Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

SPD-Kanzlerkandidat (a.De): Wie Banken-Bashing Peer Steinbrück ins Abseits stellt

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Was hat der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück mit Christian Wulff, zu Guttenberg und Norbert Röttgen gemeinsam? Er ist ein Kandidat der Vergangenheit. Wer wie die SPD bei der kommenden Bundestagswahl zentral auf das Banken-Thema setzt, sollte den richtigen Kandidaten an Bord haben. Meine These: Es ist wahrscheinlich, dass Steinbrück noch vor dem 9. Dezember den Rückzug antritt.

Am 28. Oktober 2010 schrieb ich nach einem Vortrag von Peer Steinbrück, dem ich als Medienvertreter auf dem Deutschen Logistikkongress in Berlin beiwohnte, folgende Passage in diesem Weblog Social Banking 2.0 – darin ging es um die Einordnung der Proteste bei Stuttgart21, die damals in vollem Gange waren:

Es liegt zweifellos etwas Neues in der Luft. Das merkt man daran, wie vehement und konträr diskutiert wird. Und die Finanzkrise war der letzte unter einigen anderen Auslöser, auch wenn einige das noch nicht wahr haben wollen. Auch Peer Steinbrück nicht, denn auch er präsentierte auf derselben Veranstaltung, zu der sich das who’s who der Logistikbranche versammelt hatte, nur sattsam bekanntes.

So verteidigte Steinbrück die Politikerkaste mit dem scheinbar so eingängigen Argument, wer soll denn sonst die Demokratie “managen”, die Gerontokratie, also die unberechenbare und chaotische Herrschaft der alten Bürger, die den Jungen immer mehr (Lasten) aufbrummen? Oder ein paar von der direkten Demokratie fehl geleitete Gruppen? Da war es wieder, das kleine Gespenst  von zu viel Freiheit und Autonomie des Einzelnen oder kleiner Gruppen. 

Was Peer Steinbrück sagte, war, im historischen Rückspiegel betrachtet, umso merkwürdiger, als dieser ja zu den Architekten der marktliberalen Finanzmarktarithmetik zu rechnen ist, vor über zehn Jahren – immerhin eine der nicht unwichtigen strukturellen Treiber für die Exzesse auf dem internationalen Finanzparkett.

Mal ganz abgesehen, dass die Rendite für den mündigen Bürger bei jenen Produkten, die die letzten Regierungen der Finanzindustrie so maßvoll zur Oberregie überlassen hat, oftmals kaum stimmig ist.

Wohl gemerkt, so manches was Ex-Finanzminister Peer Steinbrück jetzt in die Runde wirft, ist durchaus nachdenkenswert. Aber man hat bei einem gewissen Teil der ”Eliten”, sorry für diese Pauschalierung, den Eindruck, dass sie die Welt nur noch im Heckwasser ihrer Sommeryachten betrachten. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.   

Quelle: Social Banking 2.0 v. 28.10.2010; Stuttgart21: Wie man Bürger an Großprojekten beteiligen kann …

Nun geht es hier nicht um Stuttgart21, sondern um Peer Steinbrück. Er hat viele Vorträge gehalten, vor allem für Banken, so viele, dass man sich fragt, wie er sein Bundestagsmandat noch halbwegs ordentlich ausfüllen konnte. Hätte er eine Beratungsfirma gehabt und sein Mandat ruhen lassen, wäre dies noch irgendwie okay.

So aber wird die ganze „Scheinheiligkeit“ der SPD-Kampagne gegen die Banken, die auf mehr staatliche Kontrolle und Regulierung setzt, richtig offensichtlich. Und Steinbrück benötigt, um nicht schon vor dem 9. Dezember über den „Markt“ zu stürzen, viel Rückendeckung.

Reflexartig eilen ihm nun die SPD-Granden Franz Müntefering und Gerhard Schröder zu Hilfe, was zeigt, auch hier naht bei einem Alphamännchen die Götterdämmerung, noch bevor er gegen Angela Merkel überhaupt ins Rennen ziehen kann.

Siehe dazu auch mein Artikel vom Februar dieses Jahres:

Wahlk(r)ampf 2.0: SPD läuft mit Bankengespenst ins Leere 

Die Stadtwerke Bochum dienen nun als Symbol, um zu zeigen, hier schöpfen Eliten aus dem Vollen. Wer arbeitet, ist doch dumm! Jeder hat einen „Markt“, fragt sich bloß zu welchem Preis. 

Links blinken, rechts überholen, so das Motto Peer Steinbrücks. Vom Saulus zum Paulus ist heute kein Problem mehr, innere Haltungen lassen sich flexibel verschieben, je nach Bedarf und Zeitgeist. Wer zahlt dafür schon seinen „Preis“?

Für Normalverdiener ist man so nicht wählbar. Steinbrück ist auch einer der Architekten der sogenannten liberalen neuen Finanzordnung, die mitverantwortlich für die spätere Finanzkrise war. Angesprochen darauf,  reagiert er einsilbig. Jeder macht mal Fehler, oder so…

Genau, nur werden manche nicht mehr bestraft dafür, sondern sogar noch belohnt. Außer vielleicht in diesem Fall von der Geschichte. Denn Steinbrück könnte sich mitten in die geschassten CDU-Granden einfügen, die die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben.

Nur fehlt es der SPD an einer wirklichen Alternative, denn der gemütliche Sigmar Gabriel oder die blasse Andrea Nahles verkörpern kaum eine neue Zeitrechnung. Das aber wird den Fall von Peer Steinbrück ins Abseits nicht aufhalten.

Versuchen wir es abschließend mit einer Prise Humor aus der geschlossenen Anstalt. Kabarettist Erwin Pelzig erklärt uns hier die große Krakenwelt von Goldman Sachs:

Written by lochmaier

November 14, 2012 um 8:19 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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