Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Cebit trifft Code_n: Seedmatch startet Live-Crowdfunding zur Energiewende

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Geld gegen Rendite? Warum nicht gemeinsam spannende Umweltprojekte über das Internet finanzieren. Zahlreiche neue Crowdfunding-Plattformen für den Bereich der erneuerbaren Energien sind am Start. Auch auf der Code_n Area auf der Cebit. Dort startet heute ein Live-Crowdfunding. Seedmatch Gründer Jens-Uwe Sauer im Gespräch über die Zukunftsperspektiven der Energiewende von unten.

Den hohen Stellenwert von jungen Unternehmensgründern untermauert in dieser Woche die Computermesse Cebit. Dort präsentierten sich in Halle 16 immerhin 50 Green Tech Startups auf dem Innovationsforum Code_n. Das Besondere: Gemeinsam mit dem Crowdfunding-Portal Seedmatch gibt es einen Sonderpreis, inklusive einem Live-Crowdfunding bis zu 250.000 Euro für die beiden Gewinner Changers.com und Carzapp.

Clevere Umweltideen und Energiesparkonzepte dürften bald des Öfteren über ungewohnte Pfade ihre Karriere starten. Sich aktiv mit anderen Protagonisten via Internet zu vernetzen, lautet das Gebot der Stunde. Dies gilt nicht nur für den Carsharing-Spezialisten carzapp, der das Modell auf private Fahrzeughalter ausdehnt. Oder das Berliner Start up Changers.com, das ein intelligentes und mobiles Solarladegerät entwickelt hat, das zugleich den eingesparten CO2-Anteil misst.

Im Klartext: Die besten Umweltkonzepte finden künftig nicht nur bei Banken und Investoren neue Geldgeber, sondern auch breite Unterstützung im Netz, sofern die Internetgemeinde diese als attraktiv erachtet. Als Vorreiter für die neue Kapitalspritze zur „Energiewende von unten“ dienen Plattformen in Großbritannien und den USA.

Welche Zukunftsperspektiven sich mit dem Crowdfunding von Solar- und anderen Umweltprojekten verbindet, darüber habe ich mich mit Jens-Uwe Sauer von Seedmatch unterhalten, die heute auf der Cebit ein Live-Crowdfunding im Wert von 250.000 Euro starten.

Social Banking 2.0: Welche Erfolgschancen bieten Crowdfunding-Plattformen zur (dezentralen) Energiewende generell?

Jens-Uwe Sauer: Das Bewusstsein für diese Projekte wird geschärft. Durch Crowdfunding-Plattformen wird die Aufmerksamkeit auf eine Vielzahl von Nutzern bzw. Privatinvestoren gelenkt, die nun die Möglichkeit besitzen, aktiv die Energiewende mitzugestalten. Diese Teilöffentlichkeit wird somit gezielt informiert, was dazu führen kann, dass eine höhere Legitimation bzw. ein Bewusstsein für dieses Thema geschaffen wird.

SB 2.0: Inwieweit unterscheidet sich der internetbasierte Ansatz von der „klassischen“ Energiebeteiligung wie z.B. Genossenschaften (rechtlich, strukturell etc.)?

Der Mehrwert den Crowdfunding-Plattformen dabei liefern können ist, dass ein einheitlicher und transparenter Zugang zu diesen Angeboten geschaffen wird. Mit der Hilfe von Crowdfunding-Plattformen kann jeder an Projekten zur ökologischen Energiegewinnung teilhaben und vom wirtschaftlichen Wachstum dieser Projekte profitieren. Gleichzeitig wird diesen Projekten eine Plattform bereitgestellt, um bereits in einer frühen Phase Beteiligungskapital einzusammeln. 

SB 2.0: Wie sieht das konkret aus?

Beispielsweise haben junge Unternehmen bei Seedmatch die Möglichkeit, ihre Geschäftsidee vor mehr als 12.000 Investoren zu präsentieren. Zudem ist bei Seedmatch ein direkter Austausch mit den Gründern junger innovativer Unternehmen möglich. Crowdfunding-Plattformen sind somit meist wesentlich dialogorientierter und tragen ganzheitlich zum Beziehungsmanagement zwischen Investoren und Projektinhabern bei. Genossenschaften haben des Weiteren oft einen regionalen bzw. lokalen Focus, der mit Hilfe von Crowdfunding-Plattformen überwunden bzw. auf eine nationale Ebene erweitert werden kann. 

SB 2.0: Wie sieht es mit Tücken und Fallstricken aus?

Rechtlich können wir uns bei Seedmatch, auf das für jeden Investor einheitliche Vertragsmodell des partiarischen Nachrangdarlehens beziehen. Durch unsere geprüften, standardisierten Prozesse und Unterlagen haben wir für Investoren den bürokratischen Aufwand minimiert. Diese Art der Beteiligung ist einfach, kostengünstig und sicher für alle beteiligten Parteien. Entsprechend der Höhe der Höhe der Beteiligung sind Investoren an Gewinnausschüttungen beteiligt.

SB 2.0: Welches Potential bietet die „Energiewende von unten“, für welche Vorhaben und Marktsegmente eignet sich das Crowdfunding besonders?

Das Potential liegt vor allem in der Multiplikatorwirkung der Crowd. Dies zeigt sich beispielsweise, indem die Investoren selbst das Produkt nutzen und ihrem Netzwerk davon berichten – und so für diese Produkte oder Services Aufmerksamkeit im Markt schaffen. Damit treten sie als Markenbotschafter auf und können so Vertrauen in das Projekt und ein positives Image erzeugen. Es eignen sich vor allem Vorhaben und Marktsegmente, die sehr nutzerorientiert und direkt erlebbar sind. Das mobile und intelligente Solarmodul von Changers.com, welches die CO2-Einsparung misst und ermöglicht, mit der gespeicherten Energie mobile Endgeräte zu laden, ist ein gutes Beispiel. Generell sollte die Idee natürlich ausgereift und zukunftsweisend sein und ein fertiges Produkt bzw. eine Dienstleistung vorliegen. Nicht jedes Projekt ist grundsätzlich für ein Crowdfunding geeignet.

SB 2.0: Bieten derartige neue Geschäftsmodelle auch die Chance zu einer Renaissance der nachhaltigen regionalen Wertschöpfung, etwa via dezentrales Stadtwerkemodell?

Ganz nach dem Motto „Think global, act local“ besteht langfristig sicher die Chance, auf Städteebene Projekte umzusetzen. Dies ist natürlich vor allem durch zahlreiche Faktoren wie Stadtgröße und Umweltbewusstsein der Stadt bzw. der Bevölkerung verbunden. In Freiburg sind solche Projekte sicherlich einfacher zu realisieren, als in manchen anderen Städten in Deutschland. Generell ist Crowdfunding jedoch bisher ein sehr nationales Phänomen, die regionale Wertschöpfung, die durch Crowdfunding potentiell möglich ist, steckt sicher noch in den Kinderschuhen.

SB 2.0: Und ein Ausblick: Wo geht hier die Reise hin, steigen hier auch größere Investoren mit ein, oder bleibt das eher etwas für kleinere Vorhaben?

Langfristig kommt sicherlich niemand an der Energiewende vorbei. Investoren, die dies erkennen und auf wegweisende ökologische Projekte setzen, werden langfristig mit Ihren Investments vom Projektwachstum profitieren. Ein wichtiger Faktor, der an dieser Stelle nicht vernachlässigt werden darf, ist die Politik. Entwicklungen in diesem Bereich forcieren „Cleanthinking“ und werden in den kommenden Jahren sicher noch verschärft. Ein Grund mehr, warum auch größere Investoren nicht an Projekten der Energiewende vorbeikommen.

Wie beim Crowdfunding für Startups stehen auch hier die Renditechancen im Mittelpunkt. Wer sich via Crowdfunding an nachhaltigen Projekten beteiligt, setzt neben dem grünen Gedanken auf eine deutliche Vermehrung seines eingesetzten Kapitals.

Interview: Lothar Lochmaier

Written by lochmaier

März 6, 2013 um 8:05 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. Reblogged this on im Zuge der Zeit.

    greich

    März 6, 2013 at 8:35 am


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