Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Dritte Killerapp: Finanzblogger stören das große Spiel

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Nicht nur die Medienindustrie ist durch das Internet in die Krise geraten, oder sagen wir es positiver, einem Wandlungsprozess unterworfen. Auch neue Protagonisten wie die Blogger erheben ihre Stimme, die klassische Tagungszeitung ist mittelfristig nicht nur in den USA vom Aussterben bedroht. Was für ein Aufwand, die Druckerpresse anzuwerfen. Viele Medienverlage sind hierarchisch geführt worden und haben sich dem Wandel verschlossen. Aber auch die Leit- und Wirtschaftsmedien öffnen sich allmählich dem Dialog.

Eines gleich vorweg: Die seltsame Spezies „Finanzblogger“ besteht nach meiner Lesart nicht nur in einem elitären Zirkel von Gleichgesinnten, die vermeintliche Insiderinformationen zu Banken und Finanzen unter sich austauschen. Ich sehe das Ganze grundlegender, jeder ist ein Finanzblogger, der sich einmischt, der Fragen stellt, der mit anderen nach tiefergehender Informationen zum Finanzgeschehen sucht. 

Denn der Informationsgehalt und -zuschnitt wird im Zeitalter sozialer Netzwerke jedoch nicht mehr von oben verordnet, sondern entsteht durch ein vielfältiges Meinungsbild. Der Dinosaurier ist irgendwann ausgestorben, weil er sich der Umwelt nicht mehr anpassen konnte. Zeitlose Leitindustrien wie die Banken oder Automobilindustrie mit ihren Besitzansprüchen sind in die Krise geraten. Im Vorteil sind Unternehmen, die mit dem Kunden auf Augenhöhe reden. Was braucht die Finanzwelt wirklich? Etwas davon können Blogs, Foren und sonstige Marktplätze für offene Meinungen bieten, z.B.:

– Finanzielle Themen mit verständlichen Worten darstellen

– Sich zu bestimmten Fachthemen als Finanzexperte profilieren

– Interessante Randthemen und Inneneinsichten jenseits vom Mainstream formulieren

– Sich mit anderen Nutzern zum lösungsorientierten Dialog vernetzen

– Leser bilden über aktive Netzkommunikation eine Art „Zukunftsrat“

Zweifellos spielen profilierte Wirtschafts- und Finanzblogs künftig zumindest in der qualitativ hochwertigen Nische eine prägende Rolle, dessen Charme sich auch der mediale Durchschnitt nicht entziehen wird. Eine visionäre Entwicklung in Richtung „Finanzjournalismus 2.0“ scheint greifbar, die ihren Markt von den medialen Rändern her ausweitet. Online-Portale mit Blogcharakter wie Businessinsider, Zerohedge und viele andere kombinieren bereits heute auf geschickte Art und Weise die Welt der Nachrichten mit hintergründiger Berichterstattung.

Und einige dieser Online-Portale sind längst vom Schattendasein ins Rampenlicht getreten. Mittlerweile verfügen Businessinsider und Co. in den USA nicht nur über nennenswerte Reichweiten, Werbeeinnahmen und personelle Ausstattung. Sie gehören auch zu den von gängigen Leitmedien immer öfters zitierten Quellen, wenn es sich um exklusive Geschichten oder persönlich eingefärbte Hintergrundberichte handelt.

Das Fazit zu dieser Killerapp lautet deshalb: Einbahnstraßenkanäle und selektives Nachrichtenmanagement mit vermeintlich exklusiven Geschichten verlieren angesichts einer neuen Medienvielfalt an Gewicht. Zweifellos verstärkt sich dadurch der Trend zum personalisierten Wirtschafts- und Finanzmedium im Netz, mit einer weiteren Vertiefung in Richtung Themen- und Spartenkanäle, die der geneigte Leser in einer Art Baukastenprinzip individuell konfigurieren kann.

Dies führt dazu, dass gerade die Leitmedien nicht umhin kommen, neue Spieler wie soziale Medienkanäle oder andere vermeintlich rudimentäre Nachrichtenseiten ernst zu nehmen und sukzessive kreative Spielelemente in ihr eigenes Geschäftsmodell einfließen zu lassen.

Dadurch wächst die Nische für „echte“ Geschichten, mit unterschiedlichen Akteuren und Unternehmern zum Anfassen. Die Berichterstattung bewegt sich damit partiell, verstärkt durch den sozio-ökonomischen Paradigmenwandel in der Finanzwelt, weg von Stereotypen und Hochglanzbildern, zumindest wenn diese einer genaueren Überprüfung durch die Gesellschaft nicht mehr standhalten.

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Written by lochmaier

Juli 16, 2012 um 4:25 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

4 Antworten

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  1. […] Social Banking 2.0: Dritte Killerapp: Finanzblogger stören das große Spiel […]

    • Wenn das jetzt wirklich schon so kristallklar wäre von wegen Einfluss der Leitmedien / Blogosphäre in den Staaten, dann müsste Obama sich ja keine Sorgen machen, dass Mitt Romney ihn mit seinem Budget an die Wand drängt. Ich glaube, dass ist immer noch ein wenig wunschdenken von Bloggern 😉

      Martin Burch

      Juli 17, 2012 at 9:50 pm

  2. […] Dritte Killerapp: Finanzblogger stören das große Spiel Nicht nur die Medienindustrie ist durch das Internet in die Krise geraten, oder sagen wir es positiver, einem Wandlungsprozess unterworfe… […]

  3. […] Dritte Killerapp: Finanzblogger stören das große Spiel Nicht nur die Medienindustrie ist durch das Internet in die Krise geraten, oder sagen wir es positiver, einem Wandlungsprozess unterworfe…   lochmaier   […]


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