Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

3D-Drucker: Nutzer erhält Fabrik in der Westentasche

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Auf dem ersten Trendkongress vom IT-Branchenverband Bitkom diskutierten Experten über allerlei Wichtiges und Unwichtiges. In sich hat es aber, wie ich finde, nach wie vor die digitale Revolution, die gewohnte Wertschöpfungsketten umkrempelt. Laut den Marktforschern von Gartner haben insbesondere dreidimensionale Drucker das Zeug zur nächsten umwälzenden Entwicklung. Denn was mit dem künstlerischen Bereich begann, setzt sich nun in der gesamten Wirtschaft fort.

Es ist mehr als eine kleine Revolution. Nicht mehr Unternehmen stehen im Mittelpunkt der Produktion, sondern die Kunden selbst. Mit Hilfe von 3D-Druckern kann heute jeder Verbraucher seine Produkte maß schneidern, wie es beispielsweise Online-Plattformen wie shapeways oder solidoodle ermöglichen.

Das 3D-Printing sei die nächste umwälzende Entwicklung in der IT-Branche, und sie sei bereits weiter fortgeschritten als viele glauben, sagt das Marktforschungsunternehmen Gartner Research. Die Folgen für die Nutzung der Informationstechnologie seien demzufolge vielfältig, da sich der Fokus vom Besitz der Dinge stärker auf das Teilen von unterschiedlichen Anwendungen etwa über das Cloud Computing verlagere.

Klingt eigentlich toll, aber wie sagte weiland schon Fußball-Kaiser Franz: Schaun’mer mal, in dem Fall hinter die Fassade: Bei der Gestaltung von neuen Produkten rücke zudem der emotionale Wohlfühlfaktor stärker in den Mittelpunkt. Allerdings wird der Trend die Welt nicht über Nacht umkrempeln, wie es ein Experteninterview auf Deutschlandradio Kultur verdeutlicht: Mit 3D-Druckern zu mehr Wirtschaftlichkeit.

 So verwundert es kaum, dass das 3D-Printing bereits die eine oder andere Stilblüte treibt. So kann der private Chefdesigner Skulpturen von ungeborenen Kindern im embryonalen Status nachmodellieren. Anschließend drucken die werdenden Eltern das plastische Erinnerungsstück aus, zum Beispiel als Handyanhänger.

Der private Fabrikant steuert dazu den Designprozess bis zur Produktion vollständig in eigener Regie. Mit einer Software erstellt der Verbraucher einen Entwurf und probiert ihn solange am Kopierer aus, um hernach Schraube, Schuh oder das ideale Schmuckstück per Mausklick auszudrucken. All dies ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Auch lassen sich neue Entwürfe mit anderen Interessierten diskutieren und gemeinsam verbessern.

3D-Drucker sind mittlerweile für die breite Masse mit einem Preis von unter 1.000 Euro erschwinglich geworden. Die „Fabrik in der Westentasche“ bleibt aber nicht auf den künstlerisch-kreativen Bereich begrenzt. Das vom Kunden auf den Kopf gestellte Innovationsmodell hat bereits die gesamte Wirtschaft erfasst, vom Carsharing, über die Mitfahrzentrale 2.0 bis hin zum Austausch der Wohnung auf Zeit (flat sharing).

Getreu dem Motto: Die Ökonomie des Teilens (share economy) boomt und verändert auch jenseits vom Home Office unsere Arbeitswelt. Das Modell stellt ganze Wertschöpfungsketten und Kooperationsmodelle in Frage, sprich die traditionell hierarchische Rollenverteilung zwischen Hersteller, Zulieferer und Kunde.

Denn das Cloud Computing bleibt nicht auf die Teamarbeit in der Computerwolke begrenzt, mit dem ständig verfügbaren Smartphone, das auch die Buchhaltung und Auftragsabwicklung von unterwegs spielerisch leicht erledigen kann. Mehr noch: Für „kreative Handwerker“ bietet der dreidimensionale Druck neue Gestaltungsoptionen, etwa beim Formenbau oder dem Modellieren von Objekten.

 So bieten sich etwa beim Prototypenbau konkrete Vorteile, weil sich das Endergebnis im Miniaturmaßstab im Arbeitsprozess besser begutachten und bewerten lässt als in der realen Größe. Als sichtbares Beispiel für das Potential dieser Erfindung mag ein Haptic 3D Printer dienen, mit dessen Hilfe sich Vorlagen nicht nur automatisch als Produkt ausdrucken lassen.

Überdies lässt sich das gewünschte Werkstück vom Nutzer individuell mit einer Art Spritzpistole ausgestalten. Und: Mit einem haptischen Feedback bekommt der Designer sogar eine direkte Verbindung zu dem Gestaltungsobjekt.

Fazit: Gefragt ist also in der vernetzten Arbeitswelt der Zukunft nicht nur der aktive Dialog mit den Verbrauchern. Darüber hinaus fungiert der Kunde als Ressource, als Frühwarn- und Prognosesystem, um Produkte und Dienste zu verbessern. Wenn wir alle etwas vom Teilen unserer Ideen und Vorlieben haben, dann entsteht daraus ein ökonomischer Vorteil.

Die 3D-Druckrevolution ist die Speerspitze dieser weit reichenden Entwicklung. Kurzum: Es lohnt sich, wenn nicht nur der Großfabrikant, sondern auch der private „Handwerker“, quasi mit der Fabrik in der Westentasche ausgestattet, den Kunden aktiv und frühzeitig in den Gestaltungsprozess ihrer Produkte und Dienstleistungen einbinden.

Written by lochmaier

Januar 16, 2013 um 3:36 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

4 Antworten

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  1. Reblogged this on im Zuge der Zeit.

    greich

    Januar 16, 2013 at 3:51 pm

  2. Hallo,

    ein Besuch im GAD Innovationsforum lohnt sich, denn da kann man einen Makerbot in Aktion sehen. Banken könnten ja zukünftig durchaus auch als Fab Labs agieren. Raum dafür gibt es in fast jeder Bankfiliale und für die Geldautomaten wird man sich bei Abnahme der Papiergeld Nutzung auch schon einmal Gedanken machen müssen. Der Druck von Bank- und EC Karten in Echtzeit ist für die Makerbots sicher auch kein Problem

    electrouncle

    Januar 18, 2013 at 1:34 pm

    • Hallo Herr Janek,

      spannender Gedankengang, wie Banken von der 3D-Druckerrevolution Gebrauch machen könnten. Mal sehen, ob Sie sich trauen, den Kunden mit ans Regiepult zu lassen, oder ob sie sich wieder mal hinter Regularien und sonstigen gesetzlichen Auflagen verschanzen, um notwendige Innovationen wieder mal zu verzögern oder gar auszubremsen.

      lochmaier

      Januar 21, 2013 at 8:51 am

  3. In der Tat, eine wirklich sehr spannende Sache dieser 3D-Druck. Wir haben einen MakerBot Replicator2 bei uns in der Firma und nutzen ihn um mit Kollegen und anderen Gästen unseres Ideenraumes ins Gespräch zu kommen, Diskussionen zu führen und Menschen zu inspirieren. Viele interessante Gespräche haben sich so schon bei uns im Innovationsforum der GAD ergeben. Obwohl die Technik an sich nicht neu ist, verspricht die doch langsam zu erkennende Massentauglichkeit eine kleine Revolution. Vielleicht sogar eine Neudefinition des Produktionsbegriffs und/oder eine stärke Einbindung von Kunden in Produktdesignprozesse. Wie im Beitrag schon erwähnt, wird das nicht über Nacht gehen; Soweit sind die Systeme noch nicht. Persönlich bezweifle ich die in anderen Beiträgen prophezeite These, dass der 3D-Druck eine weitere gesellschaftliche Revolution, vergleichbar mit der Einführung des Internet, auslösen wird. Was hindert Unternehmen heute daran, ihre Kunden viel intensiver in das Design rein virtueller Produkte und Dienstleistungen mit einzubeziehen? Der 3D-Druck ist eine absolut faszinierende Technologie. Ob sie aber den gesellschaftlichen Wandel in der Art stark beeinflussen kann? Was meiner Meinung nach sicher passieren wird ist, dass von dieser technologischen Entwicklung und insbesondere der Verbreitung Impulse ausgehen. Bestimmte Businessmodelle werden nicht länger funktionieren werden. Es wird zum Beispiel schwieriger werden einen kompletten Autoscheinwerfer zu verkaufen, obwohl nur eine kleine Kunsstoffhalterung gebrochen ist…. Auch werden sich die Hersteller des produzierenden Gewerbes darauf einstellen können, das kundenindividuelle Fertigung genauso exklusiv wird wie ein Copy-Center. Die Zeit der „Draußen nur Kännchen“-Angebote ist damit wohl ein für alle Mal vorbei. Das Leben ist und bleibt also spannend. Je mehr wir als Kunden mit gestalten können desto besser.
    Wie Banken solche Drucker einsetzen könnten? Eine gute Frage, die mir in der letzten Zeit häufig gestellt wurde. Einige Ideen dazu haben wir und ich freue mich auf viele weitere.

    frankkleinert

    Januar 22, 2013 at 8:22 pm


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