Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Finanzindustrie 1.0: Ersetzt Social Trading das große Blendwerk?

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Die unterschiedlichen Geschäftsmodelle zum „Social Trading“ setzten die klassische Finanzindustrie weiter unter Druck. Warum, das lässt sich etwa auf dem Blog moneymeets nachlesen, einer neuen Geschäftsidee, die im Sommer starten wird. Woran es den Anbietern von Investmentfonds fehlt, keine Transparenz und „Erwartungstreue“, das lässt sich in einem bilanzierenden Artikel auf finanzen.net erahnen: Ohne Vertrauen geht es nicht

Wer den oben zitierten Beitrag gelesen hat, dem dürfte die Kernbotschaft nicht entgangen sein. Investmentfonds und den Anbietern fehlt es an klar definierten „Produkt- und Serviceeigenschaften“. Nähern wir uns der gar nicht so komplexen Thematik doch einmal von der bildhaften Seite, um zu verdeutlichen, was damit gemeint sein könnte. 

Wer sich indes viel von mehr staatlicher Kontrolle verspricht, der könnte am Ende herb enttäuscht werden. Denn Konstrukte wie ein Finanz-TÜV für die Produkte dürften kaum mehr als ein zahnloser Papiertiger sein, den die Finanzindustrie so elegant umschiffen wird wie ein U-Boot einen großen unflexiblen Tanker.

Andererseits dürften auch die Versuche von Banken auf das Kläglichste scheitern, die sogenannte Gruppe der Selbstentscheider aufs Neue an sich zu binden. Gerade weil diese doppelt so viel verdienen wie der Durchschnitt der Bevölkerung, werden sie genau überlegen, wem sie ihr Geld anvertrauen und wem nicht. Mit hybriden Gestaltungskonzepten und Kundentypologien kommt man deshalb nicht mehr weit.   

Ich habe einmal beispielhaft einige Graphiken zusammengestellt, die das Ausmaß zeigen, wie die großen Fonds- und Investmentanbieter die Lehren aus der Finanzkrise noch nicht einmal im Geringsten verstanden haben. Dies wird andererseits neue, nutzerbasierte Geschäftsmodelle umso stärker forcieren. Das erste Beispiel aus der Finanzindustrie 1.0: 

Quelle: deka.de

Fazit: Man kann sich hier nur wundern, denn wer sein Studium auf Basis von stark fluktuierenden Aktienfonds bestreiten möchte, der hat die erste Grundlektion nicht verstanden. Solche Werbeslogans dürften niemals zugelassen sein. Mit kleinen Hinweisen, dass deren Wert stark schwanken kann, ist es hier sicherlich nicht getan.

Das zweite Beispiel:

UniRenteAktiv

Quelle: Union Investment, Altersvorsorge 55 Plus

Fazit: Wer ab 55 Plus noch in einen provisonslastigen Renten- oder Aktienfonds einzahlt, hat grundsätzlich etwas falsch gemacht (mir werden jetzt sicher einige widersprechen, aber es gibt deutlich effizientere Strategien).

Drittes Beispiel:

Quelle: DWS, BasisRentePremium (Rubrik Rürup-Rente).

Das ganze Rürup-Rente Konstrukt zur Vorsorge von Selbstständigen dient nur seinem Erfinder, einem gewissen Herrn Rürup. Denn bei der Rürup-Rente ist nur gut versteckt in den Versicherungsbedingungen erkennbar, dass sie nicht „vererbbar“ ist. Sprich, stirbt der Einzahlende (Selbstständige), dann erhalten die Hinterbliebenen keinen Cent. Für Selbstständige, die es ohnehin gewohnt sind, Risiken in eigener Hand zu managen, also eine glatte „no-go-area“.

Bei derart offensichtlichen Konstruktionsfehlern bleibt dem Anleger nichts anderes mehr übrig, als die finanziellen Geschicke in die eigene Hand zu nehmen. Das aber wiederum dürfte auch mit gewissen Tücken und Fallstricken verbunden sein, denn es erfordert viel Zeit. Es wird hier in nächster Zeit weitere neue Geschäftsmodelle am Markt zwischen Crowdinvesting und (Corporate) Community Banking geben.

So gelang es gestern der Handelsplattform eToro, über deren Chancen und Grenzen ich schon wiederholt berichtet habe, eine neue Finanzierungsrunde mit einem Volumen von 15 Mio. US-Dollar zu starten. Über das rasante Wachstum bei eToro berichtet finanznachrichten.de.

Aber auch die alternativen Modelle aus der Welt des „Social Tradings“ müssen sich erst noch als solide Alternative erweisen – denn eines sollte mit britischem Humor formuliert sein: Das nächste große Blendwerk in der Finanzindustrie sollte nicht im Social Trading selbst liegen. Wo also liegt die Grenzlinie zwischen Schwarz und Weiß-Malerei?

Es ist erstaunlich, wie sehr die kreativen „Social Trading“ Ideen von jungen Startup-Gründern bereits auf wundersame Art und Weise in die Produktentwicklung von etablierten Online Brokern eingeflossen sind, nachzustudieren etwa am Beispiel von Cortal Consor mit dem internetbasierten Tool ihres neuen Anlageplaners.

Der Außenstehende fragt sich gelegentlich, wer sieht denn bei dieser kreativen Ampel nicht eine informelle Jamaica-Koalition zwischen rot, grün, gelb und schwarz heraufziehen? Das Fazit bei dieser hybriden Variante lautet deshalb: Es wird wohl noch so manche mehr oder (un)freiwillige Kooperation zwischen Schwarz-Grün geben.

Die Peanuts-Revolution greift an den Finanzmärkten

Dennoch, das Neue wird sich durchsetzen. Ich habe ja in meinem drei Büchern den Begriff der Peanuts-Revolution geprägt, die von unten langsam aber gewaltig um sich greift. Es braucht eine völlig neue Servicequalität der Bankenbranche, will sich diese nicht am Ende „selbst abschaffen“, nachzulesen etwa in einem interessanten Erfahrungsbericht via Bankingclub.

Ich sehe da aber – obwohl ich kein Meckerer bin – kaum Chancen, aus der Branche heraus den Turnaround zu schaffen. Mit einer schick herausgeputzten Bankfiliale ist es nicht getan, da ist jedes Internetcafe inspirierender. Auch hier gilt, wenn der stationäre Bankvertrieb den Wandel der Zeit verschläft, dann nehmen die neuen Spieler im Netz den Banken das wichtgste Glied in der Wertschöpfungkette ab, ihr „Humankapital“.

Siehe dazu auch mein Interview und Artikel zum Beschwerdemanagement 2.0 in der Fidor Bank. All jenen, die noch zweifeln, lege ich mein Buch zur Bank 2.0 mit zehn Killerapps ans Herz. Dann wird deutlich, wo wir schon in wenigen Jahren stehen. Wer schon eine Yacht und Villa hat, der braucht sich nicht mehr dafür zu interessieren (das scheinen immer noch zu viele zu sein). Für den Rest gilt: Make up your mind, sonst wird man in den hinteren Zugabteilen ganz schnell abgehängt.

All jenen, die die Zukunft unternehmerisch und ohne Produktpiraterie und Blendwerk mitgestalten wollen, sei indes Trost und Mut gespendet, in der Form, dass dier neue Welt des differenzierten Social Tradings gar nicht so untervölkert ist, wie man glaubt.

Ein „bahn brechendes“ Beispiel ist der nicht ganz so einsame hochrangige Investmentbanker Ted Tobiason von der Deutschen Bank, der über Börsengänge von jungen Technologieunternehmen aus dem Silicon Valley twittert. Darf der das? Sind das nicht sensible Infos? Verbieten das nicht die Regularien und die unternehmerische Klugheit? Meine Antwort darauf lautet: Ganz im Gegenteil. 

Mehr dazu via Businessweek: The Lone Tweeter of Deutsche Bank  

Und wer sehen möchte, wie rasch eine Peanuts-Revolution während eines gemütlichen Kinogangs nach oben skalieren kann, der sollte sich am Beispiel von Seedmatch bzw. EasyCard einen Eindruck verschaffen:

Förderland: Online-Crowdfunding durchbricht Schallmauer 

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Written by lochmaier

März 14, 2012 um 7:47 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. Moin Lothar,
    ein wieder richtig gut treffender Artikel. Er unterstreicht einmal mehr die unterschiedlichen Denkansätze zwischen alter und neuer Finanzwelt. Der disruptive Charakter der neuen Anbieter wird wohl erst verstanden, wenn es zu spät ist. Ich glaube im Payment-Bereich werden wir das zuerst sehen.

    Das Beispiel Consors lässt immerhin aufhorchen, bestätigt aber die Worte, die ich vor drei Jahren vom Fidor-Gründer Matthias Kröner in einem Blogeintrag notiert habe: “Ablehnen, kritisieren, nachmachen”
    http://www.blicklog.com/2009/06/18/next-banking-in-berlin-ablehnen-kritisieren-nachmachen/

    Dirk Elsner

    März 14, 2012 at 8:50 am


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