Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Q 110: Die Zukunft der Bankfiliale? 11 Fragen und 0 Antworten

with 20 comments

Vor kurzem ging ich in Berlins schicker Neuer Mitte spazieren – der Weg führte mich in die Q 110, die Vorzeigefiliale schlechthin in Deutschland, wenn es um eine moderne Umgebung in der Bankfiliale geht, die jedem Sturm trotzen soll. Mein Erlebnis und persönlicher Wohlfühlfaktor lassen allerdings nur einen Schluss zu. Es gibt viele Fragen, aber keine Antworten. Denn fast alles in der Q 110, dem Flaggschiff der Deutschen Bank, wirkt im bunten Bühnenkolorit reichlich konstruiert und künstlich über die reale Welt aufgesetzt.

Bevor ich zum eigentlichen Thema komme, ein Rückgriff auf futuristische Zukunftsszenarien am Beispiel der legendären Fernsehserie Star Trek. Neben dem Shakespeare-Darsteller Captain Picard gab es in einigen Folgen der zweiten Version vor rund zwanzig Jahren eine Filmfigur namens Q zu bestaunen.

Dessen Funktion erklärt uns Memory Alpha: Das Q-Kontinuum ist sowohl die Heimat der Q als auch die Bezeichnung für ihr Zusammenleben. Das Kontinuum ist ein extradimensionaler Lebensraum, den der menschliche Verstand nicht zu begreifen im Stande ist. Für die Q haben Zeit und Raum in ihrem Kontinuum keine Bedeutung, weswegen sie sich ohne Verzögerung von jedem beliebigen Ort und jeder beliebigen Zeit des Universums zu einem anderen transportieren können.  

Vollbild anzeigen

John de Lancie alias Q zeigt in der Serie Star Trek keinen Respekt vor Menschen. Q ist ein Wesen, das einer gleichnamigen, nahezu omnipotenten Spezies angehört. Als solches kann er Zeit, Raum und Materie fast beliebig verändern.

Nun aber zum gar nicht so weit davon entfernten eigentlichen Themenkomplex der Spezies Q, nämlich der Q 110: Vor dem Weiterlesen empfehle ich zunächst per Link einen kleinen virtuellen Rundgang durch die Q 110 der Deutschen Bank in Berlin, damit Sie verstehen, was ich meine. Oder um es mit deren eigenen Worten auszudrücken:Wir haben uns gefragt, wie eine moderne Bank im 21. Jahrhundert aussehen sollte, in der die Menschen weiter in den Mittelpunkt rücken.“

Q110 specials

Quelle: Deutsche Bank

Die Antwort der Deutschen Bank auf diese Frage fiel so aus: „Das Ergebnis ist Q110 – die Deutsche Bank der Zukunft. Hier machen wir das Banking von morgen schon heute erlebbar.“ Soweit diese kleine Einführung. Es geht hier übrigens, wie so oft in diesem Blog, weder spezifisch um die Deutsche Bank als „Prügelknaben“, noch um das Bankenbashing allgemein – sondern um eine nüchterne, wenngleich kritisch-zugespitzte Bestandsaufnahme.

Warum aber werden in den kommenden Jahren von den derzeit – glaubt man offiziellen Statistiken – rund 24.000 Bankfilialen in Deutschland, bis zum Jahr 2020 die Hälfte verschwinden? Klar, weil es wenig Sinn macht, eine hoch getunte Filiale wie die Q 110 aufzusuchen, deren Charme irgendwo in einer hybriden Erlebniswelt zwischen Ikea-Kindergarten, McDonalds, einem Drei-Sterne-Restaurant und einem Kinder-Forschungslabor, und nicht zu vergessen, einem Tschibo-Einkaufsladen stecken bleibt.

Kurzum, alles was sich standardisieren lässt, ist überflüssig, nur dort wo hohe Qualität tatsächlich nachweislich zu vertretbaren Kosten erbracht wird, da hat die Bankfiliale jenseits von optischem Blendwerk wirklich eine Zukunft. Deshalb stelle ich elf Fragen, auf die es in der Branche bislang keine überzeugenden Antworten gibt:

Erstens: Warum soll ich als Kunde überhaupt eine Filiale aufsuchen, wenn ich mich im Netz besser informieren kann als der Berater hinter dem Wohlfühltresen, der mir die wichtigen Fragen ohnehin nicht beantworten kann oder will.

Zweitens: Auch über Provisionslastige Produkte erfahre ich im Netz mehr als vom Berater.

Drittens: Geldautomaten gibt es schon flächendeckend, auch deshalb brauche ich nicht mehr rein in die Filiale. 

Viertens: Wenn ich einkaufen will, dann gehe ich zum Original, zu McDonalds, Starbucks, Tschibo oder zu IKEA, aber nicht in die Q 110.

Fünftens:  Die Wohlfühlfiliale ist ein künstliches Marketingskonstrukt, das aus der Verzweiflung heraus geboren ist, dass die Bankfiliale in der Form keine Zukunft hat.

Sechstens: Dort, wo die Bankfiliale eine Zukunft hätte, nämlich insbesondere in ländlichen Regionen, müssen die Berater von Sparkassen und Volksbanken fast noch stärker als früher Zertifikate und sonstige undurchsichtigen Produkte verkaufen (auch an 80-jährige Rentner, ich belege diese Behauptung gerne schriftlich), um das eigene Überleben bzw. die Zielrendite der kleinen Filiale zu sichern. Dieser Schuss geht definitiv nach hinten los.

Siebtens: Für Jüngere ist die Bankfiliale so sexy wie der Gang zum Zahnarzt, das Karies und der Zahnplac – man wird es bestimmt nicht los, wenn man weiter nichts tun und ändert.

Achtens: Märkte sind Gespräche, es gilt zu überzeugen statt zu überreden. Für diese Art der differenzierten Kundenkommunikation sind die unter- bzw. falsch qualifizierten sowie „angereizten“ Bankberater nicht ausreichend vorbereitet.

Neuntens: Ich sitze lieber auf einer Parkbank und höre den Vögeln zu, dort erfahre ich mehr als in einem einstimmigen Powerpoint-Gesang in der Bankfiliale, wo die Krähen dominieren und die negativen Stimmen aus gutem Grunde ausgeblendet werden.

Zehntens:  Die Bankfiliale folgt den interaktiven Regeln im Netz, nicht umgekehrt – oder sie ist in der Fläche nahezu überflüssig.

Elftens: Abschließend die gute Nachricht, ein Teil der Bankfilialen könnte längerfristig überleben, wenn man sich dort den Slogan „Der Kunde steht im Mittelpunkt“ nicht nur auf die Werbefahnen schreibt.

Das waren 11 Fragen und o Antworten. Sie können gerne eine eigene Frage oder Antwort hinzufügen. Was würde Q von Star Trek jetzt tun?

Nachtrag am 21.06. (08.46 h): Mittlerweile hat ein Mitarbeiter der Deutschen Bank via Twitter folgendes zu meinem Beitrag verlauten lassen: „wunderlicher artikel. gar keine fragen gestellt. allenfalls thesen aufgestellt. die kann man teilen. oder nicht.“ Der Genaugkeit und sportlichen Fairness halber soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass es sich bei dieser Wortmeldung via Twitter nicht um ein offizielles Statement der Deutschen Bank handelte, sondern nur um „die private Meinung eines einzelnen Mitarbeiters“. 

Dazu mein Kommentar: „Meine Thesen oder Fragen sind konzeptionelle Anregungen, mit denen man sich bei der Deutschen Bank intensiver beschäftigen kann. Oder nicht.“ Letzteres wäre schade. Denn schließlich sind meine Ratschläge, wie die Bankfiliale am Puls der Realwirtschaft postiert sein kann, viel billiger zu haben als jene von McKinsey & Co. 

Und hier noch ein Imagevideo der Deutschen Bank zur Q 110:

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Written by lochmaier

Juni 20, 2012 um 7:02 am

Veröffentlicht in Uncategorized

20 Antworten

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  1. Die spannende Frage lautet ja, wie überhaupt sollte eine Filiale in Zukunft aussehen, um erfolgreich zu sein. Meine These: Es können Ikea Möbel drin stehen, solange die Personalqualität und das Angebot stimmen.

    Beste Grüße

    Hansjörg Leichsenring

    http://www.der-bank-blog.de

  2. Das ist der „springende“ Punkt, Denn das Ambiente dient nicht nur Ablenkung vom Wesentlichen, damit der Kunde vergisst, worauf er achten soll. Die Bank selbst muss mit harten Fakten wie „Personalqualität und Angebot“ überzeugen, nicht mehr, nicht weniger. So gesehen ist es dem Kunden egal, ob Ikea oder elegantere Möbel. Man könnte die Filiale natürlich auch noch anders besetzen, hier fehlt es den Machern, die vornehmlich von Werbe- und chicen Innenambiente-Strategien geprägt sind, an innerer Motivation, um analog zum Bewusstseinswandel auch das Outfit auf Augenhöhe mit dem Kunden zu gestalten.
    Hinter meinem Satz „Die Filiale folgt den Regeln des Internets (form follows function) verbirgt sich ein klarer Hinweis, wie es laufen kann. Nur wird das keiner verstehen oder gar umsetzen. Diejenigen, die es vielleicht doch schaffen, können sich vom Wettbewerb differenzieren. Schließlich hat die Deutsche Bank bei ihrer Tochter Noris Bank gleich alle Filialen dicht gemacht und nur noch auf Online-Betrieb umgestellt. Ein ähnliches Schicksal wird noch so manchen Player ereilen, wenn er nicht mit einem hybriden Konzept überzeugen kann.

    lochmaier

    Juni 20, 2012 at 12:31 pm

    • @Lochmaier: Das habe ich glaub verpasst: Wie ging das mit der Noris Bank..?

      Verglichen zum angelsächsischen / Lateinamerikanischen Raum bin ich eigentlich hoch zufrieden mit einer durchschnittlichen Deutschen / Schweizerischen Filiale und der Film auf Youtube hat Rund 2600 Views, davon 4 positive und ein negatives Rating. Das saft meiner Meinung nach vor allem eines: Den meisten Leuten ist es egal. Aber ganz persönlich würde ich bei einer Bank mit Ikea Möbeln glaub ich gleich wieder rückwärts raus, ganz unabhängig von Personalqualität und Angebot!

      Aber wenn ich das nächste Mal in Berlin bin, schaue ich mir das Q110 ganz sicher einmal an!

      Martin Burch

      Juni 20, 2012 at 7:48 pm

  3. Puh, ist das schlecht und aufgesetzt!
    Ich würde mich nicht wohlfühlen, wenn es so offensichtlich ist, dass das eigentliche Geschäft und die Qualität eines Bankmitarbeiters oder -produktes so verschleiert wird!

    Stefan

    Juni 20, 2012 at 4:18 pm

  4. Sehr schön. Aber ist Q 110 nicht ohnehin ein Relikt aus weniger digitalisierten Zeiten? Liegt die wirkliche Herausforderung für die etablierten Spieler nicht darin, klassische Filialkonzepte mit neuen Kommunikations- und Informationsgewohnheiten zusammenzubringen (also nicht das eine gegen das andere auszuspielen)? Offensichtlich hat die Deutsche Bank mit Q 110 das Experiment gewagt, auf neue Konsumgewohnheiten zu setzen – und ist damit gescheitert. Aber statt darauf herumzureiten – wäre es nicht besser, das Experimentieren etablierter Spieler zu stärken, sie aber zu ermutigen, sich auf zeitgemäße Entwicklungen einzulassen? Überlegungen dazu auch im aktuellen White Paper auf http://coretechmonitor.com.

    Mirko

    Juni 20, 2012 at 4:36 pm

  5. Guten Abend Herr Lochmaier,

    ich bin begeistert von Ihrem Beitrag, dieser spricht eine klare Sprache und trifft meiner Meinung nach, den Nagel wunderschön auf den Kopf. Außerdem finde ich es auch bemerkenswert, dass Sie schon um ca. 07.00 Uhr in der Lage sind einen so tollen Beitrag zu präsentieren.

    Betreffend Ihres Beitrags muss ich Ihnen mitteilen, dass ich den Inhalt zu 100% teilen kann, sehe meine Meinung durch Ihren Beitrag quasi perfekt wiedergegeben. Mir persönlich gefällt die kleine und einfach gestaltete Bankfiliale im Dorfe jedenfalls sehr viel besser, als so ein futuristisches Marketingskonstrukt. Da frage ich mich immer, bin ich hier in einem Raumschiff oder in einer Luxusherberge?

    Ne, dann lieber die künstliche Deko-Palme in der kleinen Bank vor Ort oder?

    J. Weber

    Juni 20, 2012 at 9:52 pm

  6. Ein Hinweis für die Leser: Mittlerweile hat die Deutsche Bank via Twitter folgendes zu meinem Beitrag verlauten lassen: „wunderlicher artikel. gar keine fragen gestellt. allenfalls thesen aufgestellt. die kann man teilen. oder nicht.“
    Dazu mein Kommentar: „Meine Thesen oder Fragen sind konzeptionelle Anregungen, mit denen man sich bei der Deutschen Bank intensiver beschäftigen kann. Oder nicht.“ Letzteres wäre schade.

    lochmaier

    Juni 21, 2012 at 6:45 am

  7. Zum vorigen Hinweis um den Kommentar eines Mitarbeiters der Deutschen Bank via Twitter nochmals eine Präzisierung: Der Genaugkeit und sportlichen Fairness halber soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass es sich bei dieser Wortmeldung via Twitter nicht um ein offizielles Statement der Deutschen Bank handelte, sondern nur um „die private Meinung eines einzelnen Mitarbeiters“.

    lochmaier

    Juni 21, 2012 at 10:01 am

    • Darf denn der Social Media während der Arbeitszeit benutzen 😉

      Martin Burch

      Juni 21, 2012 at 3:54 pm

  8. In Ihrem Blog lässt sich besser differenzieren als auf 140 Zeichen bei Twitter. Jetzt lassen wir die Diskussion ob These oder Frage, Ausrufezeichen oder Fragezeichen doch mal einen Moment beiseite. In diesem Sinne habe ich mir Ihre 11 Statements noch mal genauer angeschaut. Folgendes fällt mir ein:
    (1.) Ich denke, im Grunde vertrauen Menschen vor allem Menschen. Schon bald werden wir Technologien sehen, die uns beim Kauf von erklärungsbedürftigen Produkten mit einem menschlichen Berater auch virtuell in Kontakt bringen (Audio, Kamera, Chat; z.B. vom Tablet/Smartphone). Ich denke, so lange diese Technik nicht serienreif und breit akzeptiert ist, und so lange schriftliche Vertragsformen die Norm sind, behält die Filiale ihre Berechtigung.
    (2.) Sie haben recht, dass das Netz eine unschlagbare Informationsquelle ist, und gerade bei „provisionslastigen“ Produkten besteht im aktuellen Banken-Geschäftsmodell natürlich die Gefahr, dass der Berater, naja, nicht ganz unbefangen ist. Bei komplexem, erklärungsbedürftigen Sachverhalt birgt jedoch die Befragung der „Crowd“ die Gefahr, sich zwar mit Meinungen, nicht aber mit Wissen zu versorgen. Das habe ich gerade als Bauherr erfahren: Nach dem Studium diverser Foren war am Ende doch oft mein Architekt der beste Ratgeber. Ich denke, die Zunft der Finanzberater hat die gute Chance, in die Rolle als vertrauenswürdiger Partner zurückzufinden.
    (3.) Stimmt. Wenn wir schon die Bargeldversorgung thematisieren, dann stelle ich die Gegenthese auf, dass die Bedeutung von Bargeld ohnehin recht schnell schwinden wird im künftigen Zahlungsverkehr.
    (4.) Das mag sein. Ich selbst finde es ganz angenehm, wenn ein Bank-Mitarbeiter sich offensichtlich nicht nur mit Geld beschäftigt, sondern vielleicht auch mal mit Kunst, Genuss oder Kultur. Und ich finde, gerade Ihr Beispiel Q110 bringt das ganz gut zum Ausdruck.
    (5.) Weil ich, siehe „erstens“, davon überzeugt bin, dass Menschen vor allem Menschen vertrauen, nehme ich Ihre These an, dass die Bankfiliale in der gestrigen distanzierten und bürokratischen Form keine Zukunft hat. „Künstliches Marketingskonstrukt“ ist mir aber zu einseitig. Ich finde es gut, mit einem neuen Filialkonzept oder technischen Innovationen zu experimentieren. Letztlich geht es doch vor allem darum, zu sehen, was die Menschen an Informations- und Beratungsangeboten gerne annehmen möchten — und was eher nicht.
    (6.) Hier bin ich nicht so sicher. Gerade im ländlichen Raum, wo die Wege lang sind, und bei älteren Leuten, die weniger mobil sind, verspreche ich mir recht viel von neuen Angeboten zur „virtuellen Beratung“. Zum Beispiel pflege ich bereits heute den Kontakt mit Freunden oder Onkels in der Ferne, die Fotos von Haus und Kindern sehen wollen, übers Internet intensiver als ohne. Ich denke, gerade für Senioren können soziale Netze ein Segen sein. Dass man 80-jährigen Rentnern keine Produkte verkauft die diese nicht verstehen, versteht sich von selbst. (Genauso allerdings, dass Kunden jeden Alters keine Produkte kaufen sollten, die sie nicht verstehen.)
    (7.) Meine These ist, dass Banking an sich so sexy ist wie der Zahnarzt, aber das hat nichts mit den Filialen oder deren Mitarbeitern zu tun. Anders ausgedrückt: Girokonto und Überweisung sind wie Mobilfunkvertrag und Stromversorger: Sie müssen zuverlässig funktionieren und dürfen nicht viel kosten. Wenn die Jüngeren älter werden (so wie mir das gerade unweigerlich passiert…), dann denken sie plötzlich über Baufinanzierungen, Altersvorsorge und Ausbildungskosten für den Nachwuchs nach. Und dann wird menschlicher Kontakt plötzlich wichtig. Siehe „erstens“: Gerne virtuell, aber im Moment noch ganz persönlich, in Filialen; oder warum nicht auch mal bei mir zu Hause? (Plaque schreibt man aber mit q-u-e).
    (8.) Einverstanden. Aus Verkäufern sollten Berater werden, die zuhören können, sich als Dienstleister verstehen und sich nicht an ihrem Bürostuhl festklammern oder an knappe Öffnungszeiten gebunden fühlen.
    (9.) Ich sitze auch gerne im Grünen, denke dabei aber meistens nicht an Bankgeschäfte.
    (10.) Beim „nicht umgekehrt“ sind wir uns einig: Das Netz wird nicht den Regeln der Bankfiliale folgen. Inwieweit die Bankfiliale den Regeln im Netz folgt, sollten wir differenzieren: was Dialogbereitschaft und Transparenz angeht, bin ich einverstanden; in puncto verlässliche Fakten, zwischenmenschliches Vertrauen und rechtskräftige Übereinkünfte weniger. Da hat das Geschäft von Angesicht zu Angesicht doch noch immer Vorteile.
    (11.) Okay! Dem ist nichts hinzuzufügen.
    Jetzt sehen Sie vielleicht, wieso ich zunächst enttäuscht war nach dem ersten Lesen Ihres Posts. Statt „11 Fragen und 0 Antworten“ hätte es besser „0 Fragen und 11 Antworten“ heißen müssen. Aber durch die Diskussion mit Ihnen und Ihren Lesern wird ja vielleicht noch ein Schuh draus.
    Freundliche Grüße!

    Jochen Adler

    Juni 22, 2012 at 4:39 am

    • Hallo Herr Adler,

      vielen Dank für die ausführlichen Kommentare! Meist liegt die Wahrheit in der Mitte zwischen den Extremen, wobei disruptive Entwicklungen a la longue meist übersehen werden. Der beste Spruch von Bill Gates ist nicht der: Wir brauchen Banking, aber keine Banken – sondern der hier: Kurzfristig überschätzen wir das Internet, langfristig unterschätzen wir es in seinen Wirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft.
      Deshalb @1-11: Menschen zu vertrauen ist genauso riskant wie Maschinen.

      Beides sind komplexe Systeme. In meinem Buch „Die Bank sind wir“, das Sie gelesen haben sollten, um das Thema kollektive Schwarmintelligenz auf den Finanzmärkten konzeptionell fundiert einordnen zu können, beschreibe ich die schwierige Gratwanderung. Zugespitzt: Beim Geld fängt die Freundschaft an, aber sie hört auch manchmal dort auf (beruflich wie privat).

      Die lessons learnt ist die für die Banken: Der Finanzberater muss aus Kundensicht beraten, nicht aus dem Interesse der Bank, das ist selten der Fall, Sie können mir glauben, ich habe einen sehr guten Überblick. Wenn es ein fairer Deal ist, dann okay…. aber ich sehe die Branche weiter auf dem Rückzug, die Interessenlage zwischen Kunde und Bank ist einfach zu konträr.

      Wo es sicherlich jenseits der Standardprodukte noch Potential gibt, sind z.B. komplexere Finanzierungen, wo der persönliche Kontakt tatsächlich einen größeren Mehrwert erbringt (für beide Seiten) als es das Netz selbst in aggregierter Form spiegeln kann.

      Dessen Potentiale sind aber längst noch nicht ausgereizt: Vielleicht beteiligen sich ja noch mehr Leser daran, was das Netz leisten kann und was nicht, und was der Berater leisten soll und was nicht?

      Noch eine letzte Anmerkung: Ich rege meine Leser gerne dazu an, dass sie kreativ assoziieren – jenseits des Mainstreams (wie beim Herdentrieb an der Börse, der liegt immer falsch). Deshalb wundere ich mich, dass man in Deutschland offenbar eine Frage nur als Frage erkennt, wenn hoch amtlich geprüft ein Fragezeichen dahinter steht. Blicken wir doch ein bisschen über den schematischen Tellerrand hinaus …

      Lothar Lochmaier

      Juni 22, 2012 at 7:04 am

  9. Stimmt total – das Q110 ist schick anzusehen, am Ende ist es aber doch eine ganz normale Bankfiliale, nur halt mit schicken Möbeln und einem Kaffee. Geldautomaten, Beratung etc. – alles wie gehabt und nix neues.

    Daniel

    Juni 26, 2012 at 9:17 am

    • Hallo Herr Bödger,
      klar, das kann nicht der Anspruch einer Deutschen Bank sein. Aber es fehlt hier wohl an Kreativität und Mut… in Deutschland geht man immer auf „Numero sicher“. Je mehr das Wort Innovation benutzt wird, umso weniger wird es praktiziert.

      lochmaier

      Juni 26, 2012 at 9:22 am

  10. Aber gerade im Q110 könnte man doch wirklich neue Methoden, Ideen, Verfahren austesten, denn genau dafür ist diese Filiale doch da. Ich denke da an digitale Produktberatung usw.

    Daniel

    Juni 26, 2012 at 9:49 am

    • … digitale Produktberatung? bedeutet einen Macht- und Kontrollverlust einzugehen, um den Prozess stärker von top down auf bottom up umzustellen, wird die Bank, (fast) egal welche niemals freiwillig eingehen. Erst wenn der Bürger die klare Richtung vorgibt…

      lochmaier

      Juni 26, 2012 at 11:04 am

      • Stimmt genau – nur dieses Problem haben viele regionale Banken wie Sparkassen oder Volksbanken schon seit längerem und wie wird darauf reagiert? Man versucht den Online Markt schlecht zu machen, anstatt sich ihm zu widmen. So werden immer wieder Stellen in regionalen Banken gestrichen, anstatt ENDLICH auf den Kunden einzugehen und neue Wege einzuleiten. Das geht so lange gut, bis auch der letzte Kunde „weggestorben“ ist. Ja das ist explizit so gemeint.

        Daniel

        Juni 26, 2012 at 1:18 pm

  11. […] Die Versuche das Vertrauen zurück zu erobern sind zahlreich. Was aber einige Banken mit bestimmten Aktionen zu bewältigen versuchen, ist nicht mehr auf diese Art zu bewältigen. Beispielsweise Q110 . Dabei wird es in einer Filiale der Zukunft…Moment…Filiale? „Warum aber werden in den kommenden Jahren von den derzeit – glaubt man offiziellen Statistiken – rund 24.000 Bankfilialen in Deutschland, bis zum Jahr 2020 die Hälfte verschwinden? Klar, weil es wenig Sinn macht, eine hoch getunte Filiale wie die Q 110 aufzusuchen, deren Charme irgendwo in einer hybriden Erlebniswelt zwischen Ikea-Kindergarten, McDonalds, einem Drei-Sterne-Restaurant und einem Kinder-Forschungslabor, und nicht zu vergessen, einem Tschibo-Einkaufsladen stecken bleibt.“ – Lothar Lochmaier in seinem Artikel : Q 110: Die Zukunft der Bankfiliale? 11 Fragen und 0 Antworten […]

  12. Sowohl Beitrag als auch Kommentare verursachen bei mir eine Steiegrung der Übelkeit, die sich bei Betrachtung des DB Quatsch 110 Videos einstellt. Sich überhaupt Gedanken zu machen um die kleine Spielbrosche der Marketingabteilung eines Finanzkonzerns, um sie dann auch noch zu verbinden mit einer kritisch sinnstiftenden Diskussion? „Ich kann garnicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte.“

    Kritische Schwafler aller Länder, peinigt Euch.

    Stefan Thurn

    Juli 21, 2012 at 8:32 am

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