Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Crowdinvesting (Teil II) im internationalen Vergleich

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Wie so oft bei neuen Gründerideen im Netz, gehen auch in diesem Fall die ersten Impulse von den USA, aber auch von Großbritannien aus. Denn das Konzept von Crowdfunding auch in der Finanzierung von Start ups und Wachstumsunternehmen einzusetzen, hat sich in den beiden „Mutterländern des freien Unternehmertums“ bereits im letzten Jahrzehnt etabliert.

Begonnen hatte die Entwicklung zunächst mit Peer-to-Peer-Kreditmarktplätzen im Internet, wobei die Portale prosper.com und lendingclub.com zu den Protagonisten der ersten Stunde zählen. Der Unterschied zum heute existenten Geschäftsmodell von Crowdinvesting: Beim „Social Lending“ bzw. dem Peer-to-Peer-Kredit blieben die Investments – auch aufgrund von rechtlichen Barrieren – zunächst auf den privaten Sektor beschränkt.

Sprich, beim Social Lending leihen Menschen anderen Menschen (nicht Unternehmen) Geld gegen Zinsen, deren Konditionen sie üblicherweise selbst miteinander aushandeln. Ob der Deal im Einzelfall dabei für den jeweiligen Kreditnehmer günstiger ausfällt als der klassische Finanzierungsweg über Banken und Kreditvermittler, bleibt dem Verhandlungsgeschick überlassen. Nicht zuletzt hängt vieles – wie beim gängigen Darlehen – von der Bonität und Vertrauenswürdigkeit des Schuldners ab.

Parallel dazu etablierte sich der Trend in Großbritannien, wobei der Online-Betreiber Zopa.com als der wichtigste Vertreter anzusehen ist, der heute neben Lendingclub zu den Weltmarktführern gehört. Aber auch in Deutschland gab es erste „Copycats“. Das Berliner Pendant von Lendingclub und Zopa, Smava.com, konnte die hohen Erwartungen indes bislang nicht ganz erfüllen, obwohl man dort mittlerweile die Aktivitäten auf die Gruppe der Unternehmensgründer auszudehnen versucht. Parallel dazu etabliert sich seit dem vergangenen Jahr in Deutschland eine neue Generation von Crowdinvesting-Plattformen, deren strukturelle Ausrichtung ich im dritten Teil dieser Serie genauer beleuchte.

Weniger bekannt: Als internationaler Benchmark bislang führend in unseren Breitengraden im „Business Crowdfunding“ sind Schweizer Plattformen wie cofundit. http://www.cofundit.com und c-crowd AG  in Zürich, einem Online-Fundraising-Spezialisten, der auch im geschäftlichen Umfeld agiert. Dies zeigt, dass vermeintlich konservative Finanzmarktplätze wie die Schweiz das Potential der neuen Idee längst erkannt haben. Und die großen Spieler sind auch bereit, größere Kapitalmengen in innovative Konzepte einzubringen.

Konservative Finanzmärkte brechen auf

So bleibt festzuhalten: Einerseits steht die Entwicklung von Crowdinvesting rein von der monetären Größenordnung betrachtet immer noch am Beginn. Andererseits weisen die Umsätze, beginnend von einem niedrigen Ausgangsniveau, teils zwei- bis dreistellige Wachstumsraten auf. Um ein Gefühl für die mittel- bis langfristige Wachstumsdynamik von Crowdinvesting zu erhalten, dient ein Blick in die aktuelle Nachrichtenlage. Lending Club überschritt mit 90.000 Krediten kürzlich die Grenze von einer Milliarde US-Dollar und nimmt nun den Börsengang ins Visier. Der britische Betreiber Zopa verzeichnete im Oktober 2012 um 90 Prozent höhere Umsätze als im gleichen Monat des Vorjahres.

Parallel zur ersten Generation der Peer-to-Peer-Kreditplattformen etabliert sich eine neue Generation von Crowdinvesting-Spezialisten, die meist junge und viel versprechende Unternehmen als Zielgruppe ins Auge fassen. In Großbritannien ist dies etwa Funding Circle, die sich seit drei Jahren erfolgreich um die Finanzierung von klein- und mittelständischen Unternehmen kümmert. Zunächst von den Finanzregulierungsbehörden kritisch beäugt, unterstützt nun selbst die britische Regierung das Konzept von Providern wie Funding Circle, Zopa, Boost und Credit Asset Management mit signifikanten Geldspritzen, nachzulesen etwa in der Financial Times: Peer-to-peer lending welcomes endorsement (Abo)

Auch in den USA sind regulatorische Hürden nicht mehr unüberwindbar, was auch dem Markt in Deutschland einen weiteren Wachstumsschub verleihen dürfte. Als entscheidendes Bindeglied für den Sprung in den Massenmarkt kommt nun, wie schon angedeutet, die Branche der „konventionellen“ Kapitalgeber ins Spiel. Private Equity, Venture Capital, Wagniskapitalfonds und andere Spieler beginnen allmählich damit, größere Summen als „nur“ zweistellige Millionenbeträge in das neue Marktsegment hinein zu pumpen.

Sprich, hybride Gestaltungskonzepte unter Einbezug von neuen Modellen, bei denen der Nutzer mit am Regiepult sitzt, liegen plötzlich ganz im Trend. Der Paradigmenwandel greift. Der Zeitgeist dreht sich. Die große Zeit des Crowdinvestings dürfte somit erst noch bevor stehen. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Spreu der unzähligen Anbieter sich vom Weizen trennt. Denn Nachrichten über gescheiterte Investitionen und Gründerideen, bis hin zu nebulösen oder gar unseriösen Geschäftspraktiken, machen im Netz blitzschnell die Runde – und diskreditieren die ganze Branche.

Kurzum: Der größte Feind der neuen Idee Crowdinvesting ist ihr eigener Hype. Und bekanntlich frisst die Revolution nicht selten ihre eigenen Kinder. Doch darf man den Anlegern nach der Finanzkrise mittlerweile auch etwas mehr Entscheidungskompetenz zutrauen. Die Crowdinvesting-Community hat sich auf den Weg gemacht, hier jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei selbst zu entscheiden, das Geld in eine viel versprechende Idee zu investieren, und nicht nur in einer kurzlebigen Modewelle zu verbrennen.

Dritter Teil: Crowdinvesting: Praxisbeispiele, Zielgruppen und Marktsegmente.

Vierter Teil: Crowdinvesting und die rechtlichen Besonderheiten.

Written by lochmaier

Januar 21, 2013 um 8:44 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. […] Social Banking 2.0: Crowdinvesting (Teil II) im internationalen Vergleich […]


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