Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Zukunftsforschung: Neues aus der Energiewende von unten

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In diesem Beitrag beschäftige ich mit der „Energiewende von unten“. Bevor ich weiter unten meine Gedanken ausführlicher skizziere, was ich unter diesem keineswegs wissenschaftlich abgeklärten Begriff verstehe, ein paar lebendige Beispiele aus der Praxis meiner letzten Kolumnen, die ich im Wallstreet Journal Deutschland veröffentlicht habe  … 

Crowdfunding: Mit „LeihDeinerUmweltGeld“ ist in Deutschland eine Crowdfunding-Plattform im Bereich der erneuerbaren Energien gestartet. Die Idee: Menschen versammeln sich im Netz, um Wind- oder Solarprojekte mit Hilfe eines Kredites zu finanzieren.

Mehr dazu in meiner Kolumne im WSJD. [image]

Energiegenossenschaften: Im November des vergangenen Jahres herrscht in der Hauptstadt am Pariser Platz Aufbruchstimmung. Beim ersten Bundestreffen der deutschen Energiegenossenschaften dreht sich im Haus der DZ Bank alles um die dezentral und genossenschaftlich gestaltete Energiewende. Laut Angaben des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes (DGRV) gründen sich in Deutschland inzwischen jede Woche drei neue Energiegenossenschaften.

Mehr dazu in meiner Kolumne im WSJD. [image][image]

Bürgerenergiewende: Die Rekommunalisierung der Energieversorgung liegt im Trend. In Berlin und Hamburg gehen Bürgerinitiativen derzeit auf Stimmenfang, um die Wähler zeitgleich zur Bundestagswahl über die Gründung eines landeseigenen Stadtwerkes abstimmen zu lassen.

Mehr dazu in meiner Kolumne im WSJD[image][image][image]

Was ist nun unter der „Energiewende von unten“ zu verstehen. Dazu hole ich etwas weiter aus. Kürzlich stritten der Verwaltungsratsvorsitzende von Google Eric Schmidt und der Mitgründer des Internet-Bezahldienstes Paypal Peter Thiel über die Frage, ob und wie die Technik unser Leben in den vergangenen dreißig Jahren verbessert hat. Wirtschaftliche Veränderungen gab es in dieser Zeit viele. Eine klare Antwort blieben aber beide Protagonisten schuldig.

Was waren denn die Top-Innovationen der letzten Jahrzehnte? Vielleicht die Windenergie, das Internet, soziale Netzwerke, oder ist der nächste Meilenstein das Crowdfunding, mit dessen Hilfe sich Menschen an Projekten global finanziell beteiligen. Die Meinungen darüber gehen weit auseinander. Die Frage der nächsten „Killerapplikation“ für die Herausforderung im 21. Jahrhundert steht noch aus. Wie wäre es mit der Energiewende?

Ein bisschen mehr Elektromobilität mit grauem Strom wird dazu nicht ausreichen. Bedeutsamer scheint die Frage, welche Geschäftsmodelle radikal mit alt gewohnten Traditionen in der Ökonomie brechen und das nächste Ausrufezeichen setzen. Es ist eine spannende Entwicklung, der ich seit zwei Jahrzehnten als journalistischer Berichterstatter in unterschiedlichen Facetten nachgehe.

Kritische Zeitgeister fragen sich seit längerem: Gibt es irgendetwas, was die Wirtschaft vom Kopf auf die Füße stellt? Fest steht nur, das letzte Wort in der Definitionsfrage zum wirtschaftlichen Fortschritt ist noch nicht gesprochen. Denn die reine wirtschaftliche Heilslehre hat sich als leeres Versprechen erwiesen, gerade mit Blick auf die Frage, wie wir – umweltgerecht – Lebensqualität und Produktivität heute definieren sollen.

Das Fazit von Ökonomen und Journalisten zur Frage, ob die Menschheit auf dem richtigen Fortschrittskurs liegt, fällt deshalb so bunt und schrill aus wie ein vielstimmiger Chor, dem es an einem Dirigenten fehlt. Vordergründig scheint alles im Lot. Der Wohlstand in den Industrienationen hat in den vergangenen drei Jahrzehnten weiter zugenommen, ebenso wie eine sich formierende Mittelschicht in den Schwellenländern zumindest teilweise den sozialen Aufstieg geschafft hat.

All dies haben wir jedoch mit dem Preis eines hohen ökologischen Begleitschadens bezahlt, dessen globales Ausmaß erst in den letzten Jahren im Zuge der Finanz- und Staatsschuldenkrise so richtig sichtbar geworden ist. Dadurch sortiert sich die wirtschaftliche Agenda neu, oder genauer, die nächste gut ausgebildete Generation wird das alte Regelwerk umschreiben (müssen).

An der wirtschaftlichen Schnittstelle zwischen Informationstechnologie, Energie und der Finanzwelt wächst dabei zusammen, was längst zusammen gehört. Wo sind denn produktive „Energiewandler“ auszumachen? Die Herkulesaufgabe der Energiewende soll gleichermaßen von oben und unten gestaltet sein. Die erfolgreiche Umsetzung lässt sich allerdings nicht allein am Stromspreis festmachen. Dazu braucht es deutlich mehr als ein paar intelligente, aber leider teure, direkt mit dem Internet vernetzte Stromzähler, so genannte Smart Grids.

Hier zeigt sich jenseits einer blassen ökonomischen Spieltheorie der dynamische Wandel. Der gesellschaftliche Innovationsprozess in seinen vielfältigen Formen und Spielarten, er wird nicht allein von oben orchestriert, mit dem Wahlvolk als billigen Statisten. Nicht wenige Menschen mischen sich in das Räderwerk ein. Sie möchten plötzlich nicht nur mitreden, sondern auch mit gestalten und selbst anpacken.

Allmählich kristallisiert sich eine Botschaft heraus: Die Technik ist – positiv betrachtet natürlich – das Transportmittel für produktive Veränderungen. Die Wirtschaft ist pure Energie, wenn sie auf vernünftigen, ökologisch kompatiblen Prinzipien basiert. Und die große und kleine Welt der Finanzen ist ihr nicht wegzudenkender Treibstoff, um den „sozial-ökologischen“ Kreislauf zu speisen und aufrecht zu erhalten.

Nachhaltigkeit und nicht allein blinder Fortschrittsglaube sollte das Ziel sein, wenn es darum geht, der „Realwirtschaft“ neue Impulse zu geben. Real ist für mich jenseits einer unübersichtlichen Ökonomiedebatte all das, was nicht wie ein Krebsgeschwür den gesunden Organismus überwuchert und schleichend zerstört. Der Mensch selbst ist das einzige volkswirtschaftliche Korrektiv gegen Exzesse jeder Art. Was also passiert da draußen?

Das Kleine wird größer, und das Große schrumpft in seiner Bedeutung. Dezentrale Energieversorgungskonzepte gewinnen an Einfluss, neue auch finanzielle Beteiligungsvarianten in der Energiewende von unten durch die Bürger prosperieren. Die großen Spieler können sich den Geist der Ignoranz nicht mehr so leicht erlauben. Smarte IT-Technologien und rasche Interaktionsintervalle übers Netz verändern die Wirtschaft. Nicht über Nacht, aber allmählich.

Hier also meine bescheidene kleine Definition: Die „Energiewende von unten“ gibt die Macht am Stromzähler direkt an den Verbraucher weiter. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wer die Beiträge oben gelesen hat, der dürfte allmählich verstehen, dass wir uns hier mitten in einer spannenden Entwicklung befinden, die auch zahlreiche neue Finanzierungskonzepte generieren wird.

Written by lochmaier

Februar 24, 2013 um 2:46 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

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