Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Social Trading (Teil VII): Lionel Messi und die Schwarmintelligenz

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Was hat die kollektive Schwarmintelligenz an den Aktienmärkten mit dem Fußballstar Lionel Messi gemein? Vor allem das hier: Beim hoch selektiven Social Trading setzen sich nur die Besten durch. Der Rest landet auf der Ersatzbank.

Nicht jeder „Trade“ kann aufgehen: Als Lionel Messi im Fußball-Klassiker gestern abend zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid in der zweiten Minute das Tor leider nicht traf, war das Schicksal der Katalanen besiegelt. Real Madrid gewann 3:1. So schnell kann sich das Schicksal wenden, zuvor noch auf der Siegerstraße, plötzlich steht man vor dem Abgrund. Nach dieser mehr oder minder symbolischen Einleitung sind wir beim Thema dieses Beitrags. Oder im Jargon der Fußballwetten ausgedrückt: Hätte man doch besser auf Christiano Ronaldo gesetzt. Schnell landet man auch als Star auf der Ersatzbank. 

Im vorletzten Teil der Serie über das Social Trading steht die „Preisfrage“ im Mittelpunkt: Sind die neuen Modelle aus der interaktiven Welt des „sozialen“ Aktienuniversums tatsächlich eine wirtschaftlich solide Alternative zum großen Blendwerk in der Finanzindustrie, bei dem zweifellos die Gebühren für die Anbieter – und nicht der Mehrwert für den Käufer – im Vordergrund steht? Wo also verläuft die Grenzlinie jenseits von Schwarz- und Weiß-Malerei?

 Anders ausgedrückt: Kann es für einen durchschnittlichen Anleger überhaupt ein realistisches Ziel sein, mithilfe einer finanziellen Interessengemeinschaft wie ein professioneller Börsenakteur an den Kapitalmärkten zu handeln – und damit über einen längeren Zeitraum erfolgreich zu sein? Wieso sollte gerade die „Masse“ besser sein als neun von zehn Fondsmanagern, die den Markt ebenfalls nicht schlagen? Um es gleich zu sagen: Es gibt noch keine überzeugenden Antworten auf diese Frage.

Blicken wir zunächst auf die „Sollseite“ der finanziellen Schwarmintelligenz: Das Risiko besteht darin, dass eine höher frequentierte Social Trading Plattform auch dazu benutzt wird, bewusst oder unbewusst die Kurse in die eine oder andere Richtung zu beeinflussen. Indes erscheint diese Gefahr erst real, wenn die Reichweite einzelner Betreiber im Netz groß genug wäre, um signifikante Bewegungen an den Börsenhebeln auszulösen, ähnlich wie dies professionelle Spamversender durch manipulierte Kauf- oder Verkaufsempfehlungen tun.

Anders ausgedrückt: Marktbeherrschende Strukturen wären gerade bei kapitalmarktorientierten Börsenportalen nachteilig. Je verteilter und dezentraler die kollektive Schwarmintelligenz an den Kapitalmärkten operierte, je weniger sich neue Monopole der Informationsverteilung herausbildeten, umso geringer fiele das Risiko von gravierenden Fehlentwicklungen aus. Die Praxis schlägt jedoch auch hier die graue Theorie.

Forschung zum Herdentrieb an der Börse

Andererseits schenken viele Anleger einer Empfehlung erst dann wirklich Glauben, wenn die Zahl derjenigen groß genug ist, die einem konkreten Tipp(geber) Folge leisten. Die Herausforderung besteht also darin, den „Herdentrieb“ produktiv zu bewältigen. Denn an der Börse gewinnt nicht derjenige, der der Masse folgt, sondern nur jener, der das Verhalten anderer Anleger möglichst genau reflektiert, erkennt und konsequent für sich ausnutzt.

Kurzum, jede relevante Information muss gegen den Strich gebürstet sein. Folglich muss sich der „Social Trader“ gegen die „kollektive Schwarmintelligenz“ stellen, um nachhaltig erfolgreich zu sein. Zumal auch die verhaltensorientierte Kapitalmarktforschung bestätigt, dass rund drei Viertel aller an der Börse aktiven Privatanleger bei dem Versuch scheitern, dort über einen längeren Zeitraum erfolgreich zu sein.

Die Herausforderung steckt deshalb im Kleingedruckten: Die „Weisheit der Vielen“ wäre so zu kondensieren, dass daraus zuverlässige Prognosen und aussagekräftige Entscheidungsgrundlagen entstehen. Einen theoretisch schlüssigen Erklärungsansatz gibt es hierzu nicht. Bislang sind „technisch-soziale“ Aspekte des Marktversagens oder –erfolgs im Zuge von „Herdenverhalten“ und anderen Marktverzerrenden Effekten in keinem Prognosemodell erfasst, damit sich Vorhersagen als wirklich belastbar und somit beliebig reproduzierbar erweisen.

Das Erfolgsprinzip Lionel Messi

Blicken wir aber positiv nach vorne. Denn andererseits ist der Lerneffekt im Turbogang durch Social Trading beachtlich. Das Prinzip, nur „von den besten Aktienhändlern“ zu lernen, um von deren Performance zu profitieren, kann mittelfristig durchaus Erfolg versprechend sein. Aber: Nicht der Breiten-, sondern der Spitzensport gibt hier den Ton an.

Dies bedeutet eine harte Marktauslese der Besten, quasi im Minuten- und Stundentakt. Ein heute noch erfolgreicher privater Tippgeber kann morgen schon wieder draußen vor der Türe stehen. Nur wenn der Mannschaftscoach, also der Social Trading Plattformbetreiber, die besten Spieler bei „Versagen“ sofort austauscht, sich diese also fortlaufend behaupten müssen, lässt sich eine überdurchschnittliche Performance zum Wohle des finanziellen Schwarms erzielen.

Es ist wie bei den besten Profivereinen im weltweiten Fußballzirkus: Es gibt heutzutage für niemanden mehr eine Garantie auf einen Stammplatz. Heute noch kann der erfolgreiche Aktienhändler ein von den Massen frenetisch gefeierter Star sein, wie beim FC Barcelona beispielsweise der argentinische Supertorjäger Lionel Messi. Und beim nächsten Spiel sitzt der zuvor noch Umjubelte dann plötzlich wegen ein paar misslungenen Aktionen auf der Ersatzbank.

Fazit: Ungeachtet von theoretischen Modellen professionalisieren sich bei gleichzeitig harter Marktauslese die Social Trading Plattformen weiter. Fest steht aber auch: Ohne entsprechend große Kundenzahl und relativ konstante Einlagenvolumina bleibt es beim fragmentierten Hobbycharakter der Empfehlungsportale, denen letztlich die Reichweite für ein konzeptionell schlüssiges und gleichsam profitables Geschäftsmodell fehlt. Dabei muss es jedoch nicht bleiben, denn der Gang zum Investmentfonds mit überzogenen Gebühren ist nicht unbedingt die bessere Alternative.

Written by lochmaier

Februar 27, 2013 um 7:41 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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