Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Social Trading (Teil III) – eToro: Wie erfolgreich und seriös agiert der Mittelsmann?

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Die Plattform eToro weist im Januar 2013 rund 32 Millionen private „Online-Händler“ aus – das Wachstum ist rasant. Schaut man sich die Social Trading-Plattform indes jenseits vom Glanz an der Oberfläche genauer an, dann tauchen erhebliche Zweifel auf, ob es sich hier nicht nur um eine Plattform handelt, die den Hype um die sozialen Medien clever für sich ausnutzt.

Anders gefragt: Was ist schon „sozial“ an einem Online-Broker, außer dass er Social Media als weiteren Vertriebskanal verwendet? So klagen einige Nutzer seit Jahren ihr Leid über die von eToro mutmaßlich betriebene „Brokerabzocke“ – beispielsweise im Wertpapier-Forum.

In der Tat: Man sollte sich das Kleingedruckte genau ansehen, bevor man der Marke eToro mit dem seltsam zypriotisch anmutenden Charme beim Social Trading gedankenlos verfällt. Zunächst ist eToro eine Online-Handelsplattform für Börsenprodukte wie Devisen, Rohstoffe und Indizes im Forexhandel. Das Geschäftsmodell basiert dabei im Wesentlichen auf dem so genannten CopyTrader, direkt integriert in das sogenannte Open Book, dem Social Trading Network von eToro.

Das „soziale Buch“ von eToro liegt nicht ganz so offen auf dem Tisch, wie von den Betreibern dargestellt. eToro stellt den privaten Finanzhändlern angeblich in Echtzeit relevante Daten über Positionen, Gewinne und Strategien der anderen Händler bereit. Und es eröffnet gleichzeitig die Möglichkeit, eigene Transaktionen, Erfolge (oder Fehlschläge) über soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und LinkedIn den anderen Nutzern sofort und ungeschönt mitzuteilen.

Das unternehmerische Ziel ist eine weltweit möglichst große Abdeckung. So ist die Trading-Lösung von eToro in zahlreichen Sprachen verfügbar. Die Zahl der Nutzer wird dabei mit einem aktiven Kundenstamm von 2,5 Millionen Nutzern in mehr als 140 Ländern angegeben. Und täglich kommen offenbar tausende neuer Kunden hinzu – zumindest legt dies die Werbemaschinerie nahe. Seit längerem schickt sich das Unternehmen an, auch den deutschen Markt zu erobern.

Um sich einen seriösen Anstrich zu geben, wirbt der Betreiber dabei mit einer von der deutschen Finanzaufsicht BaFin regulierten Einlagensicherung. Die virtuelle Pressearbeit läuft zudem über die sozialen Medien hochtourig, vor allem aber werden Interessenten immer wieder aggressiv per E-Mail angeschrieben. Der Neukunde braucht nur Folgendes zu tun: Ein Konto eröffnen, um handeln (traden) zu können. Der Broker wiederum verwaltet das Kundengeld, er stellt die Plattform, er macht die Kurse, und vor allem er verdient am aufkommenden Traffic.

In jüngerer Zeit wurde das Kontaktfenster beziehungsweise das Impressum vom Unternehmen etwas überarbeitet, um es, vorsichtig gesagt, nutzerfreundlicher zu gestalten. Aber die geheimnisvolle zypriotische Aura, einschließlich der Firmenpräsenz auf den British Virgin Islands, bleibt angesichts der regulatorischen Grauzonen weiterhin bestehen. Tritt man den virtuellen Rundgang durch die deutsche Firmenpräsenz des Social Investment-Netzwerkes an, so landet man auch hier auf der Kontaktseite, haftungsrechtlich betrachtet, wieder beim Support auf sonnenverwöhnten Inseln.

Fazit: Nicht nur mit Blick auf eToro ergibt sich sowohl rechtlich als auch strukturell ein Klärungsbedarf, was die Transparenz und Nachvollziehbarkeit des zugrunde liegenden Geschäftsmodells angeht. Anders ausgedrückt: Ross und Reiter sollten bei jedem neuen Geschäftsmodell rund ums Social Trading deutlich ersichtlich sein.

Erst recht gilt dies im Falle von eToro dann, wenn der Nutzer sich bares Geld auszahlen lassen möchte. Denn wer sich als kundenfreundliche Version eines „Facebook-Tradings“ besonders gemeinschaftsnah stilisiert, sollte sich tief in die Karten schauen lassen. Und wie wir seit längerem wissen, lässt gerade das große Vorbild Facebook in Sachen Datenschutz und Transparenz einiges an Nutzerfreundlichkeit zu wünschen übrig.

Lesen Sie im nächsten Teil – das Interview mit eToro:

„4 von 20 Top-Tradern sind Deutsche“

Written by lochmaier

Februar 13, 2013 um 3:25 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

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