Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Social Trading (letzter Teil): Resonanzverstärker für deutsche Aktienkultur?

leave a comment »

Ehrlich gesagt mag ich den Begriff Aktienkultur nicht sehr. Denn er führt in die Irre. Meine These: Es gibt nur einen unternehmerischen Ansatz im Umgang mit Aktien, und genau deshalb meiden die meisten Bundesbürger dieses schwierige Terrain. Vor allem, weil wir in einem philosophisch vom Versorgungsdenken im Öffentlichen Dienst  geprägten Land leben.

Hinzu kommt: Die Aktienfonds der Anbieter verursachen hohe Kosten und sind oftmals Ladenhüter. Das bedeutet, wer erfolgreich sein will, muss sich fast hauptberuflich mit Aktien beschäftigen, muss sich mit der Chartanalyse ebenso beschäftigt haben wie mit der fundamentalen Unternehmensbewertung. Bietet hier das „Social Trading“ einen Ausweg, um die Bereitschaft, sich intensiv mit der Börse und der Aktienanlage zu beschäftigen?

Jein, lautet die salmonische Antwort. Deutlich wird die kontroverse Diskussion in den Leserkommentaren auf meinen Blogpost zum Pro- und Kontra der neuen Geschäftsmodelle hier:  Wikifolio & Co. wecken nur neue Illusionen

Auf dem Finanzblog Trendfund gibt es hierzu eine ganz aufschlussreiche Erläuterung:

„Social Trading kann dazu führen, dass wieder mehr über Finanzen und Börse diskutiert wird. Vielleicht eröffnen diese Plattformen eine neue Chance, dass der Durchschnittsdeutsche sich wieder mit dem Thema aktiv auseinander setzt. Denn schon seit langem hat Gesamtdeutschland, was den allgemeinen Bildungsstand im Bereich von Finanzen angeht, eine klare 6. Und dies durch alle Bildungsschichten. Akademiker machen hier keine Ausnahme.  Wieso, wir sind doch das kluge Volk der Sparer und haben die schwäbische Hausfrau als Vorbild, werden Sie sagen. Nur was ist klug daran, wenn man beim Sparen einen kontinuierlichen Realwertverlust erleidet und dann auch nicht mal merkt, wenn man durch die Hintertür enteignet wird ? Social Trading ist ein wichtiger Schritt zu Emanzipation der Anleger. Trades, Performance und Anlageentscheidungsgründe sind auf diesen Plattformen wesentlich transparenter als im Hinterstübchen der Fondsgesellschaften.“

Quelle: Finanzblog Trendfund.de

Was also lässt sich nach meiner mehrteiligen Serie zum Social Trading bilanzieren? Erstens: Auch die Anbieter müssen noch hart an sich arbeiten. Zweitens: Das Glas ist halb voll und nicht halb leer.  Leider fehlt hier die Haltung, dass eine “gescheiterte Idee” oftmals der Beginn und die Voraussetzung für den Erfolg danach ist. Oder wie Albert Einstein es (sinngemäß) einmal so formuliert hat:

“Die reinste Form des menschlichen Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert”.

Abschließend möchte ich noch auf die Replik von Eric Schreier auf dem Online Portal CFO World verweisen, der sich in erkenntnistheoretischer Hinsicht ebenfalls mit dem Phänomen Social Trading auseinandersetzt: Gemeinsam sind wir dümmer.

Fazit: Ein spannendes Thema, zu dem es leider oder glücklicherweise keine einsilbigen Antworten gibt. Denn man muss das Thema „Schwarmintelligenz“ differenziert je nach Anwendung betrachten. Eine theoretisch schlüssige Erkenntnis gibt es dazu bisher nicht. Meine These liegt zwischen Schwarz-Weiß-Malerei (dumme oder intelligente Massen), aber Fakt ist bei meiner beschriebenen Anwendung, dem Social Trading: An der Börse kommt man mit dem Herdentrieb nicht weit. Auch lässt sich das Crowdfunding  oder -investing-Modell nicht darauf übertragen. Jede Anwendung braucht ihre eigene maß geschneiderte Philosophie. 

Dennoch kann es natürlich systemtheoretisch betrachtet sinnvoll sein, von den Besten nicht nur zu lernen (sich also aktiv zu verbessern, gerade in der Geldanlage, eigene Wege selbst- und gesellschaftsverantwortlich zu beschreiten), sondern auch möglicherweise auf einer Plattform zur Börsenanlage den besten Tradern zu folgen und von diesen zu profitieren. Dabei handelt es sich aber um eine sich ständig verändernde „Zielscheibe“, siehe mein Bezug zum „Clasico“ Real versus Barca und den „Zielscheiben“ Ronaldo versus Messi.  

Abseits der obigen Diskussion finde ich es prima, wenn sich noch mehr Leute mit dem Thema beschäftigen, eine angeregte und durchaus kontroverse Debatte kann nicht schaden, gerade mit Blick auf neue Geschäftsmodelle wie das Crowdfunding und Social Trading, damit diese reifen können und sich weiter professionalisieren, mit oder ohne schlüssige Systemtheorie. Letztlich aber sollten nur mündige Anleger in solche Modelle einsteigen, die die Risiken und Chancen überblicken und bewerten können.

Abseits der üblichen BWL-lastigen Lee(h)rbücher kann ich hier den Lesern eine mal wirklich gute finanzsoziologische Forschungsarbeit ans Herz legen, die das Thema Umgang mit Geld fundiert und kreativ beleuchtet. Wer sich dafür Zeit nimmt, hat eine ebensolch theoretisch wie empirische Grundlage, um sich von der allgemeinen Stammtischdiskussion abzusetzen, was denn Motive, Bremser und Treiber in der sogenannten „deutschen Aktienkultur“ sind. Hier die Rahmendaten:  

Dr. Anke Wahl: Die Sprache des Geldes – Finanzmarktengagement zwischen Klassenlage und Lebensstil. Erhältlich z.B. hier via Amazon.

Written by lochmaier

März 3, 2013 um 10:04 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: