Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Bürgerkredit 2.0 (Teil III): Interview mit dresden-durchstarter.de

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Passend zum Geisteszustand der SPD- oder FDP-Führung wären neue Finanzideen durchaus gefragt. Vielleicht können wir alle den neuen Berliner Flughafen nochmal bauen, und zwar mit Hilfe von Crowdfunding. Klar, wir sitzen als Steuerzahler sowieso immer mit im Boot. Ein Grund mehr, nach Alternativen Ausschau zu halten.

Mit diesem Beitrag beende ich zum einen die kleine Serie zum Thema „Bürgerkredite 2.0“. Und starte gleich eine neue, eine mehrteilige Betrachtung der professionellen Variante von Crowdfunding in der Unternehmensfinanzierung, neudeutsch als Crowdinvesting bezeichnet, oder auch als Equity Crowdfunding.

Den Auftakt macht ein Beitrag auf der Online-Plattform CFO World mit dem vielsagenden Titel:

Crowdinvesting: Ein Trend macht Schule (Einleitung)

Crowdinvesting als Benchmark im internationalen Vergleich (Teil II)

Crowdinvesting: Praxisbeispiele, Zielgruppen und Marktsegmente (Teil III) 

Crowdinvesting: Rechtliche Besonderheiten 

Zurück aber zum Thema der obigen Überschrift – Was leistet Crowdfunding für die Kommune angesichts mehr als klammer Kassen, ohne dass der Bürger in die finanzielle Sippenhaft für die Fehler anderer genommen wird? Die Frage, welche Zukunftsperspektiven sich damit verbinden, beantwortet nun im dritten Teil der kleinen Serie Dr. Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Dresden Marketing GmbH, wo vor kurzem die Plattform dresden-durchstarter.de ins Netz ging.

Social Banking 2.0: Was können derartige Plattformen im lokalen bzw. genauer kommunalen Sektor angesichts oftmals klammer Finanzkassen denn leisten, was nicht?

Dr. Bettina Bunge: Uns geht es mit Dresden Durchstarter darum, die Kreativität in der Stadt zu befördern. Das ist für uns ein neuer, anderer Ansatz von Standortförderung und -marketing und nicht eine Maßnahme, um die Kommune in irgendeiner Weise aus der Pflicht zu nehmen, bspw. in puncto Kulturförderung.

Welches Konzept verfolgt dresden-durchstarter.de gerade mit Blick auf kommunale Bezüge und die Gemeinden, sind Projekte dazu bereits am Laufen und/oder geplant? – Welche Kooperationsformen mit kommunalen Partner und der Stadt Dresden versprechen Erfolg?

Dresden Durchstarter ist ein Projekt der Kommune: Wir, die für Dresden Durchstarter verantwortlich zeichnen, sind eine 100-ige Tochter der Landeshauptstadt Dresden. Und als Partner des Projektes haben wir die Wirtschaftsförderung der Stadt an unserer Seite. Eine enge Nutzung der Plattform erhoffen wir uns vor allem auch von den wissenschaftlichen Einrichtungen Dresdens wie etwa der TU Dresden, nicht zuletzt weil wir – anders als die meisten anderen Crowdfundingplattformen – gerade Projekte aus Wissenschaft und Forschung zur Realisierung bringen möchten. Das hat zum einen mit unserem Anliegen zu tun, Dresden u.a. als attraktiven Wissenschaftsstandort zu vermarkten. Zum anderen hat Dresden ein enormes kreatives Potential: Die Stadt ist bekannt für seinen Erfindergeist, der historisch gewachsen und in der Gegenwart lebendiger denn je ist. So hat die Stadt außergewöhnlich viele und namhafte Forschungseinrichtungen vorzuweisen.

Bleibt das Phänomen Crowdfunding im kommunalen Sektor eher eine Randerscheinung, oder kann es ein ergänzendes Instrument der Kapitalbeschaffung darstellen? Wenn ja, wie sähe das ideale Modell dazu ggfs. aus?

Kommunen wie Dresden erfüllen ihre Aufgaben mit Hilfe ihres jeweils vom Stadtrat verabschiedeten Haushalts, d.h. aus eigener Kraft mit Hilfe der Steuereinnahmen und kommunalen Erträge. Wir sehen mit dem Crowdfunding kein Ersatz für kommunale Budgets, sondern eher eine Ergänzung, um kreative Projekte aus Kultur und Wissenschaft finanziell zu unterstützen.

Natürlich muss man in diesem Zusammenhang auch die unterschiedlichen Definitionen von Crowdfunding (= überwiegend Spenden im Netz) unterscheiden, versus Crowdinvesting und Crowdfinance (= unternehmerische Beteiligungen mit Chancen und Risiken). Was könnte hier der Königsweg oder -wege sein?

Es gibt hier keinen Königsweg. Beide Ansätze richten sich an unterschiedliche Zielgruppen. Beim Crowdfunding steht vor allem die Unterstützung von Ideen und Projekten im Vordergrund. Dafür bekommen die Unterstützer ein sogenanntes Dankeschön nach erfolgreicher Finanzierung des Projektes und keine „Unternehmensbeteiligung“ wie beim Crowdinvesting. Es liegt im Ermessen des Plattformbetreibers, für welchen Ansatz er sich entscheidet. Beim Crowdfunding geht es nicht vordergründig um einen materiellen Zugewinn, sondern um den immateriellen. Menschen unterstützen hierbei ein Projekt in erster Linie, weil sie von der Idee überzeugt sind. Das ist ganz im Sinne unseres Ansatzes, Impulse für kreatives Denken und Agieren in unserer Stadt zu schaffen.

Interview: Lothar Lochmaier

Written by lochmaier

Januar 7, 2013 um 3:25 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. […] vom Dresden Durchstarter wissen möchte, liest sich am besten die folgenden Interviews durch: Dr. Bettina Bunge, Geschäftsführerin der DMG (07. Januar 2013) bzw. Marco Blüthgen, Projektleiter Werbung & Neue Medien bei der DMG (11. […]


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