Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Energie(w)ende: 16 Sklaven auf einer Galeere müsst Ihr sein

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Nur wenn Menschen gemeinsam in eine Richtung rudern, fühlen sie sich im selben Boot. So auch bei der Energiewende, deren einjähriges „Jubiläum“ ich kürzlich im Berliner Wirtschaftsministerium miterlebt habe. Als Berichterstatter fragt man sich manchmal, was soll man dazu noch schreiben, wenn alle in eine andere Richtung navigieren.

Sogar unser Bundespräsident findet die Energiewende toll, warnt aber vor zu viel Planungswirtschaft. Nachtigall, icke hör dir trappsen, sagt der Berliner Volksmund dazu. Einige sehen das Vorhaben als schwieriger an als die erste Mondlandung, oder die Wiedervereinigung. Kann sein, denn Menschen sind schwerer zu bewegen als ein Raumfahrzeug.  

Im Prinzip ist ja alles klar, Atomkraft nein danke, Kohlekraft ade, Erneuerbare Energien vorwärts! Das Problem in Deutschland. Es gibt 16 Bundesländer, also gibt es 16 Energieminister in Deutschland. Da hilft auch der Ruf nach dem starken Mann im Staat, einem Art Überenergieminister nicht wirklich weiter.  So viel überschüssige Energieproduktion hatten wir ja schon mal in den dreißiger Jahren.

16 Länder, 16 Energiefürsten – Umweltminister Peter Altmaier darf den Scherbenhaufen seines Vorgängers zusammen kehren und durch die Provinz touren, um die Landesfürsten nun von einem konzertierten Vorgehen zur Energiewende überzeugen. Foto: Lothar Lochmaier

Deshalb braucht es tatsächlich einen pragmatischen Lösungsansatz, um unterschiedliche Interessen zu koordinieren. Die einen wollen die Solarenergie weiter fördern, obwohl uns die Chinesen ordentlich mit Billigprodukten einheizen. Die anderen sind für die Windenergie, obwohl gerade Windparks auf dem Wasser extrem schwierige und teure Investitionsvorhaben darstellen.

Und dann gibt es natürlich noch die ewig Gestrigen. Das muss nicht immer die Atom- oder Kohlelobby sein.

So sieht sich Bayern als energieautarke Region, möchte also am liebsten ganz allein auf einer Insel der Glückseligen leben, ganz auf Basis der erneuerbaren Energien. Von 16 Bundesländern sind acht Energierebellen, die anderen acht haben hoch fliegende Träume, sie möchten 200 oder 300 Prozent Strom aus Erneuerbaren wieder ins Stromnetz einspeisen, sprich an die anderen verkaufen.

Es ist wie beim Betreuungsgeld. Wer zuhause bleibt, kriegt am meisten Geld nach geschmissen. Deshalb sage ich: Werdet 16 Sklaven, die auf einer Galeere gemeinsam rudern, dann spürt ihr den rauen Wind, der demjenigen entgegenbläst, der tatsächlich versucht, neue Horizonte aus eigener Kraft zu erreichen und zu gestalten.

Wer sich mit dem Themenfeld, Wachstum und Nachhaltigkeit intensiver befassen möchte, dem empfehle ich die umfangreiche ARTE-Dokumentation „Endstation Fortschritt“, die, wenngleich mit etwas Pathos angereichert, zahlreiche Anregungen enthält, wie sich Wachstum, Fortschritt und Nachhaltigkeit verbinden ließen. Die aufwändige kanadische Doku ist unter anderem von Martin Scorsese koproduziert.

Teil II +++ Teil III +++ Teil IV +++ Teil V +++ Teil VI

Mehr Infos zum Film gibt es auf der Seite Survingprogress.

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Written by lochmaier

Juni 13, 2012 um 6:03 am

Veröffentlicht in Uncategorized

2 Antworten

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  1. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, wenn der eine Regierungspartner (gelb) die Solarförderung nach neuesten Meldungen sogar ganz stoppen will, die Windförderung aber deutlich ausbauen will – wer kann denn große Windparks (vor allem Offshore) finanzieren? Richtig, die großen Konzerne. Die dann auch die Förderung kriegen …
    Einigkeit sind anders aus. Schade.

    Anette Rehm

    Juni 13, 2012 at 6:56 am

  2. Hallo Frau Rehm,
    der Teufel steckt tatsächlich im Kleingedruckten, da wo es ernst wird mit den Lippenbekenntnissen. Je nach Interessenlage wird der Idealismus dann halt theoretisch fundamentiert. Wieweit die deutsche Solarindustrie sich tatsächlich behaupten kann, aber auch die extrem kostenintensive Offshore-Industrie (man denke an den Enercon-Gründer und Windpionier, der seit Jahren davon nichts wissen will) wird man sehen. Staatliche Steuerungsmaßnahmen allein werden es hier ebenso wenig richten, wie der sogenannte „freie Markt“. Siehe dazu auch mein Beitrag in den VDI nachrichten:
    http://www.vdi-nachrichten.com/artikel/Laender-bremsen-Netzintegration-und-Ausbau-auf-nationaler-Ebene/59104/1

    lochmaier

    Juni 13, 2012 at 9:03 am


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