Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Social Trading (Teil V): Markttrends, Akteure und Strukturen

leave a comment »

So sieht die zeitliche Reihenfolge von einigen der bekannteren Social Trading Plattformen weltweit und in Deutschland aus: Tradency (2005), Zulutrade (2006), eToro (2007, bzw. Copy Trader ab 2010), Currensee (2008), Ayondo (2009), Investtor (2010), Wikifolio (2012). Darunter befinden sich zahlreiche Gründerideen, wie jene der Spekunauten, die heimlich, still und leise wieder aus dem Markt ausgeschieden sind.

Bei letzteren verschwand die Idee, eine über die sozialen Medien gut vernetzte Börsencommunity zu etablieren, wieder sang- und klanglos, noch bevor sie sich am Markt etablieren konnte. In diesem Fall ist der letzte Blogeintrag am 30.08.2011 datiert.

Andere ebenfalls unmittelbar nach der Finanzkrise im Jahr 2009 gestartete Vorreiter ereilte das gleiche Schicksal, wie die einheimischen Startups Tradingbird und Stockflock. Rasche Abgänge gibt es aber auch in den USA zu verzeichnen, wo spezialisierte Aktien-Communities wie Zoodak, Marcetocracy oder Socialpicks ein vollständig selbst verwaltetes Modell im privaten Börsennetzwerk anstrebten. Auf dem Online-Portal Zoodak etwa konnten Nutzer ihre Aktien-Portfolios verwalten und sich mit Anderen aus-tauschen, Aktienkurse prognostizieren und Geldpreise gewinnen.

Der selbst formulierte Anspruch der Plattformen lautete: Von den besten Anlegern lernen, um so ganz nebenbei als Plattformbetreiber selbst erfolgreich zu sein. Der große Durchbruch lässt bislang auf sich warten. Warum, das analysiere ich im nächsten Beitrag. Dem bereits im Jahr 2007 gestarteten Startup Cake Financial gelang zumindest der erfolgreiche Exit. Drei Jahre nach Gründung wurde das Unternehmen vom Online Broker E-Trade kurzerhand erfolgreich geschluckt. Auch so kann zumindest der kleine Wurf aussehen.

Blicken wir auf die Riege der wenigen „Überlebenden“ am Markt, die sich jedoch von der ursprünglich verfolgten „sozialen Netzwerkidee“ meist weitgehend verabschiedet haben, um sich längerfristig zu etablieren. Kurzum: Auf das „soziale Drumherum“ mit Twitter und Facebook verzichten private Investoren nur allzu gerne, wenn sie dafür mit Hilfe eines teilautomatisierten hybriden Handelssystems zwischen Mensch und Maschine offenbar erfolgreicher agieren.

Ein Beleg für diesen Trend sind amerikanische Plattformen wie Tradency, die neue Kooperationen eingehen, die nur noch wenig mit dem sozialen Charme einer virtuellen Börsengemeinschaft von privaten Anlegern zu tun haben.

Die Tendenz geht hier, wie auch am Beispiel von Zulutrade zu erkennen, eindeutig in Richtung exklusive Netzwerkvermarktung, teilweise auch in die Riege der institutionellen Marktakteure hinein. Der Rest darf hoffen, als White Label Anbieter aufgekauft zu werden. Als ein Vorreiter in punkto Professionalisierung gilt Currensee, eine Art Elitenetzwerk sowohl für individuelle als auch professionelle Akteure.

Immerhin: Von Forex Magnates, einem der bekannten Händler-Treffpunkte im Netz, inklusive Nachrichtendienst und Marktforschungsinstitut, wurde Currensee im vergangenen November als beste Social Trading Plattform ausgezeichnet. Aktuelle Nachrichten für die Social Community gibt es über den firmeneigenen Blog. Und schließlich schreitet auch die Marktreife der deutschen Protagonisten weiter voran.

Auf dem Social Trading Portal Ayondo etwa folgen private Anleger den Strategien anderer, mutmaßlich erfolgreicher privater Trader. Das Motto: Handeln wie ein Hedge-Fonds-Spezialist, hier auf Basis von hoch riskanten CFD-Produkten. Die erfolgreichen Trader können ihre Handelssignale in Echtzeit an Privatanleger verkaufen und sich so ein lukratives Zusatzgeschäft aufbauen. Gerade eben hat die Plattform ihre Tradingsoftware noch einmal runderneuert.

Der Börsenamateur wiederum, der bei Ayondo weiß, worauf er sich einlässt, kann im Idealfall den Vorteil genießen, sein Broker-Konto nicht mehr selbst zu verwalten, sondern diese Aufgabe an einen höher qualifizierten „professionelleren“ Händler zu delegieren. Den passenden Trader kann sich der Kunde in Ranglisten aussuchen, um dort die bisherigen Erfolge seines „Tippgebers“ transparent einzusehen. Nachteil: Genaue Erfolgszahlen und Statistiken über einen längeren Zeitraum sind allerdings in dieser Branche Mangelware.

Zwei weitere Kandidaten, die in Deutschland nach vorne streben, sind Investtor und Moneymeets. Letzteres Unternehmen aggregiert Wertpapierdepots und Konten. Versicherungs- und Beteiligungsprodukte sind in Vorbereitung. Eine konsolidierte Vermögens- und Wertentwicklungsübersicht über alle angeschlossenen Banken soll so auf Knopfdruck erhältlich sein. Das Motto der Plattform beschreiben die Macher so: „Empfehlungen von Kunden für Kunden, Austausch mit Profis und Produzenten, absolute Transparenz über alle Provisionen und über mehrere Banken.“

Und schließlich wirbt der „Investtor Mitmachfonds“ mit dem Gütezeichen, Deutschlands erster Mitmachfonds zu sein, bei dem die Anleger aus einem definierten Anlageuniversum heraus mitbestimmen, welche Aktien in den Fonds investiert werden. Mehrere hunderttausend Nutzer hätten seit der Gründung vor drei Jahren ihr Votum für das ausschließlich aus Blue-Chips bestehende Aktienuniversum abgegeben. Über 100 aktive Teilnehmer verzeichnet Investtor derzeit. So oder so – durch Social Trading wird man kaum über Nacht reich werden. Hierzu ist nicht nur harte Arbeit erforderlich, sondern auch ein gutes Timing. Dies gilt sowohl für die Händler als auch für die privaten Investoren.

Written by lochmaier

Februar 20, 2013 um 8:41 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: