Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Crowdinvesting (Teil 3): Die neue C-Klasse etabliert sich

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Wieder ein neues Buzzword ist erfunden: Das “Equity Crowdfunding”. Wer von A nach B kommen will, braucht dazu C, den Man-in-the Middle. Welche Durchschlagkraft entfaltet die neue „C-Klasse“ der  neuen Plattformen?

Das Online-Portal Seedmatch hat im vergangenen Jahr gleich mehrere Rekordprojekte im Stunden-, ja Minutentakt erfolgreich via Live Crowdfunding abgewickelt. Auch die US-amerikanische Plattform kickstarter knackte im vergangenen Jahr gleich mehrfach die Millionenmarke. Doch sollten wir hier Äpfel nicht mit Birnen verwechseln. Das findet auch Startup-Kolumnist Marcus Pfeil im Wallstreetjournal, der die Risiken stärker betont als die Chancen.

In Deutschland begann die rasant beschleunigte Erfolgsgeschichte von Crowdinvesting, der Rendite orientierten Version von Crowdfunding, zu Beginn des vergangenen Jahres: In weniger als 4 Stunden warb das junge Unternehmen SugarShape die runde Summe von 100.000 Euro auf der Crowdfunding-Plattform Seedmatch ein.

Der Online-Shop hat sich auf elegante Dessous für Frauen mit großer Oberweite und schmalem Körper spezialisiert. Das Besondere: Die Kundinnen reden bei Kollektionsauswahl und Messsystem mit, um die richtige BH-Größe herauszufinden. Vom Erfolg überzeugt waren insgesamt 179 private Investoren, die per Mausklick den virtuellen Scheck kurzerhand beisteuerten. Der Trendsetter im abgelaufenen Jahr 2012 ist also kaum zu übersehen: Nach einer zunächst längeren Anlaufphase hat die Plattform Seedmatch inzwischen den Turbogang eingelegt. Andere Plattformen wie Innovestment weisen eine ähnliche Dynamik auf. Und neue Spieler wie Bergfürst möchten nun den Radius der finanziellen Obergrenzen neu definieren.

Das Crowdinvesting-Portal Bergfürst bietet laut Selbstauskunft für Privatinvestoren den Erwerb von Aktien innovativer Wachstumsunternehmen via Kapitalerhöhung an. Parallel dazu soll es einen Marktplatz für den Handel von Anteilen bereits notierter Unternehmen geben. Das ist, theoretisch betrachtet, nicht gerade ein kleiner Markt. Die wenigsten Aktiengesellschaften in Deutschland sind freilich börsennotiert.

Mal schauen, welche Zielgruppensegmentierung hier ins Auge gefasst wird, oder ob es eher nach dem Gießkannenprinzip abläuft. Der Trend deutet tendenziell – wie bereits in der Schweiz rechtliche Realität – auf größere Tranchen bei via Crowdinvesting lancierten „Aktienanteilen“ von Unternehmen hin, was rechtlich gesehen – auch nach der erfolgreichen Zulassung der staatlichen Finanzaufsicht BaFin – jedoch kein vollständig geräumtes Minenfeld darstellt (siehe hierzu den letzten Teil dieser Serie).

Was bedeuten die Praxisbeispiele? Zunächst muss sich zeigen, welche Bälle hoffentlich nicht nur im verschneiten Winter über die Bande in welches Spielfeld hinein geworfen werden, ob also die elegant und zeitgemäß angesprochene CrowdinvestingCommunity den Fluss der Geldströme wirklich aktiv mitverfolgen kann. Der mögliche Haken bei dieser Sache: Es ist nicht immer offensichtlich, aus welchen Kanälen heraus die Aktivitäten gesteuert sind, und welche Protagonisten im Hintergrund den Prozess mitsteuern. Denn das Crowdinvesting sollte nicht nur eine zeitgemäße, „hippe“ Methode zur reinen Refinanzierung einer bereits existierenden, aber möglicherweise nicht komplett offengelegten, sublinearen Wertschöpfungskette darstellen.

Hier reicht übrigens der Verweis auf eine rechtlich professionelle Due Diligence keineswegs aus, die der jeweilige Betreiber gelobt, möglichst akribisch durchzuführen – meist mit Hilfe von externer Expertise. Derartiges hat auch die klassische Finanzindustrie von jeher vor keinerlei Auswüchsen bewahrt. Denn die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften haben bis zur Finanzkrise und darüber hinaus alles testiert, was die Kunden ihnen auf schnellen Pferden zugeflüstert haben. Im Klartext: Den Betreiber kann man bei der Auswahl seines Portfolios nicht so einfach aus der Haftung entlassen.

Die Kunden, sprich Investoren, aber auch die Startups, sollten im modus operandi deshalb genau darüber Bescheid wissen, wer in Form von stillen oder anderen indirekten Beteiligungsformen hinter einer Plattform steht – kurz, welche Interessengruppen aus dem professionellen Kapitalmarkt (Private Equity, Venture Capital, Vermögensverwaltung und dergleichen) heraus hinter derartigen Projekten mit einer scharfen Speerspitze in die neue kreative Szene hineinoperieren.

Andersherum betrachtet, schadet natürlich ein gewisses Maß an professionellem Knowhow der jungen Crowdinvesting-Szene keineswegs. Es kommt nur darauf an, wie man den Begriff „professionell“ definiert. Und damit sind wir bei den Nutznießern, denn es stellt sich die spannende Frage, wo das Wachstumspotential der Idee den größten Widerhall finden wird.

Fest steht: Nur jene Ideen mit dem größten Sex Appeal, sprich Anziehungskraft für eine breitere Masse, begutachtet die Community in der Regel mit einer dynamischen Wachstumsspritze. Bislang zeichnet sich dieser Hype vor allem bei jungen Unternehmen ab, die mit attraktiven IT-Lösungen bei ihren privaten Investoren punkten. Clevere Ideen mit Unterhaltungs- oder einem konkretem Nutzwert, ganz simpel oder hoch kompliziert, gibt es auf diesem Globus nicht wenige. Mal erleichtern sie den Alltag, mal bringen sie die Wissenschaft nach vorne, mal sind es neue Modelle, um die Internetgeschäfte zu beflügeln.

Bleiben wir abseits vom Spiel- und Freizeitbereich: Im Bereich von erneuerbaren Energien etwa, ein ebenso sinnvoller wie zukunftsträchtiger Wirkungskreis, steht das Equity Crowdfunding, Crowd Financing oder Crowdinvesting, erst noch am Anfang. In Großbritannien gibt es sie bereits, erste zarte Pflänzchen, einige unmittelbar auf den Bereich von erneuerbaren Energien spezialisierte Crowdfunding-Plattformen.

Fest steht somit: Die Idee von Crwowdinvesting diffundiert in einzelne Wirtschaftssektoren und Branchen hinein. Auf der Schattenseite des Hypes werden einige Namenlose zurückbleiben: Für manch ein Startup und Wachstumsunternehmen, oftmals auch für jene mit durchaus großem Potential oder einer ganz bodenständigen Geschäftsidee, bleibt nicht selten nur der Büßergang: Weiterhin bei den Investoren die Klinken zu putzen, nicht selten über mehrere Jahre hinweg.

Denn unabhängig vom Finanzierungsweg gilt auch weiterhin die goldene Faustregel, dass gerade kleinere und risikoreiche Investitionen oftmals nur geringe Margen bei hohem Risikoprofil und überproportionaler Ausfallrate versprechen. Auch an dieser Tatsache muss sich der Erfolg der Crowdinvesting-Plattformen, neben der notwendigen Cleverness und einem unverzichtbaren Sex Appeal, auf mittlere Sicht messen lassen.

Written by lochmaier

Januar 28, 2013 um 8:44 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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