Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for Januar 2013

Bürgerkredit 2.0 (Teil III): Interview mit dresden-durchstarter.de

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Passend zum Geisteszustand der SPD- oder FDP-Führung wären neue Finanzideen durchaus gefragt. Vielleicht können wir alle den neuen Berliner Flughafen nochmal bauen, und zwar mit Hilfe von Crowdfunding. Klar, wir sitzen als Steuerzahler sowieso immer mit im Boot. Ein Grund mehr, nach Alternativen Ausschau zu halten.

Mit diesem Beitrag beende ich zum einen die kleine Serie zum Thema „Bürgerkredite 2.0“. Und starte gleich eine neue, eine mehrteilige Betrachtung der professionellen Variante von Crowdfunding in der Unternehmensfinanzierung, neudeutsch als Crowdinvesting bezeichnet, oder auch als Equity Crowdfunding.

Den Auftakt macht ein Beitrag auf der Online-Plattform CFO World mit dem vielsagenden Titel:

Crowdinvesting: Ein Trend macht Schule (Einleitung)

Crowdinvesting als Benchmark im internationalen Vergleich (Teil II)

Crowdinvesting: Praxisbeispiele, Zielgruppen und Marktsegmente (Teil III) 

Crowdinvesting: Rechtliche Besonderheiten 

Zurück aber zum Thema der obigen Überschrift – Was leistet Crowdfunding für die Kommune angesichts mehr als klammer Kassen, ohne dass der Bürger in die finanzielle Sippenhaft für die Fehler anderer genommen wird? Die Frage, welche Zukunftsperspektiven sich damit verbinden, beantwortet nun im dritten Teil der kleinen Serie Dr. Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Dresden Marketing GmbH, wo vor kurzem die Plattform dresden-durchstarter.de ins Netz ging.

Social Banking 2.0: Was können derartige Plattformen im lokalen bzw. genauer kommunalen Sektor angesichts oftmals klammer Finanzkassen denn leisten, was nicht?

Dr. Bettina Bunge: Uns geht es mit Dresden Durchstarter darum, die Kreativität in der Stadt zu befördern. Das ist für uns ein neuer, anderer Ansatz von Standortförderung und -marketing und nicht eine Maßnahme, um die Kommune in irgendeiner Weise aus der Pflicht zu nehmen, bspw. in puncto Kulturförderung.

Welches Konzept verfolgt dresden-durchstarter.de gerade mit Blick auf kommunale Bezüge und die Gemeinden, sind Projekte dazu bereits am Laufen und/oder geplant? – Welche Kooperationsformen mit kommunalen Partner und der Stadt Dresden versprechen Erfolg?

Dresden Durchstarter ist ein Projekt der Kommune: Wir, die für Dresden Durchstarter verantwortlich zeichnen, sind eine 100-ige Tochter der Landeshauptstadt Dresden. Und als Partner des Projektes haben wir die Wirtschaftsförderung der Stadt an unserer Seite. Eine enge Nutzung der Plattform erhoffen wir uns vor allem auch von den wissenschaftlichen Einrichtungen Dresdens wie etwa der TU Dresden, nicht zuletzt weil wir – anders als die meisten anderen Crowdfundingplattformen – gerade Projekte aus Wissenschaft und Forschung zur Realisierung bringen möchten. Das hat zum einen mit unserem Anliegen zu tun, Dresden u.a. als attraktiven Wissenschaftsstandort zu vermarkten. Zum anderen hat Dresden ein enormes kreatives Potential: Die Stadt ist bekannt für seinen Erfindergeist, der historisch gewachsen und in der Gegenwart lebendiger denn je ist. So hat die Stadt außergewöhnlich viele und namhafte Forschungseinrichtungen vorzuweisen.

Bleibt das Phänomen Crowdfunding im kommunalen Sektor eher eine Randerscheinung, oder kann es ein ergänzendes Instrument der Kapitalbeschaffung darstellen? Wenn ja, wie sähe das ideale Modell dazu ggfs. aus?

Kommunen wie Dresden erfüllen ihre Aufgaben mit Hilfe ihres jeweils vom Stadtrat verabschiedeten Haushalts, d.h. aus eigener Kraft mit Hilfe der Steuereinnahmen und kommunalen Erträge. Wir sehen mit dem Crowdfunding kein Ersatz für kommunale Budgets, sondern eher eine Ergänzung, um kreative Projekte aus Kultur und Wissenschaft finanziell zu unterstützen.

Natürlich muss man in diesem Zusammenhang auch die unterschiedlichen Definitionen von Crowdfunding (= überwiegend Spenden im Netz) unterscheiden, versus Crowdinvesting und Crowdfinance (= unternehmerische Beteiligungen mit Chancen und Risiken). Was könnte hier der Königsweg oder -wege sein?

Es gibt hier keinen Königsweg. Beide Ansätze richten sich an unterschiedliche Zielgruppen. Beim Crowdfunding steht vor allem die Unterstützung von Ideen und Projekten im Vordergrund. Dafür bekommen die Unterstützer ein sogenanntes Dankeschön nach erfolgreicher Finanzierung des Projektes und keine „Unternehmensbeteiligung“ wie beim Crowdinvesting. Es liegt im Ermessen des Plattformbetreibers, für welchen Ansatz er sich entscheidet. Beim Crowdfunding geht es nicht vordergründig um einen materiellen Zugewinn, sondern um den immateriellen. Menschen unterstützen hierbei ein Projekt in erster Linie, weil sie von der Idee überzeugt sind. Das ist ganz im Sinne unseres Ansatzes, Impulse für kreatives Denken und Agieren in unserer Stadt zu schaffen.

Interview: Lothar Lochmaier

Written by lochmaier

Januar 7, 2013 at 3:25 pm

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Schattenbanken: Schweizer Bankgeheimnis „fällt“ – Wegelin macht dicht

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Noch vor kurzem wurde der innovative Online-Ableger des Schweizer Vorzeigeinstituts Wegelin Bank – die Nettobank – von finews.ch unter die Riege von 25 interessanten Finanzblogs eingereiht. Längst war jedoch zu diesem Zeitpunkt ein Stein ins Rollen kommen, bei dem die Fronten zwischen Gut und Böse, zwischen Richtig und Falsch nicht mehr zu erkennen waren. Fakt ist, die älteste Schweizer Bank Wegelin macht jetzt endgültig dicht. Nicht ohne dass die „Filetstücke“ zuvor schon aus dem Unternehmen ausgegliedert worden waren.

Es geht um den schleichenden “Roll out” der Schweizer Wegelin Bank, deren eloquenter aber auch provokanter Chef Konrad Hummler durch seine innovativen Betrachungen zur Zukunft der Branche ein immer wieder gerne gesehener Zaungast in den Leitmedien darstellte. 

Jetzt ist der Stab über das Institut wegen der Steuerflüchtigen, genauer wegen Steuerhinterziehung und Schwarzkonten in den USA, endgültig gebrochen. Spiegel online berichtet heute Älteste Schweizer Bank macht dicht:

Das Traditionshaus Wegelin wurde wegen Beihilfe zur Steuerflucht verurteilt. Der Vertrauensverlust ist zu groß: Nach mehr als 250 Jahren geben die Schweizer nun alle Bankgeschäfte auf. US-Ermittler werten das als Durchbruch bei der Aufweichung des Bankgeheimnisses.

Vieles, was ich in meinem Hackerroman Schattenbanken angedeutet habe, setzt sich nun in die harte Realität um. Vor zwei Jahren sagte mir ein Schweizer Banker „off-the-record“, dass er damit rechne, dass sich die Branche bis zum Jahr 2020 komplett umkrempeln müsse, ob aus freien Stücken oder nicht. Er sah damals schon das Sakrileg des Schweizer Bankgeheimnisses auf dem absteigenden Ast.

Ganz so hart wird es wohl nicht kommen, mag da manch einer entgegnen. Das Beispiel Wegelin Bank zeigt aber auch, dass es nicht genügt, sich als Ikone eines besseren und fairen Bankings nur in den Medien zu stilisieren, wenn die Geschäftspraxis dahinter einer genaueren Überprüfung nicht stand hält. Das muss Konrad Hummler nun mit der Zerstörung seines Lebenswerkes am eigenen Leib erfahren.

Zu Konrad Hummlers Geschäftsphilosophie und seinen durchaus innovativen, quergedachten Ansichten in der Finanzbranche, siehe mein früherer Beitrag aus dem Jahr 2009:

Umbruch: Wie das Mitmachweb die Bankbilanzen bedroht

Fazit: Die Wegelin Bank ist auch ein mahnendes Beispiel für andere Innovatoren in der Branche, die nur unter dem neuen Zeitgeist mitsegeln, aber letztlich nur alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen.

Written by lochmaier

Januar 4, 2013 at 9:35 am

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Jahresausblick: Auf der abknickenden Vorfahrtsstraße

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Das neue Jahr liegt wie ein hoher Turm mit 365 Stufen vor einem. Besser man schaut nicht ständig nach oben, sondern konzentriert sich auf die ersten Schritte, überprüft sein Marschgepäck und den Kompass, ob die Ausrüstung für den längeren Weg taugt.

Will heißen: Es gibt jetzt ein paar Lese-, Seh- und Hörtipps auf der abnickenden Vorfahrtsstraße ins Jahr 2013. Beginnen wir mit einem mehr als 800 Seiten dicken Roman zum Thema Geld, der jede Seite lohnt. Wie es wäre, wenn Otto-Normalbürger in den Besitz der unvorstellbaren Summe von einer Billion Dollar käme, das beschreibt Andreas Eschbach in dem gleichnamigen Roman „Eine Billion Dollar“.

Man lernt dabei nicht nur eine Menge über den gesellschaftlichen Hintergrund zum Thema Finanzen, sondern wird auch von der spannenden Rahmenhandlung gefesselt.

Mehr Infos über die Handlung auf Wikipedia: Eine Billion Dollar     

Für denjenigen, der gute Musik einschließlich der Texte zu schätzen weiß, empfehle ich die Kinodokumentation „Searching for Sugarman“, die sich mit der Biographie des amerikanischen Musikers Sixto Rodriguez auseinandersetzt. Er hatte als Songwriter in den siebziger Jahren zwei Platten veröffentlicht, von denen damals kaum jemand Notiz nahm.

Während in seinem Heimatland USA Gerüchte kursierten, er sei tot, gelangte er in Südafrika, das sich gerade von der Apartheid zu lösen begann, ohne sein Wissen zu Kultstatus. Ende der neunziger Jahre begann so eine späte Musikerkarriere, die zeigt, dass Erfolg selten über Nacht kommt, und für manche sogar erst im späten Lebensalter. Das bleiben natürlich Ausnahmen.

Die berührende Lebensgeschichte von Sixto Rodriguez gibt es nun im Kino anzusehen. Hier geht es zum offiziellen Filmtrailer – und man sollte es nicht versäumen, den legendären Song „Sugar Man“ einmal in Ruhe auf sich wirken zu lassen, bevor man in das neue Jahr mit Vollgas durchstartet:

Abschließend ohne große Vorworte – zum bürgerlichen (Alb)Traum, und dass man sich genau überlegen sollte, wie man sein Geld auch jenseits von Besitzstandsdenken produktiv anlegt – ein Video des Berliner Kabarettisten Nils Heinrich:

Written by lochmaier

Januar 3, 2013 at 9:05 am

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