Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Crowdinvesting (Teil I): Ein Trend fordert die Finanzbranche heraus

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Beim Crowdinvesting stehen im Gegensatz zum Crowdfunding Darlehen und Beteiligungen an Unternehmen im Mittelpunkt. Gerade bei internetaffinen Gründermilieus sind neue Wege in der ergänzenden Kapitalbeschaffung angesagt. Es ist eine spannende Entwicklung, die gewohnte Spielregeln in der Bankenlandschaft sukzessive auf den Kopf stellen wird. Kein Wunder also, dass sogar die Finanzmagnaten von Rothschild den Glauben an die Banken verlieren – das Neue lockt.

Wendet sich die Risikokapitalbranche attraktiveren Geschäftsmodellen zu? Es kursieren derzeit allein etwa 20 bis 30 neue Spieler in Deutschland in der internetaffinen Gründerszene, wie Bergfürst, MyBusiness Backer, Fundsters, Seedmatch, Innovestment, Group Capital, Companisto, Welcome Investment, United Equity, Deutsche Mikroinvest, Devexo, BestBC oder Bankless24.

Via Gründerszene kann man sich über den Status Quo einzelner Crowdinvesting-Portale  informieren, so zum Beispiel über Bergfürst, eine Berliner Plattform, die mit Summen von zwei bis drei Millionen Euro pro Emission in diesem Jahr neue Gipfel erklimmen möchte, um die Standards weiter nach oben zu verschieben.

Die nächste Finanzgeneration etabliert sich

Die wachsende Zahl neuer und teils hybrider Geschäftsmodelle zeigt, dass zum einen Finanzierungen jenseits von 100.000 Euro pro startup rechtlich keine Tabuzone bleiben. Diese Schallmauer schien bislang durch die Prospektpflicht und das damit verbundene Regelwerk der staatlichen Finanzaufsicht BaFin gesetzt zu sein.

Einzelne Betreiber gehen dabei allerdings riskante Wege, deren rechtlicher Bestand nicht zwangsläufig von langer Dauer sein muss – vom Flurschaden für andere, seriös und akribisch arbeitenden Protagonisten einmal ganz abgesehen. Ich selbst verfolge die Entwicklung beim professionellen Crowdinvesting seit geraumer Zeit intensiv, mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Bereits in meiner ersten Buchpublikation (Die Bank sind wir) vor 3 Jahren habe ich auf die eine oder andere schmerzhafte Lernkurve für alle Beteiligten hingewiesen. Anders ausgedrückt: Nicht jeder der oben genannten Spieler wird das laufende Jahr überleben. Der Markt sondiert sich in rasantem Tempo. Es herrscht ein qualitativer und quantitativer Ausleseprozess. Das Crowdinvesting ist weder Teufelszeug, es verrichtet angesichts eines erhöhten Risikoprofils aber auch nicht automatisch das Werk Gottes.

Andererseits wird der Trend definitiv weiter Schule machen. Zahlreiche kleine Bausteine ergeben, gemeinsam mit einem bereits deutlich wahrnehmbaren, internetbasierten Wandel in der Investmentkultur, einen nachhaltigen Trend, den sich gerade die jüngere Generation konsequent erschließen wird. Der mündige Nutzer steigt zum Investor auf. Positiv daran ist, dass die Vorbehalte, die in der Bevölkerung gegenüber dieser neuen Finanzierungsform zweifellos vorhanden sind, sich mittlerweile neutralisiert haben.

Es droht die kollektive Sippenhaft

Die Social Entrepreneurs sagen sich: Warum das Geld nur der Black Box Bank in den Rachen werfen, wenn wir es in eigener Regie ins richtige Zielgebiet steuern können? Das Jahr 2013 dürfte das Jahr der Bewährung für alle professionellen Crowdinvesting-Akteure sein. Denn die Betreiber müssen beweisen, dass sie ihre Anhänger mit allen zum Einstieg notwendigen Informationen versorgen, inklusive einem sorgfältig ausgearbeiteten Chancen-Risiko-Profil zu jedem einzelnen Investment. Erst auf einer inhaltlich fundierten Grundlage kann der Crowdinvestor jenseits von einer kurzlebigen Modewelle eine bewusste Entscheidung fällen.

Läuft hier etwas im Geschäftsmodell aus dem Lot, so wird die aufstrebende junge Branche anschließend in kollektive Sippenhaft genommen. Im Klartext: Während wir uns bei einem konventionellen Bankkredit – und erst recht beim hochselektiven Venture Capital – längst an eine gewisse standardisierte Kreditausfallrate und das damit verbundene Scheitern einer Gründer- oder Wagniskapitalidee gewöhnt haben, so wäre das Scheitern eines via Crowdinvesting finanzierten Unternehmens ein Novum. Erst recht gilt dies für die hierzulande vorherrschende risikoaverse Grundhaltung im Land der Dichter und Denker.

Aber auch damit werden wir leben können. Ein Teil der neuen Himmelsstürmer wird die harte Lernkurve erfolgreich absolvieren. Die Spreu trennt sich Zug um Zug vom Weizen, und dann wird die Saat der neuen Generation von Finanzdienstleistungen, bei der der Kunde mit am Regiepult sitzt, erst so richtig aufgehen.

  • Crowdinvesting – Teil 2: Crowdinvesting als Benchmark im internationalen Vergleich
  • Crowdinvesting – Teil 3: Praxisbeispiele, Zielgruppen und Marktsegmente
  • Crowdinvesting – Teil 4: Rechtliche Besonderheiten

Written by lochmaier

Januar 14, 2013 um 10:23 am

Veröffentlicht in Uncategorized

5 Antworten

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  1. Moin Lothar, eine sehr spannende Beitragsreihe wird das. Ich bin gespannt auf die nächsten Teile.

    Meine Einschätzung zum Boom der Crowdfunding-Plattformen habe ich jüngst in einer Kolumne auf Wall Street Journal Online gepostet:
    http://www.wallstreetjournal.de/article/SB10001424127887323374504578219250506563478.html

    „Ich erwarte für 2013 dennoch etwas Ernüchterung in diesem Segment und erste Schieflagen bei finanzierten Projekten. Schon jetzt erfüllen einige Investments längst nicht die überzogenen Erwartungen. Während sich Bedenkenträger gegenüber dieser neuen Finanzierungs- und Anlageform bestätigt fühlen könnten, dürfte dies aber eher den Trend zu einer weiteren Professionalisierung des Crowdinvestings fördern. Wenn man nämlich Anleger für diese neue Assetklasse begeistern will, muss man mehr bieten als eine vermeintlich skalierbare Geschäftsidee, die über YouTube-Videos gehypt werden. Wenn Crowdfunding den Nerdcharakter überwinden will, werden sich die Plattformen den anspruchsvollen regulatorischen Herausforderungen stellen müssen. Daran könnten einige Anbieter scheitern, andere werden Möglichkeiten finden, das Finanzaufsichtsrecht zu umgehen.“

    Dirk Elsner

    Januar 14, 2013 at 10:50 am

  2. […] Social Banking 2.0: Crowdinvesting (Teil I): Ein Trend fordert die Finanzbranche heraus […]

  3. Die Autoren Lars Hornuf und Lars Klöhn haben sich in einem wissenschaftlichen Fachaufsatz mit dem Titel „Crowdinvesting in Deutschland“ ebenfalls zum Thema geäußert. Eine Rezension des Artikels in einer mehrteiligen Serie findet sich, beginnend mit Teil1, unter http://blog.smallcapservice.de/05/11/2012/crowdinvesting-in-deutschland-wissen-schaftlich-betrachtet-teil-1/.

    Tschesche

    Februar 3, 2013 at 12:04 pm

  4. […] kurzer Zeit eine sehr spannende und informative Artikelserie zum Thema crowdfinance geschrieben. Hier geht es zum ersten von insgesamt 4 Teilen. Er weist dort zurecht darauf hin, dass sich in dieser […]

  5. […] zu Crowdinvesting finden Sie etwa aktuell in Lothar Lochmaiers Blog. Er hat in einer vierteiligen Reihe das Thema aus Sicht der Plattformanbieter und Investoren […]


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