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Energiewende: Neues vom Stromzähler auf Japanisch und Deutsch

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Beginnen wir mit einem Sprachkurs auf Japanisch, denn nicht nur das Handy versteht mittlerweile diese Sprache. Kurzum: Die Akzeptanz für Erneuerbare Energien wächst dort. Seit der Nuklearkatastrophe in Fukushima vor eineinhalb Jahren scheint der Ausstieg aus der Atomenergie ins Stocken zu geraten. Doch hinter den Kulissen gewinnen alternative Technologien an Bedeutung und verleihen der Energiewende an Durchschlagskraft.

Manche Experten sahen das Land schon auf den Pfad von Angela Merkel einschwenken. Denn Mitte September verabschiedete das japanische Kabinett eine Roadmap zur nationalen Energiewende und votierte damit für den verbindlichen Ausstieg aus der Atomenergie bis zum Jahr 2030. Kurze Zeit später ruderte die Regierung auf Druck der Atomindustrie allerdings wieder zurück und vertagte den endgültigen Ausstieg vorerst auf das Jahr 2040. Japans Weg ins umweltfreundliche Industriezeitalter scheint sich nun doch holpriger zu gestalten als ursprünglich angenommen.

Im Unterschied zu Deutschland, das bereits heute in der Lage ist, ein Viertel seines Strombedarfs aus erneuerbaren Energien zu decken, fristen diese in Japan ein Schattendasein. Ihr Anteil an der Stromversorgung beträgt noch nicht einmal ein Prozent, rechnet man die ebenfalls umweltfreundliche Wasserkraft hinzu, sind es immerhin knapp zehn Prozent. Ein Großteil des japanischen Energiebedarfs wird also immer noch durch Atomstrom gedeckt.

Trotzdem die Zahlen nach wie vor eindeutig zugunsten der klassischen Energiequellen ausfallen, ist nicht zu übersehen, dass sich die Bemühungen, die energieeffizienten und erneuerbaren Technologien auszubauen, seit der Atomkatastrophe von Fukushima stark intensiviert haben. So entsteht in der südjapanischen Stadt Kagoshima gerade ein großer Solarpark. Auf den Inseln Gotō vor Nagasaki wird die dezentrale Stromversorgung auf Basis der Erneuerbaren getestet. Und selbst am Unglücksort, im Meer vor Fukushima, soll in den kommenden zehn Jahren ein größerer Offshore-Windpark entstehen, sofern sich die Machbarkeitsstudien als tragfähig erweisen.

Lesen Sie mehr, was sich hinter der japanischen Energiewende verbirgt, in der Stromzähler-Kolumne im Wallstreet Journal Deutschland:

WSJ: Energiewende auf Japanisch 

Wer es jetzt doch lieber auf Deutsch mag, auch für den hätte ich eine kleine Gesichte parat. Ich habe einmal die Kosten-Nutzen-Rechnung zur Energiewende, insbesondere zum Netzausbau , genauer unter die Lupe genommen. Denn der Bürger sitzt mit seiner „Stromdividende“ hier sowieso mit im Boot.  

Bekanntlich versteht der neue Macher der Energiewende, Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) sich Partei übergreifend exzellent mit Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). Nun aber gibt es bei dem neuen Dreamteam ein kleines Problem: Die Energiewende kostet (zu) viel Geld, was beide Ressorts nicht sonderlich gerne mögen. Und genau deshalb ziehen der Philipp und der Peter plötzlich an einem Strang.

In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ließ Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) dieser Tage mit einem Geistesblitz aufhorchen. Denn das Schwergewicht bringt für die Finanzierung der Energiewende eine leichte Anleihe mit Bürgerdividende ins Spiel. Sie soll dazu beitragen, den milliardenschweren Netzausbau auf elegante Art und Weise vorzufinanzieren. Das Volumen dieser Bürgeranleihe wäre auf rund fünf Milliarden Euro angesetzt, rund 15 Prozent des für den Netzausbau benötigten Finanzvolumens.

In welcher Form das Zukunftsprojekt zur dezentral vom Bürger co-finanzierten Energiewende auf die Spur gebracht werden soll, blieb bei dieser Verlautbarung über das führende Wirtschaftsmedium FAZ wieder einmal im Unklaren. Wie hätten Sie es denn gern, ein Genussschein? Darlehen? Oder möchten Sie eine Schuldverschreibung? Mit den klein gedruckten Details in komplizierten Finanzfragen möchte uns das Bundesumweltministerium (BMU) nicht weiters belästigen. Der Bürger hat vom Geld doch sowieso keine Ahnung, es sei denn, es dreht sich um höhere Steuern.

Der Bürger wird zum Investor, so oder so …

Das Kalkül dahinter: Der vom BMU zum Investor geadelte Staatsbürger wäre ab 500 Euro bei der Energiewende als aktiver Gestalter eingekauft – und würde im Gegenzug – von wem auch immer – eine garantierte Rendite von fünf Prozent einstreichen. Das wäre immerhin deutlich mehr als jeder Guthabenzins bei einer Bank, mag da mancher Investitionswillige ungeprüft in den Chor einstimmen. Ob der durch steigende Strompreise genervte Verbraucher aber wirklich zugreift bei diesem verlockenden Angebot, das steht, wie so vieles andere bei der Energiewende, noch in den Sternen.

Lesen Sie mehr zur deutschsprachigen Energiewende in meinem folgenden Beitrag auf Heise Telepolis:

Heise TP:  Wie bezahlt der Bürger am Ende die Energiewende?  

Written by lochmaier

November 9, 2012 um 2:22 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

2 Antworten

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  1. „Ein Großteil des japanischen Energiebedarfs wird also immer noch durch Atomstrom gedeckt.“ Das ist falsch. Nach dem Unglück von Fukushima sind nach und nach alle AKWs in Japan fristgemäss abgeschaltet worden, wie es alle 13 Monate für Wartungsarbeiten geschehen muss. Im Mai und Juni 2012 waren deshalb 0 (null) Kernkraftwerke in Japan in Betrieb, entsprechend betrug der Anteil des Atomstroms in diesem Zeitraum 0%. Im Juli sind zwei Blöcke des AKW Ohi wieder in Betrieb genommen, und dabei ist es bis heute geblieben. Zwei von 54 AKW-Reaktoren liefern also derzeit Strom – „ein Grossteil“ ist dies mit Sicherheit nicht.

    Oliver

    November 12, 2012 at 7:20 am

    • Energieimporte oder das drastische Energiesparen sind sicherlich kurzfristig ein Ausweg aus der Krise nach Fukushima. Langfristig stellt sich für die Regierung die Frage, wie sie mit dem atomaren „Grossteil“ im Energiemix zwischen Um- und Ausstieg in Zukunft umgeht.

      lochmaier

      November 12, 2012 at 11:23 am


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