Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for März 2013

Code_n: Blick hinter die menschliche Start-up-Maschinerie

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Am Freitag habe ich mir fast einen Tag die Zeit genommen, auf der Cebit durch die Halle 16 zu navigieren. 50 Start ups aus Deutschland, aber auch anderen Ländern präsentierten sich dort. Atmosphärisch schon geht es dort anders zu. Die Lichtüberblendungen und der Lärmpegel halten sich dort (fast) in Grenzen. Man kann durchatmen.

... Wenn jetzt die Deckenbeleuchtung noch aus Energiesparlampen besten würde ....

… Wenn jetzt die Deckenbeleuchtung noch aus Energiesparlampen bestehen würde ….

… Und sich Zeit für Gespräche nehmen. Das habe ich getan. Eine ganze Reihe von spannenden Start ups aus der Greentech-Branche haben sich präsentiert. Ich selbst habe mich vor allem auf das Thema Crowdfunding der Bürgerenergiewende fokussiert. Wie denn? Was soll das denn sein? Regelmäßige Leser meines Blogs ahnen es, dem Rest empfehle ich ein bisschen Recherchegeist über mein Archiv.

So habe ich neben Seedmatch, die ein Live-Crowdfunding durchgeführt haben, unter anderem mit bettervest gesprochen, einer Crowdfunding-Plattform im Bereich der Energieeffizienz, wo es bekanntlich nicht nur in Deutschland viel heraus zu holen gibt. Wenn jeder von uns nur ein Drittel Energie sparen würde, so bräuchten wir auch deutlich weniger neue Stromtrassen und neue Großkraftwerke, erklärte mir etwa Patrick Mijnals von Bettervest.

Bettervest arbeitet an einem "Contracting-Modell" für jedermann. Patrick Mijnals (links): 30 Prozent weniger Energieverbrauch sind fast überall machbar"

Bettervest arbeitet an einem „Contracting-Modell“ für jedermann. Patrick Mijnals (links): 30 Prozent weniger Energieverbrauch sind fast überall machbar“

Vertreten war auch Sunnycrowd, denn vor allem im Bereich der dezentralen Solaranlagen scheint das Crowdfunding-Prinzip zur Energiewwende Sinn zu machen. Weitere Plattformen sind in Deutschland am Start, worüber ich die kommenden Monate immer wieder berichten werde. Da entsteht auch in finanzieller Hinsicht eine Art von Ökotop, das jedoch nicht nur von den „Lohas“ allein gespeist werden sollte.

Auch professionelle  Akteure lassen sich mittlerweile blicken und erkennen die Chancen. Überhaupt, die deutsche Startup-Maschinerie scheint sich zu beschleunigen, seitdem Scheitern plötzlich wieder „in“ ist. Es könnte ja was noch Besseres nachkommen, betonten auch die politischen Amtsträger unisono, wie Philipp Rösler, Angela Merkel, Peer Steinbrück, die leider noch nie selbst ein Unternehmen gegründet haben.

Auch Bundesumweltminister Peter Altmaier (erste Reihe mittig) ließ sich kurz  den Code_n für Deutschlands Energiewende zeigen

Auch Bundesumweltminister Peter Altmaier (erste Reihe mittig) ließ sich kurz den Code_n für Deutschlands Energiewende zeigen

Fazit: Noch immer ist die „Kultur des Scheiterns“ hierzulande stärker als die Kultur des mutigen Entwickelns. Selbst schuld, wer kein Beamter wird. Aber die Code_n Area auf der Cebit hat Maßstäbe gesetzt, als Kontrast zu dem üblichen stickigen Messehallen-Ambiente. In welcher Form das Veranstaltungsformat eine Zukunft hat, wissen die Macher, allen voran der Initiator GFT Technologies, derzeit noch nicht. Aber die Strahlkraft war kaum zu übersehen, obwohl es auch kritische Stimmen gab. Sicherlich, es gibt neben solchen Medienspotlights jede Menge anderer spannender Jungunternehmen.   

Aber es braucht auch gemeinsame Dachmarken und Präsentationsflächen wie eben Code_n. Neben der Industrie könnten sich ja auch die Banken mal produktiv einklinken und aus ihrem geistigen Elfenbeinturm ausbrechen, um sich in die Niederungen der menschlichen Schwarmintelligenz hinein zu begeben. Im kreativen „Chaos“ entsteht bekanntlich Neues, was der gestiegene Stellenwert von kleinen, wendigen, flexiblen Kreuzern (= Start ups) verdeutlicht. Die Zeit, in der nur die großen Schlachttanker den Ton angeben, scheint nun wirklich fast vorbei, oder?  

3D-Drucker waren ein großer Renner in Halle 17. Der Makerbot Replicator II zeigt, wie der Kunde bei Innovationen und Produkten selbst die Regie führt. Fotos: Lothar Lochmaier

3D-Drucker waren ein großer Renner in Halle 17. Der Makerbot Replicator II zeigt, wie der Kunde bei Innovationen und Produkten selbst die Regie führt. Fotos: Lothar Lochmaier

Written by lochmaier

März 10, 2013 at 11:03 am

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Jim Rogers: Die Wallstreet ist auch nur eine Straße

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… Stimmt eigentlich. Die obige Überschrift hat die Investmentlegende, ein etwas abgedroschenes Schlagwort – Jim Rogers – tatsächlich ernst gemeint. Er hat ein mittlerweile auch auf Deutsch erhältliches neues Werk vorgelegt. Darin sieht er China und Asien als das neue Epizentrum nicht nur in der Finanzwelt. Amerika und Europa seien dagegen auf dem absteigenden Ast.

Darüber kann man sicherlich trefflich streiten. Aber der Befund stimmt schon irgendwie. Wenn selbst die älteste Bank der Welt – die Monte dei Paschi in Italien am Rand des Abgrunds steht, und deren Kommunikationschef offenbar Selbstmord begangen hat, dann sieht man, dass die Welt reichlich aus den Fugen geraten ist.

Was für den einen oder anderen aber vielleicht noch wichtiger ist, als über das postkapitalistische Zeitalter zu philosophieren, ist, dass der Ex-Gründer (mit George Soros) vom Quantum Hedge Fonds interessante Tipps gibt, wie man sein Geld erfolgreich anlegen kann. Aber nicht mit ein paar Mausklicks und dem ultimativen Börsenkracher, sondern indem man hart an seinen eigenen Fähigkeiten arbeitet.

Wohl gemerkt: Denn hier geht es nicht um den nächsten heißen Börsentipp, der sich später als Luftblase entpuppt, sondern darum, wie der Anleger selbstständig zu seiner eigenen Investmentstrategie finden kann. Was der eigentliche Grund ist, hier auf diesem Weblog Social Banking 2.0, bei dem der Kunde bekanntlich die Regie führt, über diese Buchneuerscheinung kurz zu berichten.

Bald wird Jim Rogers mit seinem Werk „Auch die Wallstreet ist nur eine Straße“ auch durch Deutschland touren. Klappern gehört eben auch zum Handwerk. Spannend finde ich auf den knapp 250 Seiten den roten Faden im gesamten Lebenslauf, der nicht dem Mainstream gefolgt ist: Den Schmalspur-Ökonomen und fortschrittsgläubigen BWL-Versatzstücken, die seit der Finanzkrise zum Auslaufmodell geworden sind, oder doch nicht ganz?

Jim Rogers springt aber auch mit anderen vermeintlichen auserwählten Gurus hart ins Gericht, so etwa bei den mit einem lebenslangen „üppigen Grundeinkommen“ ausgestatteten Professoren an den Eliteuniversitäten. Im gläsernen Elfenbeiturm fällt es leicht, über andere herzuziehen. Überhaupt, er sieht nicht nur die Wall Street und die USA auf dem absteigenden Ast, das ganze hoch verschuldete Bildungsmodell von Harvard & Co. werde irgendwann kollaborieren.

Natürlich soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass auch Rogers Lebenslauf die eine oder andere Unklarheit aufwirft. Wer viel verdient hat im Bereich von Hedge Fonds, an dem bleibt auch rechtlich gesehen einiges an Vorwürfen kleben (z.B. Quantum und Refco). Darüber kann und sollte der Leser sich in dem Werk selbst ein Bild machen.

Wer aber auf der Suche ist nach seiner eigenen Investmentstrategie und nicht den üblichen glatt gebürsteten Lebenslaufen hinterher laufen möchte, der findet in dem Werk nützliche Anregungen, wie man sich kurz- oder längerfristig mit seiner Geldanlage aufstellen kann.

Vor allem hat Jim Rogers die Welt selbst intensiv bereist, und das merkt man dem Buch auch an. Denn der Mensch wächst bekanntlich nicht mit der grauen Theorie, sondern anhand von spannenden, manchmal aber auch schmerzlichen Lebenserfahrungen.

Und viel Erlebtes jenseits von plumpen Anekdoten hat der Finanzexperte nun wirklich zu bieten. Jetzt, da er seinen Lebensmittelpunkt bereits seit 2007 nach Singapur in Asien verlegt und sein Haus in New York verkauft hat. Immerhin lernen so seine beiden Töchter von Kindesbeinen an Mandarin – und nicht das übliche „Börsenchinesisch“ an der Wallstreet, die eben mittlerweile auch nur eine unter vielen Straßen ist.

„Wenn man lernt, die eigenen Finanzen zu managen, gewinnt man ein greifbares Maß an Autonomie.“ (Seite 18)

Quelle: Jim Rogers, Die Wall Street ist auch nur eine Straße – Lektionen eines Investment-Rebellen, Finanzbuch Verlag, 2013.

Written by lochmaier

März 7, 2013 at 9:39 am

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Cebit trifft Code_n: Seedmatch startet Live-Crowdfunding zur Energiewende

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Geld gegen Rendite? Warum nicht gemeinsam spannende Umweltprojekte über das Internet finanzieren. Zahlreiche neue Crowdfunding-Plattformen für den Bereich der erneuerbaren Energien sind am Start. Auch auf der Code_n Area auf der Cebit. Dort startet heute ein Live-Crowdfunding. Seedmatch Gründer Jens-Uwe Sauer im Gespräch über die Zukunftsperspektiven der Energiewende von unten.

Den hohen Stellenwert von jungen Unternehmensgründern untermauert in dieser Woche die Computermesse Cebit. Dort präsentierten sich in Halle 16 immerhin 50 Green Tech Startups auf dem Innovationsforum Code_n. Das Besondere: Gemeinsam mit dem Crowdfunding-Portal Seedmatch gibt es einen Sonderpreis, inklusive einem Live-Crowdfunding bis zu 250.000 Euro für die beiden Gewinner Changers.com und Carzapp.

Clevere Umweltideen und Energiesparkonzepte dürften bald des Öfteren über ungewohnte Pfade ihre Karriere starten. Sich aktiv mit anderen Protagonisten via Internet zu vernetzen, lautet das Gebot der Stunde. Dies gilt nicht nur für den Carsharing-Spezialisten carzapp, der das Modell auf private Fahrzeughalter ausdehnt. Oder das Berliner Start up Changers.com, das ein intelligentes und mobiles Solarladegerät entwickelt hat, das zugleich den eingesparten CO2-Anteil misst.

Im Klartext: Die besten Umweltkonzepte finden künftig nicht nur bei Banken und Investoren neue Geldgeber, sondern auch breite Unterstützung im Netz, sofern die Internetgemeinde diese als attraktiv erachtet. Als Vorreiter für die neue Kapitalspritze zur „Energiewende von unten“ dienen Plattformen in Großbritannien und den USA.

Welche Zukunftsperspektiven sich mit dem Crowdfunding von Solar- und anderen Umweltprojekten verbindet, darüber habe ich mich mit Jens-Uwe Sauer von Seedmatch unterhalten, die heute auf der Cebit ein Live-Crowdfunding im Wert von 250.000 Euro starten.

Social Banking 2.0: Welche Erfolgschancen bieten Crowdfunding-Plattformen zur (dezentralen) Energiewende generell?

Jens-Uwe Sauer: Das Bewusstsein für diese Projekte wird geschärft. Durch Crowdfunding-Plattformen wird die Aufmerksamkeit auf eine Vielzahl von Nutzern bzw. Privatinvestoren gelenkt, die nun die Möglichkeit besitzen, aktiv die Energiewende mitzugestalten. Diese Teilöffentlichkeit wird somit gezielt informiert, was dazu führen kann, dass eine höhere Legitimation bzw. ein Bewusstsein für dieses Thema geschaffen wird.

SB 2.0: Inwieweit unterscheidet sich der internetbasierte Ansatz von der „klassischen“ Energiebeteiligung wie z.B. Genossenschaften (rechtlich, strukturell etc.)?

Der Mehrwert den Crowdfunding-Plattformen dabei liefern können ist, dass ein einheitlicher und transparenter Zugang zu diesen Angeboten geschaffen wird. Mit der Hilfe von Crowdfunding-Plattformen kann jeder an Projekten zur ökologischen Energiegewinnung teilhaben und vom wirtschaftlichen Wachstum dieser Projekte profitieren. Gleichzeitig wird diesen Projekten eine Plattform bereitgestellt, um bereits in einer frühen Phase Beteiligungskapital einzusammeln. 

SB 2.0: Wie sieht das konkret aus?

Beispielsweise haben junge Unternehmen bei Seedmatch die Möglichkeit, ihre Geschäftsidee vor mehr als 12.000 Investoren zu präsentieren. Zudem ist bei Seedmatch ein direkter Austausch mit den Gründern junger innovativer Unternehmen möglich. Crowdfunding-Plattformen sind somit meist wesentlich dialogorientierter und tragen ganzheitlich zum Beziehungsmanagement zwischen Investoren und Projektinhabern bei. Genossenschaften haben des Weiteren oft einen regionalen bzw. lokalen Focus, der mit Hilfe von Crowdfunding-Plattformen überwunden bzw. auf eine nationale Ebene erweitert werden kann. 

SB 2.0: Wie sieht es mit Tücken und Fallstricken aus?

Rechtlich können wir uns bei Seedmatch, auf das für jeden Investor einheitliche Vertragsmodell des partiarischen Nachrangdarlehens beziehen. Durch unsere geprüften, standardisierten Prozesse und Unterlagen haben wir für Investoren den bürokratischen Aufwand minimiert. Diese Art der Beteiligung ist einfach, kostengünstig und sicher für alle beteiligten Parteien. Entsprechend der Höhe der Höhe der Beteiligung sind Investoren an Gewinnausschüttungen beteiligt.

SB 2.0: Welches Potential bietet die „Energiewende von unten“, für welche Vorhaben und Marktsegmente eignet sich das Crowdfunding besonders?

Das Potential liegt vor allem in der Multiplikatorwirkung der Crowd. Dies zeigt sich beispielsweise, indem die Investoren selbst das Produkt nutzen und ihrem Netzwerk davon berichten – und so für diese Produkte oder Services Aufmerksamkeit im Markt schaffen. Damit treten sie als Markenbotschafter auf und können so Vertrauen in das Projekt und ein positives Image erzeugen. Es eignen sich vor allem Vorhaben und Marktsegmente, die sehr nutzerorientiert und direkt erlebbar sind. Das mobile und intelligente Solarmodul von Changers.com, welches die CO2-Einsparung misst und ermöglicht, mit der gespeicherten Energie mobile Endgeräte zu laden, ist ein gutes Beispiel. Generell sollte die Idee natürlich ausgereift und zukunftsweisend sein und ein fertiges Produkt bzw. eine Dienstleistung vorliegen. Nicht jedes Projekt ist grundsätzlich für ein Crowdfunding geeignet.

SB 2.0: Bieten derartige neue Geschäftsmodelle auch die Chance zu einer Renaissance der nachhaltigen regionalen Wertschöpfung, etwa via dezentrales Stadtwerkemodell?

Ganz nach dem Motto „Think global, act local“ besteht langfristig sicher die Chance, auf Städteebene Projekte umzusetzen. Dies ist natürlich vor allem durch zahlreiche Faktoren wie Stadtgröße und Umweltbewusstsein der Stadt bzw. der Bevölkerung verbunden. In Freiburg sind solche Projekte sicherlich einfacher zu realisieren, als in manchen anderen Städten in Deutschland. Generell ist Crowdfunding jedoch bisher ein sehr nationales Phänomen, die regionale Wertschöpfung, die durch Crowdfunding potentiell möglich ist, steckt sicher noch in den Kinderschuhen.

SB 2.0: Und ein Ausblick: Wo geht hier die Reise hin, steigen hier auch größere Investoren mit ein, oder bleibt das eher etwas für kleinere Vorhaben?

Langfristig kommt sicherlich niemand an der Energiewende vorbei. Investoren, die dies erkennen und auf wegweisende ökologische Projekte setzen, werden langfristig mit Ihren Investments vom Projektwachstum profitieren. Ein wichtiger Faktor, der an dieser Stelle nicht vernachlässigt werden darf, ist die Politik. Entwicklungen in diesem Bereich forcieren „Cleanthinking“ und werden in den kommenden Jahren sicher noch verschärft. Ein Grund mehr, warum auch größere Investoren nicht an Projekten der Energiewende vorbeikommen.

Wie beim Crowdfunding für Startups stehen auch hier die Renditechancen im Mittelpunkt. Wer sich via Crowdfunding an nachhaltigen Projekten beteiligt, setzt neben dem grünen Gedanken auf eine deutliche Vermehrung seines eingesetzten Kapitals.

Interview: Lothar Lochmaier

Written by lochmaier

März 6, 2013 at 8:05 am

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Social Trading (letzter Teil): Resonanzverstärker für deutsche Aktienkultur?

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Ehrlich gesagt mag ich den Begriff Aktienkultur nicht sehr. Denn er führt in die Irre. Meine These: Es gibt nur einen unternehmerischen Ansatz im Umgang mit Aktien, und genau deshalb meiden die meisten Bundesbürger dieses schwierige Terrain. Vor allem, weil wir in einem philosophisch vom Versorgungsdenken im Öffentlichen Dienst  geprägten Land leben.

Hinzu kommt: Die Aktienfonds der Anbieter verursachen hohe Kosten und sind oftmals Ladenhüter. Das bedeutet, wer erfolgreich sein will, muss sich fast hauptberuflich mit Aktien beschäftigen, muss sich mit der Chartanalyse ebenso beschäftigt haben wie mit der fundamentalen Unternehmensbewertung. Bietet hier das „Social Trading“ einen Ausweg, um die Bereitschaft, sich intensiv mit der Börse und der Aktienanlage zu beschäftigen?

Jein, lautet die salmonische Antwort. Deutlich wird die kontroverse Diskussion in den Leserkommentaren auf meinen Blogpost zum Pro- und Kontra der neuen Geschäftsmodelle hier:  Wikifolio & Co. wecken nur neue Illusionen

Auf dem Finanzblog Trendfund gibt es hierzu eine ganz aufschlussreiche Erläuterung:

„Social Trading kann dazu führen, dass wieder mehr über Finanzen und Börse diskutiert wird. Vielleicht eröffnen diese Plattformen eine neue Chance, dass der Durchschnittsdeutsche sich wieder mit dem Thema aktiv auseinander setzt. Denn schon seit langem hat Gesamtdeutschland, was den allgemeinen Bildungsstand im Bereich von Finanzen angeht, eine klare 6. Und dies durch alle Bildungsschichten. Akademiker machen hier keine Ausnahme.  Wieso, wir sind doch das kluge Volk der Sparer und haben die schwäbische Hausfrau als Vorbild, werden Sie sagen. Nur was ist klug daran, wenn man beim Sparen einen kontinuierlichen Realwertverlust erleidet und dann auch nicht mal merkt, wenn man durch die Hintertür enteignet wird ? Social Trading ist ein wichtiger Schritt zu Emanzipation der Anleger. Trades, Performance und Anlageentscheidungsgründe sind auf diesen Plattformen wesentlich transparenter als im Hinterstübchen der Fondsgesellschaften.“

Quelle: Finanzblog Trendfund.de

Was also lässt sich nach meiner mehrteiligen Serie zum Social Trading bilanzieren? Erstens: Auch die Anbieter müssen noch hart an sich arbeiten. Zweitens: Das Glas ist halb voll und nicht halb leer.  Leider fehlt hier die Haltung, dass eine “gescheiterte Idee” oftmals der Beginn und die Voraussetzung für den Erfolg danach ist. Oder wie Albert Einstein es (sinngemäß) einmal so formuliert hat:

“Die reinste Form des menschlichen Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert”.

Abschließend möchte ich noch auf die Replik von Eric Schreier auf dem Online Portal CFO World verweisen, der sich in erkenntnistheoretischer Hinsicht ebenfalls mit dem Phänomen Social Trading auseinandersetzt: Gemeinsam sind wir dümmer.

Fazit: Ein spannendes Thema, zu dem es leider oder glücklicherweise keine einsilbigen Antworten gibt. Denn man muss das Thema „Schwarmintelligenz“ differenziert je nach Anwendung betrachten. Eine theoretisch schlüssige Erkenntnis gibt es dazu bisher nicht. Meine These liegt zwischen Schwarz-Weiß-Malerei (dumme oder intelligente Massen), aber Fakt ist bei meiner beschriebenen Anwendung, dem Social Trading: An der Börse kommt man mit dem Herdentrieb nicht weit. Auch lässt sich das Crowdfunding  oder -investing-Modell nicht darauf übertragen. Jede Anwendung braucht ihre eigene maß geschneiderte Philosophie. 

Dennoch kann es natürlich systemtheoretisch betrachtet sinnvoll sein, von den Besten nicht nur zu lernen (sich also aktiv zu verbessern, gerade in der Geldanlage, eigene Wege selbst- und gesellschaftsverantwortlich zu beschreiten), sondern auch möglicherweise auf einer Plattform zur Börsenanlage den besten Tradern zu folgen und von diesen zu profitieren. Dabei handelt es sich aber um eine sich ständig verändernde „Zielscheibe“, siehe mein Bezug zum „Clasico“ Real versus Barca und den „Zielscheiben“ Ronaldo versus Messi.  

Abseits der obigen Diskussion finde ich es prima, wenn sich noch mehr Leute mit dem Thema beschäftigen, eine angeregte und durchaus kontroverse Debatte kann nicht schaden, gerade mit Blick auf neue Geschäftsmodelle wie das Crowdfunding und Social Trading, damit diese reifen können und sich weiter professionalisieren, mit oder ohne schlüssige Systemtheorie. Letztlich aber sollten nur mündige Anleger in solche Modelle einsteigen, die die Risiken und Chancen überblicken und bewerten können.

Abseits der üblichen BWL-lastigen Lee(h)rbücher kann ich hier den Lesern eine mal wirklich gute finanzsoziologische Forschungsarbeit ans Herz legen, die das Thema Umgang mit Geld fundiert und kreativ beleuchtet. Wer sich dafür Zeit nimmt, hat eine ebensolch theoretisch wie empirische Grundlage, um sich von der allgemeinen Stammtischdiskussion abzusetzen, was denn Motive, Bremser und Treiber in der sogenannten „deutschen Aktienkultur“ sind. Hier die Rahmendaten:  

Dr. Anke Wahl: Die Sprache des Geldes – Finanzmarktengagement zwischen Klassenlage und Lebensstil. Erhältlich z.B. hier via Amazon.

Written by lochmaier

März 3, 2013 at 10:04 am

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