend zu Apps für Smartphones und Tablet Computer hat sich im Jahr 2012 weiter verstärkt. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland mehr als 1,7 Mrd. Apps heruntergeladen. Das entspricht einer Steigerung von rund 80% im Vergleich zu 2011. Damals wurden knapp 1 Mrd. Apps installiert.

Nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) sind in Deutschland im Jahr 2012 voraussichtlich rund 19 Millionen mobile Endgeräte (Smartphones) verkauft worden. Es gibt auch andere Zahlen, die noch deutlich höher liegen. Wie dem auch sei – das Gros dieser Geräte verfügt auch über einen Internet-Zugang.

Dies zeigt, dass in der digitalen Welt Produkte mit integrierter Netzanbindung längst den Ton angeben. Denn der private Verbraucher möchte zu jeder Zeit und von fast jedem Standort aus lesen oder kommunizieren. Im Zuge dieser Entwicklung ändert sich auch das Verbraucherverhalten, denn bewegte Bilder spielen in diesem Zusammenhang eine immer größere Rolle. Die Videoplattform Youtube ist dabei nur eine unter zahlreichen Plattformen, um von unterwegs kleine Bild- und Tonsequenzen zu konsumieren.

Ebenso dynamisch wie bei den kleinen Alleskönnern Smartphone und Mini-PC steigen die Umsatzzahlen bei Fernsehgeräten. Im Jahr 2012 dürften laut GfK in Deutschland rund 10 Millionen Stück verkauft worden sein, immerhin doppelt so viele als sechs Jahre zuvor. Der Trend geht hier laut den Marktforschern eindeutig in Richtung Zweit- und Drittgerät pro Haushalt. Seit der Markteinführung im Jahre 2009 ist aber auch die Zahl der internetfähigen Fernsehgeräte auf rund 10 Millionen angewachsen. Die Marktforscher rechnen damit, dass bereits in vier Jahren zwei von drei Fernsehgeräten direkt mit dem Internet vernetzt sind. Auch gewisse Kinderkrankheiten in der technischen Benutzerfreundlichkeit dürften bis dahin beseitigt worden sein.

Infolgedessen dürfte es schon in wenigen Jahren zum technischen Standard gehören, das Programm entweder über das Zweitgerät oder direkt über den Fernsehbildschirm zu kommentieren, entweder über Touchscreen, Maustastatur oder Fernbedienung. Gekennzeichnet ist der Trend in Richtung Social TV durch eine stärkere Individualisierung des Kommunikationsverhaltens, wodurch der Nutzer sich aktiv in ein gerade laufendes Programm einbringt.

Damit gemeint ist das Anschauen eines Videos oder einer Fernsehsendung, die der Nutzer parallel und direkt via Smartphone oder Mini-PC über die sozialen Medien kommentieren kann. Von Manchen immer noch als kurzlebige Modewelle abgetan, hat sich mittlerweile das Bewerten und Diskutieren insbesondere von populären Fernsehsendungen sowohl bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten als auch den Privatmedien etabliert.

Erstaunlicherweise greift der Trend, das laufende Fernsehprogramm meist über das Smartphone zu kommentieren, nicht nur bei Casting-Shows oder großen Sportveranstaltungen. Die Zuschauer kommentieren darüber hinaus auch Bildungsprogramme und das aktuelle Zeitgeschehen, allerdings zahlenmäßig deutlich reduziert gegenüber populären Massenformaten. Technisch gesehen existieren hier ohnehin keine nennenswerten Zugangsbarrieren mehr. Der Nutzer installiert dazu meist ein kleines maßgeschneidertes Zusatzprogramm (App) auf dem Zweitgerät, also seinem Smartphone, mit dessen Hilfe er dann chatten, kommentieren und sich direkt mit anderen Diskutanten zum Geschehen vernetzen kann.

Überdies greifen die bislang durch technologische Limits begrenzten Fernsehkonsumenten auch aktuelle Nachrichten auf. Oder die Nutzer unterhalten sich in Kurzform über kontroverse Themen von allgemeinem Interesse. Dabei unterscheiden die Medienforscher von Goldmedia zwei unterschiedliche Nutzertypologien. Erstens, der „Infotyp“, der Informationen aktiv und kontinuierlich über seine sozialen Medienkanäle beziehungsweise individuellen Netzwerke weiter verbreitet. Zweitens, der „Entertainment-Typ“, der konkrete Veranstaltungen und Ereignisse kommentiert und diese meist plakativ, also in stark subjektiver Art und Weise bewertet.

Vielfältige Motive der Nutzer

Die Marktforscher von Goldmedia haben auch die Beweggründe der Nutzer unter die Lupe genommen. Zum einen sei es der allgemeine Wunsch nach Aufmerksamkeit, der die Fernsehzuschauer dazu bringe, aktiv ins Geschehen einzugreifen. Zum zweiten lasse sich, basierend auf der „Theorie des sozialen Abwärtsvergleichs“, mit entsprechenden Kommentaren und Vergleichen das eigene Selbstwertgefühl steigern.

Aber auch die verstärkte Diskussionsbereitschaft spiele eine Rolle. Denn die Nutzer halten nach weiterführenden Informationen zum Fernsehprogramm Ausschau, sie analysieren das Gesehene und diskutieren es mit anderen Online-Nutzern. Ein weiteres Motiv ist der Wunsch, die gezeigten TV-Inhalte unmittelbar beeinflussen und mitbestimmen zu können.

Und schließlich spielt laut Goldmedia auch der Aspekt der Neugier eine Rolle, wobei das Gros der Fernsehkonsumenten an dem allgemeinen „Klatsch und Tratsch“ teilhaben möchte. In der Art der Nutzung zeigen sich laut den Marktforschern bei den verschiedenen Social TV-Plattformen gewisse Präferenzen aus Nutzersicht.

Als Anlaufstelle fungieren hier zum einen die Internetseiten der öffentlich-rechtlichen und privaten Sendeanstalten, die entsprechende Kommentarfunktionen bereit stellen. Intensiv genutzt wird aber auch das bekannteste soziale Netzwerk Facebook, sowohl zum laufenden Programm, aber auch unmittelbar davor und danach.

Beim Kurznachrichtendienst Twitter, der in Deutschland rund vier Millionen Mitglieder aufweist, verhält sich der Zuspruch je nach Genre unterschiedlich. Während die Zuschauer von Nachrichtensendungen weniger Programm begleitend twittern, sind die Zuschauer von Unterhaltungsprogrammen insbesondere begleitend zur Sendung aktiv.

Parallel dazu haben sich hoch spezialisierte Dienste für das Social TV herausgebildet, wie Couchfunk oder Zapitano. Diese offerieren so genannte Over the Top-Dienste (OTT), also maßgeschneiderte Lösungen beziehungsweise Zusatzprogramme (Apps), speziell für die Nutzung auf dem kleineren Zweitgerät (Second Screen). Die Mitglieder erhalten dort auch Mehrwertdienste wie Hintergrundinformationen und weitere Bewertungsoptionen.

Im zweiten Teil analysiere ich das Bewegtbild und seine Potentiale mit Blick auf die Finanzbranche.

Written by lochmaier

April 2, 2013 um 10:30 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. […] Einleitungsbeitrag Ein leeres Bild und tausend Worte habe ich bereits die Botschaft zum bewegten Bild beschrieben. Was das für die Finanzindustrie […]


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