Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Schufa: Wenn Facebook die Kreditwürdigkeit bestimmt – und warum die Movenbank doch keine so gute Idee ist

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Gestern hat das Thema „Schufa-Eintrag und Facebook“  hohe Wellen geschlagen. Als ich die erste Pressemeldung in den Händen hielt, habe ich sofort beim Projektpartner HPI in Potsdam nachgefragt und leider nur eine ausweichende Antwort erhalten. Denn es ist natürlich ziemlicher Blödsinn, aus sozialen Netzwerken die Kreditwürdigkeit von Menschen ableiten zu wollen. In diesem Sinne ist auch die von Brett King initiierte Movenbank keine gute Idee.

Schufa fährt mit Facebook-Projekt gegen die Wand, titelt die CIO. Mittlerweile hat sogar der IT-Verband BITKOM Stellung dazu bezogen:

BITKOM hat sich zu einem Forschungsvorhaben der Schufa geäußert, bei dem es um die Gewinnung von Daten aus dem Internet und sozialen Netzwerken geht. BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf sagte dazu: „Nicht alles, was technisch möglich ist, sollte in die Praxis umgesetzt werden. Das Durchforsten von sozialen Netzwerken nach Informationen, die Rückschlüsse auf die finanzielle Leistungsfähigkeit erlauben, würde viele Internetnutzer zu Recht verunsichern. Wir sollten alles unterlassen, was das Vertrauen in das Internet beschädigt. Es wäre klug, auf manche Gedankenspiele zu verzichten. Die Menschen wollen sich frei und ungezwungen im Web bewegen. Diese Freiheit müssen wir erhalten und gleichzeitig immer wieder darauf hinweisen, dass man mit persönlichen Informationen im Internet sehr bewusst umgehen sollte.“

Quelle: BITKOM

In der Tat, auch ich halte das Forschungsprojekt für eine mehr als naive Schnapsidee. Man sollte von vorne herein ganz die Finger davon lassen. Und damit sind wir beim Thema. Spannend ist ja auch, woher solche Ideen kommen, es gibt ja schon gewisse Vorbilder in den USA, und welche Absichten sich dahinter verbergen, neue Geschäftsmodelle für die Finanzindustrie beispielsweise.

Genau darum geht es der Schufa, die ebenso blauäugig  wie die SAP-Jungkaderschmiede von Hasso Plattner – das HPI – in das Thema hinein gelaufen ist. Es geht ums Geld. Um viel. Auch SAP hat hier klare Interessen, es geht nicht um ein unverbindliches Forschungsprojekt, nach dem Motto, mal schauen, was dabei rum kommt. Schon mal was von SAP-HANA oder der In-Memory-Technologie gehört? Nein, dann lesen Sie meinen Printartikel in der Fachzeitschrift „die bank“ zur Business Intelligence – Daten machen mobil.

Das Auswerten von Informationen, Datamining in sozialen Netzwerken, wird sich ohnehin massiv verstärken, auch ohne derartige Forschungsprojekte. Und die Schufa will und wird den Banken definitiv ein neues Gebührenmodell aufpropfen, indem man eine weitere Dienstleistung aus der Taufe hebt, warum also nicht in Facebook und Co. nachschauen, was der potentielle Kreditnehmer alles so treibt oder in seinem Leben getrieben hat.

Wird meine Kreditwürdigkeit besser oder schlechter, wenn ich schon mal eine exzessive Party gefeiert habe?

Erhalte ich einen höheren Sklavenkredit, wenn ich nachweise, dass ich ein armer Schlucker bin, der keine wirklich wichtige Person in seinem Freundeskreis versammelt hat?

Fragen über Fragen …. aber keine Antworten. Ein erfolgreicher Selbstständiger erhält kaum einen Kredit, während ein Geringverdiener (Hauptsache sicheres Einkommen) gerne mal einen Sklavenkredit in Anspruch nehmen kann. Der Kreditscore der Banken ist vom vor vergangenen Jahrhundert.

Daran wird auch die von Brett King, einem der Vordenker zur Bank 2.0, ins Leben gerufene Movenbank nichts ändern, die bald an den Start gehen soll. Moven Bank moves Industry closer to Social Media Credit Score, titelte leadgenerationformular im Januar.  Ein Auszug:

It has grown a scoring product called CRED that combines normal scoring elements and a consumer’s amicable media “street credibility.” This includes such metrics as a customer’s timeliness in profitable bills and bent to have disastrous balances, as good as station in amicable networks, and a ability to pointer adult friends for a bank. “If we introduced 20 friends, we competence supplement 25 basement points to a saving account, or offer giveaway p-to-p transfers,” Brett King, owner and authority of MovenBank, and a author of Bank 2.0, told American Banker.   

Source: leadgenerationformula.com

Das wäre sicherlich einen weiteren Hintergrundartikel wert: Facebook und die Schufa –  wenn die soziale Kreditwürdigkeit Schule macht. Ich finde das Ganze schlicht gesagt, Bullshit, in diesem Fall bin ich ausnahmsweise mal penibler Deutscher und nicht dem marktliberalen Modell versklavter Kapitalist.

Meine Kunden- und Nutzerdaten gehören weder der Schufa noch der Movenbank, die nur auf der Mode(l)welle surfen, um damit Kohle bei Dritten zu machen.

Update (16.40 h): Das HPI in Potsdam gibt bekannt, dass es sich von dem Schufa-Projekt wieder zurück ziehen will: Angesichts mancher Missverständnisse in der Öffentlichkeit über den vereinbarten Forschungsansatz und darauf aufbauender Reaktionen könne ein solches wissenschaftliches Projekt nicht unbelastet und mit der nötigen Ruhe durchgeführt werden.

> So kann man es auch sehen, ich persönlich halte den „Gamification“ Ansatz in der Bankenwelt 2.0 für überbewertet. Hier kollidieren massiv wirtschaftliche Interessen zwischen Nutzer, Dienstleister und Bank.

Ich sehe das gar nich einmal durch die deutsche Brille eines übertriebenen Sicherheitsbewußtseins und psychotisch betriebenen Datenschutzes. Die volatile Stimmung an künftigen Finanzmärkten versucht auch die Plattform http://www.Marketbaro.de mit Gamification-Ansatz zu verknüpfen, hier dürfen die Nutzer über Stimmungen am Kapitalmarkt voten. Also ein echtes „Börsenparkett-Stimmungsportal“.

Ob dies und vieles anderes angesichts der konsequenten Integration sozialer Netzwerkmechanismen in die neue Finanzwelt ohne Schmerzensgeld für die Betroffenen abgeht?  Bilden Sie sich selbst Ihre Meinung.

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Written by lochmaier

Juni 8, 2012 um 7:56 am

Veröffentlicht in Uncategorized

2 Antworten

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  1. […] Schufa: Wenn Facebook die Kreditwürdigkeit bestimmt ich kann das Vorgehen der Schufa verstehen ————————————————————————— Banken […]

  2. @Schufa: Sie mag notwendig und legitim sein, aber hier geht es um die Nutzer und um SAP. Die Rechte der Nutzer sind speziell zu designen in Social Networks, und SAP hat handfeste Verkaufsinteressen (HANA und In-Memory), zwar auch legitim, aber eine weitere cash cow, von der die Nutzer nichts haben, außer dass sie sich für Dritte monetarisieren lassen. Deshalb: Dataming via Facebook gibt es längst und man kann es auch ohne Forschung betreiben.

    lochmaier

    Juni 11, 2012 at 7:01 am


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