Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Facebook goes Loyal: Wie hoch „liken“ Nutzer das soziale Netzbetriebssystem?

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50 Milliarden Euro? 100 Milliarden Euro? Oder noch mehr? Genau solche Summen werden derzeit wie reife Zitronen gehandelt, da der Börsengang von Facebook im Frühjahr ansteht. Fest steht vor allem eines: Es wird ein exzellentes Geschäft für die beteiligten Banken mit dreistelligen Millionen-Provisionen. Der Anleger selbst sollte besser die Finger von dem Papier lassen – auch wenn manche nun schon via neues „Like-Programm“ von Loyal3  – zufällig und ausgerechnet vor dieser spektakulären Erstnotierung – das neue Zeitalter der Mitmach-Aktien via Facebook-Platzierung ausrufen.

Manche Nachrichten landen nicht gerade zufällig zu einer bestimmten Zeit in der Runde. Wer Aktien nach dem Motto „Gefällt mir“ kauft, der kann in der Regel damit bestimmt nicht erfolgreich sein. Denn dazu braucht es viel Zeit zum Nachdenken, man sollte einige Grundlagenwerke in der Fundamental- und Chartanalyse gelesen haben, bevor man überhaupt in die Nähe der Chance kommt, beim Aktienhandel erfolgreich zu sein. Nun scheint Facebook auch dieses Gesetz der börsennotierten Schwerkraftbildung auszuhebeln. 

Nun auch das noch, berichtet – hier ein Auszug – die Süddeutsche Zeitung:

Ein US-Start-up möchte die Kundenbeziehungen in dem sozialen Netzwerk nun auf eine neue Stufe heben. Die Idee von Loyal3: Fans einer Marke sollen Anteile des Unternehmens direkt auf Facebook kaufen können. Ohne Gebühren, ohne komplizierte Finanzmathematik, ohne Bankberater. Kleinste Anteile in Werten ab zehn Dollar sollen handelbar sein. Von Juni an, so verkündete das Unternehmen, soll das funktionieren. 

Quelle: sueddeutsche.de

Hier eine kleine Videodemo zu diesem Projekt:

Weitere Artikel zu der nicht gerade geringen Presseresonanz von Loyal3 auch hierzulande finden sich auf FTD oder via Schweizer Plattform Cash. Nachdem die Leitmedien weitgehend unkritisch den Spielball aufnehmen, findet man etwa auf dem Blog Börsenlounge auch kritische Einwände, etwa in punkto Datenschutz. Bleiben wir aber, statt diesem Hype vorschnell zu fröhnen, lieber erstmal beim potentiellen „Börsenlike“ zum Original.

Warum der Anleger von der Facebook-Aktie lieber fern bleiben sollte, beschreibt Investorsinside: Zu hohe Bewertung, die durch keine Fundamentaldaten gerechtfertigt sei –  und der Trend zu spezialisierten Netzwerkumgebungen, der möglicherweise eine fragmentierte Anbieterlandschaft begünstigt. Als da neue spezialisierte Wettbewerber auf dem Plan stehen, wie z. B. Path, Social Swarm oder whosay.com.  

Das Gewinnwachstum hat sich ausgerechnet vor dem Börsengang deutlich verlangsamt. Also wird Facebook doch nicht wie Microsoft in der Bürosoftware oder Google bei den Suchmaschinen das „Betriebssystem des sozialen Netzwerkszeitalters“, wie ich es vor einem Jahr beleuchtet hatte? Denn auch andere Blogs wie beispielsweise bei Tim Schäfer nachzulesen, sagten schon vor einigen Monaten: Finger weg! Handelt es sich tatsächlich um einen Social Media Wahnsinn?

Meine Antwort lautet vielschichtig: Ja und Nein. Einerseits hat Facebook seinen festen Platz in der interaktiven Netzwelt gefunden, aber es hat längst nicht, wie eben eine Microsoft oder ein Google-Imperium, ein klar funktionierendes Geschäftsmodell. Denn die Nutzer lassen sich nicht so einfach monetarisieren wie die umher irrrende Bürokuh auf der grünen Microsoft- oder Googlewiese. Gerade der Datenschutz und die Orientierung am Mainstream stärken deshalb neue Nischenmodelle, bei denen die Nutzer über deutlich mehr Autonomie und Gestaltungsspielraum verfügen.

Deshalb: Passen Sie gut auf Ihr Geld auf! – Und hören Sie sich noch einmal den Börsenkommentar von meinem alter ego Dr. Spar vor gut einem Jahr an. Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie bitte nicht ihren Finanzberater, insbesondere dann nicht, wenn dieser von einer der beteiligten Konsortialbanken am Börsengang stammt – und allen anderen Interessengruppen, die nur allzu durchsichtig an diesem Hype mitverdienen wollen. 

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Written by lochmaier

Mai 2, 2012 um 8:18 am

Veröffentlicht in Uncategorized

3 Antworten

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  1. Wenn ich mich richtig erinnere, waren die Argumente beim Google Börsengang ähnlich und im Nachhinein haben es viele bereut, nciht dabei gewesen zu sein…

  2. Mag sein, aber da gibt es einen Haken, nur wer antizyklisch investiert, macht das Rennen, bei Google waren die Zahlen zudem ganz andere als derzeit bei Facebook, da ist also schon reichlich Fantasie enthalten. Würde ich erstmal beobachten… aber nicht in der ersten Reihe sitzen wollen…

    lochmaier

    Mai 3, 2012 at 9:43 am

  3. …Denn dazu braucht es viel Zeit zum Nachdenken, man sollte einige Grundlagenwerke in der Fundamental- und Chartanalyse gelesen haben, bevor man überhaupt in die Nähe der Chance kommt, beim Aktienhandel erfolgreich zu sein… Ich möchte an dieser Stelle gerne mal wieder an das Experiment mit dem Affen erinnern, der via Dartpfeil „investiert“ hat und im Schnitt besser abschnitt
    (zum Facebook Aktienkurs muss man glaub ich nix mehr sagen 😉

    Martin Burch

    Juni 7, 2012 at 5:14 pm


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