Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Helge Schneider: Zeit gegen den Talkshow-Wahnsinn

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Es kommt selten vor, dass ich mich für eine Talkshow im Deutschen Fernsehen begeistere. Genauer gesagt: Nie. Denn ich finde die Selbstbeweihräucherung der Protagonisten bar jeder Inhalte abstoßend. Der Zuschauer mutiert zur Quetschkommode. Es ist nur eine Daily Soap, die den Zuschauern jeden Tag auf diversen Kanälen aufgetischt wird. Nun macht der Kabarettist, Musiker und und und – Helge Schneider – daraus eine beeindruckende neue Kunstform – während andere Unterhaltungsspezialisten wie Roche und Böhmermann letztlich nicht viel mehr als alten Wein in neuen Schläuchen präsentieren, zum Wohle aller reinen Selbstvermarkter.  Davon könnten auch Banken lernen.

Wenn der Inhalt zum billigen Trittbrett verkommt, ist guter Rat gefragt. Sein neues Format, das im WDR-Fernsehen bislang zweimal ausgestrahlt worden ist, lautet: Helge hat Zeit. Die habe ich mir genommen. Denn man sollte intensiv zuhören, auf die Details und Zwischentöne achten, um das Format auf sich wirken lassen.

Eine passable Medienkritik dazu findet sich in Der Westen. Helge Schneider wandelt irgendwo spielerisch zwischen Dadaismus und Kafka, er nimmt die gängigen Talkshow-Formate ganz nebenbei aufs Korn, persifliert deren Inhaltsleere und die Stereotpyen.

Und was noch viel wichtiger ist, er steuert einen intelligent durchdachten Gegenentwurf zur geplanten Langeweile und Volksverdummung bei. Das kann nur jemanden gelingen, dessen ganze Biographie etwas gegen den Strich gebürstet ist. Dazu gehört sicherlich auch die Erfahrung des gelegentlichen Scheiterns und permanenten Lernens.

Nun meine verwegene These: Genau das lebendige Bewegtbild wäre doch ein neuer Ansatz für die Banken, um sich nicht als Peitschenschwinger mit Zucker verpackt im Zirkusring aufzuführen. Ich übernehme gern das Himmelfahrtskommando des Moderatorjobs. Als Titel für die erste Sendung schlage ich mein Kolumnenthema zum Fernsehspot der Commerzbank vor: Offener Brief an Lena Kuske.

Aber psychologisieren wir hier nicht und interpretieren keine Lebensläufe, die wir im Falle von Helge Schneider so wenig kennen – wie den Blick hinter die hoch gezüchteten Schönheitsfarmen von Banken, bei denen die Kosten für die nachträglichen OP’s aus dem Ruder laufen. Nun gehört Helge Schneider auf seine unverwechselbare Art ohnehin zu den Erfolgreichen im Showbusiness. Aber eben immer mit dem Augenzwinkern gegenüber dem kleinen Mann auf der Straße.

Also genug der Vorworte. Am besten Sie lassen die zweite Sendung komplett auf sich wirken, wenn man sich die Zeit zu nehmen vermag. Übrigens trat in der ersten Sendung der liebe Gott höchstpersönlich auf, mit seinem Hit „Marmor, Stein und Eisen bricht“. Auch dies eine äußerst gut gemachte Gesellschaftsparodie auf den Geisteszustand, den auch die breiten Massenmedien nur allzu gerne transportieren.

Written by lochmaier

Januar 10, 2013 um 12:09 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

2 Antworten

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  1. Heute kam die Meldung, dass Helge Schneiders 2. Sendung auch seine letzte war. TV amche ihm nicht genug Spaß. Er will sich auf die Bühne konzetrieren.
    Ansatz für die Banken daraus wäre , sich auf die direkte Kommunikation mit den Kunden zu konzentrieren…

    Beste Grüße
    Hansjörg Leichsenring
    http://www.der-bank-blog.de

    • … @Hansjörg – hatte ich auch schon gesehen, dass Helge Schneider jetzt „keine Zeit mehr“ für eine weitere Sendung hat. Ist aber geradlinig und nachvollziehbar, zumal Helge viele künstlerischen Möglichkeiten hat und sich ungern auf Routine oder gar Vereinnahmung einlässt. Man wird eben gerade in Deutschland schnell in eine Schublade gesteckt. Deswegen bleibt eine stilprägende Sendung. @Banken: Die direkte Kommunikation mit den Kunden allein wird nicht ausreichen, zumal hier meist nur alter Wein in neue Schläuche gegossen wird. Aber da wird sich sicher noch etwas mehr tun müssen.

      lochmaier

      Januar 10, 2013 at 1:53 pm


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