Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Crowdfunding in der Cloud: Zwischen Euphorie und Blasenbildung

with 3 comments

Der Hype hält an. Das Thema hat mittlerweile den „Massenmarkt“ erreicht. Unterschiedliche Modelle und Marktsegmente kristallisieren sich heraus, zwischen Crowdfunding, -investing und -financing. Dies wirft die Frage auf, ob wir aus der Mitte der Finanzindustrie heraus neue Kandidaten am Start sehen, die eher zur Blasenbildung beitragen, als eine originäre neue Lösungsvariante darzustellen, die den Nutzer und das zu finanzierende Projekt wirklich in den Mittelpunkt stellt. 

Das immense Potential der Crowdfunding-Revolution von unten beschrieb US-Ökonom Robert J. Shiller vergangene Woche in der New York Times: Democratize Wall Street, for Social Good.  Genau darum geht es, neue Möglichkeiten aufzuzeigen, mit Hilfe der kollektiven Schwarmintelligenz die Geldströme möglichst punktgenau in die richtigen Zielfelder zu lenken. Aber wo liegen diese?

In den USA scheint sich allmählich die Erkenntnis durchzusetzen, einerseits den noch jungen Markt zu regulieren und bestimmte Bedingungen an die professionellen „Crowdfunder“ zu stellen, andererseits das Potential nicht durch allzu harte gesetzliche Regularien zu bremsen.

Wie Robert Shiller  ausführt, geht es dabei neben der grundsätzlichen Demokratisierung der Finanzmärkte auch um das zielgerichtete Platzieren von Geldern in die Förderung von „small business loans“ und anderen vermeintlich als Nischenmärkte abqalifizierten Operationsgebieten.

Bevor wir mit Blick auf Deutschland genauer ins Detail gehen, was von dieser aus Amerika gestarteten Euphoriewelle übrig bleibt, zu diesem Beitrag eine weitere  Vorbemerkung: Weder geht es hier darum, eine an sich sehr begrüßenswerte Entwicklung zur Finanzdemokratie 2.0 (s. mein Sachbuch Die Bank sind wir, in dem ich neue internetbasierte Geschäftsmodelle ausführlich beleuchtet habe) durch besserwisserische Mäkelei zu zerreden. Es kann aber auch nicht sein, jeden Newcomer gleich vorschnell als den ultimativen Heilsbringer in den Himmel zu loben.

Die Aufgabe meines Blogs und meiner Arbeit besteht also darin, jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei den Blick zwischen den Extremen Euphorie und Blasenbildung zu schärfen. Wer den unzähligen neuen Spielvarianten von Crowdfunding offen gegenüber steht, ohne jedoch den eigenen Verstand und das kritische Denkvermögen am virtuellen Empfangstresen abzugeben, der findet dazu am 4. Mai die perfekte Welle, und zwar auf der Subkonferenz zur re:publica, der Cofunding.

   

Zum Programm der cofunding, die den Status Quo einer von lebendigem Aufbruch geprägten Szene beleuchtet, geht es hier. Ich selbst werde an einer Diskussionsrunde teilnehmen. Thema sind denkbare Impulse der Crowdfunding-Bewegung für Finanzierungsmodelle der Zukunft. Oder noch prägnanter: Ersetzt Crowdfunding in Zukunft (teilweise?) das Kreditwesen der Banken?

Bleiben wir aber angesichts dieser schleichenden „Peanuts-Revolution“ in der Finanzindustrie auf dem Boden der Tatsachen, statt wie einige US-Gurus gleich die große Revolution an die Wand zu malen, die ungleich schwieriger zu realisieren sein wird. 

Die Start ups entdecken das Crowdfunding, titelten kürzlich die VDI nachrichten. Und in meiner eigenen längeren Zusammenschau auf heise telepolis habe ich kürzlich folgende Überschrift gewählt: Venture Capital 2.0 – Business Crowdfunding bei Startups boomt

In der Tat, hier brummt das Geschäft mit dem Venture Capital 2.0 gewaltig von unten – daran zu erkennen, dass wieder einige neue Spieler in diesem Frühjahr in Deutschland an den Start gehen. Man könnte also eilfertig die Überschrift texten: Venture Capital 2.0 greift die Banken an – oder: Die Peanuts-Revolution in der Startup-Finanzierung via Crowd setzt sich durch.

Blicken wir auf die Habenseite: Was mit der Künstlerszene begann, hat die Welt der Unternehmen erreicht, in Deutschland vor allem mit Portalbetreibern wie Seedmatch und Innovestment. Nun aber zum Haken auf dem „Gipfel der möglicherweise bereits überzogenen Erwartungen“.

Den entscheidenden Part zwischen Angebot und Nachfrage zu vermitteln, diese Schnittstelle übernimmt bei praktisch jedem Crowdfunding-Modell der jeweilige Plattformbetreiber. Dies allein schon aus rechtlichen Gründen und um für die Kompromisslösung grade zu stehen. Um Geld von A nach B zu transferieren, kommt man also um den Man-in-the-Middle „C“ nicht herum.

Lesen Sie am Mittwoch im 2. Teil dieser vierteiligen Serie: Die neue C-Klasse von Crowdinvesting formiert sich

Dritter Teil: Cloud Computing trifft Crowdfunding

Vierter Teil: Interview mit Innovestment 

Advertisements

Written by lochmaier

April 16, 2012 um 6:26 am

Veröffentlicht in Uncategorized

3 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Die Podiumsdiskussion auf der Cofunding habe ich mir notiert, bin sehr gespannt darauf. Die Beiträge hier im Blog lese ich seit längerem mit großem Interesse.

  2. Reblogged this on mdm4.

    mdm4

    April 17, 2012 at 3:47 pm

  3. […] Crowdfunding in der Cloud: Zwischen Euphorie und Blasenbildung […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: