Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Sparkassen: Bankfiliale sterben lassen, Internet forcieren?

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Die Sparkassen sind wie die Volks- und Raiffeisenbanken im Zwiespalt. Einerseits verfügen sie über ein – in den letzten Jahren allerdings erheblich ausgedünntes – Filialnetz. Andererseits sind sie durch steigenden Innovationsdruck dazu aufgefordert, sich für die Herausforderungen im Online- und Mobile Banking zukunftsweisend aufzustellen. Doch wie kann das geschehen, wenn das Internet doch meist immer noch als „vorübergehende Zeiterscheinung“ gebrandmarkt wird?

Der neue Präsident vom Deutschen Sparkassenverband (DSGV) Georg Fahrenschon war früher mal bayerischer Finanzminister. Wenn ich mich richtig erinnere, hat er in dieser Eigenschaft schon mal der Fidor Bank in München, einem auf dem Web 2.0 aufbauenden neuen Finanzdienstleister, einen Besuch abgestattet oder die Geschäftsführer zumindest getroffen und kennen gelernt. 

Bislang konnte man sich in der Chefetage der Sparkassenwelt damit trösten, dass neue Himmelsstürmer wie eben die Fidor Bank nicht so recht der große Erfolg gelingen mag. Trotzdem, und das aus gutem Grund, fürchtet man das Netz wie der Teufel das Weihwasser.

Denn nun geht der neue Sparkassenverbandschef in die Offensive. Man könnte das auch Flucht nach vorne nennen, wenn man ein Phänomen nicht bekämpfen kann, mache es doch zu deinem besten neuen Freund. In mehreren Interviews, so auch vergangene Woche auf der Handelsblatt-Tagung „Sparkassen“, zu der selbiges prägnant titelte: Der Sparkassen-Präsident umarmt das Netz.  Tut er das wirklich?

Stellt man die Aussagen genauer auf den Prüfstand, so wird die ganze „strukturelle Ambivalenz“ des Themas aus Sicht der Sparkassen deutlich.

– Sollen wir das Internet wirklich lieben lernen, wo es unser eigentliches Geschäftsmodell der Filialen doch aushöhlt und torpediert?

– Sollen wir uns wirklich entschlossen auf das Netz zubewegen, wo doch die Beratung der internetbasierten Information immer einen Schritt voraus ist?

– Sollen wir wirklich neue Kanäle öffnen, um den direkten Dialog mit den Verbrauchern aufzunehmen und unsere Marke jenseits der „0815-Filiale“ neu erfinden?

Das sind spannende Fragen, auf die es derzeit aber leider noch keine überzeugende Antwort gibt.

Ein Grund mehr, also darüber zu reden, dass in der neuen Bankenwelt zunehmend der Kunde die Regie übernimmt. Zum Beispiel in meiner Keynote auf dem Sparkassen Finanzportal Forum 2013 in Düsseldorf am 20. März, unter der Überschrift: Die Bank sind wir – der Kunde gibt den Takt vor.

Zum vollständigen Programm geht es hier. Und tatsächlich, die Tonart ist rauer geworden, aber mit dem richtigen Taktstock lässt sich auch diese Crossover-Komposition erfolgreich meistern. Mit einer Einschränkung: Sofern die Produkte stimmen. Also nur dann, wenn die ewigen Beharrer eines aus der Mode gekommenen Zeitgeistes sich eingestehen, dass den Mutigen die Zukunft gehört. Denn:

– Alte Hits im Bankgeschäft zünden nicht mehr
 
– Neue Musikstile etablieren sich am Markt
 
– Der “Online-Beat” schlägt die Bankfiliale um Längen (auch wenn einige dies nicht wahr haben wollen)
 
– Deshalb sollten Banken und Sparkassen neue Songs komponieren, statt nur in alten Evergreens und vergangenen Zeiten zu schwelgen.    
 
Passend zu diesem spannenden Thema starte ich hier in den kommenden Wochen auf Social Banking 2.0 eine mehrteilige Serie zum Thema Social Media in der Finanzkommunikation. Konstruktive Anregungen und Kommentare jenseits von plumper Schwarz-Weiß-Malerei sind wie immer gerne willkommen.   
 
 

Written by lochmaier

Februar 25, 2013 um 2:48 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. Gerade das Internet und Social Media bieten regionalen Unternehmen (und Banken) tolle Marketing und Vertriebsmodelle. Dies fängt natürlich dabei an, erst einmal mit seinen Produkten online präsent zu sein. Gerade Sparkassen haben ja auch konkurrenzfähige Produkte wie kostenlose Giorokonten oder sehr günstige Mietkautionen – nur da fast keine Sparkasse dies kundtut, weiß dies online auch niemand. Auch Vergleiche und Rechner bspw. mit Regionalisierungsfunktionen könnte jede Sparkasse verwenden, um neue Kunden in ihrem Einzugsgebiet zu gewinnen. Dann verknüpft man dies noch mit Weiterempfehlungen eigenen Kunden über Social Media und die Sache ist rund. Daher verstehe ich immer noch nicht warum Sparkassen nichts online tun – los geht es.

    Daniel Bödger

    Februar 25, 2013 at 2:57 pm


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