Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Neunte Killerapp: Neue Geschäftsmodelle attackieren Provisionsmodell

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Das Ende der rein provisionsgetriebenen „Beratungsqualität“ zeichnet sich ab. Erste kleine Silberstreifen am Horizont sind erkennbar. Denn der Vertrauensverlust, der etablierten Finanzhäusern entgegenschlägt, treibt zumindest einen gewissen Prozentsatz an nachdenklichen Kunden dazu, sich tatsächlich auf die Suche nach alternativen Anlegeformen und -modellen zu begeben. Menschen interessieren sich plötzlich für mehr als Zinsen. Sie wollen wissen, wo ihr Geld bleibt und vor allem, wer es wie vermehrt.

Auch Brancheninsidern dämmert es langsam, wie die Bank der Zukunft aussehen müsste. Kurzum: In der Bank 2.0 wäre der Kunde tatsächlich zur Abwechslung mal der von der Straße eingesetzte König. Bleibt bloß die Frage, ob die Banken diese Entwicklung aktiv mitgestalten oder eher an den Rand gedrängt werden. Banking 2.0 bedeutet übrigens nicht, keine Gewinne zu machen und ausschließlich an andere zu denken, sondern ein Geben und Nehmen im gleichen Takt, zu ebenso fairen wie transparenten Austauschbedingungen. Wie gelingt das?

Die Konsequenz wird unausweichlich sein, menschliche Netzwerke zum Zwecke der privaten Kreditvergabe, statt maschinell gesteuerten “Provisionsmaschinen“. Jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei birgt das soziale Internet ein erhebliches Potential zur Bildung von Interessengemeinschaften. Die Dehierarchisierung der Finanzindustrie durch virtuellen Interessenausgleich wird eine anstrengende Form der Demokratie sein, zieht aber auch eine ziemlich spannende Entwicklung nach sich.

Der einzige systemimmanente Rettungsfallschirm in der Bankenwelt ist ohnehin die menschliche Kreativität und Arbeitskraft. Die Geldinstitute sollten selbst eine probate Strategie zur Eigenmittelvorsorge implementieren, aber auch neue Wege in der Liquidation von bestimmten Geschäftsteilen, die sich zur Gesellschaft kontraproduktiv verhalten, beschreiten. Letztlich bräuchten wir neben den großen Spielern vor allem kleinere Einheiten, die sich eine dezentrale Steuerung, auch unter Beteiligung der „niederen Schwarmintelligenz“ auf die Fahnen schreiben. Und die Banken müssten bereit sein, ich wiederhole es gerne gebetsmühlenartig an dieser Stelle, den Kundendialog auf Augenhöhe zu führen. Dann kämen andere Produkte heraus.

Der Trend ist unübersehbar, so dass es nicht beim verbalen Bankenbashing bleibt. Ein Teil der Nutzer votiert künftig für ein anderes Machtgewicht, kleine, dezentral und flexibel aufgestellte Bankeinheiten gewinnen an Bedeutung. Deren Strahlkraft nimmt in dem Maße zu, wie sie die Bedürfnisse der lokalen Wirtschaft und Gesellschaft besser abdecken als die Black Box Bank, die Welt der als anonym beschriebenen großen Geschäftsbanken. Man darf gespannt sein, wie diese Entwicklung die Landschaft in den kommenden zwei Jahrzehnten prägen wird.

Die zentrale Killerapplikation in der Bank 2.0 ist der Kunde, denn er klärt die Verkäufer nicht nur über ihre Produkte auf, sondern zwingt aufgrund seines internetbasierten Vernetzungsgrads die Finanzindustrie auch bessere sprich effizientere Produkte zu kreieren. Für die neuen Spieler in der vernetzten Bankenwelt gilt indes: Wer im Innovationszug ganz vorne sitzt, holt sich vermutlich eine blutige Nase. Der Gegenwind bläst forsch ins Gesicht. Aber es ist auch das Gefühl, an der Entstehung von etwas Neuem beteiligt zu sein. Wer in der Mitte des Zuges sitzt, fährt dagegen bequem und relativ risikolos, irgendwie gut genährt, aber auch langweilig. Vielleicht wird man bald schon in die hinteren Waggons durchgereicht. Denn ganz hinten, da wird der eigene Wagen ganz vom Zug abgehängt. In welchem Zugabteil möchten Sie am liebsten mitreisen?

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Written by lochmaier

August 23, 2012 um 2:54 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. Reblogged this on im Zuge der Zeit.

    greich

    August 27, 2012 at 10:00 am


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