Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Bank 2.0: Neues aus der Bunti-Klicki-Welt

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Wie schnell oder langsam sich das Rad der neuen Bankengeneration dreht, das entscheidet nicht zuletzt der Verbraucher, sprich Nutzer. Derzeit scheint der große Hype abgeklungen und eine starke Wachstumsdynamik nicht in Sicht. Einige der Protagonisten wie Fidor Bank und Smava haben Rücksetzer zu verzeichnen. Und neue Himmelsstürmer wie die Crowdinvesting-Plattform „Bergfürst“ kämpfen mit rechtlichen Tücken und Fallstricken, neben dem grundsätzlichen Erklärungsbedarf um die neue Generation von Bankdienstleistungen.

Schaut man sich den deutschen Vorreiter für das Social Lending Smava an, so wird deutlich, das Social Banking der zweiten internetbasierten Generation ist im Mainstream angekommen. Deutliches Zeichen dafür ist, dass die Berliner Plattform jetzt für Autokredite und für Bankkredite von Drittanbietern wirbt. Der richtig große Wurf blieb bei Smava hingegen aus, die Wachstumsdynamik des ursprünglich anvisierten Geschäftsmodells war zu gering, im Fachjargon ausgedrückt, das Peer-to-Peer basierte Kreditmodell skalierte in den vergangenen vier Jahren nicht rasch genug, um so richtig profitabel zu sein.

Wie es dem neuen Shootingstar Bergfürst, einer ebenfalls in Berlin angesiedelten Crowdinvesting-Plattform gehen wird, steht noch in den Sternen. Im Frühjahr in eine Art Betaphase gestartet, hat vor allem die rechtliche Etablierung gedauert. Jetzt hat die Bafin ziemlich viele Daumenschrauben angelegt, denn nicht nur muss der Betreiber erheblich Eigenkapital fix vorhalten, sondern auch regelmäßig an die Behörde „reporten“. Mehr zu Chancen und Fallstricken beim Crowdinvesting vermittelt ein Artikel in der Frankfurter Rundschau.

Andere Betreiber wie United Equity warten nur darauf, bis sich hier eine Art Königsweg beim Crowdinvesting etabliert. Das jedoch dürfte weit langsamer der Fall sein, als es der allgemeine Hype ums Crowdfunding vermuten lässt. Denn es geht hier nicht ums Spenden, sondern um unternehmerische Investments, weshalb die privaten Geldgeber genau hinschauen, ob sie hier nur einem kleinen Wirbelwind aufsitzen, oder aber Geld in eine vielversprechende Geschäftsidee hinein stecken, deren Risiken überschaubar bleiben.  

Wie sieht es mit dem deutschen Flaggschiff der Fidor Bank aus? Kürzlich erst hat das Müncher Web-2.0-Institut für Neukunden das klassische Tagesgeld aus dem Programm genommen. Laut Geschäftsführer Matthias Kröner soll dies jedoch kein Rückzug sein, sondern eine strategische Neupositionierung rund um die bis Frühjahr 2013 erweiterten „eWallet“. Lesen Sie dazu auch den Kommentar von M. Kröner auf den Online-Seiten der Stiftung Warentest.

Fazit: Es gibt unzählige kleine Startups, mit zum Teil exzellenten Konzepten und Ideen, die als (Social) Bank 2.0 auf den Durchbruch hoffen, entweder in Eigenregie oder aber als Lösungspartner in einem größeren Ganzen. Der grundsätzliche Interessenkonflikt ist jedoch ebenso schwer aufzulösen, wie es emanzipierte Anleger braucht, die es gewohnt sind, mit dem Geld unternehmerisch zu agieren. Schaut man sich etwa die letzten Bilanzzahlen der Fidor Bank an, so wird deutlich, dass der Spagat zwischen Web 2.0 und dem Kerngeschäft extrem komplex ist (wohl gemerkt, ich sage nicht, das Glas ist halb leer…).  

Will heißen: Es wird noch einige Jahre dauern, bis wir eine wirklich erfolgreiche „web 2.0-basierte Crowdfunding-Bank“ im größeren Maßstab sehen werden. Das Gros der Banken hat derweil ganz andere Sorgen, man drückt auf die Kostenbremse. Es grassiert die Angst vor Stellenstreichungen. Es dominiert die Furcht vor unzähligen neuen gesetzlichen Regelungen, die Ressorucen binden und ebenso die Kosten nach oben treiben.

Anders ausgedrückt: Money kills Service Innovation

Wo bleibt da noch Spielraum für die Innovation jenseits von ein bisschen Social Media Präsenz im Kerngeschäft? Insofern haben es die neuen Himmelsstürmer schwer, sich auf kürzere Sicht als Alternative zum klassischen Bankwesen zu etablieren. Oder?

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Written by lochmaier

November 2, 2012 um 3:35 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

9 Antworten

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  1. Hallo Herr Lochmaier, stimmt: Einfach ist es nicht… Insofern passt hier wie in vielen anderen Themen auch der von Gartner verbildlichte Hype-Zyklus http://de.wikipedia.org/wiki/Hype-Zyklus
    Aus meiner Sicht sind Banking 2.0 Modelle oft der Versuch der doppelten Innovation – oder recht kleiner Zielmärkte. Doppelte Innovation meint: Man baut ein neues Produkt und man verkauft das neue Produkt über eine neue Plattform. Das ist dann meistens nicht doppelt so schwer, sondern potenziert sich in den Schwierigkeiten, den Markt aufzurollen. Was die kleinen Märkte angeht mal aus der Marktforschungsbrille betrachtet: Wieviele Menschen interessieren sich für social-lending, crowdfunding, oder social trading in CFD’s? Schwer zu sagen… Wir wissen nur einigermaßen gesichert, wie der Markt für Finanzanlagen heute verteilt ist – und was die Menschen die die Produkte kaufen, vermissen.

    Wir haben uns bei moneymeets aus diesem Grund dafür entschieden, die Themen nacheinander anzugehen und bei den Bedürfnissen nach Transparenz, Vertrauen, geringeren Kosten und Hilfe zur Selbstentscheidung anzusetzen. Dabei bleiben wie zunächst bei den klassischen Produkten – sprich, dem was die Menschen heute in Ihren Depots zu 99% wiederfinden: Aktien, Renten, Investmentfonds. Und im zweiten Schritt dem, wie Sie für Ihre Ziele Geld anlegen oder Geld ansparen.

    Danach wird es auch der weitere Schritt gelingen, nämlich die Verkürzung der Wertschöpfungskette, indem die Menschen statt über den Umweg Bank in Anschaffungsdarlehen, Hypotheken und Unternehmensfinanzierungen direkt investieren. Entweder sind dann die Märkte für diese Produkte groß genug – oder es wird Metaplattformen geben, wie in anderen Web 2.0 Themen auch.

    Übrigens: Am dem 19. November werden wird moneymeets die public beta Phase starten.

    Johannes Cremer

    November 2, 2012 at 5:30 pm

  2. Ein wichtiger Indikator für den Entwicklungsstand eines Landes ist die Analphabetenquote. Gäbe es für den Finanzbereich eine ähnliche Kennzahl wäre sehr schnell klar, warum all diese Angebote „scheitern“. Die Deutschen (wie eigentlich alle Menschen weltweit) interessieren sich aus vielerlei Gründen einfach nicht für das Thema „Geld & Banken.“ Erst wenn es Probleme gibt (das Kind schon in den Brunnen gefallen ist), dann entsteht persönlich Betroffenheit und entsprechend Aufmerksamkeit.

    All die genannten Plattformen adressieren daher nur ein sehr geringe Anzahl der Deutschen (nehmen sie mal als Masszahl die Anzahl der Wertpapierbesitzer in Deutschland, knapp 5 Mio.). Hinzu kommen Interaktionshürden wie bspw. die 90-9-1 Regel.

    So sehr ich die Ansätze von Herrn Kröner & Co. schätze, sie alle vergessen eines: die (potentiellen) Kunden. Die meisten aktuellen Innovationen im Finanzbereich setzen allein bei den Institutionen an.

    Die Zukunft im „Banking“ muss beim Kunden beginnen, und das bedeutet ihn wie ein Kleinkind an die Hand zu nehmen, und ihm die Konsequenzen seines Handelns aufzuzeigen und basierend auf seinen Handlungen individuelle Produkte anzubieten.

    Das machen weltweit viel zu wenige Anbieter.

    Ein gutes Beispiel dafür sind die PFM Tools. Gerade findet bei allen Banken eine Art Wettrennen statt, wer als Erster ein entsprechendes Angebot auf den Markt bringt. Dabei hat selbst mint.com nur ein geringe Anzahl von Nutzern gewinnen können.

    Dass es für PFM auch Finanzkenntnisse auf Seiten des Kunden benötigt, um das ganze zu verstehen und Zeit investiert werden muss, um das ganze zu pflegen bzw. die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen, wird übersehen. Einzig allein, dass Tool selbst wird als der heilige Gral gesehen. Warum nur haben in der Vergangenheit nicht alle Menschen Quicken auf ihrem Rechner installiert gehabt?

    Banking muss der Sparringspartner des Kunden werden, und anfangen Ihn auf niedrigem Niveau beginnend zu entwickeln. Darin liegt das Geschäftsmodell der Zukunft! Die Themen Social und Mobile sind dabei Features und nicht das eigentliche Produkt. Sie machen das Produkt noch besser und erweitern es.

    Heutige Banken müssen zusätzlich von ihrem transaktionsbasierten Geschäftsmodell zu einem Mehrwert-Modell wechseln, und sich entsprechende Einnahmequellen erschliessen. Ich persönlich sehe hier allerdings keine Besserung, das Thema „Mobile Payments“ dreht sich in erster Linie um Coupons und zielgenauere Werbung. Dabei entsteht direkt vor unseren Augen ein Datenschatz, um den Kunden zu entwickeln / „steuern“ (Stichwort: Behavioral Engineering). Und all das muss ohne Hürden, auf dem direktesten Weg erfolgen.


    p.s. Yavalu geht m.M. dabei in die richtige Richtung!

    @smsag

    November 4, 2012 at 7:53 pm

  3. Hallo Herr Lochmaier,

    ich würde gerne einen „Meta“-Aspekt hinzufügen. Sie schreiben beiläufig von verschiedenen, bekannten Plattformen wie Smava, bergfürst und Fidor. Letztlich ist die aktuelle Entwicklung auch ein logische Konsequenz aus der politischen Dimension.

    Alle Bespiele münden im Überbegriff „Crowd“. In Deutschland ist die Bewegung der Piratenpartei, bei aller aktueller Infrastrukturproblematik der Partei, eine Crowdbewegung.

    Smava ist Crowd (Crowd-Lending), Fidor ist Crowd (Crowd-banking), bergfürst ist Crowd (equity based crowdfunding).

    Doch es tut sich viel mehr. Es gibt immer mehr Plattformen, da sind „Crowd“ – Working-Plattformen, wo sich viele Menschen ein Projekt oder einen Job teilen. Viele Crowdfunding-Plattformen für die Kulturförderung.

    Die in Deutschland aktuell so populären Crowdinvesting – Plattformen sind nur eine logische Reaktion auf das Verhalten der Banken. Banken haben längst nicht mehr Ihre gesellschaftliche Verantwortung der Mittelstandsfinanzierung im Focus, sondern elektronische Geldgeschäfte, die über Rechenzentren in Millisekunden auf steigende und fallende Kurse spekulieren, abgekoppelt von der Realwirtschaft, abgekoppelt von den Menschen.

    Crowdfunding – in allen genannten Varianten ist daher die Antwort der Menschen, der Bürgergesellschaft auf die Entfremdung von Finanzmärkten und Banken.

    Es ist eine Revolution, ein Aufbegehren und der funktionierende Beweis, dass man eben doch etwas „tun“ kann. Spannend wird es wenn sich diese Ströme und Entwicklungen mit Bewegungen wie Occupy oder Attack verbinden, wenn der politische Arm der Crowd sich mit dem wirtschaftlichen verbindet.

    Ganz auf der Streck im Bereich Banking sind die Gründer und jungen Unternehmer geblieben. Menschen wie Slawomir aus Frankfurt, Mo Shams aus Köln, Daniel, Lucius und Rudolf aus Heidelberg. Junge Menschen, die nach ihrem Studium entscheiden ein Unternehmen zu gründen, Arbeitsplätze zu schaffen, Bedürfnisse unserer Gesellschaft zu erfüllen.

    Diese drei Teams stellen wir aktuell auf unserer „Crowdinvesting“ – Plattform http://www.bestbc.de/projekte vor.

    Banken haben diese Teams erst gar nicht mehr besucht, sie setzen direkt auf die Unterstützer und Crowdinvestoren.

    Eine tolle Vision, wenn es uns künftig gelingt Kunden von Morgen zu Investoren von Heute zu machen.

    Torsten Schreiber

    November 5, 2012 at 8:45 am

  4. Man mag vom Geschäftsmodell von Bergfürst halten was man will, aber es abzuschreiben, ehe es überhaupt gestartet ist, scheint mir nicht sehr nett. Das Team dort versucht eine Revolution in sehr, sehr großem Maßstab, da ist eben auch das Risiko sehr, sehr hoch.

    Dass Sie in Ihrem Artikel mit keinem Wort Seedmatch erwähnen, den Marktführer des Crowdfundings für Startups, ist schade: Uns geht’s nämlich ziemlich gut, die Presse ist begeistert und auch das Feedback der Investoren sowie die zugehörigen Statistiken sprechen eine ähnliche Sprache. Der Hype hat da gerade erst begonnen. Warten Sie mal die kommenden Wochen ab, da trennt sich dann die Spreu vom Weizen in diesem Markt.

    Was die Zielgruppe angeht: Auch mit einer Zielgruppe von wenigen Millionen kann man Geld verdienen. Man muss Angebote machen und sehen, ob sich der Markt dafür begeistern lässt. Wir spüren: Hier ist definitiv Begeisterung da.

    Beste Grüße
    Jakob Carstens
    Seedmatch.de

    Jakob Carstens (@j4kob)

    November 5, 2012 at 9:40 am

    • Lieber Herr Carstens,

      vielen Dank für die Gedanken aus Sicht von Seematch. Eine kurze Klarstellung meinerseits: Weder geht es hier darum, Bergfürst oder sonst jemanden niederzuschreiben. Im Gegenteil: Es braucht jenseits von Scheuklappen eine fundiert-kritische Auseinandersetzung, der sich gerade dieses Weblog verschrieben hat. Auch das ist eine Revolution. Denn ich hebe mich auch vom gelegentlich startup-gläubigen Jargon ab, den einige hippe Plattformen so pflegen. Andererseits rechtfertige ich auch nicht das alte Bankensystem, weiß aber, dass ich es nie allen Lesern recht machen werde.

      Und zu Seedmatch und anderen Plattformen habe ich bereits fundiert via Blog und Bücher berichtet, als sonst sich des Themas noch kaum jemand angenommen hat. Sie sollten hier also vorher einmal gründlich recherchieren, bevor Sie eine Meinung fassen. Denn die Welt ist bekanntlich bunt, und nicht schwarz-weiß.
      In diesem Sinne, weiterhin viel Erfolg
      Lothar Lochmaier

      lochmaier

      November 5, 2012 at 9:54 am

  5. Moin Lothar,

    da spielen wir uns ja ganz unabgesprochen wieder ein wenig die Bälle zu. Dein Beitrag passt ja wunderbar zu meinem Text der letzten Woche „Bankkunden zwischen Disruption und Tradition“
    http://www.wallstreetjournal.de/article/SB10001424052970204840504578088551926637438.html

    Da stelle ich ja fest, dass trotz großer Unzufriedenheit mit den gewohnten Bankprodukten, die meisten Kunden weiter an ihren bestehenden Verbindungen festhalten. Die Newcomer müssen sich jetzt Gedanken machen, wie sie „Moore’s Graben“ überspringen. Das ist nicht ganz einfach und bedarf vielleicht noch einen etwas längeren Atem, weil sich Kunden bei Finanzprodukten anders verhalten, als bei anderen Dienstleistungen.
    Viele Grüße
    Dirk

    dels

    November 5, 2012 at 3:22 pm

  6. […] Ergänzung zu meinem Beitrag empfiehlt sich außerdem von Lothar Lochmaier “Bank 2.0: Neues aus der Bunti-Klicki-Welt“. Er geht macht deutlich, dass der Spagat zwischen Web 2.0 und dem Kerngeschäft der Banken […]

  7. Bei vielen Innovationen besteht eine wesentliche Herausforderung darin, das Produkt mit der Zielgruppe zu entwickeln, da die für den ersten Erfolg notwendigen Early-Adopter ganz andere Wünsche haben als die breite Masse. Das was die Early Adopter wollen, will die Masse nicht, das was die Masse will, verschreckt die Early Adopter. Dieser Graben zwischen den Zielgruppen (wurde nicht von mir erfunden, siehe „Crossing the chasm“) ist umso größer, je mehr Know-How bei einem Kunden vorausgesetzt wird und je komplexer das Produkt ist. Und das ist umso schwerer zu „managen“, wenn es sich um B2C handelt und nicht B2B, wo man ja auch die Kunden im direkten Vertrieb besser „kontrollieren“ kann. Das wäre eine theoretische Erklärung, warum Banking 2.0 so schwer ist (ausser den üblichen Argumenten wie Vertrauen, regulatorisches Umfeld,…)

    Dennoch darf ich ein paar erfreuliche Kennzahlen nach den ersten drei Monaten nach dem Start von wikifolio.com im August bekannt geben

    * mehr als 100 unserer publizierenden Trader notieren jetzt mit eigener ISIN an der Stuttgarter Börse (wir wären damit das Startup mit dem meisten IPOs in Europa 😉 und sind damit bei allen Banken in Deutschland handelbar

    * Mehr als €50 Millionen ausgelöstes Handelsvolumen von allen Followern in 3 Monaten

    * Täglich zwischen € 50.000 und € 250.000 frisches Kapital

    * fast nichts von unserem Marketing Budget ausgegeben

    Natürlich wäre ich auch sehr an der Meinung von Herrn Lochmaier zu wikifolio interessiert 😉

    Beste Grüße
    Andreas Kern

    Andreas Kern

    November 5, 2012 at 3:29 pm

    • Avantgarde oder Außenseiter, lautet hier die Preisfrage. Vielen Dank den bisher recht interessanten Ausführungen zum Innovationsdilemma im Finanzsektor, wo der Graben zwischen dem Massenmarkt und den Innovatoren deutlich größer ausfällt als in anderen Branchen. Eine systemische Betrachtung oder gar Prognose zu disruptiven Effekten der nächsten 5-10 Jahre fällt da schwer. Praxisnah formuliert: Bei sich selbst erklärenden Konsumprodukten fällt es relativ leicht, diese irgendwann, wenn die Skaleneffekte eingetreten sind, von der Avantgarde in den Massenmarkt zu heben.

      Geld aber ist nun einmal ein schwieriges Feld, selbst die aufgeklärten Anleger können die Geschicke nur bedingt in die eigene Hand nehmen. Zum Beispiel ein Haus kaufen und/oder Immobilien vermieten, oder ein paar Euro in Gold investieren. Das Problem ist neben dem niedrigen allgemeinen Bildungsstand in der Bevölkerung auch der Zeitmangel bei den besser Gebildeten und Verdienenden. Denn um z.B. mit der Aktienanlage wirklich als „Selbstentscheider“ erfolgreich zu sein, müsste man eigentlich den ganzen Tag intensiv vor dem Rechner sitzen.

      Man kann das natürlich auch Dritten überlassen, oder versuchen einfache Produkte wie ETF’s ins Auge zu fassen. Ist aber keine Erfolgsgarantie. So erklärt sich vielleicht auch der nicht leichte Weg der neuen „Banker im Web 2.0“, es braucht deshalb meinerseits viele kleine killerapps, um hier eine größere Entwicklung in Gang zu setzen. Ich halte es nicht für unmöglich, aber es braucht, wie viele Kommentatoren es schon oben anmerken, sicherlich einen langen Atem, den nicht alle Betreiber haben werden.

      Aber den Mutigen nicht Übermütigen gehört sicherlich die Zukunft. Denn nach zwei bis drei Jahren der Kosteneffizienz und Umstruktuierung in der Branche rücken auch Innovationsfragen vermutlich stärker in den Vordergrund. An eine disruptive Entwicklung a la Finanzapp 2.0 zu glauben, halte ich allerdings für etwas vermessen. Pragmatisch weiter bringt die „Crowdfunding-Bank“ sicherlich eine Politik der kleinen und transparenten Schritte.

      lochmaier

      November 5, 2012 at 3:50 pm


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