Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Schattenbanken: Wie reguliert man Social Lending,P2P-Kredite, Crowdfunding und Crowdinvesting (zu Tode)?

with 2 comments

Vor einem Jahr begann ich an meinem Roman Schattenbanken zu arbeiten. Er beinhaltet die kreative Aufarbeitung eines vermeintlichen Randthemas, das plötzlich populär geworden ist. Die Medien greifen das geflügelte Schlagwort mittlerweile gerne auf, wobei meist nicht klar ist, wo die Fronten zwischen „Gut“ und „Böse“ denn genau verlaufen. Deshalb tut eine sachliche Diskussion not, zu der mein Buch einen Beitrag leisten soll.

Schattenbanken

Zum Download des ebooks einschließlich einer 20-seitigen Leseprobe geht es hier: 

Schattenbanken (pdf-Format)

Und auf iTunes (optimiert für das iPad) finden Sie das Buch hier.

Was sind Schattenbanken? Die Staatengemeinschaft, Finanzindustrie? Peer-to-Peer-Plattformen, Steueroasen – oder der Bürger als der letzte auszuhebelnde menschliche Rettungsschirm? Das Handelsblatt hat dazu ein ausführliches Interview mit der neuen BAFIN-Chefin Elke König geführt. Der Tenor: Wir können uns mit der Regulierung keine Zeit mehr lassen. 

Am Pranger stehen vor allem die Hedge-Fonds, deren Renditegier gebrandmarkt wird. Oder Länder wie Spanien, die eine extreme Immobilienblase in Kauf genommen haben, mit dunklen Bilanzen in den „Bad Banks“, für die nun irgendwie der Bürger grade stehen soll. Doch ganz so einfach sollte man es sich nicht machen. Es wird nie ein perfektes Risikomanagement geben, wie Elke König auch einräumt.

Vor allem sollte jeder selbst nachdenken, welchen Part er in dem großen Spiel ganz unten in der Verwertungskette spielt, statt nur immer mit dem Finger auf andere zu zeigen. Das ist eingängig, populistisch, verfehlt aber den Kern der Sache. Unten deshalb verweise ich hier noch einmal auf meine etwas komplexere Definition zur vielschichtigen Welt der Schattenbanken.

Was ich gleichwohl glaube, siehe dazu den ausführlich recherchierten Artikel zum Status Quo im Handelsblatt: Reich der Schattenbanken steht auf der Kippe , ist dass es so nicht mehr weiter gehen wird. Die Regulierungskeule wird kommen, und wer auf irgendeiner schwarzen Liste steht, muss auch einen gravierenden Imageschaden, evtl. sogar eine geschwächte „Bankmarke“ fürchten.

Hier fasst das Handelsblatt – noch etwas hölzern im Stile der ARD Tagesthemen in der direkten bildlichen Leseransprache – das Thema in 99 Sekunden zusammen.

Wird es die Richtigen treffen, oder wird in der allgemeinen Regulierungswut das Kind gleich mit dem Bade ausgeschüttet, lautet abschließend die spannende Frage ….?

Das Handelsblatt wirft hier, wie fast alle anderen Medien und (selbst ernannte) Experten auch, Äpfel und Birnen ziemlich wild durcheinander. In der Diskussion stehen folgende „Schattenbanken“:

– Zweckgesellschaften, die mit Hilfe strukturierter Produkte arbeiten und dabei hohe Risiken eingehen,

– Wertpapierhändler, die mit Sicherheiten an den Märkten handeln,

– Hedge-Fonds, die dieses Jahr 2,3 Billionen Dollar zusammenbringen,

– Geldmarktfonds, die weltweit rund fünf Billionen Dollar verwalten,

– Versicherer, die mit ihren Langfristverpflichtungen handeln,

– Konzerne wie General Electric oder Siemens, die eigene Banken betreiben,

– Immobilienfinanzierer,

– Kreditnetzwerke, die Geld einsammeln und über das Internet verleihen.

Quelle: handelsblatt.com

Auch alternative Kreditplattformen (Social Lending und Crowdfunding bzw. -investing) wären demnach in die „böse“ Finanzkaste einzusortieren. Es lebe die Anarchie. Bleiben wir aber seriös. Doch schon signalisiert das Wirtschaftsorgan Entwarnung.

Denn P2P-Lending ist nicht per se böse oder schlecht, weil frisches Blut fließt, wie sich in Deutschland an der gerade frisch gestarteten Plattform United Equity ablesen lässt, die neben Creditreform wohl auch und vor allem in der Abwicklung mit der Fidor Bank kooperieren wird. Eine Liste aller Partner kann hier eingesehen werden. (Update am 10.06.: Die folgenden Links unter United Equity sind derzeit bis zum offiziellen Startschuss in wenigen Tagen wieder inaktiv, siehe Leserkommentar unten).

Es soll unter anderem bei United Equity auch ein Crowdrating direkt durch die Nutzergemeinde geben. Demzufolge sind 100 Bewertungen die Mindestzahl, damit Unternehmen  überhaupt auf der Plattform finanziert werden, bzw. ihr Angebot erst einmal dort einstellen können. Mal sehen, ob diese Kalkulation aufgeht.

Weitere Infos zu diesem neuen Crowdinvesting-Marktplatz erhalten Leser über diesen Zugang. Damit würde, sofern es United Equity gelingt, was leider noch nicht ersichtlich ist, die magische Schallmauer von 100.000 Euro via Bafin-Lizenz zu überwinden, ein gewichtiges Pfund ins Rennen geschickt. Und somit dürfte das Rennen zwischen Bergfürst und vielleicht noch ein bis zwei weiteren Spielern eröffnet sein. Denn am 15. Juni startet mit www.devexo.de der nächste Vertreter dieser neuen Spezies.

Der Markt ist also prinzipiell da, neue Modelle auch, aber der Verbraucher ist in seinem Verhalten recht träge. Und neue Ideen müssen andererseits ebenso wachsen und reifen, bis sich die Guten von den weniger Guten absetzen. Schließlich aber arbeiten jetzt ja viele namhafte Ex-Banker bei neuen sozialen Kreditplattformen wie Zopa (als Social oder Peer to Peer Lending bezeichnet). Können diese Augen wirklich lügen?

Das ist leider nicht immer ganz klar. Deshalb ist jenseits der Schattenbankenthematik eine intensive Diskussion um die neuen Geschäftsmodelle sehr zu begrüßen, die etwa via Gründerszene mit Blick auf die rechtliche, inhaltliche und strategische Analyse neuer Geschäftsmodelle beim Crowdinvesting bereits hier stattgefunden hat.

Machen wir die Frage mit Blick auf das Crowdfunding mal konkret: Denn der Rechtsanwalt Ferner fordert auf seinem Blog in einer interessanten Analyse des Rahmenwerks: Rechtliche Beziehungen der Nutzer auf deutschen Plattformen , die Betreiber wie Startnext, Pling, Inkubato und Co. mögen doch bitteschön eine BAFIN-Lizenz erwerben, um ihr Modell auf eine saubere Grundlage zu stellen.

Ich kann den obigen Beitrag nur jedem ans Herz legen, denn daran wird deutlich, wie sehr der Teufel im Detail steckt, weshalb wir die Welt der Schattenbanken möglichst ganz ohne Schwarz-Weiß-Malerei betrachten sollten. Oder um es mit den Worten von BAFIN-Chefin Elke König zu sagen: Die letzten Verästelungen, was Schattenbanken sind und was nicht, können wir uns tatsächlich sparen.

Fazit: Aber letztlich lebt ja eine wohl genährte ganze Berater- und Regulierungsbranche davon, den kleinen aber feinen Unterschied zwischen Schatten- und Lichtbanken uns akademisch-mathematisch exakt zu ermitteln. Auch dieser Berufszweig könnte so gesehen ein nahezu unsichtbarer Bestandteil unserers global verzweigten Schattenbankensystems sein.

Advertisements

Written by lochmaier

Juni 9, 2012 um 6:58 am

Veröffentlicht in Uncategorized

2 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Lieber Herr Lochmaier,

    Sie können uns glauben, dass wir dem Start von United Equity genauso entgegenfiebern, wie Sie! 🙂
    Gleichzeitig möchten wir mit einem wirklich runden, innovativen und auf dem Markt bisher einzigartigen Konzept starten, auf dem genau das Crowdinvesting-Erlebnis geboten wird, das die Nutzer verdienen.

    Geben Sie uns deshalb bitte noch ein paar Tage Zeit.

    Viele Grüße aus Köln
    Raphael Otten
    United Equity

    United Equity

    Juni 9, 2012 at 7:58 am

  2. Vieles bedarf keiner Regulierung, es sei denn, wir wollen uns, wie im Titel angedeutet zu Tode regulieren. Speziell im Bereich Crowdfunding/Crowdinveting ist der Wunsch nach Regulierung am Zweck vorbei! Außerdem müsste dazu genau geregelt werden, was als Crowdfunding/Crowdinvesting gilt. Davon sind wir noch weit entfernt!

    Tschesche

    Oktober 27, 2012 at 10:47 am


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: