Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Next Generation Finance: Abweichung von der Norm wird Norm

with 2 comments

Deutlich wird der neue Flaschengeist am neuen Werbespot einer dänischen Bank. Die Danske Bank greift darin in provokanter Form auch auf  Bilder von Occupy Wallstreet zurück. Dabei hat der Protest gegen die Banken längst seinen Schrecken verloren. Denn auch die Finanzspezialisten selbst schauen sich nach Alternativen um.

Wer sich über „Finanzdienstleister der nächsten Generation und die neue digitale Macht des Kunden“ einen Überblick verschaffen möchte, dem sei das im Januar im Frankfurt School Verlag erscheinende gleichnamige Buch empfohlen:

Finanzdienstleister der nächsten Generation
Die neue digitale Macht der Kunden
 

Es enthält vielschichtige Aufsätze von unterschiedlichen Autoren, unter anderem auch den folgenden Beitrag aus meiner Feder:

Bankstrategie: Wie viel Social Media braucht die Bank?
Lothar Lochmaier

Nun aber zurück zur Überschrift. Passend zum Thema hier zunächst der umstrittene Werbespot der Danske Bank „A new normal demands new standards“:

Und hier erklärt die Bank auf ihrer Webseite die neue Innovationsstrategie:

„The strategy is intended to restore trust in the Bank and ensure that we live up to our new vision of being „Recognised as the most trusted financial partner“. In order to reach that objective, we must set new standards for banking operations.“

Hm, das klingt reichlich allgemein. Könnte ja jeder behaupten, sich seit der Finanzkrise vom Saulus zum Paulus gewandelt zu haben. Anschließend bricht die Danske Bank ihr neues Leitbild auf vier Eckpfeiler in der Unternehmensphilosophie herunter:

Erstens: Advisory Services & Solutions

Zweitens: Transparency and Financial strength

Drittens: Responsibility

Viertens: Customer Interaction

Ich beschränke mich hier in der Blitzdiagnose auf Punkt vier, die ersten drei waren früher sowieso einmal für das Bankgeschäft der Standard. Es lässt tief blicken, dass man mit Begriffen wie Kundenorientierung, verantwortlichem Handeln und Transparenz überhaupt aktiv Werbung betreiben muss.

Was mich stört an der „Kundeninteraktion“ ist folgender Punkt:

Der Begriff wird gleichgesetzt mit den schönen neuen bunten Möglichkeiten der Kommunikation: Customer interaction = Mobile Banking via Smartphone, nachzulesen sind die neuen Standards hier

Ein bisschen Daddeln am iPad und ein paar hübsche Werkzeuge für das persönliche Finanzmanagement sind keine Bankrevolution. Erst wenn die Bank vom Kunden und von der Gesellschaft her aktiv gestaltet wird, kann hier von einer wirklich durchgreifenden Innovation gesprochen werden. 

Dennoch ist der Werbespot eine Art Vorbote für eine neue Bilanzrechnung im Bankwesen. Der Auftritt der Danske Bank ähnelt von der neuen Marschrichtung her demjenigen der Commerzbank. Leider hinkt die Realität dem frommen Wunsch noch deutlich hinterher, wie mein Offener Brief an Lena Kuske, Filialdirektorin der Commerzbank in Hamburg gezeigt hat.

Mein Brief stieß übrigens auf eine hohe Leserzahl und große Resonanz, auch hinter den Kulissen. Der Haken: Leider warte ich heute noch auf eine Antwort von Lena Kuske.

Fazit: Wer sich selbst und sein Image anhand von provokanten Werbeauftritten neu inszeniert, sollte auch hinterher den aktiven Dialog mit der Öffenlichkeit suchen und aufnehmen. Ansonsten bleibt alles alter Wein in neuen Schläuchen, den man lieber im Kellerregal stehen lässt.

Das aber wird so nicht bleiben, denn die besten Bankmitarbeiter wenden sich künftig ohnehin jenen Jobs zu, die spannender sind, weil sie Zukunft des Bankwesens aus Kundensicht mitgestalten. Oder um es mit den Worten der Danske Bank zu sagen:

A new normal demands new standards. 

Allerdings wird weder „das Alte“ komplett verschwinden, noch ist alles Neue gleich automatisch allein seligmachend. Das Beste liegt wie so oft im Leben zwischen der Schwarz-Weiß-Malerei. 

Als kleinen Weckruf dazu empfehle ich zwei Links:

Finews: Jacob Rothschild steigt bei Peer-to-Peer-Firma ein

Deutsche Wirtschafts-Nachrichten: Rothschild verliert den Glauben an die Banken

Written by lochmaier

Dezember 16, 2012 um 10:34 am

Veröffentlicht in Uncategorized

2 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. […] Rieger(2809) 178. Hugo E. Martin (2827 ) 179. Mausmalerei v3.0 (2831) 180. berlinkriminell (2838) 181. Social Banking 2.0 (2862) 182. lowtape.com (2998) 183. Weinakademie Berlin (3017) 184. Rene Schaller (3034) 185. […]

  2. Hallo Herr Lochmeier,

    ja da liegen Sie wieder einmal vollkommen richtig. Gibt es Frau Kuske eigentlich wirklich? Ich finde es ja ohnehin dreist erst einmal mit einem Werbespot rauszugehen und offensichtlich intern so gar nichts geändert zu haben. Die Banken erscheinen mir da häufig wie Trittbrettfahrer. Tolle Agenturen denken sich vermeindlich originelle Werbespots aus, mit denen man die Kunden an der Nase herum führen möchte. Dabei wünschen wir uns doch eine wirklich menschliche Bank. Das müsste doch funktionieren. Vielleicht sind das Problem ja auch wirklich die Agenturen und Marketer ::-) Ich glaube die können oft gar nicht menschlich und unmanipulativ denken. Na ich befürchte es zumindest. Durch Technik allein wird die Banken Welt mit Sicherheit aber nicht besser.

    ich wünsche ein frohes Weihnachtsfest. Vielleicht schreibt Ihnen Frau Kuske ja noch eine Weihnachtskarte

    electrouncle

    Dezember 21, 2012 at 2:47 pm


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: